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Unglaublich?

Wilhelm Kammeier stellt die Hyothese auf, dass es im Mittelalter eine konzertierte Aktion  gab, die Geschichte grundlegend zu fälschen, auf die unglaubliche, wenngleich wohlbegründete These kommen wir am Ende dieses Artikels zurück.

Spuren von Kokain wurden in Mumien gefunden, was irgendwie nicht ganz zur offiziellen Theorie passt, oder? (englisch)

Und diese These bekommt indirekt weitere voluminöse Unterstützung durch das Monumentalwerk von Anatoly  Fomenko, einem russischen Mathematiker von der Akademie der Wissenschaften, der erdrückendes Material vorlegt für eine These, die Ihnen den Atem verschlagen wird, wenn Sie noch nie davon gehört haben und gegen die Illig’s Fantomzeit nachgeradezu konservativ wirkt. Sie gipfelt in der Aussage, dass Christus, so er denn gelebt hat, Ende des sog. 11. Jahrhunderts am Kreuz starb und für eine lange Zeit davor alles erfunden wurde. Ich weiß, das hört sich unglaublich an, ich habe versucht, Sie mit den vorangegangenen Ausführungen über die Unsicherheit der offiziellen Geschichtsschreibung langsam an das Unglaubliche heranzuführen – aber einige Punkte, welcher der russische Mathematiker zusammengetragen hat, sind nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen, und bestätigen die bisher erwähnten Auslassungen zum Thema Geschichtsfälschung.

Im Gegensatz zu Kammeier nimmt Fomenko jedoch an, dass die „Fälschung“ der mittelalterlichen Geschichte aus dem Versuch entstand, vier verschiedene antike Chroniken, jede an einem anderen Ort in einer anderen Sprache unter Verwendung unterschiedlicher Kalender geschrieben, zu einer einzigen zu vereinen. Der Versuch soll im 16. Jahrhundert unternommen worden sein, als die Chronisten die verschiedenen Chroniken zusammenführen wollten und aufgrund verschiedener Ortsangaben und Namen innerhalb dieser Haupt-Chroniken auf unterschiedliche Zeiträume schlossen. So kam es, meint Fomenko, dass die vier Chroniken kurzerhand in verschiedenen Perioden der Vergangenheit angesiedelt wurden. Eine Chronik wurde ins 14. Jahrhundert verschoben, die nächste 300 Jahre zurück, die dritte 1000 Jahre und die letzte 1800 Jahre in die Vergangenheit geschoben.

Auch Kammeier tippt auf „praktische“ Urheber der Verwirrung, die im Zeitalter der Renaissance angesiedelt werden müssen, jedoch sieht er sie früher.

Astronomische Referenzierung

Fomenko´s Interesse an Geschichte wurde skurilerweise von der Arbeit des amerikanischen Physikers Robert Newton angeregt, der im Rahmen eines NASA-Projektes hunderte von astronomischen Beobachtungen untersuchte, die bis in das Jahr 700 v.u.Z. zurückdatieren. Dabei stellte er fest, dass es die antiken angeblichen Beobachtungen an der erhofften Genauigkeit fehlen ließen, was ihn zu der Annahme verleitete, dass Ptolomäus eine Art Schwindler war, der einige, wenn nicht die meisten der sogenannten astronomischen Beobachtungen erfunden, abgeschrieben oder „computiert“ hatte.

Claudius Ptolomäus (ca. 100 – 160) lebte in Alexandria und wurde bekannt durch ein Werk, das später unter dem Namen Almagest berühmt werden würde. Wie es scheint, hat sich Ptolemäus bei seinen angeblich eigenhändig notierten Beobachtungen auf das Werk des 200 Jahre zuvor verstorbenen Hipparchos gestützt, manche Kritiker sprechen gar von einem glatten Plagiat. Denn Hipparchus hatte die meisten seiner Beobachtungen von Rhodos aus gemacht. Ptolomäus hätte bei eigenen Beobachtungen für seinen Almagest also mindestens ein paar neue Sterne hinzufügen können, die Hipparchus von Rhodos aus nicht gesehen hätte, was nicht der Fall war. Federico Di Trocchio stellt fest:

Diese Geringschätzung der mühsamen Arbeit des Beobachtens, die in der Regel die Voraussetzung wissenschaftlicher Forschung ist, hat auch der Physiker Robert Newton an Ptolemäus bemängelt. In seinem Buch The Crime of Claudius Ptolemy (1977) analysierte Newton die Berechnungen, die Ptolemäus angeblich aufgrund seiner eigenen astronomischen Beobachtungen angestellt hatte. Er kam zu dem Schluß, daß diesen in Wirklichkeit überhaupt keine eigenen Beobachtungen zugrunde liegen konnten. Ptolemäus hatte seine Berechnungen vielmehr von seiner Theorie abgeleitet. Er war also zu Ergebnissen gekommen, die sich aus seiner Theorie ergaben und nicht etwa aus wirklicher Beobachtung. Da aber seine Theorie am Ende doch nicht so präzise war, wie er angenommen hatte, weichen seine Berechnungen von den genaueren Daten ab, die man heute aufgrund strengerer Methoden erhalten kann.

