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Spanien, Juden und das Haus Habsburg

In einem früheren Teil wurde bereits über die Vorgänge ab dem 14. Jahrhundert in Spanien berichtet, in deren Verlauf zehntausende Juden aus Spanien flüchteten, hauptsächlich nach Nordafrika, Holland und Portugal. Viele Juden traten in dieser Zeit offiziell zum christlichen Glauben über, blieben aber ihrem alten Glauben treu. Diese wurden ‚Krypto-Juden‘ oder ‚Neue Christen‘ genannt, manchmal auch Shabetaner, nach dem unrühmlichen falschen Messias Shabbetai Zwi.

Bild: Wiki – König Philipp III. (1578-1621) von Spanien und Portugal

Anfang des 17. Jahrhunderts regierte in Spanien Philip III. von 1598 bis zu seinem Tod 1621. Was sich nach der Niederlage der spanischen Armada 1588 schon angekündigt hatte, nahm nun Gestalt an – der Untergang des spanischen Weltreiches. Zwar schloss er 1604 Frieden mit England und schloss mit dem österreichischen Zweig der Familie Habsburg einen Vertrag, doch ansonsten hatte der Herrscher ausser seiner Frömmigkeit nicht viel zu bieten. Er legte die Politik in die Hände von Günstlingen, allen voran den Herzog von Lerma, was zur Ausweisung von ca. 275.000 zum Christentum übergetretenen Mauren (Morisken) führte. Mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für Spanien.

Im Verlauf des Jahrhunderts kommt es zu einer Neubewertung der Juden. Es wird unterschieden zwischen fremden Juden und nahen Juden. Auf historicum.net heißt es dazu:

Die positive Neubewertung ökonomischer Aktivitäten von Juden im Rahmen des Merkantilismus und die allmähliche Wahrnehmungsverschiebung, die Differenzierung zwischen „fremden“ Juden und „nahen“ Juden seit etwa 1700 belegen ein Nachlassen der Dominanz religiöser Differenz im Denken und Handeln der Menschen. Sie indizieren damit eine generelle Bedeutungsverschiebung kultureller Maßstäbe – ohne allerdings die Judenfeindschaft als kulturelles Muster außer Kraft zu setzen.[71]

Handel und Kolonien

Hand in Hand mit der Eroberung von Kolonien geht der Sklavenhandel. Wie Holland und England betreiben auch Spanien und Portugal den in Die East India Company und das Empire  beschriebenden sogenannten Dreieckshandel. Stoffe und Textilien wurden nach Afrika zu den Aussenhandelsposten der Gesellschaften mit Monopol auf den Handel in bestimmten Regionen transportiert, von dort wurden Sklaven aufgenommen, die in der Neuen Welt gegen Zucker, Gewürze, Baumwolle oder eben auch Tabak gehandelt und eingetauscht wurden.

Auffallend ist, dass die Kontrolle über den Handel und über die Einfuhr der exotischen Waren schon früh zur Bildung von Monopolen führte, die auch durch die Unterstützung der stets klammen Königshäuser Europas gewährleistet wurden. Es gibt also tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen Monarchien, Monopolen, Kolonialismus und Sklavenhandel. Der Sklavenhandel an sich war in den moslemischen Ländern eine alte Tradition, wie bereits hier beschrieben, und wurde nun von den Europäern in einem vorindustriellen Maßstab wieder aufgenommen.

Man kann vermuten, dass die oben beschriebene Neubewertung der Juden im 17. Jahrhundert auch mit der Kolonialisierung, also wenigstens indirekt mit dem Sklavenhandel, zu tun hat. Meiner Beobachtung nach ist Diskriminierung relativ und hat etwas mit dem Grad der Fremdheit zu tun, welcher einer anderen Rasse, einem Volk oder einer Volksgruppe zugeschrieben wird. Dieser Grad der Fremdheit wird bedingt durch die Relativierung der Stellung einer zur Disposition stehenden Volksgruppe gegenüber der eigenen und anderen Volksgruppen. Die Graduierung erfolgt also relativ und sobald eine geeignetere fremde Volksgruppe identifiziert wird, schwächt dies den Grad der Fremdheit der ursprünglich diffamierten Gruppe ab.

