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Die neue Chronologie

Auf der Historikertagung 1986 in München, die das Problem der Urkundenfälschungen im Mittelalter betraf, erkannte man sehr wohl, daß die Arbeit der letzten hundert Jahre praktisch eindeutig ergeben hatte, daß fast alles gefälscht ist, was vor 1400 n. Chr. geschrieben worden war. [34]

Vieles weist darauf hin, dass nicht nur im 15. und 16. Jahrhundert an der Uhr gedreht wurde. Irgendwann in dieser Zeit begann ein neues Weltbild zu entstehen, neue Horizonte taten sich auf, nicht nur durch die „Entdeckung“ neuer Erdteile, sondern auch durch Revolutionen, die sowohl die religiösen Belange als auch neue wissenschaftliche Entdeckungen umfasste.

Schon anno 1628 werden Vorwürfe gegen das Benediktiner-Kloster Reichenau und dessen reichen Urkundenbestand erhoben. Die Hilfswissenschaft der Diplomatie entstand im 17. Jahrhundert aus dem Streit um die Echtheit von Rechtsansprüchen, doch gibt es Berichte über solche Rechtsstreitigkeiten auch im 12. Jahrhundert.

C14 Datierung

Zur genaueren Bestimmung des Alters von historischen Funden wird ergänzend die Radionkarbonmethode und die Dendrochronologie verwendet. Beide Methoden sind, wie könnte es anders sein, nicht unumstritten. Auf Politaia.org ist zu lesen.

Gerade die C14-Methode, die man für eine rein technische Prüfweise halten könnte, schnitt hierbei am schlechtesten ab, da gar zu viele Umstände die Ergebnisse verzerrten, weshalb man sie kurzerhand an der Baumringzählung eichte (»kalibrierte«), was nun zwar keine eigenständigen Daten mehr ergibt, aber doch verwertbare innerhalb der bekannten Datierungen. Wenn man nun noch weiß, daß die Baumringjahre großenteils erst durch C14-Jahre vorbestimmt wurden, dann merkt man schon, wie sich hier die Schlange doppelt in den Schwanz beißt: erst einmal, weil das gesamte theologisch erstellte chronologische System den technischen Methoden zugrunde liegt, und zweitens, weil diese technischen Methoden noch untereinander verzahnt sind. Man kann dies den doppelten Zirkelschluß der modernen Chronologie nennen (wie es Blöss und Niemitz in ihrem grundlegenden Buch 1997 taten). [35]

C14-Crash – Das Ende der Illusion, mit Radionkarbonmethode und Dendrochronologie datieren zu können  – von Christian Blöss und Hans-Ulrich Niemitz habe ich nicht gelesen, es ist leider vergriffen, dafür habe ich ein Beispiel für die „Genauigkeit“ der Methode gefunden, wie in folgendem Zitat deutlich wird:

Ein Test, der mit einer grönländischen Harpune aus Walfischknochen durchgeführt und verschiedenen Instituten zur Untersuchung eingereicht wurde, erbrachte Datierungen von 1300 Jahren bis zu 27.000. http://archiv.bruchsal.org/story/pyramiden-deutschland-vor-sintflut

Würden Sie wirklich darauf wetten, dass die Methode genau ist? Was ist mit Vulkanausbrüchen und Feuersbrünsten? Würden diese das Ergebnis der Radionkarbonmethode nicht mindestens genauso verfälschen, wie es bei der Dendrochronologie (s.u.) der Fall zu sein scheint.

Platon meint hierzu treffend und zeitlos:

die übrigen aber, denen wir zugaben, dass sie sich etwas mit dem Seienden befassen, die Messkunde und was mit ihr zusammenhängt, sehen wir wohl, wie sie zwar träumen von dem Seienden, ordentlich wachend aber es wirklich zu erkennen nicht vermögen, solange sie, Annahmen voraussetzend, diese unbeweglich lassen, indem sie keine Rechenschaft davon geben können. Denn wovon der Anfang ist, was man nicht weiß, Mitte und Ende also aus diesem, was man nicht weiß, zusammengeflochten sind, wie soll wohl, was auf solche Weise angenommen wird, jemals eine Wissenschaft sein können?“

Dendrochronologie

Wiki belehrt uns zu Dendrochronologie:

Die Dendrochronologie (von griech. δένδρον déndron „Baum“, χρόνος chrónos „Zeit“, λόγος lógos „Lehre“, „Wissenschaft“; also „Lehre/Wissenschaft vom Baumalter“) ist eine Datierungsmethode der Geowissenschaft, der Archäologie, der Kunstwissenschaft und der Dendroökologie, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden.

[…] Der Begründer der Dendrochronologie, Andrew E. Douglass, wollte anhand der Jahresringe einen Zusammenhang zwischen dem Erdklima und dem elfjährigen Zyklus der Sonnenflecken aufzeigen.[…] Jahresringe aus Jahren mit guten Wachstumsbedingungen sind breiter als solche aus Jahren mit schlechten Wachstumsbedingungen. Da für alle Bäume einer Art in einem bestimmten Gebiet die Lebensbedingungen annähernd gleich sind, weisen alle Bäume einer Art dieser Region etwa die gleiche charakteristische Abfolge von schmalen und breiten Jahresringen auf.

[…] Ganz unproblematisch ist dies jedoch nicht, da noch andere Faktoren beim Zuwachs der Bäume eine Rolle spielen, wie z. B. die Nährstoffzufuhr, die Konkurrenz durch Nachbarbäume, Beschädigungen durch Waldbrände und Blitzschlag, Krankheiten und Schädlingsbefall. Fichten sind beispielsweise sensibel bei Temperaturschwankungen, während Tannen empfindlich auf Wassermangel reagieren.

Ein entscheidender Nachteil dieser Methode scheint schon einmal darin zu bestehen, dass eine Baumprobe undatierbar ist, wenn sie zum Beispiel keinem Gebiet beziehungsweise keiner Jahrringchronologie zugeordnet werden kann oder wenn sie aus zu wenigen Jahresringen, weniger als ungefähr 80, besteht.

