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Die Super-Verschwörung

Gibt es die Super-Verschwörung der Illuminaten zur Errichtung einer neuen Weltordnung oder ist diese Idee nur die (nicht ernstzunehmende) Mutter aller Verschwörungstheorien, welche einzig den kranken Hirnen von internetgeschädigten, postfaktischen, völlig realitätsfernen Reichsbürgern und Spinnern entsprungen sein kann? Dieser Frage wollte ich nachgehen und stieß in ein Schlangennest von Theorien, die in ihrer so absurd polarisierten Gesamtheit gesehen selbst schon an eine Verschwörung denken lassen.

Verfolgt man die Ursprünge dieser vermuteteten Verschwörung, so gehen die Wurzeln zurück auf einige Schriften in den 60er und 70er Jahren, auf die noch zur Genüge eingegangen werden wird, die sich wiederum auf noch frühere Autoren berufen, welche sich letztendlich auf Texte hauptsächlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert beziehen. Es entstanden Mythen, welche hartnäckig weiterlebten und ausgesponnen wurden, obgleich neueres Material die Geschichte wenigstens teilweise entmystifizieren könnte.

Die Geschichte beginnt mit einem Blitzschlag

Z.B. die Geschichte mit dem Boten des Illuminaten-Führeres Adam Weishaupt, welcher 1785 mit einer Botschaft unterwegs von Frankfurt nach Paris auf seinem Pferde vom Blitz getroffen wurde. Infogedessen fand man verschwörerisches Material, mit Anweisungen die Kirche und die Regierung zu stürzen. Das Material sei an die bayerischen Behörden übergeben worden, woraufhin die Illuminati verboten wurden. Von da an sollen sie im Geheimen weitergearbeitet haben, die Regierungen weltweit unterwandert, und bis heute einem geheimen Plan folgend die Weltherrschaft anstreben. Alternativ soll Rothschild Weishaupt überhaupt erst den Auftrag gegeben haben, den Plan zur Beherrschung der Welt auszuarbeiten.

Eine verführerische These und eine schöne Geschichte, gewiss, wahr ist allerdings nicht viel davon. Gibt es einen wahren Kern der Geschichte und wenn ja, wie sieht der aus?

Die Antwort ist ebenso kompliziert wie die perfide Strategie, welche den mysteriösen Illuminaten untergeschoben wird. Wieder einmal stellt sich heraus, dass die Antwort auf eine Frage nur dem Informationsstand des Fragenden entsprechen kann.

Die Lehr‘ aus der Geschicht‘

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war, um das gleich zu Beginn offen zu sagen, dass ich angesichts der gegenwärtigen Machtstrukturen auf diesem Planeten und der absehbaren Bedeutung für die Entwicklung für die Menschen wenig Zweifel habe an einem perfiden Zusammenwirken mehr oder weniger geheimer Kräfte, die sich auch des Finanzsystems bedienen. Die Wissbegier begann mich zu plagen, und ich wollte wissen, wie alles begann – und ahnte wieder mal nicht, was ich mir vorgenommen hatte, was vielleicht besser so war. Ich stürzte mich in die Arbeit.

Das erste, das ich wieder mal dabei lernte, war, dass ein wichtiger Teil der Befreiung der Menschheit von ihren Fesseln in Kenntnis ihrer wahren Geschichte besteht, denn wie soll man wissen, wo man hin will, wenn man nicht weiß, wo man herkommt? Es ist an der Zeit, uns unsere Geschichte zurückzuerobern.

Die Untersuchung dieser besonderen Geschichte der Freimaurer und Illuminaten, die sich in erster Linie mit dem Zeitabschnitt zwischen ca. 1700 und 1938 befasst (da hier die Ursprünge entweder der Verschwörung oder aber der zahlreichen Theorien verortet werden), führte zu folgenden Themen von besonderem Interesse:

  • Die Ursprünge der Freimaurerei und der Illuminaten
  • Die Rolle der Freimaurerei in der damaligen Gesellschaft
  • Die Rolle der Juden in Europa- ihr Kampf um Anerkennung und gesellschaftlichen Status
  • Parallel dazu versuchte ich, wo immer möglich, der „Spur des Geldes“ zu folgen, wenigstens behielt ich diesen Gedanken stets im Hinterkopf.