Das überraschendste Beispiel, das Newton liefert, ist die herbstliche Tagundnachtgleiche, die Ptolemäus am 25. September des Jahres 132 n. Chr. um zwei Uhr morgens beobachtet haben will. Rechnet man auf der Basis moderner Tabellen das genaue Datum nach, an dem ein Astronom aus Alexandria dieses Äquinoktium beobachtet haben könnte, so gelangt man zu dem Ergebnis, daß er dies am Morgen des 24. September desselben Jahres um 9.54 Uhr getan haben müßte. [Federico Di Trocchio – Der große Schwindel] [25]

Erstaunlicherweise verlässt sich Newton aber dennoch teilweise auf die beanstandeten Quellen

I have found about 375 records that seem to be independent and reliable, which we can date accurately, and for which we know the place of observation with useful accuracy (Newton. 1972).

und gelangte so zu dem Schluss, dass der Mond ausgerechnet im dunklen Zeitalter, zwischen 500 und 1000, unerklärliche Kapriolen sich hat einfallen lassen und dass in dieser Zeit unbekannte äußere Kräfte auf den Mond eingewirkt hätten. Zu einer vollkommen anderen Einschätzung kommt Demandt.

Von den etwa 250 Nachrichten der antiken Literatur über Sonnen- und Mondfinsternisse sind über 200 ungenau oder falsch.“ [Demandt 1970, S. 469]

Contra

Was die angebliche Fantomzeit betrifft, so fand Prof. Dieter B. Hermann (s. Link in den Quellen) im 5. Jahrhundert eine unzweifelhafte Quelle (ein Zeuge berichtet von zwei Sonnenfinsternissen, die sich an seinem Wohnort in den Jahren X und Y ereignet hätten, sodass er (ebenso wie Newton) aufgrund des beschriebenen Abstandes zwischen den beiden Sonnenfinsternissen mit den modernen Methoden darauf zurückrechnen konnte. Dieses Datum ist gewissermaßen ein Kalibrierpunkt der Geschichte, aber er liegt schon sehr lange zurück. Prof. Hermann’s Schlussfolgerung? Mit der Zeitrechnung ist alles in Ordnung. Auf den Zeugen kam ich im Lauf meiner Forschungen noch einmal zurück.

Roland Starke, in Niemand hat an der Uhr gedreht, sieht Illig und die Fantomzeit-These auf Grund eines starken Argumentes und anderer, schwächerer Argumente widerlegt. Auf den Seiten 248 -249 listet er sie auf:

  1. Starkes Argument: Präzise quantitative Angaben (z. B. genaues Datum einer Finsternis oder zeitliche Abstände innerhalb von Finsternissequenzen) werden durch Rückrechnungen auf der Grundlage der herrschenden Chronolgie bestätigt, nicht jedoch unter der Annahme, dass die Phantomzeittheorie richtig sei. Es ist dann praktisch unmöglich, die Phantomzeittheorie aufrechtzuerhalten, solange diese Argumente nicht widerlegt sind.
  2. Mittleres Argument: Quantitative Angaben (z. B. Jahr, in welchem eine Finsternis stattgefunden hat) werden durch Rückrechnungen auf der Grundlage der herrschenden Chronolgie bestätigt, nicht jedoch unter der Annahme, dass die Phantomzeittheorie richtig sei. Solang derartige Argumente nicht widerlegt sind, verliert die Phantomzeittheorie deutlich an Plausibilität, man würde sie jedoch nicht ausschließlich aufgrund eines solchen Argumentes verwerfen.
  3. Schwaches Argument: Stark deutungsbedürftige (eventuell sogar mehrdeutige) quantitative oder nur qualitative Angaben werden durch Rückrechnungen auf der Grundlage der herrschenden Chronolgie bestätigt, nicht jedoch unter der Annahme, dass die Phantomzeittheorie richtig sei. Diese Argumente liefern zwar Indizien gegen die Phantomzeittheorie, doch nur, wenn dergleichen Argumente in sehr großer Zahl vorliegen, wüurde man die Phantomzeittheorie verwerfen.

Es seien noch die einzelnen Punkte des starken Argumentes zitiert, die Roland Starke anführt.

[…] die Finsternis des Alexanderfeldzuges (aufgrund ihrer Überlieferung in Keilschrift: m. W. insg. 7 Berichte),

die Finsternisberichte des Plinius (insbesondere die Sequenz von 2 Finsternissen im Abstand von 15 Tagen in einem historisch-unabhängig bestimmbaren Jahr; insges. 3 Berichte), [über die Suche nach diesem Bericht, s.u., C.B.]
des Hydatius (7 + 18 Parallelberichte),
des Beda (2 + 10 Parallelberichte),
des Theon und des Pappus (2 Berichte),
des Marinus Neapolitanus (1 Bericht),
sowie die 19 Finsternisberichte des Almagest.