Das Alter von Schiffen zu bestimmen, fällt schon einmal aus, wenn man nicht genau weiß, wo die Bäume für das Schiff hergekommen sind.

Einige Kritiker der Methode, wie Gunnar Heinsohn, sprechen von mehreren Katastrophenzeiten im ersten Jahrtausend, in welcher die Baumringe nicht zählbar wären. Die letzte der Katastrophen hätte 930 geendet.

Von Irland wird vom 1. Jahrhundert v.u.Z. berichtet, dass kein Holz mehr auf der Insel für einen Brückenbau zur Verfügung stand, gleiches gilt für den Schwarzwald, der vor ein paar hundert Jahren ziemlich kahl gewesen sein muss, weshalb insbesondere Bauholz von anderen Orten geliefert wurde.

Das Katastrophenszenario

Bei Ausgrabungen unter Salzburg wurde eine 700-jährige Lücke in der Bautätigkeit festgestellt, die vom 3. – 10. Jahrhundert auftritt. In Rom sollen einst 1 Millionen Menschen gelebt haben. Wahrheit oder Fiktion? Wie auch immer, nach dem 3. Jahrhundert ist nur noch von 50.000 oder gar nur 15.000 die Rede. In dieser Zeit wurden auch die aus Ägypten herbeigeschafften Obelisken und die Äquadukte zerstört, letztere sollen seltsamerweise erst viele Jahrhundert später repariert worden sein. Wurde Rom im vierten Jahrhundert von einer Katastrophe wie einer großen Flut, Erdbeben oder den Auswirkungen eines gewaltigen Vulkanausbruch (Vesuv) heimgesucht? Und wann wurde es wirklich gegründet?

Für das Katastrophenszenario gibt es weitere Belege, die wir in den verschütteten Pyramiden Europas finden. Denn in diesen wenig bekannten Pyramiden finden sich Ablagerungen, die auf eine Schlammflut hindeuten, welche sich vielleicht nicht vor 10.000 Jahren zugetragen hat, sondern möglicherweise jüngeren Datums ist.

Für Mitteleuropa eröffnen sich somit weitere Spekulationsstränge. Die Apokalypse des Johannes könnte den Untergang Roms beschreiben. Wurde Europa vor 1.100 Jahren wirklich von einer Katastrophe praktisch in die Steinzeit zurückbefördert.? Irgendeine Kunde davon müsste uns doch erreicht haben über die Abgründe der Zeit. Anstattdessen – nichts oder nur vereinzelte Meldungen von Katastrophen, die maßstäblich nicht so recht eingeschätzt werden können. An einer Stelle vernahm ich aus Rom, dass es überflutet wurde, weil es einen Rückstau des Tibers gegeben hätte, welcher von einem steigenden Meeresspiegel zurückgedrängt worden sei.

Die greifbare Geschichte nach dem Untergang des römischen Reiches, scheint sich ansonsten aber weitab vom nördlichen Teil Mitteleuropas abzuspielen, aber das ist natürlich nur mein laienhafter Eindruck; wir hören von Kriegen, Völkerwanderungen und Völkern, die sich irgendwie assimilieren und verschwinden und von Kirchengeschichte; erstere sind extrem schlecht überliefert, weil häufig übertrieben (ein Kreuzfahrerheer oder irgend ein anderes Heer bestehend aus 100.000 Leuten, die zu Fuß über Land oder (Gott bewahre!) per Schiff ins Heilige Land oder gegen ein anderes Heer ziehen, ist extrem unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die Gesamtbevölkerung Europas damals nur einen Bruchteil der heutigen Anzahl betrug) und selten. Letzteres, also die Kirchengeschichte, ist überliefert aber oft so ausgeschmückt und tendenziös verfasst, dass an jeglichem Wahrheitsgehalt gezweifelt werden kann.

Karl der Große

Heribert Illig, Autor von Das erfundene Mittelalter und Wer hat an der Uhr gedreht, verweist in seinen Büchern regelmäßig auf Unvereinbarkeiten zwischen verwendeten Baumaterialien und offizieller Datierung der Aachener Pfalzkapelle. Beim Bau der Kapelle wurde z.B. Eisen zur Stabilisierung verwendet, womit die Aachener Kapelle rund zweihundert Jahre vor vergleichbaren Bauten in Mittelalter Eisen verwendete. Überhaupt gibt es diese vergleichbaren Bauten nicht. Man wundert sich ein wenig, wie ein so prächtiges Bauwerk ohne Vorgänger entstanden sein soll, über den angeblichen Baumeister, Odo von Metz, ist weder ein Geburtsdatum noch ein Sterbedatum bekannt.

Was mir persönlich an der Geschichte Karl des Großen auffiel, war, dass der Mann ständig unterwegs war und sich fortlaufend im Krieg mit den Sachsen befand, aber auch die Langobarden und etliche andere Stämme unterwarf. Die Geschichte ist natürlich Allgemeinwissen, wenn man in der Schule aufgepasst hat, dennoch gibt es Aspekte an Karls Siegeszug, die in der Schule nicht zur Sprache kamen.

Karl – ein Leben im Sattel

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind, es ist der Karl mit seinem G’sind … möchte man dichten, wenn man sich die Geschichte von Karls Leben einmal realistisch ansieht.

Wikipedia schreibt über den Krieg Karls gegen die Sachsen:

Sicher ist, dass dieser „dreißigjährige Krieg“ fast jährliche Kriegszüge erforderte. Auch für eine militärisch geprägte Gesellschaft wie die fränkische, in der sich der König stets als Heerführer beweisen musste und in der Beute sowie erzwungene Tribute wirtschaftlich von Bedeutung waren,[37] stellte dies eine enorme Belastung dar, schreibt Wikipedie.