Verwendete Quellen

Als verwendetes Quellen, Archiv- und Zitatmaterial sind folgende insbesondere zu nennen:

Jews and Freemasons in Europe 1723-1939, By Jacob Katz – Translated from the Hebrew by Leonard Oschry, Harvard University Press, Cambridge, Massaschusetts, 1970
PROOFS OF A CONSPIRACY AGAINST ALL THE RELIGIONS AND GOVERNMENTS OF EUROPE, CARRIED ON IN THE SECRET MEETINGS OF FREE MASONS, ILLUMINATI, AND READING SOCIETIES, COLLECTED FROM GOOD AUTHORITIES, BY JOHN ROBISON, A. M. PROFESSOR OF NATURAL PHILOSOPHY, AND SECRETARY TO THE ROYAL SOCIETY OF EDINBURGH. THE FOURTH EDITION. TO WHICH IS ADDED, A POSTSCRIPT. NEW-YORK:
Printed and Sold by George Forman, No. 64, Water-Street, between Coenties and the Old-Slip. [1798]
Hermann Schüttler „Freimaurer und Illuminaten“
von Winckelstein „Die Odyssee des Sokrates“
Adam Weishaupt „Phytagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungskunst, Frankfurt und Leipzig 1790
http://freemasonry.bcy.ca/anti-masonry/zwack.html
Das Rakowski-Protokoll, Wayne Madsen, Prof. Carroll Quigley, D. Griffin u.v.m. s. weitere Quellen in den Links und am Ende.
Hinweis: Sämtliche Jahreszahlen im Text sind fett dargestellt, unabhängig davon ob sie in Zitaten auftauchen oder nicht; Zitate sind in kursiv oder hervorgehoben.

Die Einbeziehung der Rolle des Judentums geschah ohne Vorsatz, doch es stellte sich heraus, dass Verweise und Referenzen auf Freimaurerei und Illuminaten beharrlich immer wieder die überproportionale Bedeutung des Judentums für den Verlauf der europäischen Geschichte betonten. Ihre Rolle wird oft überspitzt dargestellt, doch scheinen sie, ganz unabhängig von Propaganda und Gegenpropaganda, ebenso häufig die Rolle eines feinen Stellrades in der größeren Geschichte zu spielen – im Guten wie im Schlechten.

Propaganda an allen Fronten

Freimaurer, Juden und Illuminaten werden gerne in einen Topf geworfen. Die Geschichte, die sich mir darbot, scheint indessen zu zeigen, dass eine Art Identitätsdiebstahl des Begriffes Judentum stattgefunden hat, ebenso wie die Identität eines lange allenfalls durch seine Zerstrittenheit definierten Judentums benutzt und auf dem geopolitischen Schachbrett hin und hergeschoben wurde.

Die Juden wurden zur ersten Mehrfachverwendbar-Migrationswaffe der Neuzeit und sie wurden es nicht aus freien Stücken.

Wer würde schon freiwillig die Annehmlichkeiten der Städte Europas zurücklassen und gegen ein Stück Wüste in einem feindlichen Land eintauschen? Dies geschah, wie wir wissen, unter höchstem Zwang. Einige umstrittene Theorien vermuten auch hinter der Entwicklung nach dem 1. Weltkrieg, die zum Staat Israel führen würde, die verborgene Hand der Illuminaten.

Wahrheit vs. Fakten

Ob etwas wahr ist oder nicht, kann (letztendlich) nicht bewiesen werden. Wahrheit ist unbeweisbar. Wenn etwas bewiesen werden kann, dann handelt es sich stets um logische Probleme oder physikalische Phänomene. Wenn der Mörder mit rauchender Pistole in der Hand neben einer erschossenen Leiche steht, ist der Beweis schnell erbracht, wer der Täter war. Doch das Stöbern in der Geschichte von Freimaurern und Illuminaten gleicht eher der Untersuchung einer Leiche, die unter verdächtigen Umständen ums Leben kam und ohne dass ein offensichtlicher Täter weit und breit greifbar wäre, wenn man den unbestechlichen Medien glauben schenken will.