Bedeutet das aber auch, dass mit der Geschichte insgesamt alles in Ordnung ist? Glauben Sie noch dran? Auffallend an dieser Liste ist, dass mit Ausnahme des ehrwürdigen Beda, der im 7. Jahrhundert gelebt haben soll, alle oben aufgeführten Zeugen im oder vor dem 5. Jahrhundert gelebt haben sollen. Wie originär Beda ist, wird weiter unten noch kurz angesprochen. Zunehmend in den Fokus meiner Forschungen geraten war aber die Zeit zwischen 500 und möglicherweise Anfang des 15. Jahrhundert, ohne mich zunächst auf die genaue Art der Geschichtsänderung festzulegen, sodass die „starken Argumente“ (zunächst) lediglich zur Kenntnis genommen werden, um später noch einmal darauf zurückzukommen.

Wenn im späten Mittelalter eine konzertierte Geschichtsfälschungsaktion stattgefunden haben sollte, worauf mehr als nur einige Indizien hinweisen, die Kammeier aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen hat, dann wären diese Fälscher auch in der Lage gewesen, astronomische Tabellen zu verwenden und ihre Daten in die Geschichte einzufügen. Im Lichte dessen, was Kammeier herausgefunden hat (s. weiter unten), wird auch verständlich, warum nur relativ wenige Berichte über astronomische Beobachtungen überzeugen können.

Kommen wir nun zum Vater der modernen Chronologie …

Justus Joseph Scaliger

Bild: Wiki – Der Vater der modernen Chronologie ist in Person von Joseph Justus Scaliger (1540 – 1609) in Agen, Lot-et-Garonne schnell gefunden.

Schenkt man der Geschichte Glauben so war der Mann ein Universalgenie, auch dank der Erziehung seines Vaters, der ihn angeblich jeden Tag ein Referat in Latein vortragen ließ und eines Studiums an der Universität in Paris, das er jedoch schon nach zwei Monaten wieder abbrach, und sich dafür im Selbststudium weiterbildete. Wikipedia informiert uns folgendermaßen über das Genie:

Er las Homer in 21 Tagen, anschließend einen Großteil der anderen griechischen Dichter, Redner und Historiker. Gemäß seinen Fortschritten stellte er sich selbst eine Grammatik zusammen. Vom Griechischen ging er auf Vorschlag von Guillaume Postel zur hebräischen Sprache über, folgend zum Arabischen: auf beiden Gebieten erlangte er bemerkenswerte Kenntnisse, ohne jedoch die Meisterschaft zu erreichen, die er im Lateinischen und Griechischen besaß. 1562 trat Scaliger zum Protestantismus über.

Mit seinen Übersetzungen und seinem Werk De emendatione temporum (1583) erweiterte er den Gesichtskreis der Geschichtswissenschaft erheblich.

Sein Manilius-Kommentar ist eine Abhandlung über antike Astronomie und bildet eine Einleitung zu De emendatione temporum, in dem er im Licht moderner und kopernikanischer Wissenschaft das alte System als der Epoche, dem Kalender und der Rechentechnik der Zeit verhaftet sah.

Die „Korrektur der Zeit“ («De emendatione temporum», 1593; die beste Ausgabe: Genf, 1609) wurde im „Hort der Zeit“ (Thesaurus temporum, Leiden, 1606; zweite Ausgabe: Amsterdam, 1629) vervollständigt.

Zuvor hörten wir von einen antiken Chronisten namens Eusebius, als einem von 3 Zeugen des für die Kirchengeschichte so wichtigen Konzils von Níceae, von dem wieder mal keine oder so gut wie keine Originalunterlagen übrig geblieben sind, und welches nach Meinung des Mathematikers Nosovski (s.o.) in Wirklichkeit im Jahr 876 oder 877 stattgefunden hat. Unserem famosen Joseph Scaliger gelingt es nun die verlorene (?) Chronik jenes fabelhaften Eusebius (eines der wertvollsten Überbleibsel der Antike und von höchstem Wert für die Chronologie dieser Zeit) ‚wiederherzustellen‘ oder zu arrangieren wie es Wikipedia nennt.

Er druckte sie 1606 in seinem Thesaurus temporum, in dem er jedes der Chronologie dienende Relikt auf Griechisch oder Latein sammelte, wiederherstellte und arrangierte. [26]

Erinnern wir uns – im Licht neuerer Forschungen, z.B. vom oben zitierten Roland Starke, […] hat sich gezeigt, dass der Umfang des Materials, das er [Eusebius] tatsachlich kannte, recht gering war. E. Bicker, der sich sowohl mit Scaliger als auch mit Eusebius als Quelle beschäftigte, konstatierte:

Die Datierungen von Eusebius, die in Manuskripten häufig falsch transkribiert wurden, sind für uns heute kaum von Nutzen.

Was dem Mann keineswegs zum Vorwurf gemacht werden soll, aber die Möglichkeit, dass die Bedeutsamkeit von Eusebius‘ Geschichten von Joseph Scaliger und seinen Zeitgenossen überschätzt wurde, erscheint mindestens in den Bereich des Denkbaren gerückt. Immer wieder wird in den Lobpreisungen Scaligers betont, wie wissenschaftlich er vorging, usw.. Bei seiner genauen Untersuchung der Zeit soll Scaliger den Beweis der Fälschung von Dionysius Areopagita erbracht haben und auch andere Fälschungen aufgedeckt haben, allerdings ist mal wieder umstritten, ob dies wirklich der Fall war.

