Größte Verschwörung oder größter Irrtum?

Kurz dachte ich über den Titel „Die größte Verschwörung aller Zeiten nach“, doch verließ mich angesichts der heftig tobenden Kontroverse der Mut, mich so weit aus dem Fenster zu lehnen. Dennoch bleibe ich dabei: Die Geschichte, wie wir zu unserer Chronologie kamen, könnte sich als Mutter aller Verschwörungstheorien erweisen.

Prolog

In den geschichtlichen Überlieferungen des sogenannten Mittelalters gibt es dunkle Stellen, Lücken, die so groß sind, dass wir vom dunklen Mittelalter sprechen. Zeugnisse dieses Teils der Vergangenheit gingen in den Wirren der Kriege verloren, vermutet die offizielle Geschichtsschreibung, andere sehen darin einen Beleg für Geschichtsfälschung, die je nach Theorie einen größeren oder kleineren Teil der Geschichte betrifft, sodass sich mittlerweile der Begriff Fantomzeit etabliert hat. In diesem Artikel wird die Ausgangslage dieser Kontroverse dargestellt, und geklärt, warum die Theorie der Fantomzeit und ähnliche Theorien überhaupt entstehen konnten. Darüber hinaus werden wir von Wilhelm Kammeier hören, der vor ungefähr 90 Jahren damit begann, sich mit den Fälschungen des Mittelalters zu beschäftigen und zu einer Theorie gelangte, die trotz ihrer scheinbaren Unmöglichkeit die plausibelste Erklärung für ein gewisses, außerhalb der Fachwelt wenig beachtetes Phänomen der mittelalterlichen Fälscherkunst darstellt.

Nichts darf man ohne eigene Begründung annehmen, es sei denn es sei evident oder aufgrund von Erfahrung gewusst oder durch die Autorität der Heiligen Schrift gesichert.“ (In I. Sent d 30, q 1) schrieb Wilhelm von Ockham , der von 1288–1347 gelebt haben soll. Wilhelm von Ockhams Rasiermesser ist praktisch stumpf, wenn er die Autorität der Heiligen Schrift zum Maße aller Dinge erhebt, denn ein Teil des Problems der dunklen mittelalterlichen Zeit scheinen Klöster und die Kirche und ein vom Verständnis moderner Juristen abweichendes Verständnis von Geschichtsschreibung zu sein. Von diesem so schwer fassbaren „mittelalterlichen“ Verständnis wird deshalb häufig die Rede sein. Am Ende des Artikels wird sich dem Leser erschließen, warum die folgenden Fragen von Kritikern der offiziellen Historie mit voller Berechtigung gestellt werden:

Ist die Geschichte, die wir in der Schule lernen, gefälscht?

Wenn ja, was davon bleibt wohl als wahre Historie übrig?

Zahlreiche Quellen und Verweise auf (überwiegend) kritische Fach-Literatur sind im Text und im Anhang aufgeführt und ermöglichen es dem interessierten Leser sich selbst ein Urteil über diese Fragen zu bilden. Weit davon entfernt, ein abschließendes Urteil über die kontroverse Materie zu fällen, stellt der Artikel einen zwar umfangreichen, aber nichtsdestotrotz unvollständigen Überblick über den Stand aktueller Chronologie-Forschung dar, und ist somit eher als Einstieg für bislang vom Geschichtsfälschungsvirus unberührte Geister zu verstehen, und nicht als Nachschlagwerk für Chronologie-Profis.

Die erfundene Zeit

Die erfundene Zeit, welch‘ seltsamer Titel werden sie vielleicht denken. Denn natürlich kann man Zeit weder erfinden, noch sparen oder ausgeben, möchte man guten Glaubens annehmen. Wir stützen uns auf das Konstrukt der Zeit, wenn wir zwei oder mehrere Objekt oder Ereignisse in einen Vorher-Nachher-Bezug oder, allgemeiner gesprochen, in eine temporalen Beziehung setzen wollen, oft in der Absicht, einen kausalen Zusammenhang herzustellen. Weil etwas zuvor geschieht oder ist, folgt daraus ein anderes, weiteres verknüpftes Ereignis oder ein Prozess. Wir nennen dies einen kausalen Zusammenhang, der ohne eine Vorstellung von Zeit schlecht denkbar ist.