Untersuchung eines gesellschaftlichen Phänomens

Wie soll es gelingen ein gesellschaftliches Phänomen zu beweisen, wenn es zudem noch vor hundert, zweihundert oder mehr Jahren stattfand?

Wenn wir uns mit Illuminaten befassen geraten wir in ein Minenfeld von Nichtwissen, Meinungen, Auslegungen und Desinformation, was es sehr schwierig macht zu einer wahren Erkenntnis zu gelangen. Wenn wir allerdings ein wenig mehr über die Ursprünge der Geheimorden verstehen würden, wäre es möglich dieses Verständnis auf die Gegenwart auszuweiten und abzuschätzen, ob und in wie weit Illuminaten, Freimaurer und andere Geheimbünde auch heute noch eine Rolle spielen könnten.

Finden sich genügend Belege für die Existenz und Bedeutung einer oder mehrerer Illuminatengruppen, dann sind auch weitere Untersuchungen gerechtfertigt, welche die Rolle von Geheimbünden in der Geschichte, oder anders ausgedrückt – die Existenz von über einen größeren Zeitraum ausgelegte „Verschwörungen“ mit dem Ziel der Menschheit zu schaden – zum Inhalt haben.

Meine Recherchen ergaben, dass es nicht nur möglich sondern sehr wahrscheinlich ist, dass wir es mit mehr als einer „Superverschwörung“ zu tun haben. Betrachtet man die Historie in einem größeren Zusammenhang ist dieser Schluss eigentlich naheliegend.

Ohne einen Ausflug in die Geschichte, in der wir wenigstens rudimentär mit geschichtlichen Eckdaten und der geistigen Haltung der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten vertraut gemacht werden, ist ein seriöser Versuch der Aufklärung der Illuminaten-Verschwörungsgeschichte allerdings nicht möglich.

Haben Sie in Geschichte auch nicht so gut aufgepasst? Sie werden lachen, der Effekt ist gewollt und bildet selbst Stoff für eine Verschwörungsgeschichte. Denn:

Was ist eigentlich eine Verschwörung?

Intrige, Komplott (bildungsspr.), Konspiration; (veraltend): Geheimbündelei; (veraltet): Konjuration; [Duden, Synonymwörterbuch 2006]

All diesen Begriffen ist zu eigen, dass in ihnen ein Element des Heimlichen, Sinistren mitschwingt und die Absicht einen (geheimen) Plan durchzuführen, zu dem sich die Verschwörer unter Eid verpflichten. Wenn man etwas geheim halten will, möchte man nicht, dass andere davon erfahren, weil es die eigenen Pläne stören würde, oder weil es einem peinlich ist, oder weil es gegen das Gesetz verstößt, auch in Kombination denkbar. Klammert man den zweiten Punkt bei der Betrachtung der Motive der frühen Geheimgesellschaften einmal aus, ist besonders der letzte Punkt der Beachtung wert.

Der Keim der Revolution

Es ist eine Binsenweisheit, dass das Gesetz immer vom Herrschenden gemacht wird. Was aber, wenn in dem Gesetz stünde: Du sollst keine Revolutionen machen! Muss der gesetzestreue Bürger dann Ungerechtigkeiten und Missstände hinnehmen, weil es so im Gesetzbuch steht? Ich denke nicht, denn Gesetze wurden von Menschen gemacht und können von Menschen geändert werden. Wie immer wieder soziale Revolutionen gezeigt haben, welche die Gesetze änderten und die, nach mittlerweile anerkannter Lesart, mehr oder weniger zum Wohle der Menschheit gerieten und so eine Art Fortschritt auf der Leiter der Evolution darstellten. Interessanterweise entwickelt sich die Geschichte der Illuminati in Mitten revolutionärer Zeiten, was Zusammenhänge zumindestens erahnen lässt.