Dadurch dass Europa den Sklavenhandel einführte, und es nun eine Rasse gab, die afrikanischen Neger, die wirklich ganz unten waren, die buchstäblich als Ware gehandelt wurden und noch nicht einmal annähernd christliche Traditionen und andere Gemeinsamkeiten hatten, rutschten die Juden auf der sozialen Stufe automatisch eine Stufe nach oben.

In ihrer Funktion als Händler und Geldwechsler, die ihnen im Lauf der Jahrhunderte durch die Geschichte der Verfolgungen aufgedrückt worden war, da es die einzige Funktion war, in der sie zu Wohlstand und Ansehen gelangen konnten, wurden sie zum Bindeglied im Handel mit dem Kolonien, wodurch einzelne erfolgreiche Juden es mit der Zeit zu höchsten Ämtern bringen sollten. Andere gründeten die Vorläufer von Handelsmonopolen.

Jüdische Auswanderer

In einem Artikel der Uni Münster fand ich folgende Beschreibung:

Im 17. Jahrhundert fanden portugiesischstämmige Juden, die zunächst in Amsterdam Asyl vor religiöser Verfolgung gefunden hatten, über Brasilien den Weg in die Karibik. Im Jahr 1651 erhielt der in Brasilien geborene João de Illan von der Westindischen Kompanie (WIC) das Recht zugesprochen, eine sogenannte Volksplantage auf Curaçao zu gründen.
Mit ihm kamen zehn oder zwölf weitere Kolonisten auf die Insel. Dann folgten 1659 ungefähr 60 Menschen unter Isaac d’Acosta, der in Brasilien eine Plantage besessen hatte. Auf Curaçao erhielten die Juden die gleichen Rechte wie in Amsterdam auch – die Freiheit, Gottesdienste zu feiern, Synagogen zu bauen und Schulen zu errichten, die Bürgerrechte und die Freiheit, als Händler tätig zu sein.
Wegen der guten wirtschaftlichen Aussichten kamen immer mehr europäische Juden nach Curaçao. In der Mitte des 18. Jahrhunderts machten sie den größten Teil der weißen Bevölkerung aus. Einige von ihnen zogen nordwärts nach Sint Eustatius, wo sie von den Direktoren der WIC 1730 ebenfalls die gleichen Rechte wie die Christen erhielten.
Die niederländischen Kolonien waren somit ein Zufluchtsort für Menschen, die in Europa religiöser Verfolgung ausgesetzt waren. Gleichzeitig verstrickten diese sich als Händler und Plantagenbesitzer aber auch in das Sklavereisystem. [72]

Kleine Geschichte der Verbreitung des Tabaks in Europa

König James I. war nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1603 einer der ersten prominenten Gegner des neuen Lasters. In seiner kurzen Schrift ‚A counterblaste to Tobacco‘, in etwa ‚gegen den Tabak‘, aus dem Jahr 1604 verdammt er das Rauchen als Kostümierung als Wilde, übernommen von den barbarischen Indianern, welche die Moral und die Manieren – kurz gesagt, die englische Gesellschaft – unterminieren würde.

Bild: Wiki – Postume Gravue König Jakob I. (1653). Er war einer der frühen prominenten Gegner des „neuen Lasters“.

Doch trotz seiner moralischen Bedenken erlaubte Jakob I. die Einfuhr von 25.000 Pfund Tabak aus den spanischen Kolonien. Zwei Jahrzehnte später, in 1624, entstand das königliche Tabakmonopol. Cardinal Richelieu (1588-1624), französischer Staatsmann, war ebenfalls gegen Tabak eingestellt, erkannte jedoch schnell die Vorteile, und dass eine ordentliche Besteuerung dem Staat mehr bringen würde, als ein ineffektives Verbot. Weder Richelieu noch James I. gelang es den Import von Tabak einzuschränken, oder den Verkauf auf lizensierte Händler zu begrenzen.

Spanien, das Haus Habsburg und die wahnsinnige Johanna

Schon der Vater von Philip III., der Ende des 16. Jahrhunderts Spanien und Portugal regierte, Philip II., hatte seine Cousine geheiratet. Philip III. heiratete ebenfalls in die deutsche Linie des Hauses Habsburg ein, ein Trend der sich auch in der folgenden Generation unter Philip IV. fortsetzen würde. Der jahrhundertelange Inzest zwischen den königlichen Familien würde sich an Karl II., einem Enkel von Philip III. besonders deutlich zeigen, der schwer behindert zur Welt kam.