Dieser Logik entsprechend arbeitet unser Verstand gerne, das ist seine ureigenste Domäne. Einfaches vierdimensionales Denken, in welchem Zeit und Raum einander zugeordnet werden, mündet im kausalen Denken. Während der Verstand Zeit als eine Art Hilfskonstrukt verwendet, in welchem Vergangenes und Gegenwärtiges in Beziehung gesetzt werden, existiert auf einer tieferen Ebene unseres Seins, unterhalb der Verstandesebene, ein anderes, grundsätzlicheres Zeitempfinden, die innere Uhr wird es manchmal genannt, welches uns das Verstreichen individueller Zeit verrät. Es steht für die gefühlte innere Kontinuität als Einheit, welche mit unserem Gedächtnis, der Erinnerung, einher geht, jedoch nicht dasselbe ist. Unser Zeitempfinden im Tagbewusstsein ist subjektiv und Veränderungen unterworfen, manchmal „vergessen“ wir die Zeit gar, aber dieses innere Empfinden von Kontinuität trifft einen anderen Aspekt der Zeit. Es ist ein wesentlicher Teil oder Ausdruck unseres individuellen menschlichen Daseins.

Über Kontinuität

Die ureigenste Vorstellung von Kontinuität verbindet und trennt das isolierte Ego von, bzw. mit dem Rest.

Ohne dieses Empfinden eigener Kontinuität gäbe es keine über den Tag hinausgehende Motivation, keine Dauer, keine menschlichen Werke, keine Tradition, keine Zivilisation. Nichts das Bestand hätte, wäre je erschaffen worden ohne dieses tief in uns Menschen wurzelnde Gefühl von und Verlangen nach Kontinuität.

Die historische Geschichte übernimmt in großem Maßstab für die Gesellschaft das, was unsere individuelle Erinnerung im Kleinen leistet.  Wenn Kontinuität, und daraus abgeleitet Tradition und historische Überlieferung, also so etwas wichtiges und essentielles im Leben von Gesellschaften darstellt, läßt sich leicht einsehen, wieso der Frage nach der Substanzialität der historischen Zeit eine kaum zu unterschätzende Bedeutung zukommt. Denn Geschichte ist nicht einfach eine Aneinanderreihung von Daten und Orten, sondern sie will erzählt werden, und einen zeitlich-kausalen Zusammenhang mit dem Jetzt herstellen. Deswegen sollte Geschichte zumindest plausibel sein und vor allem auf echten historischen Personen und Daten beruhen.

Die Kausalität und Kontinuität der Geschichte wird in Frage gestellt

Wir, unser Verstand, möchte gerne wissen, wie eins zum anderen kam, und wieso die Welt jetzt so ist wie sie ist, doch die Geschichte der Menschheit birgt immer noch zahllose Rätsel, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen.

Wenn nun jemand vor vielen Jahrhunderten an dieser Geschichte herumgepfuscht hätte, dann könnte das unter Umständen gewichtige Änderungen nach sich ziehen – für unser Geschichtsverständnis und unseren Blick auf die Gegenwart. Mit Verweis auf die Geschichte wird schließlich die Unausweichlichkeit der Gegenwart begründet.

Eine Änderung des Datums eines Ereignisses ändert auch seinen Kontext und somit seine Bedeutung. Stellen Sie sich einfach vor, Sie wachen morgens mit völlig veränderten Erinnerungen an ihre Lebensgeschichte auf – wären Sie nicht auch ein anderer Mensch?

Die Fantomzeit-These, die in Wirklichkeit die verschiedensten Theorien beinhaltet, wird nur in einem kleinen Zirkel äußerst kontrovers diskutiert, berührt die verschiedensten Fachbereiche und geht dabei bis in Einzelheiten und untergeordnete Kontroversen, die keinen Menschen außerhalb einer kleinen Gemeinde Interessierter vom Fernsehsessel wegholen können. Zu Unrecht, wie ich meine. In Die gefälschte Zeit dokumentiere ich gleichsam meine ersten Schritte bei der Erkundung eines äußerst unsicheren Terrains und lade Sie hiermit ein, mich zu begleiten.

Zeitmessung

Ohne einen kleinen Exkurs in gewisse Grundlagen wird es nicht gehen, auch wenn vieles bekannt ist. Die Geschichte der Chronik-Kontroverse läßt sich nur langsam erzählen, eine Kurzversion gibt es nicht, denn wir befassen uns schließlich mit dem Stoff, aus dem die Geschichte selbst gemacht ist. Die Rede ist von Zeit und wie man sie misst.