Im Zusammenhang betrachtet ergeben die folgenden Punkte jedoch einen äußerst kritischen Fragenkatalog, mit Scaliger, der Eusebius Werk für „göttlich“ hielt, und Eusebius im Mittelpunkt der Kritik:

  1. Eusebius hat zwar (angeblich) ein großes Geschichtswerk, bzw. eine Chronik, geschrieben,
  2. wußte aber weniger Genaues und füllte seine Geschichte mit mehr Hörensagen,
  3. was also mindestens den Tatbestand der „intentionalen“, wenn nicht gar frommen Erfindung erfüllt,
  4. die zudem „verloren“ ging und
  5. welche um 1600 herum von Joseph Justus Scaliger wieder „gefunden“ wurde,
  6. der sie mit anderen, wer weiß wie echten Quellen zusammenführt und arrangiert.

Hut ab, kann man da durchaus sagen, aber was bleibt von der Chronik und vor allem von einer wirklichen Geschichte übrig? Mal unter uns, so langsam werde ich von diesem Geschichtsverschwörungsvirus angesteckt und beginne an allem und jedem und vor allem an Eusebius und dem Konzil von Nicaea und nun auch noch an Scaliger zu zweifeln.

Scaliger’s Korrektur der Zeit wurde wohl nicht zufällig 1 Jahre nach Papst Gregor XIII. Kalenderreform herausgegeben und später in einer radikal überarbeiteten Ausgabe neu aufgelegt. Sie enthielt neue kritische Untersuchungen der biblischen, frühchristlichen  und weiterer kirchlicher Dokumente. Im Prinzip wurde die gesamte römische Kirchentradition einer genauesten Analyse unterzogen, heißt es im pro-scaliger’schem Lager.

Scaliger war Protestant und so wie es aussieht trat er mit seiner Arbeit in Konkurrenz zu Lipsius, der den gregorianischen Kalender ausgearbeitet hatte und auf dessen Bestreben hin, Gregors XIII. die Kalenderreform anscheinend überhaupt erst in Angriff nahm. Die protestantische Welt sah in der Reform den Versuch der päpstlichen Kirche die Deutungshoheit zu übernehmen. Es war die Zeit der Reformation und der Gegenreformation, wenn wir der Geschichte Glauben schenken wollen, was zunehmend schwerer wird.

Trotz seiner nirgends bestrittenen Genialität wird er in der modernen Historikerzunft eher ungern als Referenz erwähnt, seine Bücher wurden beispielsweise nicht aus dem Lateinischen übersetzt, vielleicht weil Scaliger’s wissenschaftliches Vorgehen doch nicht so einwandfrei war?

Durch die Kraft der Eingebung und auf Basis genauen Wissens hat Scaliger das Zeitgerüst der Weltgeschichte errichtet. Er ordnete ihr Material den Völkern zu, verteilte Ereignisse auf Perioden vom Beginn des assyrischen Reiches bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts u.Z.“ [Mischtschenko]

Darf man das so verstehen, dass Scaliger ebenso wie andere humanistische Chronisten einen gewissen Hang zur intentionalen Geschichtszuordnung hatte?

Die Genesis

Vielleicht wird die Sache klarer, wenn für die nicht mit Eusebius‘ Werken vertraute Leserschaft einmal umrissen wird, von welcher Art von Daten wir hier sprechen, auf denen Scaliger seine höchst wissenschaftliche Chronologie aufgebaut hat. Ein geschichtliches Datum erfreute sich noch zu Zeiten Scaligers höchster Bedeutung. Es ist das Datum der Entstehung der Welt, die Datierung der Genesis, die Geschichte von Anfang an, welche die Menschheit schon damals brennend interessierte und die Chronisten aller Zeiten, wann auch immer diese Zeiten nun in Wirklichkeit waren, teilweise erstaunlich genau berechneten.

Der Chronist J. Usher wusste z.B. allen Ernstes, dass die Welt an einem Sonntag, dem 23. Oktober 4004, vor Christus erschaffen worden sei. Anderen „Berechnungen“ zufolge waren es die unterschiedlichsten Daten von 3741 – 5969, zu den Berühmtheiten wie Hieronymus, unser Eusebius, Hippolytus, Sextus Julius Africanus, Augustinus, Alexandrian kamen, die irgendwie die byzanthinische Datierung, die judäische, die antijochische, usw. oder mehrere Datierungen verwendeten, um ihren Schöpfungstag zu computieren. Die berühmten siebzig Übersetzer der Septaguinta-Bibel, deren Übersetzungen angeblich bis auf das letzte Wort übereinstimmten, legten das Datum auf 5872 vor Christus fest.

Scaliger hielt Eusebius‘ Werk, bzw. dessen Überreste muss man wohl sagen, für ‚göttlich‘.

