Chronologie – der größte „Irrtum“ aller Zeiten (III)

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Das globale Problem mit der antiken Geschichte

Das Phänomen der „intentionalen Geschichtsschreibung“, das weiter oben als fromme Fälschung bezeichnet wurde und sich auf die religiös motivierten Mönche des Mittelalters bezog, sollte bei der Betrachtung von antiken Chroniken nicht außer Acht gelassen werden. Es erscheint, so betrachet, plausibel, dass was immer beispielsweise in Ägypten schriftlich niedergelegt wurde, ganz im Sinne der Herrscher gewesen sein muss. Ein Motiv, die eigenen Taten oder die Ahnenreihe zu überhöhen darf mit Fug für viele Chroniken weltweit vermutet werden. Es folgen ein paar Einschätzungen verschiedener Autoren über die Widersprüchlichkeit, wenn nicht Fälschung von Chroniken in der Antike, die nur in diesem Kontext verstanden werden können.

Die Sumerer

Je weiter man in der Zeit zurückgeht, umso unsicherer gestaltet sich die Datierung. In einem umfangreichen Keilschrifttext, den man wegen seines Inhalts Sumerische Königsliste nannte, wurden Herrschergeschlechter und die Regierungszeiten einzelner Könige bis zurück zum dritten Jahrtausend v. Chr. aufgelistet. Die Angaben in diesem Dokument erweisen sich jedoch als nicht zuverlässig. Die Ursache dafür ist, dass alle aufgezählten Dynastien als streng aufeinanderfolgend beschrieben werden, obwohl sie gelegentlich parallel zueinander bestanden. Die zweite Fehlerquelle resultiert aus den für die frühesten Könige propagandistisch übertriebenen Lebensdaten von mehreren hundert oder gar tausend Jahren. ([190] S.32) H.W.F. Saggs: Völker im Alten Babylon Theiss 2005

Ägypter

Die ägyptische Geschichtsdarstellung [gibt] nicht ein realistisches Bild der tatsachlichen Ereignisgeschichte, sondern eine Adaption derselben an die ägyptische Geschichtsaufassung. Zeiten politischer Unordnung, der Fremdherrschaft und inneren Revolutionen sind von solcher Geschichtsdarstellung ausgeschlossen. (Wildung zit.n. H.J. Prem: Die Azteken Beck, 1996 zitiert nach Ronald Starke Niemand hat an der Uhr gedreht!: Geschichte des wissenschaftlichen Denkens im Altertum Akademie-Verlag Berlin 1982 et al. S.122)

Ein Beispiel dafür gibt H. Haarmann in Universalgeschichte der Schrift Zweitausend-eins 1990:

Menes wird die Einigung Ober- und Unterägyptens zugeschrieben, ein Vorgang, der aber wahrscheinlich bereits zwei oder drei Jahrhunderte vor seiner angeblichen Regentschaft stattgefunden hat. Dieser erste ägyptische Pharao ist möglicherweise eine Erfindung der Ramessidenzeit.

Die Maya

Lt. einer Untersuchung von H.J. Prem: Die Azteken Beck, 1996 zitiert nach Ronald Starke Niemand hat an der Uhr gedreht!:

Die erhaltenen Listen der Herrscher von Tollan … sind  voller Widersprüche. (S.69) Bei den ersten fünf Herrschern, die zur Zeit von Tollan gelebt haben sollen, handelt es sich vermutlich nur um eine künstliche Aufblähung mit dem Ziel, die Reihe in die Vergangenheit zu verlängern, denn die Namen dieser Herrscher kehren später teilweise in derselben Abfolge wieder. Dieselbe Quelle steht auch hinsichtlich der zeitlichen Quellen des Topiltzin von Tollan im Widerspruch zu den wenigen übrigen Berichten. (S.73) Der historische Moment der Gründung von Tenochtitlan ist sicherlich fiktiv. (S.75) Die Diskrepanzen in den Quellen sprechen für sich: die mitgeteilten Daten liegen zwischen 1194 und 1366. (S.76) Der erste Herrscher von Tenochtitlan wurde Acamapichtli (ca. 1371 bis 1391). Seine Herkunft ist voller Widersprüuche. (S.77) Usw..

Roland Starke kommt zu der Schlussfolgerung, dass nicht etwa die Atzteken nicht existiert hätten und das „Azteken-Phantom das Produkt einer Fälschung späterer Jahrhundert ist, sondern ‚dass die große Mehrheit der historischen Quellen keinen modernen Ansprüchen genügt und dass dies ganz allgemein (rund um den Erdball und nicht etwa nur im frühen Mittelalter) sich so verhält. Dieser Sachverhalt hat nun klar benennbare Ursachen.