Die Bestimmung der Zeit wird als frühes und wichtiges Merkmal von Zivilisation angesehen, es läßt sich jedenfalls nachvollziehen, wie in der Vergangenheit nach Möglichkeiten gesonnen wurde, die Zeit möglichst präzise und reproduzierbar zu messen. Mit der Sonnenuhr konnte eine Tageszeit genauer bestimmt werden als mit Angaben wie „bei Sonnenaufgang, zur Mittagszeit, usw.). Erst die Einführung eines zuverlässigeren Zeitmessers erlaubte übrigens die exakte Positionsbestimmung bei der Navigation auf den Weltmeeren.

Die Mondphasen, der Einfallswinkel der Sonne und der Lauf der Gestirne erlaubten eine Zeitrechnung in größerem Maßstab, in vielen Kulturen wurde schon früh ein Mondkalender verwendet und blieb in einigen bis zum heutigen Tag erhalten, z.B. im Islam. Die zweite frühe Erfindung im Zusammenhang mit der Zeit war also der Kalender, mit dem nicht die tägliche Zeit oder Mondphasen sondern die Jahreszeit bestimmt werden sollte, und dem bald große Bedeutung zukam, da es mit ihm möglich wurde Festtage an einen bestimmten Tag im Jahr zu binden oder landwirtschaftliche Termine wie Aussaat und Ernte festzulegen. Man stelle sich vor, um wie viel einfacher es wurde , sich auf das nächste Jahr zu verabreden, wenn man über einen Kalender verfügte, für ein ordentliche Geschichtsschreibung ist er jedenfalls unabdingbar.

Anhand des Sonnenstandes wurden der längste und der kürzeste Tag sowie die Tag- und Nachtgleichen definiert,  allerdings gab es mit der Anzahl der Tage in einem Jahr ein Problem. Ein Mondkalender richtet sich nach den Mondphasen, doch ein voller Zyklus dauert etwas weniger als 30 Tage, sodass der Mondkalender sich als unpraktisch ewies, wenn man einen Jahrestag festlegen wollte. Die Ägypter entwickelten ein System, das abwechselnd 12 und 13 Mondzyklen ein Jahr nannte. Trotz ihrer angeblichen fortgeschrittenen astronomischen Kenntnisse gelang es ihnen nur mehr recht als schlecht ein vernünftiges Kalendersystem auf die Beine zu stellen.

Doch selbst wenn eine Mondphase genau dreißig Tage dauern würde, blieben nach 12 Zyklen immer noch ein paar Tage übrig. Da sich die 365 Tage (und einige Stunden – es sind ca. 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden) eines Sonnenjahres in keiner Weise teilen lassen, sodass eine ganze Zahl dabei herauskommt, griff man schließlich zu dem bekannten Kompromiss, in welchem man 6 Monaten des Jahres 31 Tage, 5 Monaten 30 Tage und einem, dem Februar nur 29 Tage zuwies. Aber selbst dann ging die Rechnung nicht auf, weswegen wir auch noch Schaltjahre haben.

Der gregorianische Kalender

Als sich im 15. Jahrhundert aufgrund der Ungenauigkeit des Julianischen Kalenders der Zeitpunkt der Frühlingstagundnachtgleiche um ca. 10 Tage nach vorne verschoben hatte, läßt uns die offizielle Geschichtsschreibung wissen, sah sich Papst Gregor XIII. 1582 genötigt, einen neuen Kalender in Auftrag zu geben. Denn der vormals von Julius Caesar eingeführte sogenannte römische oder julianische Kalender war zwar schon ziemlich genau, aber eben nicht exakt, sodass der Zeitpunkt der Frühlingstagundnachgleiche, nach dem das Osterfest berechnet wird, nicht mehr mit der Realität übereinstimmte. Das Problem war recht dringend, der Papst scheint sogar wohlwollend auf die neuen Astronomen wie Kopernikus geblickt zu haben, in der Hoffnung aus dieser Ecke einen praktikablen Vorschlag für das Kalenderproblem zu bekommen.