Während normalerweise ein Mensch in der fünften Generation über 32 verschiedene Vorfahren verfügt, waren es aufgrund der innerfamiliären Heiraten lediglich zehn, und sieben seiner acht Urgroßeltern stammten direkt von Johanna der Wahnsinnigen ab. [70]

Bild: Wiki: Johanna von Kastilien (1479-1555)

Ihre Mutter war die bereits erwähnte Isabella I., die katholische, welche zu einer gnadenlosen Hetze gegen Juden, selbst gegen die Konvertiten, aufgerufen hatte. Den Ruf einer Wahnsinnigen hat sie (Johanna) sich aber trotz ihrer grenzwertigen Mutter wohl zu Unrecht erworben. Zwar scheint Johanna gelegentlich ein für die damalige Zeit ungewöhnliches Verhalten an den Tag gelegt zu haben, wie z.B. dass sie die zahllosen Seitensprünge ihres Mannes, dem schönen Philip von Österreich nicht einfach hinnahm, sondern während ihrer Zeit in Österreich tatsächlich versuchte, alle (adligen) Frauen vom Hof zu verbannen. Ansonsten scheint sie, wenigstens zu Beginn ihres Lebens keineswegs verrückt gewesen zu sein, sondern allenfalls durch den Tod ihres Mannes (1506) und die Intrigen um den spanischen Thron verrückt geworden oder sie wurde so dargestellt. Denkbar ist auch eine Kombination.

Von diesem Thron, auf dem sie schließlich aufgrund einer Reihe von Todesfällen bei Thronnachfolgern sowie ihres Mannes saß, hing aufgrund der Verheiratung innerhalb der Adelsfamilien nicht nur die Herrschaft über Spanien und die Kolonien ab, sondern Erbfolgen und Herrscherhäuser. In ganz Europa wurden nicht nur zur damaligen Zeit über das Mittel der Verheiratung Allianzen geschmiedet und versucht, die Rangfolge innerhalb der europäischen Adelshäuser ständig zu Gunsten des eigenen Hauses zu verändern.

Die Manie der Genealogie und der Reinhaltung der Blutlinien findet spätestens hier ihren Ursprung.

Portugal

In Portugal kommt es während dieser Zeit zu Progromen (in Lissabon 1504 und 1506) gegen die „Neuen Christen“ (die aus Spanien geflohen waren). Portugal steigt in diesem Jahrhundert zu einer See- und Handelsmacht auf. Nach 1580 wird Portugal in Personalunion mit Spanien regiert. Als es im siebzehnten Jahrhundert bei den Kolonialmächten zu einer „Neubewertung“ der Stellung der Juden kommt, werden die „nahen“ Juden, welche oft „Krypto-Juden“ sind, die Zwischenhändler der Wahl.

Als Ergebnis der üblichen Geldnot in Adelshäusern kommt es zu einem Monopol von spanisch-portugiesischen Krypto-Juden auf den Tabakhandel, welches auch nach dem Jahr 1701 unter der direkten Kontrolle der königlichen spanischen Schatzkammer fortbestand, und das erst durch die erneuten Verfolgungen in 1725 beendet wurde.

Zentral Europa

Das neue Laster des Tabakgenusses begann seinen Siegeszug in Zentral-Europa während des 30-jährigen Krieges, eingeführt wurde es durch englische Soldaten. Obgleich sowohl katholische und evangelische Priester das Kraut ebenso verdammten wie die Rabbis, griffen bald Soldaten beider Seiten zur Pfeife und über sie verbreitete sich der Tabak in die Bevölkerung. Nördlich der Alpen begann man im Jahr 1701 damit, den Tabakhandel zu monopilisieren.

1701 erließ der Habsburger Kaiser Leopold I. ein Dekret, in dem der Handel und die Produktion von Tabak, ebenso wie in Spanien, zum Staatsmonopol erklärt wurde. [73]

Das Habsburger Tabakmonopol

Die Tabakpflanze wurde aus den amerikanischen Kolonien eingeführt, doch anders als andere importierte Produkte, mit denen die Adliegen und Geschäftsmänner prächtig Geld verdienen konnten, war die Einführung des Tabaks umstritten. Die europäische angesagte Gesellschaft begrüßte die Neuheit nicht uneingeschränkt.