Scaliger und die Quadratur des Kreises

Laut Wiki ist die Quadratur des Kreises ein klassisches Problem der Geometrie. Die Aufgabe besteht darin, aus einem gegebenen Kreis in endlich vielen Schritten ein Quadrat mit demselben Flächeninhalt zu konstruieren. Sie ist äquivalent zur sogenannten Rektifikation des Kreises, also der Konstruktion einer geraden Strecke, die dem Kreisumfang entspricht. Dies wiederum entspricht der Konstruktion der Kreiszahl π {\displaystyle \pi } \pi aus der Strecke 1. Beschränkt man die Konstruktionsmittel auf Lineal und Zirkel, so ist die Aufgabe aufgrund der Transzendenz von π {\displaystyle \pi } \pi unlösbar. Diese konnte im Jahr 1882 vom deutschen Mathematiker Ferdinand von Lindemann bewiesen werden.

Josephus Scaliger nun, schrieb ein Buch, in welchem er die „wahre Quadratur“ und die Lösung des Problems bewies. Die besten Mathematiker seiner Zeit versuchten ihn von seinem Irrglauben abzubringen, doch Scaliger war für wissenschaftliche Kritik anscheinend wenig aufgeschlossen. Scaliger wehrte sich heftig gegen seine Kritiker und nannte alle Geometriker komplette Ignoramuse, was die Geometrie anbelangt. Stellen Sie sich nun vor, wie Scaliger auf Kritik an seiner Chronologie reagiert hätte …

Abermals möchte ich daran erinnern, dass Scaligers Chronologie ein wesentlicher Bestandteil unserer heutigen Vorstellungen der geschichtlichen Abläufe ist und dass noch im zwanzigsten Jahrhundert wenig Zweifel an der überlieferten Geschichtsschreibung herrschte. Noch am aufgeklärten preußischem Hof ist man überzeugt von deren Wahrheitsgehalt.

Der Name des Julianischen Kalenders geht übrigens nicht auf den berühmten Römer zurück, sondern auf Josef Justus Scaliger (angebliche Lebensdaten: 1540 – 1609), dessen Vater zufällig Julius hieß. Oder vielleicht doch auf unsere außerirdischen Vorfahren, wie Erhard Landmann meint?

Calvisius und Petavius

Petavius (angeblich 1583-1652) war Jesuit sowie berühmter Chronologe und Historiker. Er machte sich daran in Form von Zeittafeln alle Dynastien, Herrscher und Ereignisse in ein Zahlengerüst einzubetten, das

so einleuchtend schien, bis man gar nicht mehr anders denken konnte (Topper: Grosse Aktion, 131).

Über die Vollständigkeit der Königs- und Beamtenlisten des alten Griechenlands kann man staunen, sogar Königsdynastien von kleinen griechischen Landschaften wie Messenien, Sikyon, Korinth und Kreta werden in seiner Chronik aufgezählt. Auf Petavius geht auch ein 30-seitiges Verzeichnis der alten Konzilien zurück, beginnend im Jahre 34 AD mit dem Konzil von Jerusalem, auf welchem der Apostel Matthias an Stelle des Verräters Judas gewählt worden sei.

Calvisius (1649-1698) wird besonders gerne zitiert, wenn es um das alte Rom geht. Im chronologischen Hauptwerk bilden kalendarische und astronomische Tabellen den Anfang. Alle gängigen Kalender werden besprochen und eine Übersicht über die bekannten Zeitrechnungen gegeben.

Besonders gründlich wird der Frage nach dem wirklichen Datum der Geburt Christi nachgegangen (De vero anno nativitatis Christi) (Calvisius, 156 – 163). Also ist Christus geboren im 4. Jahr der 194. Olympiade, im 312. Jahr der alexandrinischen Ära, im Jahr 30 nach dem Sieg bei Actium, im Jahr 749 von Nabonassar, im Jahre 752 der Gründung der Stadt Rom, im 45. Jahr des Julianischen Kalenders, am Ende des Jahres 3949 des Weltalters (Calvisius, 162).

Chroniken und Urkunden – falsche Daten, Originale verloren

164 als echt angesehene Urkunden Karls sind überliefert,[27] ob diese Urkunden in irgendeiner Weise verunechtet sind, kann ich nicht beurteilen. Eine Tatsache, die sich jedoch immer deutlicher herauskristallisiert ist, dass nicht nur einzelne Dokumente gefälscht wurden, sondern gleich Geschichtserfindung im großen Stil betrieben wurde. Es läuft darauf hinaus, dass wir nur wenige Quellen zu unserer Geschichte haben, auf die sich spätere Autoren berufen, und dass die Mehrzahl dieser wenigen Quellen entweder selbst fiktiv sind oder deren Erzählungen auf reiner Erfindung zu beruhen scheinen.