Der neue, von Lipsius entwickelte, Kalender Gregors, war dann zwar immer noch nicht ganz genau, doch immerhin scheint er bis heute seinen Zweck zu erfüllen. Auch der neue gregorianische Kalender kam indes nicht ohne Sonderregeln aus, denn: nicht alle durch vier teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Wikipedia erklärt die Regeln des gregorianischen Kalenders so:

  1. Die durch 4 ganzzahlig teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Die mittlere Länge eines gregorianischen Kalenderjahres erhöht sich dadurch um einen viertel Tag von 365 Tagen auf 365,25 Tage.
  2. Säkularjahre, also die Jahre, die ein Jahrhundert abschließen (z.B. 1800, 1900, 2100 und 2200) sind keine Schaltjahre. Im Durchschnitt verringert sich dadurch die Länge des Kalenderjahres um 0,01 Tage von 365,25 Tage auf 365,24 Tage.
  3. Schließlich sind die durch 400 ganzzahlig teilbaren Säkularjahre doch Schaltjahre. Damit sind z.B. 1600, 2000 und 2400 jeweils wieder Schaltjahre. Die mittlere Länge des Kalenderjahres erhöht sich um 0,0025 Tage von 365,2400 Tage auf 365,2425 Tage (das sind 365 97⁄400 Tage). [1]

Die Erstellung eines korrekten Kalenders war nicht einfach. Wie sich herausstellte, war diese Schwierigkeit jedoch nur eine geringe, wenn man im Verhältnis dazu einmal betrachtete, welche Probleme es mit sich brachte, eine überregionale Chronik  zu erschaffen. Umstritten ist ein wesentlicher Punkt, nämlich die Frage, ab wann die Zählung nach der Geburt von Jesus eingeführt wurde. Dazu später mehr.

Die Zeitachse

Warum diese kurze Einführung in die Geschichte des heutigen Kalenders notwendig war, wird bald deutlich werden.

Bis in das neunte oder zehnte Jahrhundert hinein, wenn nicht sogar länger, war es in Mitteldeutschland wahrscheinlich nicht allgemein üblich, sich bei der Angabe von Jahreszahlen auf die Geburt eines Christus zu berufen, wahrscheinlich war es sogar viel später (s. weiter unten). Was ganz allgemein gesehen nicht unvernünftig erscheint, schließlich gibt es hierzu die unterschiedlichsten Angaben, die von ein paar Jahren vor Jesus bis zu etlichen Jahren nach seiner Geburt reichen – falls man einen historischen Jesus annimmt. Doch dessen Existenz ist umstritten, die Römer haben trotz ihrer Bürokratie versäumt, diesen schriftlich zu verewigen.

Will man nun eine Zeitachse bilden, welche die Ereignisse nicht nur in Europa sondern auch in anderen Regionen dieser Erde synchronisiert, steht man vor einer gewaltigen Aufgabe. Mondkalender, Kaiserkalender, Zeitangaben, welche sich auf Regierungszeiten von Herrschern beziehen, der Jahresbeginn, der in jeder Region zu einem anderen Datum begann, lokale Chroniken verschiedenster Weltregionen, das alles soll zueinander in Bezug gesetzt werden. Können Sie sich vorstellen, dass diese mühselige Arbeit völlig fehlerfrei war? Sind die Quellen überhaupt über jede Kritik erhaben?

Fantomzeit – These oder Hirngespinst?

Sind die Jahre ab etwa 614 – 911 unserer Zeitrechnung erfunden worden? Nicht nur Heribert Illig ist überzeugt davon, dass sich in unserer Zeitrechnung ein gewaltiger Fehler eingeschlichen hat. In Das erfundene Mittelalter und weiteren Büchern geht er dieser Frage nach und ist damit Teil einer ständig wachsenden Gemeinde von Kritikern, welche eine Kontroverse um die offizielle Geschichtsschreibung vorantreiben, oder vielleicht sollte man auch sagen, neu beleben.

Sie lachen und halten diese Diskussion für überflüssig? Darüber mag man sich gewiß trefflich streiten, und abseits von Politik und Tageshypes ist die Debatte auch schon längst in Gang gekommen. Zuviele ungelöste Fragen häufen sich über dem Mittelalter auf, je länger und genauer man hinschaut, desto düsterer wird es. Das Thema der Kontroversen ist die schreiende Abwesenheit von geschichtlichen Überlieferungen und Funden in einem größeren Zeitraum unserer offiziellen Geschichte. Wir sehen uns einer Abwandlung des Spruches vom Hund, der nicht bellte, gegenüber, wie noch zu zeigen sein wird.