Anfangs wurde der Tabak als wundersame Droge gepriesen und in gewissen Zirkeln als Stimulans gefeiert. Doch bald traten die kirchlichen Autoritäten auf den Plan, welche den Tabakgenuss wegen seiner schädlichen Wirkung, nicht etwa auf die Gesundheit, sondern auf die Ordnung und die Moral, verdammten, wodurch Tabak seine exklusive exotische Reputation verlor.

Auch den Habsburgern gelang es nicht so richtig, das Tabakmonopol durchzusetzen. 1722 wurde die erste Tabakfabrik Hainburg (Nieder-Österreich) von Baußart von Sonnenfeld eingerichtet, Berater des Schatzkanzlers. Unter seinem Direktorat expandierte die Tabak-Bürokratie über ganz Österreich-Ungarn und er errichtete Zweigstellen in Böhmen, Mähren, Schlesien, Oberösterreich und anderswo. Diese Provinzniederlassungen erbauten wiederum eigene Tabakfabriken. Doch die Administration versagte auf lokaler Ebene, Korruption, steigende Preise, ein schwarzer Markt und Schmuggel waren die Folge.

Diego d’Aquilar, rekonvertierter Konvertit

Diego d’Aquilar wurde 1699 vermutlich in Porto als Sohn eines marranischen Tabakhändlers geboren. Marranisch bedeutet hier: meistens zum Christentum gezwungene jüdische Konvertiten. 1722 verließ er Portugal und kam über London nach Amsterdam, wo er sich dem Tabakhandel widmete. Als Moses Lopes Pereira war er zum Judentum zurückgekehrt. Er schien sich seiner Sache nicht ganz sicher gewesen zu sein, was den Glauben anbelangte. Trotz seiner jüdischen Religion gelang ihm ein beinahe beispielloser Aufstieg im Habsburger Reich.

1725 nun, wurde dieser vom Habsburger Kaiser Karl VI. (1685-1740) nach Wien eingeladen, um die Geschäfte in Ordnung zu bringen, natürlich mit dem Ziel, Profit aus dem Tabakgeschäft zu ziehen. Durch seine Vertrautheit mit dem Tabakhandel war es Lopes Pereira schnell möglich, die Schwachstellen des kaiserlichen Tabakbüros aufzuzeigen. Er arbeitete einen Plan aus, nach dem er für 8 Jahre das Monopol für die gesamte Monarchie  übernehmen sollte, während er nur eine niedrige jährliche Rente zu zahlen hätte. In dieser Zeit, so der Plan, würde er die Defizite beseitigen können.

Das kaiserliche Schatzamt verwarf die Vorschläge, teilweise aus konservativen wirtschaftlichen Bedenken heraus, andererseits aufgrund von Anti-Semitismus. Die Vorstellung, dass ein Jude über die Angestellten der Tabakfabriken befehlen sollte, war ihnen ein Greuel.

Darüber hinaus beschworen die Gegner Diego d’Aquilars die Möglichkeit, dass mit seiner Einsetzung Juden den österreichischen Tabakhandel ‚infiltrieren‘ könnten, deren Anzahl in Böhmen bislang gesetzlich beschränkt war.

Der Aufstieg d’Aguilars am Habsburger Hof

Nach zähen Verhandlungen erklärte sich d’Aquilar damit einverstanden, das Geschäft mit einem christlichen Partner zu organisieren und in den ersten Jahren 400.000 fl (florin) und anschließen 500.000 fl zu zahlen. Weitere Bedingungen waren, dass er als Subkontraktoren allenfalls einheimische Juden anheuern durfte, keinesfalls also „fremde“ Juden.

Trotz erheblicher Widerstände gelang es d’Aquilar, Tabak-Bürokratie und -Produktion wieder rentabel zu machen.

Bild:Wiki – Adelswappen von Diego Lopes Pereira, Baron d’Aguilar

1726 erhob Karl VI. d’Aquilar als Dank für geleistete Dienste in den Adelsstand. Nach ihm ernannte Maria Theresa den cleveren Tabakhändler zum Kronrat der Niederlande und Italien, einer der höchsten Körperschaften kaiserlicher Außenpolitik und Diplomatie.