Römische Geschichte 

Livius und Plinius

Titus Livius soll ursprünglich 142 Bücher verfasst haben, jedes war aber nur ca. 55 Seiten dick. Spätere Historiker sind zu dem Schluss gekommen, dass man sich nicht auf sein Werk und somit auch nicht auf die Liste der römischen Konsuln stützen könne, da die darin enthaltenen Daten offensichtliche Widersprüche und Auslassungen bergen. Allerdings sind, ebenso wenig wie von Plinius, Originaldokumente erhalten. Auf Plinius geht die Überlieferung von zwei Finsternissen innerhalb von 15 Tagen zurück. Plinius und die 15 Tage werden am Ende von Teil 6 besprochen.

Tacitus

Als Tacitus, ein Zeitgenosse von Plinius dem Jüngeren, seine Germania geschrieben hat, hatte er keine Ahnung von Germanien. Er war nie dort. Viele Stellen in der Germania sind Abschriften aus anderen Büchern, die sich auf andere Jahrhunderte und Gegenden beziehen, auch nennt er keine Daten der Geschichte. Tacitus‘ Germania wird von Zeitgenossen nicht erwähnt. Diese Germania taucht erst im Jahre 1455 wieder auf, die Schrift gelangte nach Rom, ging verloren, wurde vorher kopiert, wobei leider auch die Originalkopie verloren wurde.

Interessanterweise soll auch Caesar sich bei seinen Berichten über die Germanen auf Bücher verlassen haben. (?)

Herodot, Cicero, Euklid
Herodot lebte um 490 oder 480 – 424 v.u.Z.. In seinem durchgängigen und geschlossenen Bericht über die ägyptische Historie benennt Herodot Cheops anscheinend als Nachfolger von Rhampsinitos. Diese Aussage provoziert Einwände moderner Kommentatoren, denn laut heutiger Forschung war Rhampsinitos (Ramses II) ein König der XIX Dynastie (1345-1200 v.u.Z.), während Cheops in die IV (2600-2480 v.u.Z.) Dynastie gehören soll. Somit ergibt sich immerhin eine Diskrepanz von 1200 Jahren, nicht gerade wenig, wenn man es mit der Genauigkeit ernst meint. Seine Liste unterscheidet sich also von Manethos‘ Königsliste.
1420 soll der italienische Professor Gasparino Barizza sich daran gemacht haben, Ciceros unvollständige Texte zu vervollständigen. Da taucht auf einmal ein angebliches Original auf. Barizza vollendet Ciceros Texte, das Original verschwindet unbegreiflicherweise wieder und ward nie mehr gefunden.
In einem Buch, das Euklid zugeschrieben wird, wird das antike Rom abgebildet, das wahrscheinlich eher ins Mittelalter zu versetzen ist, da auf dem Bild eine Kirche zu sehen ist. [28]
Beda und Nennius

Ein gutes Beispiel für die Geschichtserfindung und deren gläubige Weitergabe in unseren Tagen ist der englische Mönch Gildas der Weise. Er habe ein Werk De Excidio et Conquestu Britanniae über die Geschichte Englands von der Eroberung durch die Römer bis in sein sechstes Jahrhundert verfasst. Dieses großartige Werk wurde später von Bede Venerabilis als Grundlage für seine Historia ecclesiastica gentis Anglorum benutzt, womit auch diese Geschichtsquelle samt Autor ins Reich der Phantasie entschwindet, meint Robert Waldner.

Seine Schlussfolgerungen zum Leben des frommen Mönches Beda und dessen angebliches Werk:

Die vielen genauen Details über das Leben des angeblich ersten englischen Chronisten Beda Venerabilis, die wir heute überall lesen können, und deren genaue Quellen die Wissenschaft inzwischen gefunden und ausgewertet hat, waren in den Jahren 1533-39 nirgendwo in England existent. Sie wurden alle erst später von frommen Mönchen und anderen Chronisten erfunden. Ein Beda Venerabilis hat niemals existiert und seine Schriften und alle Quellen über seine Person wurden später geschaffen. Er ist dabei nur ein Beispiel für ungezählte ähnliche Geschichten. Man sehe sich nur die reichen Details an, mit denen inzwischen diese erfundenen Leben ausgeschmückt wurden, und bedenke die mächtigen Mauern der Bibliotheken und Archive, die all diese Schriften seit frühesten Zeiten bis in unsere Tage gesammelt und aufbewahrt haben müssten.

Ein wichtiger britischer Historiker war noch Nennius, dessen Werk aus dem Jahr 828 mit der Ankunft der Troianer beginnt, geführt von Brutus, einem Nachfahren des Aeneas. Von diesem Brutus habe England den Namen Britannien. Nennius beschrieb die zwölf Schlachten des King Arthur, aber noch ohne genaue Daten, die dann die Annales Cambriae nannten – angeblich im zehnten Jahrhundert verfasst, aber nur in einer Kopie angeblich aus dem zwölften Jahrhundert bekannt. [29]

Gaius Suetonius Tranquilus

Eine weitere wichtige Quelle des Altertums ist Suetonius. Suetonius soll in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts (70) geboren worden sein. Ihm haben wir eine Auflistung und Beschreibung der römischen Caesaren zu verdanken. Erstmals in Buchform erschienen zwei Teile des Werkes 1470 in Rom. Suetonius‘ Werk erfreute sich lt. John C. Rolfe im Mittelalter großer Bekanntheit, dies sei durch die große Anzahl der noch existierenden Manuskripte belegt (mehrere hundert).