Gerade die Abwesenheit von Belegen innerhalb eines Zeitraumes, den wir das frühe Mittelalter nennen, könnte ein Hinweis für etwas sein, das offensichtlich vor einem liegt, sobald man nur erst erkannt hat, was im Bilde fehlt, was verfälscht und was komplett erfunden ist. Zusammen mit der Analyse einer häufig vorkommenden Art von mittelalterlicher Fälschung ließe sich vielleicht der Schlüssel finden zu einer neuen Chronologie finden, worin wir Kammeier, auf den wir zum Schluss des Artikels zurückkommen werden, folgen; über Details läßt sich, wie eigentlich immer in der Geschichte, wieder trefflich streiten.

Eines ist klar: eine solcher Art veränderte Geschichtsschreibung hätte auch andere Konsequenzen. Denn ausgerechnet Karl den Großen hätte es nicht gegeben, wenn die These von Heribert Illig mehr ist als ein Hirngespinst. Sämtliche Feierlichkeiten anläßlich des Großen könnten somit erst einmal ausfallen und das Reich, das er in seiner Regierungszeit geschaffen haben soll,  könnte dann nicht mehr als Vorbild für die Grenzen Europas herhalten, das es sowieso in dieser Form nie gegeben haben kann.

Aber, haben wir nicht alle in der Schule mehr oder weniger staunend von Karl dem Großen gehört, seiner Krönung im Jahr 800, was Gott sei Dank mal ein gerades Datum war, das man auswendig lernen konnte, von der Krönung also in Rom (quasi unfreiwillig) und wie Karl nach einer Zeit der Dunkelheit in Mitteleuropa das großartige fränkische Reich aufbaute?

Die Karolingerzeit – irgendwie nicht greifbar

Kein Wunder, auf Illigs These hagelte es vehementen Protest seitens der etablierten Geschichtswissenschaftler, zwischenzeitlich wurde die Diskussion um die fehlenden Jahre schon mehrmals für beendet erklärt. Was aber nichts an einigen Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit Karl dem Großen ändert, die nun durch die Kontroverse ans Licht kamen.

Z.B. weiß man nicht, wo der Große begraben liegt, was wirklich seltsam anmutet bei einer Lichtgestalt wie keine andere in diesem dunklen Mittelalter. Dunkel ist es übrigens auch deshalb, weil in dieser Zeit nicht gerade üppige geschichtliche Belege für die eben erwähnten 297 Jahre in Form von Architektur zu finden sind. Die Bautätigkeit wurde während dieses knapp 300 Jahre umfassenden Zeitraumes in der Tat aus irgendeinem Grund anscheinend beinahe eingestellt oder man verwendete in dieser Zeit IKEA-Holz, wovon natürlich schon nach wenigen Jahren nichts mehr zu finden war.

Merkwürdigerweise sind gleichzeitig ebenfalls nur wenige Originalurkunden aus dieser Zeit erhalten geblieben. Karl hätte überdies, laut seinem treuen und ergebenen zeitgenössischen Biografen Einhard, großen Wert darauf gelegt, dass seine Kinder gebildet erzogen würden, er selbst, obgleich er sich eine Tafel und Kreide unter das Kopfkissen legte, kriegte es nicht so hin mit der Schreiberei. Er hat also keine Urkunden unterschrieben, denn das war eindeutig zu schwierig?

Seltsam an dieser Auslassung Einhards zur Bildungssituation unter Karl ist, dass auch die angeblich so gut gebildeten Kinder von Karl anscheinend nicht schreiben konnten und keine selbst unterzeichneten Urkunden hinterließen, ebenso wenig wie die nächsten nachfolgenden Könige (s. Kammeier). Aber natürlich wird dieser Umstand, und andere Ungereimtheiten, aus der weiter unten ausgeführten, bei genauerem Hinsehen recht eigenartigen Praxis erklärt, wie unsere mittelalterlichen Könige einschließlich Karl dem Großen ihr Reich regierten. Nämlich – hauptsächlich vom Sattel aus!

Illig´s Ansatz eine nicht zu bestreitende gewisse Konfusion in der Geschichte zu untersuchen, der mich recht vernünftig dünkt, besteht darin, schriftliche Zeugnisse mit archäologischen Funden in Bezug zu setzen (wo möglich), denn, wie jeder weiß, Papier, oder auch Pergament, ist geduldig und bevor jemand eine Statue mal eben schnell fälscht oder eine Kirche, wird er eher zur Feder greifen. Dachte ich zu Beginn meiner Recherchen …

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