Hören und staunen Sie mit mir, wie der große fränkische Herrscher, Jahr um Jahr unermüdlich im Sattel sitzt und sein unerschöpfliches und unermüdliches Heer zwischen Italien, Spanien und dem Sachsenreich hin und herziehen läßt, dieses dabei wohl versorgt und bezahlt, ohne dass zu dieser Zeit etwas über ein Münzsystem bekannt wäre.

Die Karolinger verfügten über kein stehendes Heer. Ihre Truppen wurden vielmehr nach Bedarf mobilisiert, wobei die gepanzerte Reiterei von großer Bedeutung war.

Ach ja, die gepanzerte Reiterei, die ja eine äußerst unpraktische Sache gewesen sein soll, wie man so hört. Weitere Auszüge aus Wikipedia´s aufregender Karlsgeschichte folgen, nur für den Fall. dass Sie die Details gerade nicht parat haben:

Im Sommer 772 begannen die mit Unterbrechungen bis 804 andauernden Sachsenkriege.[…] Der Krieg begann 772 mit einem fränkischen Vorstoß tief ins sächsische Stammesgebiet.[38]] Als nächstes zog es Karl nach Norditalien, wo ihm das Langobardenreich ein Dorn im Auge war.

Karl in Italien

Wie so ein Feldzug vonstatten ging, lesen wir wieder bei Wiki nach:

Für den Sommer 773 ließ Karl sein Heer bei Genf versammeln. Hier teilte er seine Armee in zwei Korps. Eines führte er persönlich über die Route Chambéry–Modane–Mont Cenis, das andere sein Onkel Bernhard über die Route Martigny–Großer Sankt Bernhard–Aosta–Ivrea nach Italien. Im Herbst desselben Jahres begann Karl die Belagerung Pavias. Da er bei der Alpenüberquerung keine der – bei Pippins Aquitanienfeldzug bewährten – Belagerungsmaschinen hatte mitnehmen können, wollte er die Stadt aushungern. Bis Ende 773 war keine Entscheidung gefallen. […] An Ostern 774, als die zermürbende Belagerung von Pavia bereits ein halbes Jahr andauerte, zog Karl mit einem Heeresteil nach Rom. […] Noch im April kehrte Karl vor das eingeschlossene Pavia zurück, dessen Verteidiger durch Nahrungsmangel und ausbrechende Seuchen dezimiert worden waren. Am 4. Juni 774, nach gut neunmonatiger Belagerung, kapitulierte die Stadt und damit der langobardische König Desiderius.

Die Sachsen nutzten die Abwesenheit des Königs natürlich heimtückisch aus und verheerten 774 fränkisches Gebiet im heutigen Hessen, wobei mehrere christliche Kirchen und Klöster überfallen wurden.

Karl drang daraufhin 775 mit einem großen Heer in Sachsen ein und erzwang die Unterwerfung der Engern (unter Bruno) und der Ostfalen (unter Hassio/Hessi); auch die Westfalen wurden geschlagen. Der König ging während dieses Feldzugs offenbar mit großer Brutalität vor: Die hofnahen Reichsannalen berichten zum Jahr 775 von drei Blutbädern, die Karl anrichten ließ, und den Nordhumbrischen Annalen[39] zufolge wütete er unter seinen Feinden.  […]

776 kam es zu einem erneuten Sachsenaufstand, der ebenfalls niedergeschlagen wurde.  […]  777 schien die Lage in Sachsen so weit unter Kontrolle zu sein, dass der König in Paderborn eine Reichsversammlung abhalten konnte.  […]

778 erscheint das erste Mal der Sachse Widukind als ein neuer Anführer der Aufständischen, die sich weiterhin gegen die fränkische Herrschaft stellten;  […] Der Zeitpunkt für eine abermalige Erhebung schien günstig, denn Karl hatte im selben Jahr in Spanien eine herbe Niederlage erlitten.

Halten wir fest: 776 kämpfte er gegen die Sachsen, bereits im Folgejahr reitet er nach Spanien, wo er ausnahmsweise einmal eine Niederlage erlitt. Doch seine Truppen sind unerschöpflich.

Denn obwohl er gerade (778) in Spanien den Kürzeren gezogen hatte, und er den langen Weg von Nordspanien erst wieder heimreiten musste, zog er gleich wieder Truppen zusammen, um im Sommer 779 die Sachsen bei Bocholt in einer der seltenen offenen Schlachten dieses Konflikts zu besiegen.

[Schon 3 Jahre darauf] … erhoben sich 782 erneut große Teile der Sachsen unter Führung Widukinds.  […]

783 besiegten die Franken in zwei Gefechten die Sachsen.

Ende 784 zog Karl im Winter wieder nach Sachsen, um seine Herrschaft abzusichern. Im folgenden Jahr wurden weitere Feldzüge durchgeführt, der sächsische Widerstand war nun brutal gebrochen worden und Karl bot Widukind Gespräche an. Widukind stimmte zu und unterwarf sich dem Frankenkönig; [und wurde Christ…]

Als Karl noch 787 militärisch gegen Tassilo [ein bayerischer Herzog] vorging, traten mehrere bayerische Große auf die fränkische Seite über. […]

Nebenbei musste er sich nun auch noch mit den Slawen herumschlagen …

Zu Beginn der 780er Jahre sind slawische Angriffe auf fränkisches Gebiet belegt, so etwa ein sorbischer Einfall im Jahr 782. In der Folgezeit kam es immer wieder zu einzelnen fränkischen Feldzügen in slawisches Stammesgebiet. Hervorzuheben ist die größere fränkische Offensive unter Karls Befehl im Jahr 789, die sich gegen die Wilzen unter Dragowit jenseits der Elbe richtete, wobei Dragowits Hauptburg belagert wurde und er sich schließlich unterwerfen musste.[40]

Beim Feldzug von 791 wichen die Awaren den Franken aus, […]  792/93 kam es zu arabischen Einfällen ins Frankenreich, woraufhin die Franken Feldzüge nach Nordspanien unternahmen. […] Mehrere befestigte Städte konnten eingenommen werden, darunter Barcelona (803) und Pamplona (811)

Unterdessen oder nebenbei unterwirft Karl auch noch die zuvor „ausgewichenen“ Awaren. […] 796 marschierte ein fränkisches Heer erneut ins Awarenreich ein und machte reiche Beute (sogenannter Awarenschatz); der neue Khagan unterwarf sich den Franken.