Diese leiteten sich sämtliche von einer Quelle her, dem einzigen Überbleibsel des „angeblichen“ Originals, das einst Teil einer Bibliothek in Fulda gewesen sei (beim Stichwort Fulda beginnen mittlerweile alle Alarmglocken zu läuten, wenn ich mich des frommen Eberhard und seiner überaus großen Aktivität zugunsten des Fuldaer Benedektiner-Klosters entsinne).

Nur gut, dass der Abt von Ferrieres, Servatus Lupus, eine Kopie anforderte (und wohl erhielt) und diese zahlreich weiterkopierte, dies wissen wir aus einem Brief des Servatus Lupus höchstselbst. Wenn der Abt nicht so schlau gewesen wäre, und diese Kopie von Suetonius bedeutsamen Werk angefordert hätte, wüssten wir heute wahrscheinlich nichts von dessen Werk. Denn der originale „codex Fuldensis“ sei seither verschollen, schreibt Rolfe. Eine der Kopien scheint unter dem Namen Vaticanus im Vatikan gelandet zu sein.

Die genauere Untersuchung der Quellen droht schnell in Treibsand zu verenden, denn es gilt die Echtheit historischer Chroniken minimum in dreierlei Hinsicht zu verifizieren und damit kratze ich nur an der Oberfläche des Problems.

  1. Ist die Existenz des Chronisten durch mehrere andere Quellen belegt? Wie steht es um die Glaubwürdigkeit jener anderen Quellen?
  2. Wenn ja, ist der Bericht glaubhaft (worunter eine Vielzahl von Untersuchungen zu verstehen sind, z.B. ob schriftliche Zeugnisse „echt“ sind, oder ob sie wirklich in der zugeordneten Zeit geschrieben wurden)?
  3. Hat sich ein Ereignis wirklich in der angegeben Zeit zugetragen, oder wurde der Zeitpunkt erst nachträglich, d.h. viel später datiert?

Und damit kratze ich nur an der Oberfläche einer Geschichte, die zunehmend an Glaubwürdigkeit verliert.

Plinius, der Jüngere und der Ältere

Suetonius wird bei Plinius dem Jüngeren erwähnt, der nicht nur Zeitgenosse von Suetonius war, sondern möglicherweise gleich alt. Der ältere Plinius (23/24 -79) war ein unglaublich produktiver Schreiber, der nicht nur 20 Bücher über die Kriege der Germanen schrieb (die zwar Grundlage von Berichten späterer Schreiber werden, die aber wieder mal leider nicht erhalten geblieben sind), sondern auch die Naturae historiarum libri triginta septem (Naturgeschichte, 37 Bücher): ca. 77 n. Chr.

Insgesamt sind es knapp hundert Bücher, welche der schreibwütige Plinius verfasst haben soll, was in einem Zeitalter, das noch nicht die einfachen Möglichkeiten der Textkorrektur der heutigen Zeit kannte, mehr als beachtlich ist. Zudem war Plinius als Offizier in verschiedenen römischen Provinzen eingesetzt. Im Jahr 47 n. Chr. kam er nach Niedergermanien und gelangte unter Domitius Corbulo in das Gebiet der Chauken.[30] [Friesen] Später erreichte er Gebiete nördlich des Mittel- und Oberrheins. Spätestens 59 n. Chr. war er zurück in Italien, übte jedoch unter Nero keine militärische oder zivile Funktion im Staat aus und konzentrierte sich auf seine wissenschaftlichen und literarischen Tätigkeiten. Wie gesagt, unglaublich wie produktiv Plinius im Anschluss an seine Kriegsabenteuer wurde..

Das Rätsel der begrenzten Zeit wird aber vollkommen einleuchtend aufgeklärt, denn der Trick bestand darin, eine Sänfte zu benutzen, wie auf Wikipedia zu lesen ist:

Einen scharfen Geist, großen Fleiß und ein hohes Maß an Wachheit bescheinigt der Jüngere dem Onkel. Für Ortswechsel in Rom riet Plinius der Ältere seinem Neffen, eine Sänfte zu nutzen, statt sich auf Fußwege einzulassen, weil sonst Zeit für Studien verloren ginge. Auf Reisen hatte der Naturforscher stets einen Stenographen mit Buch und Schreibtafel zur Seite. [31]

Mit einem anderen römischen Geschichtsschreiber, dessen Werke größte Bekanntheit erlangten, war er befreundet – mit Tacitus, einer anderen berühmten Quelle der Germanenkriege, welcher sich auf das (später) verschollene Werk von Plinius beruft. Auch Tacitus wurde irgendwie vergessen und erst von den Humanisten wieder ausgegraben. Plinius wird uns aber nicht zuletzt beschäftigt haben in dieser wunderlichen Geschichte und wir begegnen ihm am Ende des Artikels wieder.