Sizilien

Wieder zitiere ich mich selbst (und Heribert Illig:) aus Illuminaten, Freimaurer und Geheimgesellschaften bis 1300, wo ich mir so mühsam einen Weg durch die nun möglicherweise erfundene Geschichte bahnte, doch das ist eine andere Geschichte:

Es existieren z.B. auf Sizilien, dieser heiß umkämpften Insel, nämlich überhaupt keine arabischen Relikte aus jener Zeit. Immerhin soll dort einst eine Moschee gestanden haben, in der 7.000 Leute Platz gehabt haben. Die Stadt selbst soll floriert haben. Trotzdem bleibt es dabei – keine Funde vor dem 10./11. Jahrhundert. Auf Fantomzeit ist zu lesen:

[…] Aber es fehlen ja nicht nur die arabischen Relikte. Auch für die Christen vom 7. bis zum frühen 10. Jh., die doch immer klare Bevölkerungsmehrheit geblieben sei sollen, ist noch nichts gefunden worden. Wofür die Araber ein Dutzend Großinvasionen und noch einmal so viele Raubzüge gegen die Insel unternommen haben und was die Byzantiner mit mächtigen Armeen da eigentlich für verteidigenswert hielten, bleibt vom archäologischen Befund her rätselhaft.

Wenigstens für Sizilien scheint zu gelten: Keine Funde aus der Zeit zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert. Selbst Wiki gibt dies folgendermaßen zu: Bauwerke sind aus der arabischen Zeit keine erhalten geblieben. [19]

An Geschichten dieser Zeit fehlt es indes nicht. Die Insel wurde zweihundert Jahre lang heftigst umkämpft, ehe der normannische Roger I. die Insel auf Dauer wieder zurückzuerobern begann.

Im Jahre 1072 wurde die Hauptstadt Palermo erobert und 1091 fiel endgültig auch die letzte muslimische Festung in Noto im Südwesten der Insel„, doch wo ist sie geblieben die Festung?[20]

Bild Wiki: 1072 – Roger I. von Sizilien nimmt die Schlüssel von Palermo entgegen. Im Hintergrund sind prachtvolle Gebäude zu erkennen, er selbst sitzt hingegen in einem Zelt![21]

Das Emirat von Sizilien soll von 831 bis 1072 Bestand gehabt haben, mehr als 240 Jahre. Zeit genug eigentlich, um sich häuslich einzurichten, da laut Geschichtsschreibung zeitweise die Muslime sogar die Mehrheit der Bevölkerung der Insel stellten. Hatten die abwechselnden Besatzer alle nur Holz für den Bau ihrer Festungen und Moscheen/Kirchen verwendet, oder (was bei den beinahe ununterbrochenen kämpferischen Aktivitäten auf der Insel fast wahrscheinlich ist) hatten die Besatzer nie genug Zeit ein paar ordentliche Festungen hinzustellen, weil sie ständig wieder überfallen wurden? In einem You Tube Beitrag fand ich die elegante Formulierung, dass die Normannen die Gärten so gelassen hätten, „lediglich die Burg des Emirs wurde ersetzt“.

England

Auch in England herrscht übrigens eine seltsam anmutende Armut an Fundstücken, die dieser Zeit zugeordnet werden können, bzw. die eben nicht auffindbar sind.

Der mit der Geschichte Englands sehr vertraute Edwin Johnson folgte den Argumenten von Hardouin (vgl. weiter unten) und konnte für Englands Geschichte nachweisen, dass es tatsächlich vor der Zeit Heinrichs VIII. kaum sichere Quellen gab und dafür viele offensichtlich später geschaffenen Werke aufgetaucht waren, deren Echtheit bezweifelt werden müsse, weil frühere Zeitgenossen und Gelehrte nichts von diesen Werken oder Geschehnissen wussten. [22]

Die Chronisten

Die Geschichtsschreibung mit wissenschaftlichem Wahrheitsanspruch, heißt es, wäre gleichwohl in der klassischen Antike im Ergebnis einer Wissenschaftsrevolution entstanden. Dieses Ideal einer faktischen Geschichtsschreibung konnte sich jedoch nur allmählich durchsetzen (soll heißen, diese Praxis scheint sich noch mehr als tausend offizieller Geschichtsjahre gehalten zu haben), sodass im antiken Griechenland und noch im späten Rom (sowie, wie wir gesehen haben, im gesamten „Mittelalter“) das Geschichtsverständnis der Historiker oftmals sehr eigenwillige Züge trug.