[…]  […]   […]   […]  […]   […]   […]

Die Itinerare

Aber selbst wenn er zu Hause war, kam der Mann nicht zur Ruhe. Nicht nur Karl, sondern sämtliche mittelalterlichen Könige zogen angeblich ständig von Pfalz zu Pfalz und von einer Grafschaft zur anderen, wo sie ein paar Tage oder wenige Wochen blieben, um dann zum nächsten Lehensherren weiterzuziehen.

Im tiefsten Winter, wie die Itinerare beweisen, zogen Karl, Otto, Heinrich, Konrad und die anderen durch die Lande, sie mussten eine ganz besondere Gesundheit gehabt haben. In diesen sogenannten Itineraren steht so einiges Widersprüchliches, denn die Reisen der Könige sind in verschiedenen Urkunden und Dokumenten mehr oder weniger genau, ja fast peinlich ungenau dokumentiert. Die „zweifellos“ echten Urkunden berichten von verschiedenen Orten, an denen sich die Könige zu Ostern und Weihnachten, und zu welch‘ anderen Zeiten sie sich wo aufgehalten haben sollen.

Echte (?) Urkunden von Ortschaften, in denen die Anwesenheit von Karl beurkundet wurde, existieren, obgleich er zugleich „echt beurkundet“ an anderen Orten gewesen sein soll, oder nur mittels eines Gewaltrittes von einem Ort zum anderen gelangt sein konnte. Auch urkundliche Itinera von Fürsten zeugen von einer unglaublichen Reisetätigkeit dieser Leute.

Kammeier’s Schluß – wer ständig herumzieht, ist heimatlos. Diese hochzivilisierten königlichen und fürstlichen Nomaden zogen entweder jahrhundertelang heimatlos durch das Mittelalter und die deutschen und fränkischen Lande – oder sie existierten womöglich gar nicht und sind das Produkt einer mittelalterlichen Geschichtsfälscherbande.

Es bedeutete einen Ausnahmefall, wenn ein König mehr als 2 oder 3 Tage an einem Ort verweilen würde, selbst im tiefsten Winter bei Schnee und Sturm zog es sie weiter mitsamt Tross, Dienern, Beamten, Frauen, Urkundenschreiber, die Kapelle… (?) Weitaus den bedeutendsten Platz im mittelalterlichen Hofstaat sollen Geistliche eingenommen haben. Die Kanzler und ein Notar reisten natürlich auch mit. Alle mittelalterlichen deutschen Könige hatten somit wahrscheinlich eine fliegende Reichskanzlei und eine dementsprechend dürftige Buchhaltung, wird uns erklärt.

Die elastische Datierung und das Archiv- und Registerproblem

1:19:00

Die Annalen

Die wichtigsten Annalen, die über das Leben Karls des Großen berichten sind die Lorscher Annalen, Liber pontificalis, die Reichsannalen und Einhard. Selbst von Vertretern der offiziellen Geschichte wird zugegeben, dass Einhard, der ein Zeitgenosse von Karl gewesen sein soll, keineswegs neutral über die Geschichte schreibt und zu den sogenannten pro-karolinischen Quellen gehört. Diese wollen z.B. von einer Niederlage Karls in Spanien nichts wissen. Einhard gibt auch eine seltsame Geschichte über die Krönung Karls in Rom zum Kaiser zum Besten. Er behauptet nämlich, dass Karl, als er sich zu Papst Leo III. begab, nicht gewusst hätte, dass er zum Kaiser gekrönt werden soll. Die Krönung soll aufgrund der Begeisterung des römischen Volkes gewissermaßen spontan erfolgt sein. Einhard behauptet sogar, dass Karl die Kirche nicht betreten hätte, wenn er von Leos Vorhaben gewusst hätte.[41]

Seltsam an der Überlieferung des Zeitgenossen und Freund von Karl dem Großen Einhard ist, dass dieser darin bekennt, daß keine Aufzeichnungen über die Lebensumstände des jungen Karls vorlägen, und dass er deshalb darüber nichts sagen könne. Wie kann das möglich sein? Er soll sich jahrelang am Hof Karls bewegt haben.

Wilhelm Kammeier stellt die Vermutung an, dass die Annalen Einhards zwar originär von diesem stammen könnten, die Fehler in dieser Chronik aber später verfasst wurden, das soll heißen, dass eine mögliche originale Geschichte Einhards durch Fälschungen ersetzt wurde.

Im Jahre des Herrn …

Kann auf einem Dokument von anno 794 die Datumsangabe anno domini 794 lauten? Oder anders gefragt, ab wann wurde es gebräuchlich die Jahreszahl auf Christi Geburt zu beziehen? Die Beantwortung dieser Frage gestaltet sich nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag, hat aber in sich größte Bedeutung.

Nun müsste man erst einmal wissen, welche Kalender wann in Gebrauch waren; klar ist, dass der heute gebräuchliche Gregorianische Kalender eine ganze Reihe bis dahin gültiger Kalender ablöste, z.B. den Ars-Mundi Kalender, dessen verschiedene Ausgaben unterschiedliche Zeitrechnungen verwendeten.