Mehrfach nutzte Aguilar seinen Einfluss am Hof, um verfolgten Juden Osteuropas zu helfen. Anscheinend ist es seinem Einfluss zu verdanken, dass Maria Theresa wieder von ihrer Idee abkam, die Juden aus Böhmen (1742) und aus Prag (1744/1748) auszuweisen. Er gilt als Gründer der türkischen (sephardischen) Gemeinde Wiens (1735), die seit 1750 stetig anwuchs und zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen der westlichen und östlichen sephardischen Kultur wurde. Womit einmal mehr deutlich wird, dass die sephardischen Juden ein spezieller Zweig des Jüdischen sind.

Als im Jahr 1749 (1757?) die spanische Inquisition seine Auslieferung verlangte, verließ Aguilar Wien mit seinen 14 Kindern und zog nach London. Auch hier war er ein aktives Mitglied der sephardischen Gemeinde. Er starb am 10. August 1759 in London.[2]

In einem Artikel der Jewish Telegraph Agency vom 29. August 1931 ist zu lesen, dass die Nachkommen Aguilars Ansprüche an die britische Krone stellten. Es ging um das Erbe und angeblich 42 Mio. britische Pfund. [73]

Die Familien Mahler, Goldstein, Roth, Kohn, Aquelar, Weiner, und Wohryzek hatten ihre Ahnenlinie zu Aguilar zurückverfolgt und beanspruchten nun das Erbe, das angeblich von der britischen Krone verwaltet wurde. Der Anspruch wurde allerdings als zu gerinfügig abgelehnt.

Die Dobruschka-Schönfeld Familie

Die Dobruschka-Schönfeld Familie war eine prominente Familie aus Mähren, die ihren Namen von der Ortschaft bezog, aus welcher der Stammvater, Jakob Moses Wimer (gest. 1763) stammte, einer kleinen böhmischen Ortschaft. 1730 zog Jakob nach Brünn und erhielt die Erlaubnis sich dort niederzulassen und Handel mit Edelsteinen und Schmuck (später auch mit Gewürzen und Tabak) zu betreiben, obgleich dies Juden damals verboten war.

Bild: Wiki – Judentor in Brünn, vor 1835

1750 erhielt er zusammen mit seinem Sohn Solomon das Monopol auf den Tabakhandel in den königlichen Städten in Mähren. Solomons Sohn Moses sollte später mit dem falschen Messias Jakob Frank assoziiert werden.

Dobruschka´s Tochter Esther heiratete Adam Oppenheimer aus Wien, einen Verwandten des Hofverwalters Samuel Oppenheimer und damit ein Verwandter des Joseph Süßkind Oppenheimer aus Freimaurer-Episoden aus dem 18. Jahrhundert. Der Sohn Solomon (1715-1774) heiratete Schöndl, die Tochter von Löbl Hirschl aus Rzeszów und Güttel Jacobi aus Prossnitz.

Die Verwandlung des Moses Dobruschka

Schöndl und Solomon Dobruschka hatten 12 Kinder, der talentierteste von ihnen war Moses, geboren in Brünn 1753. 1775 heiratete Moses Elke Joss, eine adoptierte Tochter von Joachim Edler von Popper, dem primátor der ländlichen böhmischen Juden. Zu dieser Zeit vollendet Moses mehrere literarische Projekte in deutsch und hebräisch, z.B. Sefer ha-sha‘ashu‘a (Das Buch der Freuden; 1775), ein Kommentar zu Beḥinat ‘olam (Untersuchung der Welt) von Yeda‘yah Bedersi.

Dann, am 17. Dezember 1775, konvertierte Moses auf einmal in der Prager Kathedarale St. Vitus zum römisch-katholischen Glauben. Wie kam es dazu? Der Grund wird 3 Jahre später ersichtlich, als Moses und Elke Dobruschka durch Adolf Ferdinand Edler von Schönfeld, Freimaurer und Publizist aus Prag und  in den Adelsstand erhoben werden. Die ehemaligen Wimers aus Dobruschka „adoptieren“ den Namen ihres Gönners, nach der Taufe und der Erhebung in den Adelsstand war aus Moses nun Franz Thomas von Schönfeld geworden.

Moses Dobruschka, jetzt Franz Thomas von Schönfeld, schreibt Gedichte, die er dem Kaiser Franz Joseph II. widmete. Der Kaiser scheint den reformerischen Gedanken offen gegenüber gestanden zu haben und bewunderte Friedrich II. Er gilt als Exponent des aufgeklärten Absolutismus.