Als die Menschen im 15. und 16. Jahrhundert durch die Verbreitung von Büchern und Schriften zu einem weiteren Horizont gelangten und begannen und das Joch der Kirche abzustreifen, eröffnete sich ein völlig neuer Horizont für die Menschen in Europa. Im Vergleich zur Statik der staatlichen Strukturen der vergangenen Jahrhunderte änderten sich die Grundsätze, auf denen die Gesellschaft gebaut war, nun auf einmal geradezu blitzartig. Während die Pfarrer in den Messen noch gegen den Teufel in Gestalt alles Neuen und insbesondere der Freimaurerei und der Reformatoren wetterten, waren als nächstes schon die Monarchien, die Europa jahrhundertelang im Namen von Gebietsansprüchen und Religion buchstäblich von einem Krieg in den anderen gehetzt hatten, im Visier der Visionäre und Meuterer.

In der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends hatten die religiösen Konflikte großen Einfluss auf die europäische Gesellschaft, während in der zweiten Hälfte verstärkt die rationale, aufklärerische Bewegung an Kraft gewann. Der Übergang geschah fließend in einer Art Vor- und Zurückfluten im epochalen Widerstreit der beiden Strömungen auf dem Weg zur Erleuchtung der Menschheit.

Geimniskrämerei

Zwar war mit der französischen Revolution noch lange kein Ende des Mordens und Kriegens in Sicht, und die Hoffnungen des revolutionäreren Teils der Bevölkerungen erfüllten sich nicht, aber fortan blies ein frischer Wind durch die Amtsstuben, soziale, medizinische und landwirtschaftliche Fortschritte für eine größere Masse der Menschen wurden im 19. Jahrhundert als Folge der Revolutionen erreicht.

Jede ernsthafte Unternehmung benötigt Verschwiegenheit

In den wenigsten Fällen waren diese Revolutionen erfolgreich, weil sie sich sofort offen der gerade herrschenden Oberschicht entgegen stellten und dieser ihre Absicht lauthals verkündet hätten, weil sich dann die Lebensqualität der Revolutionäre ebenso wie ihre Lebenszeit schnell bis zum Nullpunkt vermindert hätte; sondern jede dieser Revolutionen wurde durch geheime Absprachen koordiniert und möglich gemacht. Und schon sind wir beim ersten Paradoxon angelangt, was Geheimnisse aber auch die Konsequenz in Sachen Privatheit anbelangt.

Das Paradox ergibt sich, wenn man die Frage stellt, ob Geheimniskrämerei pauschal „schlecht“ ist oder nicht. Denn die Antwort lautet mal wieder: Kommt darauf an – ob man es aus Sicht des Staates oder des Privatmenschen sieht.

Ohne Geheimniskrämerei wäre keine Revolution jemals erfolgreich gewesen und wir würden noch im Mittelalter oder in der Steinzeit leben. Ist Geheimniskrämerei dann nicht doch manchmal für etwas gut? Sollte man in Konsequenz dann nicht dafür sorgen, dass zwar der kleine Mann seine Geheimnisse behalten darf? Aber wenn man Geheimnisse per se für sakro-sankt erklärt, dann hat man das Problem mit der Verschwörung der Regierungen. Was bedeutet, dass es vor allem die Regierenden sein sollten, die zu absoluter Offenheit über ihre Verhältnisse und Vereinbarungen verpflichtet werden sollten. Als reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich, für den Fall, dass mal wieder etwas geändert werden muss in unserem für eine kleine Minderheit perfekten System.

Die Anti-Verschwörung-Verschwörung

All dies lässt sich dem Studium jener Zeit, die uns interessiert, entnehmen, doch diese Zeit ist vergessen und vergraben unter einem Wust von Verschwörungstheorien, die den Blick auf das Wesentliche zu verdecken drohen.

Die Anti-Verschwörung-Verschwörung ergibt sich aus dem Umstand, dass sich mir während meiner Forschungen der Eindruck aufdrängte, als wäre die Epoche des Freimaurertums und jene revolutionäre Zeit der Aufklärung aus dem öffentlichen Geschichtsbewusstsein gedrängt, dieses verfälscht oder deren Bedeutung bewusst heruntergespielt worden.

Geheimbünde wurden immer wieder in der Geschichte verboten, keine Regierung, die etwas auf sich hält, kann so etwas dulden. Heutzutage wird das Thema lächerlich gemacht, doch vor ein paar hundert Jahren waren Freimaurer und Zirkel mit den verschiedensten Zielsetzungen sehr aktiv.