Es gibt unterschiedliche Einschätzungen zur Datierungsfrage, wie könnte es auch anders sein. An einer Stelle las ich, dass die Zählung ab Christi Geburt auf den Mönch Dionysius Exiguus zurückgeht, der diese um 525 in Rom einführte. Durchgesetzt hätte sich diese Zählung allerdings erst durch das kirchengeschichtliche Werk des Beda Venerabilis (8. Jh.), der Kritikern zufolge selbst auf einer Erfindungen beruhen soll, und die karolingische Kalenderreform der ständig im Sattel sitzenden Karolinger. Hingegen meint Eugen Gabowitsch [zitiert von Christoph Pfister]:

Aber die Existenz der Päpste und selbst der katholischen Religion in diesen fernen Zeiten wird von der Geschichtsanalytik in Zweifel gezogen.Auch die Behauptung der Historiker, dass beginnend mit dem Jahr 1431 unter Papst Eugen IV. in der päpstlichen Kanzlei die reguläre Verwendung der „christlichen“ Jahreszählung begonnen wurde, ist wenig wahrscheinlich. Höchstwahrscheinlich wurden die entsprechenden Dokumente nachträglich geschrieben oder datiert, als das System der Jahreszählung sich wirklich zu verbreiten begann.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass dessen tatsächliches Erscheinen mit der gregorianischen Kalenderreform verbunden ist und dass es nach dieser, die angeblich im Jahr 1582 stattfand, noch sehr lange Zeit gedauert hat (Jahrzehnte), bis die Verwendung dieser Jahreszählung zumindest bei den Katholiken durchgesetzt wurde. Einige westliche Autoren, so z.B. Pfister, zweifeln weiter an der Richtigkeit der Datierung der gregorianischen Kalenderreform und meinen auch, dass unsere Vorstellungen über sie in einer späteren Zeit ausgedacht wurden.

Wenn die Katholiken wirklich Daten u.Z. seit 1431 verwendet hätten, so wäre ihnen sehr bald aufgefallen, dass nicht alle historischen Daten Ereignissen entsprechen, die nach Christi Geburt stattgefunden haben. Das betrifft praktisch alle Ereignisse, die im Alten Testament – dem heiligen Buch der Katholiken – beschrieben sind. Aber die Historiker sind davon überzeugt, dass Daten vor Christi Geburt erst seit 1627 verwendet werden. Daraus folgt, dass entweder die Katholiken im 15., im 16. und selbst im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts das Alte Testament noch nicht kannten (einige deutsche Autoren der Geschichtsanalytik halten dies für möglich) oder dass das System der Jahreszählung ab Christi Geburt bis 1627 praktisch noch nicht verwendet wurde.

Das Vorhandensein solcher Daten in der berühmten „Weltchronik“ von Hartmann Schedel aus dem Jahr 1493 widerspricht scheinbar der zweiten Schlussfolgerung. Aber meine Zweifel bezüglich der richtigen Datierung des Erscheinens dieser „Chronik“ habe ich im vorhergehenden Kapitel dargelegt.[Eugen Gabowitsch]

In seinem Werk The Rise of the English Culture, 1904, ist der Autor Edwin Johnson zu der Überzeugung gelangt, dass die Bezeichnung „Anno domini“ erst rund vierhundert Jahre in Gebrauch ist. Zuvor hätte sich die Zeitrechnung nach der Angabe des Regierungsjahres des Königs gerichtet.

Laut einem Wikipedia Artikel über den (umstrittenen) englischen Chronisten und Mönch Bede, der im 6./7. Jahrhundert gewirkt haben soll, wurde die Anno domini Bezeichnung von Bede neben einer Indiktion genannten Datumsangabe, welche in 15-Jahresschritten auf das Jahr 312 zurückrechnete, und der Angabe des Regierungsjahres des Königs als dritte Datumsangabe eingeführt. Bede’s Chronik wurde in England ein Standardwerk und berief sich unter anderem wieder mal auf Eusebius, der uns noch als vertrauenswürdige Quelle in Erinnerung ist. Leider scheint Bede selbst eine komplette Erfindung des späten Mittelalters zu sein.

Über die Erwähnung Jesu

Uwe Topper über die Erwähnung Jesu und das Datierungsproblem

[…] die jüdische Zeitrechnung „seit Erschaffung der Welt“ hat den Zeitpunkt der Lebensspanne Jesu nicht vermerkt, und die islamische „seit der Hedschra“ setzt sehr viel später ein.

Gewiß haben die Chronologen des 16. Jahrhunderts – wie Scaliger, Nostradamus oder Kalwitz – alle erreichbaren alten Hinweise benützt, wie z.B. die „Märtyrerrechnung“ seit Diokletian, mußten aber eine große Zahl von „Dokumenten“ erfinden, um ein möglichst brauchbares Zahlenschema für die Vergangenheit zu entwerfen. Dieses Schema ist es, mit einigen Korrekturen durch Petavius u.a., das wir bis heute verwenden. Dem englischen Physiker Isaac Newton gefiel es gar nicht, weil darin seiner Meinung nach die hebräische Tradition gegenüber der griechischen benachteiligt war; deshalb schlug er eine Kürzung um dreihundert bis fünfhundert Jahre vor, nachdem er sich vierzig Jahre lang damit beschäftigt hatte. Seine Verbesserungen kamen zu spät, sie wurden abgelehnt. Das Beispiel zeigt nur, wie schwimmend oder schwammig die Jahreszählung seinerzeit noch war und auf welche theologische Kriterien sie gegründet ist. [42]

Wolfgang Waldner bemerkt zu Recht:

Aber man konnte uns in der Schule keinen triftigen Grund nennen, warum sich gerade dieser komische Glaube im alten Rom gegen viel vergnüglichere Kulte oder viel intelligentere Philosophien hätte durchsetzen können.

Kein Wunder, dass ich wegen dieses Punktes, der beginnenden christlichen Datierung verwirrt bin, wenn sich die Experten schon nicht einigen können. Fomenko erwägt erfrischenderweise, was selbst im unorthoxen Umfeld der neuen Zeitforscher revolutionär klingt. Denn: Jesus hieß wahrscheinlich Hildebrandt und lebte kurz nach 1000, also vor ungefähr 1000 Jahren, aber auf diese platte Aussage läßt sich seine Forschungsarbeit natürlich nicht zusammenstutzen und jeder möge sich selbst mit dem Werk beschäftigen (mindestens 3 Wochen Lieferzeit, aber im Internet gibt es jede Menge von und über ihn zu lesen). Insgesamt herrscht unter Chronokritikern alles andere als Einigkeit darüber, wann die „echte Zeit“ beginnt, und was genau an der Geschichte eigentlich erfunden ist.