Dobruschka/Schönfeld bewegte sich also in aufklärerischen Kreisen, wo er auf eine Gruppe ehemaliger Jesuiten trifft, die sich nun der Freimaurerei  verschrieben hatte. Aus dieser Verbindung soll dann seine Beteiligung an der Gründung der Asiatischen Brüder entstanden sein, die auch „Die Bruderschaft des Lichtes“ oder „Fratres Lucis“ genannt wurde. 1780 oder 1781 in Wien gegründet, sollte sie sowohl Juden als auch Christen in ihren Reihen aufzunehmen.

Dobruschka/Schönfeld erschuf einen synkretischen massonischen Ritus, welcher Elemente der Kabbalah ebenso enthielt, wie modische philosophische Ideen. Nach einem Streit mit den anderen Führern verließ er den Orden 1785. Doch wir werden noch mal von ihm hören. [72]

Er ist ein Neffe des berüchtigten falschen Messias Jakob Frank, siehe auch Illuminati, Freimaurer und Geheimgesellschaften (ab 1600).

Die jüdische Tabak-Connection

Der Gründer einer weiteren Tabak-‚Dynastie‘, Jehuda Löbel Honig, wurde im westlichen Teil Böhmens geboren. 1752 leaste er mit seinen Söhnen Israel Hönig von Hönigsberg (1724-1808) and (Aaron) Moses Honig (1730-1787) das Tabak-Monopol von Prag für die Dauer von zehn Jahren. Nachdem die Hönig Familie in Prag Erfahrungen gesammelt hatte, gründeten die drei zusammen mit anderen wohlhabenden böhmischen Juden, darunter Judah Löwel Baruch aus Königswart/Kynžvart, der später den Nachnamen Königswart (er) annehmen würde;  oder der Unternehmer und Hoflieferant Wolf Joachim Edler von Popper (1730-1795) aus Prag, jenem zuvor erwähnten Schwiegervater von Moses Dobruschka alias Thomas von Schönfeld.

Bild: Wiki – Portrait von Martin van Meytens, 1759. Maria Theresa Walburga Amalia Christina (1717-1780) mag zwar d`Alguilar gefördert haben, doch insgesamt sah sie die Ausbreitung des Judentums in geschäftlichen Belangen überhaupt nicht so gern.

1763 erhielt das Gebot der Hönig Gesellschaft den Zuschlag für den mährischen Tabak-Handel, der zu jener Zeit von der Dobruschka Familie (durch Heirat verwandt) geführt wurde. Gegen den Widerstand von Kaiserin Maria Theresa, welche christliche Teilhaber bevorzugte, gelang es Hönig 1765 eine zehnjährige Pacht zu erhalten. Zur Erfüllung des Auftrages richtete die Hönig-Familie ein Netzwerk aus jüdischen Subkontraktoren ein, die so effektiv waren, dass Schmuggel und Schwarzmarktgeschäfte verschwanden. Das Geschäft lief gut, zehn Jahre später konnte die Firma die enorme Summe von 1,600,000 Florint für einen weiteren zehnjährigen Kontrakt bieten. Dem Vertrag wurde unter gewissen Vorbehalten, was die Einsicht in die Geschäfte betraf, zugestimmt.

Der Tabakkonsum stieg stetig und die Gewinne ebenso. 1784 beschloss Joseph II. den Tabakhandel zu verstaatlichen. Die Kontinuität der Gesellschaft wurde durch die Berufung von Israel und Moses Hönig ins Direktorium der Nationalen Tabak-Administration gewahrt, ohne ihre Befugnisse einzuschränken. Israel und Moses wurden somit zu hochrangigen staatlichen Offiziellen.

Wie effektiv das  jüdische Netzwerk funktionierte, lernen wir aus den Aussagen eines gewissen Grafen Strassoldo, der sich 1790 beschwerte, dass die Subkontraktoren von 38 Distrikten (von insgesamt 40) Juden waren.

Im September 1789 , dem Jahr, in dem die französische Revolution beginnt, wird Israel Hönig vom Kaiser in den Adelsstand erhoben, der erste Jude im Habsburger Reich, der solcherart geehrt wurde.

Das Wappen der von Honigburgs wurde Israel 1797 verliehen, ein Zeichen der Prominenz der Familie. Im Wappen zu sehen sind u.a. 8 Bienen und Tabakpflanzen. Auch der Löwe hält eine Tabakpflanze in der Hand. [73]

 

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