Wenden wir uns also den frühen Chronisten zu, welche ein überschaubares Häuflein bilden und oftmals die einzigen Quellen antiker Ereignisse sind. Fast alle Chroniken stammen von Mönchen. Vielleicht kommen wir so einer Erklärung dieser merkwürdigen Tradition intentionaler, frommer Geschichtsdichtung auf die Spur, ob sich die Geschichte dadurch wesentlich erhellen wird, sei vorab schon leicht bezweifelt. Ein häufig zitierter wichtiger Zeitzeuge ist Eusebius.

Eusebius von Caesarea (* 260/64 in Palaestina; † 339 oder 340) wird als Schöpfer der neuen Gattungen der christlichen Kirchengeschichte und Chronik angesehen. In seiner griechischen Vita Constantini in vier Bänden lobt er Konstantin über den grünen Klee hinaus. Manche Forscher, wie A. Cameron in Das späte Rom dtv 1994, melden gewichtige Zweifel an der Aussagekraft von Eusebius‘ Werk an (zit. nach Roland Starke, S.62) .

Hinzu kommt, dass ein Großteil dessen, was wir über Konstantin wissen, auf Eusebios‘ Vita Constantini gegründet ist, die (wie Buch 10 seiner Kirchengeschichte) eine Vielzahl kaiserlicher Briefe und Edikte enthält, die angeblich aus offiziellen Abschriften transkribiert oder aus den lateinischen Originalen übersetzt oder von Eusebios selbst zusammengefasst sind.
In den meisten Fallen aber gibt es keine unabhängigen Zeugnisse, mittels derer man die Genauigkeit seines Vorgehens prüfen konnte, vielmehr hat sich gezeigt, dass der Umfang des Materials, das er tatsachlich kannte, recht gering war. …

Interessanterweise soll Eusebius laut Cameron den einzigen Augenzeugenbericht vom für die Kirchengeschichte so überaus wichtige Konzil von Nicaea bieten, von dem keine offiziellen Akten erhalten geblieben sein sollen. Überliefert wurde, dass Eusebius kurz zuvor von einem anderen Konzil als Sympathisant der arianischen Seite verurteilt worden war.

Von dieser Ansicht abweichend wird gemunkelt, dass auch Eustathius von Antiochia (270-360, Arianer) und Athanasius (Trinitarier) von dem Konzil berichten sollen. Wieder mal unglaublich, dass von den nach einigen Angaben 1800-2000 Teilnehmern des Konzils nur allenfalls drei Überlieferungen erhalten sind. Eusebius hingegen spricht von nur 22o Teilnehmern,  Eustathius von 270, während Athanasius von Alexandria 318 zählte. (?) Unglücklicherweise ist von Eustathius nur eine Abhandlung über die Hexe von Endor erhalten geblieben. [23]

Theodoret

Ich fand aber die Überlieferungen eines frommen Menschen aus dem 5. Jahrhundert, der sich oft und gerne auf Eustathius beruft, und genauestens über ihn, Athanasius, über Eustathius, die Arianergeschichte und über das Konzil Bescheid weiß. Es ist Theodoret von Cyrus († 466). Er verfasste eine umfangreiche Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica), in welcher er sich Eustathius‘ Schätzung von 270 Teilnehmern am Konzil anschließt. Theodoret berichtet in der Einleitung seiner Kirchengeschichte:

Eusebius aus Palästina hat, mit der Geschichte der heiligen Apostel beginnend, bis zur gottgesegneten Regierung Konstantins die auf die einzelnen Kirchen bezüglichen Ereignisse aufgezeichnet.

Theodoret nennt also Eusebius, der möglicherweise nicht über großes Wissen verfügt, als Quelle für sein in fünf Bücher unterteiltes Werk, in der er die Kirchengeschichte von 323- 428 erzählt, dabei über die Arianer, Gott und Gottlosigkeit philosophiert und Konstantin in den Himmel lobt, wie man hier nachlesen kann.

Jakobus nach Theodoret

Ich muss gestehen, dass ich diese Erzählung allenfalls überflogen habe, dabei aber den Eindruck eines regelrechten Romans gewann, was erst mal nichts heißen will. Dafür fand ich ein anderes Werk unseres Theodoret und staunte beim Lesen der Mönchsgeschichte (Historia Religiosa) über seinen wahren Bericht. Zunächst bezeugt er die absolute Wahrhaftigkeit oder mindestens Glaubwürdigkeit seines Berichtes.