Datierung auf Urkunden

Erwähnung Frankfurts (am Main) als Franconofurd im Sacrosyllabus des Paulinus von Aquileia aus dem Jahr 794. Bayerische Staatsbibliothek München, clm 14468, fol. 42-42v.

In der Abbildung oben soll eine echte Urkunde zu sehen sein. Auf dem Dokument steht Anno domini oder eine Abkürzung, die man dafür halten könnte, 794. Die andere Besonderheit, abgesehen von der offenen Frage der Datierung von Dokumenten im angeblichen 8. Jahrhundert, ist, die Unterschiedlichkeit der Schriftarten auf ein und der selben Seite.

Die ersten zwei Drittel des in Latein verfassten Textes sind mit der Feder in der Schriftart Halbunziale geschrieben, das mit der Initiale beginnende untere Drittel in der Karolingischen Minuskel. Die Marginalie in der linken Spalte ist frühneuzeitlich, bei ihr beginnt fol. 42v. [43]

Der obere Teil ist also in der älteren Halbunziale geschrieben, der untere in der Schriftform, die unter Karl gebräuchlich geworden sein soll, die sogenannte Karolinigische Minuskel, die Marginalie am Rand, welche die Jahreszahl enthält, wurde in frühneuzeitlicher Schrift geschrieben, ist also die jüngste Schrift ist. Warum auch immer der eigentlich Text in zwei unterschiedlichen Schriften geschrieben wurde, klar ist, dass die Datumsangabe in „Minuskel“ auf der linken Seite erst später hinzugefügt wurde.

Aus diesem einen willkürlichen Beispiel lässt sich gut erkennen, dass das Thema echte Dokumente wahrscheinlich noch lange nicht abgeschlossen ist.

164 als echt angesehene Urkunden Karls sind überliefert,[44]

K. Walter Haug kommt auf ilya.it zu dem Schluss, dass zeitgleich mit dem Kalenderwechsel die Streichung von glatt 2000 Jahren stattfand.

Grabinschriften im dunklen Mittelalter (in Bayern)

Ganze drei Gräber mit Inschriften, die wahrscheinlich aus dem dunklen Zeitalter stammen, wurden laut dem Historischen Lexikon Bayerns in Bayern bisher verortet. Für jedes Jahrhundert so ungefähr eins?

Inschriften der karolingischen Zeit sind im heutigen Bayern nur in äußerst spärlicher Anzahl überliefert. Von den noch original vorhandenen Monumentalinschriften bieten die Textfragmente der Grabinschriften für den Würzburger Bischof Megingoz (reg. 754-769, gest. 794) (Würzburg, Neumünster; DI 27, 1) und die Augsburger Bischöfe Uodalmann (reg. 830–832) und Witgar (reg. 861–887) (Augsburg, Römisches Museum; Bischoff 1977, 264–266; Bornschlegel 2005, 117–120) einigermaßen verlässliche Anhaltspunkte für die zeitliche Einordnung.

Etwas weiter unten im Text werden für die Zeit zwischen 800 und 909 6 Inschriften genannt. Doch siehe da, nicht einmal die in Stein gemeisselten Inschriften sind vor Fälschung sicher.

Für das Mittelalter eher selten sind im heutigen Bayern Gruppen zusammengehöriger, zeitnah entstandener Inschriften nachzuweisen, die einem gemeinsamen Konzept oder einem besonderen technischen Verfahren folgen. In Regensburg finden sich bereits in frühester Zeit mehrere „Inschriftenensembles“. So versuchte eine „Fälscherwerkstatt“ aus dem Kloster St. Emmeram in Regensburg mittels einer Serie von Inschriften, die vermeintlich bei Bauarbeiten im Jahre 1049 in der Klosterkirche aufgefunden wurden, den Echtheitsnachweis für die angeblichen Reliquien des Hl. Dionysius Areopagita (um 500) in St. Emmeram zu erbringen (Fuchs 1992). [45]

Die Marienkirche in Aachen … Auf jeweils nur eine Grabschrift des 9., 11. und 13. Jh. (wobei von der Inschrift des 13. nur eine Neuanfertigung des 14. Jh. erhalten ist, Nr. 36) folgen drei Grabschriften des 14., sieben des 15., zehn des 16. und sechs aus der ersten Hälfte des 17. Jh. Für das 10. und das 12. Jh. ist überhaupt keine Grabschrift belegt. [46]

Die Papstliste

Mario Arnd in Die wohlstrukturierte Papstliste hält die Papstliste für eine Erfindung:

[…] Nach den ersten sechs deutschen Päpsten im 10./11.Jh. folgt der siebente, und bis vor kurzem letzte, deutsche Papst (Hadrian VI.) 464 Jahre nach dem sechsten, 1058 => 1522.

Dies wird bestätigt durch Karl I. von Anjou (König von Sizilien/Neapel, zeitweise Regent von Frankreich und mächtigster Herrscher Europas, der möglicherweise die Vorlage für Karl den Großen lieferte. Karl I. starb 1285, 471 Jahre nach Karl dem Großen (814). Er wurde Weihnachten 1266 (orthodox 6. Januar) vom Papst in Rom gekrönt, 466 Jahre nach Karl dem Großen.