Heute ist in der Öffentlichkeit nur noch wenig bekannt über die Geschichte der Freimaurer, die eng mit den Ideen und Idealen der französischen Revolution verbunden ist, obgleich mittlerweile eine solch riesige Menge an Archivmaterial über die Freimaurergesellschaften vorhanden ist, dass man es nicht glauben mag, wenn man sich nicht damit beschäftigt hat.

Die Verbindung zwischen Freimaurerei und der französischen Revolution, welche einige Theorien zur Grundlage haben, erfolgt dabei nicht notwendigerweise, weil freimaurerische Ideen oder Revolutionäre die Revolution vorangetrieben oder gar geplant hätten, sondern weil die Freimaurerei ein Kind jenes Zeitalters der Aufklärung war, das auf die noch christlich-religiös geprägte Zeit davor folgte, dem z.B. die Rosenkreuzer und andere von der Kirche rigoros bekämpfte Sekten angehörten. Doch dies ist nur der religiöse Teil der Freimaurerei.

Der andere Teil, der mit der Zeit durchaus politische Züge annahm, besteht darin, dass der Aufbau und die Organisation der Freimaurerlogen auffallende Ähnlichkeiten zu den Handwerkergilden des Mittelalters aufweisen. Es scheint naheliegend zu sein, von einer Verschmelzung der beiden frühen Formen von Geheimbünden bei der Entstehung der Freimaurerei auszugehen. Diese These wird von Jacob Katz vertreten, aus dessen Buch noch ausgiebig zitiert wird.

Das Phänomen der Gesellschaftszirkel

Geheimbünde sind, wie man es auch sieht, eine Bedrohung für jede Regierung, wenn nicht die Regierung selbst aus Geheimbündlern besteht. Einhergehend mit wachsender Bildung breiterer Bevölkerungsschichten, einer wachsenden Bevölkerung durch Fortschritte in der Landwirtschaft, Fortschritte im Gesundheitswesen und später dem Einsetzen der von der industriellen Revolution bedingten Veränderungen begann sich das Phänomen von Zirkeln aller Art, in höheren Gesellschaftsschichten wie im Bürgertum Anfang des 17. Jahrhunderts auszubreiten wie eine Landplage.

Es entwickelte sich ein Gesellschaftsphänomen, das mindestens bis Ende des 19. Jahrhunderts belegt werden kann. Und es gab neben etlichen anderen Geheimbünden eine Art Bund der Maurer, der sich später auch politisch betätigen würde, der aus dem unteren Spektrum der Gesellschaftsschichten gespeist wurde.

Hätten Sie in Geschichte nicht auch die Ohren gespitzt, wenn Sie erfahren hätten, dass Geheimbünde und Verschwörungen geradezu ein Markenzeichen der Renaicessance sind? Und dass der Kampf geheimer Logen die Politik von Fürsten und Nationen regiert hat und letztendlich z.B. auch zur französischen Revolution beigetragen hat?

Viele Bächlein speisen den Strom der Geschichte

Die Geschichte des Freimaurertums in der Neuzeit ist, wie sich bei meinen Forschungen herausstellte, auch eine Art Spiegel der gesellschaftlichen und politischen Strömungen jener Zeit. Und natürlich gibt es auch heute noch, ganz aktuell, höchst offizielle Freimaurerlogen. Man hört allerdings nur wenig bis gar nichts mehr von ihnen.

Folgen Sie mir also in eine Zeit, als Europa noch in viele kleine Fürstentümer und Herrscherhäuser zersplittert war, beinahe hundert Jahre bevor Napoleon I. sich auf dem Rücken der französischen Revolution aufmachte, dem Kleinstaatentum ein Ende zu bereiten.

Die Recherchen zwangen mich eine übergroße Menge an Informationen zu sammeln, die ich oft auch als hilfreich empfand, um einen Sinn für die Geschichte zu bekommen. Da es weder sinnvoll noch möglich war, vieles davon in den Artikel einzubringen, entstanden eigenständige Artikel mit weiterführenden Informationen zu einem speziellen Unter-Thema, auf die im Text hingewiesen werden wird, Links zu externen Quellen werden außerdem in Form von Fußnoten entsprechend gekennzeichnet.