Von manchem des Erzählten war ich Augenzeuge. Was ich nicht selbst gesehen habe, hörte ich von denen, die sie gesehen hatten, von Männern, Liebhabern der Tugend, welche des Anblicks und der Lehren jener Helden gewürdigt worden waren. Glaubwürdig als evangelische Berichterstatter sind nicht bloß Matthäus und Johannes, die ersten und großen Evangelisten, welche Augenzeugen der Wunder des Herrn waren, sondern auch Lukas und Markus, welche Augenzeugen von Anbeginn und Diener des Wortes genau belehrten über alles, was der Herr gelitten und gewirkt und bis ans Ende gelehrt hatte. Und Lukas, der kein Augenzeuge gewesen, erklärt im Anfange seiner Schrift, daß er berichte über das, worüber er vollkommen vergewissert sei. Und wir, die wir von ihm vernehmen, daß er kein Augenzeuge des von ihm Erzählten sei, sondern von andern die Belehrung erhalten habe, glauben ihm und dem Markus nicht weniger als dem Matthäus und Johannes. Denn beide Gruppen sind glaubwürdig in ihren Berichten, da sie beide von Augenzeugen belehrt wurden. So werden auch wir einiges erzählen als Augenzeuge, anderes im Vertrauen auf die Berichte von Augenzeugen, Männern, die das Leben jener nachgeahmt haben.

Ich habe mich hierüber ausführlicher ausgesprochen, um die Leser zu überzeugen, daß ich Wahrheit rede. So beginne ich nun die Erzählung. [24]

[Nun erzählt Theodoret, ganz durchdrungen von der Wahrheit, vom Leben des Jacobus.]

[…] Zu jener Zeit kam er nach Persien, um die jungen christlichen Pflanzungen zu besuchen und ihnen nötige Pflege angedeihen zu lassen. Als er da an einer Quelle vorbei kam, waren eben einige Mädchen mit Waschen beschäftigt und reinigten mit ihren Füßen die Kleider. Sie zeigten keine Scheu vor der ungewöhnlichen Erscheinung, sondern alle Scham von sich werfend, sahen sie mit frecher Stirne und kecken Augen den Gottesmann an, verhüllten weder ihr Haupt noch ließen sie die hochgeschürzten Kleider herab. Darüber aufgebracht und um zu rechter Zeit die Macht Gottes zu zeigen und durch ein Wunder sie von ihrer Gottlosigkeit zu heilen, verfluchte der Mann Gottes die Quelle, und sogleich versiegte der Bach. Er [S. 30] verfluchte auch die Mädchen und strafte ihre unverschämte Jugend durch vorzeitiges Ergrauen der Haare. Und dem Worte folgte die Tat: ihre schwarzen Haare erbleichten, und sie glichen jungen Bäumen, die im Frühlinge mit herbstlichen Blättern sich bedecken. Da sie ihre Strafe wahrnahmen (denn sie sahen das Wasser des Baches ausbleiben, und indem sie einander anblickten, gewahrten sie die plötzliche Veränderung), liefen sie zur Stadt, um den Vorfall zu erzählen. Die herbeigelaufenen Bewohner holten den Jakobus ein und baten ihn, doch von seinem Zorn abzulassen und die Strafe aufzuheben. Er aber zögerte keinen Augenblick, brachte dem Herrn sein Gebet dar und befahl dem Wasser wieder zu sprudeln. Dieses erschien sogleich wieder, aus den heimischen Behältnissen durch den Wink des Gerechten hergeleitet. Nachdem sie dieses erlangt hatten, baten sie ihn, auch dem Geflechte der Töchter die frühere Farbe wiederzugeben. Man sagt, daß er auch dieses zugestanden, jedoch nach den Mädchen verlangt habe, die diese Lehre empfangen hatten, und da sie nicht erschienen, habe er die Strafe belassen als Mahnung zur Eingezogenheit und Wohlanständigkeit und als ewiges und augenfälliges Denkmal der göttlichen Macht. So war das Wunder dieses neuen Moses nicht durch den Schlag des Stabes gewirkt, sondern durch die Kraft des heiligen Kreuzeszeichens. Ich aber bewundere gar sehr neben dem Wunder seine Sanftmut. Denn nicht wie der große Elisäus übergab er jene schamlosen Mädchen blutdürstigen Bären, sondern er wandte eine unschädliche Strafe, eine kleine Entstellung an und lehrte sie so zugleich Frömmigkeit und Wohlanstand.

Mit Theodoret, der sich auf Eusebius beruft, als Zeugen kann also rein gar nichts schief gehen, die Geschichte ist somit gesichert! Ehrenwort.