Exkurs:
Zuvor war er schon zum Senator von Rom gewählt worden, hatte auch den Papst nach einer Flucht aus Rom retten müssen, und war sogar im Heiligen Land (diese Geschichte über Karl den Großen wird heute von der offiziellen Geschichte nicht für wahr gehalten).  Auch sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Zufälligerweise gab es auch byzantinische Kaiser mit Namen Michael zu dieser Zeit wie zu Zeiten Karls des Großen und kurz danach. In meinem Buch ([1] S. 148) hatte ich schon beschrieben, daß sich die Königsnamen Ludwig und Karl ab 1313, 470 Jahre nach dem Vertrag von Verdun 843, wiederholen, sogar mit gleicher Regentschaftszeit. Es gibt 1310 sogar analog zu 840 eine Sonnenfinsternis im gleichen Gebiet (http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEatlas/SEatlas1/SEatlas0821.GIF und http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEatlas/SEatlas2/SEatlas1301.GIF, natürlich auch 300 Jahre minus 46 Tage früher, 1010, entsprechend der Periodizität der SoFis, bzw. 170 Jahre später: http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEatlas/SEatlas2/SEatlas1001.GIF 😉 Weitere Elemente für die Zeit Karls des Großen sind dann aus der Zeit ca. 309 Jahre nach seinem fiktiven Leben (um 1100) entnommen. Z.B. byzantinische Kaiserinnen mit Namen Irene, Walahfridus Strabus als Pendant zu Wibaldus Stabulensis (Tod 309 Jahre nach dem ersteren) usw.
Ende Exkurs [47]

Mario Arndt kommt anhand seiner Analyse der Papstliste zum Schluss, dass die Geschichte verlängert, zerstückelt, geflickt wurde, ein Vorgang, der auch in anderen Ländern in ähnlicher Manier stattgefunden hat.

Zwischen 955 und 1048 gab es sage und schreibe 7 Benedict und 8 Päpste mit Namen Johannes. Johannes XIV. legte seinen eigentlichen Namen ab und wählte sich einen Papstnamen, da er sich als nicht würdig empfand, unter seinem Geburtsnamen Petrus zu agieren und sich damit auf eine Stufe mit dem Apostel Petrus zu stellen.

Darüber hinaus existieren viele Versionen der Papstliste mit, wie könnte es anders sein, unterschiedlichen Daten und teilweise auch anderen Namen, als in der nun „offiziellen“ Papstliste.

Die päpstlichen Register

Unter einem Register versteht man die Aufzeichnungen einer Kanzlei betreffend der ausgegebenen Urkunden und Dokumente. Es liegen über 2000 Bände vor, die bis zu Innozenz III. sich beinahe nahtlos aneinanderreihen.

Allerdings – sind einige Originale „verloren“ gegangen, im 14. Jahrhundert „verschwanden“ sie gleich gänzlich. Eine Abschrift aus dem 12. Jahrhundert des Registers von Gregor VII. weicht vom noch vorhandenen „Original“ in wichtigen Details ab, nicht nur bei der Datierung. Der berühmte Gang nach Canossa ist eine komplette Erfindung von Lampert von Hersfeld und eben diesem Gregor VII. oder wurde diesen untergeschoben, bzw. fabriziert.

Eine kleine Liste von Chrono-Kritikern

Die Liste der Kritiker der Geschichte ist lang, ihre Ansätze sind unterschiedlich. Neben den bisher erwähnten Thesen und Kritikern folgen nun noch ein paar weitere. Eine vollständigere Liste von Forschern, die nicht mit Scaligers Chronologie einverstanden waren und sind, und welche Standpunkte sie vertraten ist auf chronologia.org zusammengefasst.

Johannes Hardouin (1646-1729)

verwarf alle mittelalterlichen Dokumente auf Latein, mit nur wenigen Ausnahmen, als Fälschungen. Nach Hardouin soll die große Verfälschung im Zeitalter der Renaissance stattgefunden haben. Nach Christoph Pfitzer in Matrix der alten Geschichte hat Hardouin für das ganze 18. Jahrhundert und für das Zeitalter der Aufklärung ein gewisses Maß an historischer Kritik vorbereitet und somit den geistigen Boden für Kritiker wie Voltaire (angeblich 1694 – 1778) bereitet.

Interessant: Er leitete die vom König finanzierte Herausgabe der alten Konzilsakten in einem zwölfbändigen Werk Conciliorum collectio regia maxima (1715). Wenn irgend jemand die Quellenlage kennen musste, dann Hardouin. [wolfgang-waldner.com]

Voltaire

Er gilt als geistiges Haupt der französischen Aufklärung. In seinen literarischen und essayistischen Werken, aber auch in seinen zahllosen Briefen, finden sich immer wieder kritische Bemerkungen zur älteren Geschichte. Darin erweist sich Voltaire als moderner Geschichtskritiker. Zuerst untersuchte Voltaire unter anderem die historische Methode, die Quellenbetrachtung und die Frage nach der Gewißheit der alten Geschichten. Und allenorten stieß er auf Absurditäten in den Inhalten. Die bloße Idee einer Abstammung der Kelten von den Hebräern findet Voltaire eine Torheit des menschlichen Geistes. Die angebliche Gründungsgeschichte des Frankenreiches mit dem Geschichtsschreiber Gregor von Tours, mit den Königen Chlodwig und Karl Martell, erscheinen Voltaire vollkommen unglaubwürdig. [Christoph Pfitzer, S.23]

Sir Isaac Newton

Newton hat sich kritisch mit der Geschichtsschreibung auseinandergesetzt, wie bereits an anderer Stelle erwähnt.

P.F.J. Müller

Die gefälschte Geschichte vertauschte nach Müller das Wahre mit dem Falschen und versetzt Ereignisse aus späteren Jahrhunderten in frühere und umgekehrt.

Edwin Johnson

Johnson behandelt die Entstehung der Paulus-Briefe und kommt auf Grund quellenkritischer Überlegungen zum Schluß, daß diese den Geist und die Diskussionen der Reformatoren widerspiegelten. Folglich müßten diese und alle anderen biblischen Schriften und selbstverständlich auch die Kirchenväter Schöpfungen des 16. Jahrhunderts sein.