Die Ennmannsche Kaisergeschichte

Als ob wir es bei diesen Chroniken, welche erstmals von Skaliger, wie es heißt, annähernd wissenschaftlich computiert oder arrangiert wurden, nicht schon mit genügend Fragwürdigkeiten zu tun gehabt hätten, taucht nun auch noch eine verlorene Kaisergeschichte aus dem Dunkel auf.

Der Name des Werks geht auf Alexander Enmann zurück, der 1884 die Untersuchung Eine verlorene Geschichte der römischen Kaiser und das Buch De viris illustribus urbis Romae veröffentlichte. Darin ging Enmann von der Beobachtung aus, dass zwischen den Werken der spätrömischen Geschichtsschreiber Aurelius Victor und Eutropius sowie (weniger stark ausgeprägt) der Historia Augusta und der Epitome de Caesaribus eine Vielzahl sprachlicher, vor allem aber inhaltlicher Übereinstimmungen besteht; dabei handelt es sich auch um Urteile und (teils grobe) sachliche Irrtümer. So schien beispielsweise Eutropius von Aurelius Victor kopiert zu werden, was aber nicht möglich sein konnte, da Eutropius nach Aurelius Victor schrieb. Andererseits bot Eutropius teils mehr Informationen als Victor und teilte nicht dessen Stil, Vokabular und Ansichten.32]

Deswegen vermutete Enmann eine gemeinsame Quelle, eine damals allgemein bekannte, aber nirgends erwähnte Kaiserliste. Ich frage mich, ob da nicht das Pferd von hinten aufgezäumt wurde.

Ammanius

Ammanius (330-395 oder 400) berichtet von einem Tsunami, der am 21. Juli 365 die Küsten des östlichen Mittelmeers heimsuchte.

Hieronymus
It was discovered, for instance, that Hieronymus misdates his own time by a hundred years ([72], page 83) chronologia.org
Annius von Viterbo

Annius von Viterbo (ca. 1432 in Viterbo; † 13. November 1502; geboren als Giovanni Nanni (Nenni); auch Joannes Annius Viterb(i)ensis) war ein italienischer Dominikaner-Mönch, der am päpstlichen Hof als Antiquar und Historiker wirkte. Bekannt ist er als Fälscher historischer Dokumente.

Er ist der Verfasser der als Pseudo-Berossos entlarvten Fälschung, die 1499 in Rom gedruckt wurde und die Geschichte der Bibel mit der Germania des Tacitus verbindet. Sein Stammbaum angeblicher Germanenstämme hatte eine weitreichende Wirkung in der Gleichsetzung von Germanen mit den Deutschen. Es wurde viel über die Echtheit dieser Schriftstücke gestritten, aber Joseph Justus Scaliger hat die Fälschungen nachgewiesen. [33]

Paulus Diaconus ist der wichtigste Chronist der Geschichte der Langobarden.

Kammeier (s.u.) wirft die Frage auf, was für ein Motiv jemand haben könnte, die Geschichte zu fälschen, wenn es doch nicht um eine praktische Betrügerei gegangen sein könne, und verweist auf die humanistische universale Geschichtsdichtungsaktion.

Sprachen

Hebräisch fußt zuerst vollständig auf der sprachlichen Blaupause
des Griechischen, wie das Joseph Yahuda in seinem genialen Buch
in allen Einzelheiten nachgewiesen hat (Yahuda, 1982).

In Westeuropa wurde auf der Grundlage des Griechischen von einer
Zentralmacht – wiederum einem römischen Reich – eine neue Sprache,
das Latein, als Kult-, Verkehrs- und Befehlssprache geschaffen.
Hebräisch schließlich ist als letzte der drei alten Sprachen entstanden.
– Ich setze deren Ursprung auf die Zeit vor dreihundert Jahren. [Pfister, S. 66]

Erhard Landmann meint im Altdeutschen die Wurzel aller Sprachen zu erkennen.

Sprachforschung, mit dem Fokus auf einen gemeinsamen Ursprung von Sprachen, ist untrennbar verbunden mit der babylonischen Verwirrung und deren Folgen, bietet faszinierende Einblicke in die Entwicklung der Völker und einige der kontroverseren Ansichten aus dieser Ecke komplimentieren die Ansichten der Chronologie-Kritiker von unerwarteter Seite her – Juden und Kelten könnten in der verloren gegangenen Historie enger miteinander verbunden sein, als gemeinhin angenommen. Die geheimnisvollen Skythen und Etrusker, aber auch die Chaldäer, hatten sie etwas mit den Kelten zu tun?

Leider habe ich es in der Vergangenheit versäumt mich mit diesem Forschungszweig zu befassen, in welchem ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis unserer Vergangenheit liegen könnte, weswegen wir uns im nächsten Teil lieber noch ein wenig mehr mit Chronisten und Chroniken beschäftigen wollen, welche Scaliger und seine Nachfolger als Quellen verwendeten. Da dies keine Abhandlung im Sinne einer wissenschaftlichen Analyse ist, und keinen weiteren Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, außer eine Art ersten (kritischen) Überblick über die Materie zu verschaffen, kann es sich dabei gleichsam nur um Stichproben handeln, mittels derer eine erste Einschätzung des überwältigenden Materials versucht wird.

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