Fomenko und der 532-Jahreszyklus des Osterfestes

Auf dem Konzil von Nicaea sollen die Regeln für das Osterfest (und davon abhängig die anderen christlichen Festtage) festgelegt worden sein, was insofern von Bedeutsamkeit ist, als sich Papst Gregor 1582 bei seiner Kalenderkorrektur auf die Wiederherstellung der Ausgangsbedingungen zur Zeit des Konzils bezieht. Man kann nun unter Verwendung der Osterregel und einem davon abgeleiteten 532-Jahreszyklus von der Gegenwart zurück in das vierte Jahrhundert rechnen, und trifft die passenden Bedingungen im Jahre 345 anstatt anno 325, in dem das Konzil von Nicaea stattgefunden haben soll. Das ist jedenfalls Ergebnis der Untersuchungen Fomekos, eines gewichtigen Chrono-Kritikers.

Erhard Landmann hingegen, ein gleichfalls umstrittener Kritiker der offiziellen Chronik und Sprachforscher, rechnet auf das Jahr 375 zurück, wahrscheinlich weil die genaue Differenz, von der Gregor ausging, nicht bekannt ist und hier nur vermutet werden kann, dass es nicht genau 10 Tage waren.

Ob man nun 10 Tage einsetzt für die Abweichung vom Frühlingspunkt der Tagundnachtgleiche oder nur 9,5 – beide Male kommt man wohl nicht auf das Jahr 325 zurück. Der Mathematiker Nosovski, Co-Autor von Fomenko (s. weiter unten), gelangte u.a. deshalb zu der Überzeugung, dass das Konzil in Wirklichkeit im Jahre 876 oder 877 stattgefunden hat.

Rechnet man spaßeshalber noch weiter vor, gelangte man in das Jahr 1408 oder 1409, eine Zeit, in welche der Beginn einer erhöhten Fälschungsaktivität kirchlicher Dokumente fällt, welche nach Kammeier auf eine kirchliche Intrige zur Geschichtsfälschung zurückzuführen ist. Das Konzil von Konstanz von 1414 – 1418 (man stelle sich vor, die Leute hatten was zu bereden. Oder haben Sie fleissig Geschichte geschrieben?), wenn es nicht erfunden wurde, könnte eine wichtige Rolle bei der sich anbahnenden Intrige spielen. Ich spekuliere lediglich, die Vorstellung einer in wesentlichen Teilen absichtlich gefälschten Geschichte ist auf den ersten Blick unwahrscheinlich, unter bestimmten Bedingungen, denen wir uns zum Schluss des Artikels noch widmen, aber nicht unmöglich.

In diesem Artikel kann es nicht darum gehen, die eine oder andere These der Chrono-Kritiker zu beweisen, es können allenfalls einige Fallstricke bei der Geschichtsfindung, Teil-Kontroversen, die zu anderen Fragen führen, die Problematik mit der Geschichtsschreibung und die allgemeinen Rahmenbedingungen in diesem bislang noch lautlosen Kampf um die Geschichte aufgezeigt werden, um so vielleicht ein wenig dazu beizutragen, dass sich einige Menschen mehr mit der Geschichte beschäftigen. Die Geschichte der Menschheit vom christlich-religiösen Geschichtsmythos zu befreien, wäre wahrhaftig eine würdige Aufgabe für die Menschheit. Es ist eine Herkules-Arbeit, auch ohne das Problem vermuteter mittelalterlicher Fälschungsmentalität.

Die einzige Gewissheit momentan scheint mir zu sein, dass wir nichts jenseits offizieller Geschichtsschreibung wissen.

Die Schedel’sche Weltchronik

Ein weiteres Beispiel für eine Chronik soll noch genannt werden, diesmal angeblich von 1490. Die Schedel’sche Weltchronik war ein Buch der Superlative (325 mm x 480 mm),  mit vielen farbigen Abbildungen versehen und es beschreibt die Weltenzeitalter ab Erschaffung der Welt.

Die Schedel’sche Weltchronik – im zweiten Weltalter (gewissermaßen der Vorzeit) gab es allerlei seltsame Wesen …

Während die historische Abbildung der Städte um den Wohnort (Nürnberg, s.o.) Schädels herum wahrscheinlich recht genau ist ..

… gerät Franken irgendwie seltsam …wenn man nicht bedenkt, dass diese Abbildung sich auf die mittlerweile untergegangenen Inseln Frieslands beziehen könnten, s. Quellen, Literatur und Anhang.

Der chronologischen Genauigkeit antiker Chronisten und der Arbeit der späteren Kopisten kann jedenfalls nur sehr bedingt vertraut werden. Demgegenüber stehen die über die Jahrhunderte überlieferten astronomischen Beobachtungen , welche wenigstens teilweise die offizielle Geschichte zu bestätigen scheinen. Auf sie wird im nächsten Teil eingegangen.

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