In The Pauline Epistles erkennt Johnson auch, daß die abendländische schriftliche Überlieferung eine zeitliche Untergrenze hat. Dabei nennt er für England das Jahr 1533. Ebenfalls sieht Johnson, daß die Schöpfung der religiösen und sonstigen Literatur das Werk einer planvollen Aktion verschiedener Gruppen ist. Er nennt dies den runden Tisch der Mönche.

Sogar bestimmte Fälscherzentren macht Johnson aus, zum Beispiel Bury Saint-Edwards in England; Saint-Denis, Tours und das Kloster Saint-Irénée von Lyon in Frankreich, Bobbio und Montecassino in Italien. [Pfister, S. 26]

Robert Baldauf

Baldauf studierte zahlreiche angebliche antike Manuskripte und behauptete, dass sie überwiegend kürzlich produzierte Fälschungen seien. Baldauf entdeckte Parallelen zwischen den historischen Büchern des Alten Testamentes und Arbeiten des mittelalterlichen Genre ebenso wie mit Homer’s Ilias, welche überzeugend genug waren, um ihn zu der Annahme zu führen, dass sowohl die Ilias als auch die Bibel aus dem späten Mittelalter stammen.

Robert Baldauf zitiert nach Wolfgang Waldner

[…] noch einmal: die auf papyrus und pergament geschriebene geschichte der Griechen und Römer ist durchweg, die auf erz, stein etc. geschriebene; zum grossen teil eine geniale fälschung des italienischen humanismus. der humanismus war es, der verkündete: exegi monumentum aere perennius!

aber das ist nur eine seite des humanismus. sein zweites grosses werk ist die aufzeichnung, d.h. fälschung der bibel, des alten wie des neuen testaments – und diese beiden fälschungswerke liessen ein drittes erstehen, die fälschung der ganzen frühmittelalterlichen quellenlitteratur.

planmäßig, systematisch erdichtet, erfunden ist die ganze geschichte der europäischen völker von anfang an bis ins 13. jahrhundert, verfälscht bis in die zeit der reformation.

der italienische humanismus hat der erde die schriftlich fixierte welt des altertums und die bibel geschenkt, und im verein mit den humanisten der anderen länder die geschichte des frühen mittelalters.

die periode des humanismus ist keine receptive zeit gelehrten sammeleifers gewesen, sondern eine welt der ureigensten, produktivsten, ungeheursten thätgkeit: über ein halbes jahrtausend ist die bahn gegangen, die er gewiesen hat.

das christentum hat bis ans ende des 13. jahrhunderts nur in der tradition bestanden, in der tradition, die durch die welt germanischen götterglaubens tief beeinflusst war, und aus dieser mit heidnischgermanischen elementen durchsetzten christlichen tradition schöpften die italienischen bibelschriftsteller. [48]

Anatoly Fomenko

Eigentlich Mathematiker.

Für die mathematisch-statistische Analyse von narrativen Strukturen wurde die alte Weltgeschichte nach bestimmten Kriterien auf wiederkehrende inhaltliche und zeitliche Elemente untersucht. Dabei stellte Fomenko fest, daß sich die älteren Geschichtsepochen in ihrer Dauer und in ihren Aussagen überlappen und letztlich auf etwa sechs Textbücher zurückgeführt werden können. [Pfister, S.32]

Jesus hat im 12. Jahrhundert gelebt, eine These, welche auch Christoph Pfisters Interesse weckte.

Christoph Pfister

Trotz einer kritischeren Geschichtsforschung ab dem 19. Jahrhundert, die einige der absurdesten Auswüchse der angeblichen Geschichte beseitigte, blieb die absurde Geschichte im Großen bestehen, meint Christoph Pfister in Matrix der Alten Geschichte.

Vor allem vergeudete die historische Text- und Urkundenkritik ihre Energie auf den Nachweis einzelner Fälschungen. Nirgends aber reifte die Erkenntnis, daß das ganze Geschichtsbild falsch war, weil eine umfassende Fälschungsaktion dahinterstand. [Pfister, S. 25]

Aufgrund seiner Studien von Ortsnamen verortet Pfister das Heilige Land im Harz, jedenfalls eine Variante von vielen, denn:

Aus den Namenlandschaften läßt sich der allgemeine Schluß ziehen, daß die heilige Stadt und das heilige Land überall in Europa zu finden sind. Die Monopolisierung eines Ortes, eines Berges oder einer Landschaft als Rom, Neapel, Troja, Byzanz, Jerusalem, Vesuv, Kampanien oder Kanaan ist das Ergebnis einer späteren Entwicklung. Ganz Europa bis weit in den Osten ist zu einer bestimmten Zeit einheitlich in einem römisch-christlich-trojanisch-vesuvianischen und teilweise hebräischen Sinne benannt worden. [Pfister, S. 71]

Erwähnt seien auch die zitierten Arbeiten, wenn auch nur vage besprochen, von Wolfgang Waldner, Eugen Gabowitsch, Gunar Heinsohn, Uwe Topper aber auch die bisher nicht erwähnten Kritiker wie A. Mozorov, Theodor Mommsen und viele andere kritische Forscher und Untersuchungen zum Thema Chronologie, welche z.T. im Anhang aufgeführt sind. Keineswegs, und entgegen des Anscheins, der durch die Überlänge dieses Artikels entstehen mag, ist damit alles über die Merkwürdigkeiten, Fragen und Untersuchungen der neuen und alten Chronologen gesagt oder zusammengefasst.

Diese chronologischen Fragen, Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten gibt es in einer solch großen Anzahl, dass nicht mehr von einfacher Schlamperei und vereinzelten Fällen von Unfähigkeit gesprochen werden kann. Die Augen geöffnet für diesen Umstand und ein Wegbereiter für eine neue, kritische Auseinandersetzung mit unserer Geschichte war Wilhelm Kammeier, der den Schlusspunkt unserer chronologischen Betrachtungen bilden wird.

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