Die Ursprünge der Freimaurerei und der Illuminaten

Zuallererst gilt es jedoch noch den Versuch zu unternehmen, die Ursprünge der Freimaurerei und der Illuminaten aufzudecken und die Unterschiede, Gemeinsamkeiten der beiden sowie Verbindungen zu anderen Geheimorden und -bünden aufzuzeigen. Was keine leichte Aufgabe ist; schließlich haben wir es ja von Anfang an mit dem Archetypus von Geheimgesellschaften zu tun.

Entsprechend gibt es verschiedene Versionen der Geschichte, von denen aber ohne weiteres viele gemeinsam oder teilweise „wahr“ sein können, denn, wie wir noch sehen werden, gab es mehrere Strömungen in der Freimaurerei, die allesamt den Anspruch erhoben, sich auf die wahren Traditionen zu berufen. Was einen Teil des Verwirrspiels ausmacht, welches die Freimaurerei umgibt.

Eine gute Übersicht über die verschiedenen Theorien über die Entstehung der Freimaurerei und Quellen gibt es unter freimaurer-wiki.de

Nach diesem ewiglangen Vorwort stelle ich nun auch noch, im Gegensatz zu den üblichen Gepflogenheiten, einige meiner Schlussfolgerungen zum Thema Freimaurerei an den Anfang der Untersuchung, um in weiteren Teilen sowohl allgemeine geschichtliche Hintergründe zu beleuchten, als auch einzelne Theorien und Mythen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein Teil-Fazit im Voraus

Nach intensiven Recherchen zum Thema Geheimgesellschaften bin ich noch weit davon entfernt ein Spezialist auf diesem Gebiet zu sein. Und auch Sie werden es nicht werden, wenn Sie sich nicht jahrelang mit hunderten von Namen und fast genauso vielen Theorien beschäftigen. Deswegen war mein Ansatz, mein Verständnis zu erweitern, ein dreigleisiger.

Zum einen gibt es einen allgemeinen Überblick über die geschichtlichen Ursprünge und Rahmenbedingungen, die zur Freimaurerei führten. Des weiteren wird auf die verschiedenen Strömungen geblickt, aus denen sich die Freimaurerei speist und drittens werden einzelne Biografien vorgestellt, die in einem Zusammenhang mit dem Thema stehen. All dies dient dazu, ein Gespür für den Zeitgeist zu erlangen, ohne den jede Geschichte nur aus toten Zahlen besteht.

Die Freimaurerei ist, ebenso wie die Gruppe der geheimnisvollen Illuminati, ein Kind der Aufklärung. Da in der Zeit des absolutistischen Staatenwesens keine Möglichkeit bestand, seiner Meinung in einer politischen Gruppe oder Organisation Ausdruck zu verschaffen, ist es nur natürlich, dass sich im angehenden Zeitalter der Vernunft geheime Zirkel bildeten. Ebenso wie es nur logisch erscheint, dass es seit dem Anwachsen der Macht der Kirche und des Staates mitsamt dem damit einhergehenden Monopolanspruch, stets geheime Gruppen gab, welche der Meinung waren, dass das Christentum a) die falsche Religion wäre oder b) die Religion falsch interpretiert werde, oder die c) einfach ihrem alten Glauben weiter treu bleiben wollten.

Schließlich, schreibt Katz, „waren die Freimaurer nicht die erste exklusive Gesellschaft, die je gegründet wurde; mal mehr, mal weniger geheime Gesellschaften, beginnend mit den Handwerkergilden und endend mit den Alchemisten, Theosophen und Rosenkreuzern im siebzehnten Jahrhundert waren ihnen vorausgegangen“.

After all, the Freemasons did not constitute the first exclusive society ever to be formed; societies, more or less secret, beginning with the craft guilds and ending with the Alchemists, Theosophists, and Rosicrucians in the seventeenth century had preceded them.

Waren die Freimaurerlogen oder der Illuminati-Orden einfach nur eine weitere dieser Gruppen? Peggy Pawlowski untersuchte den Illuminatismus unter dem pädagogischen Aspekt. Hierzu sei angefügt, dass Illuminatismus im Sprachgebrauch sowohl (geistige, religiöse) Erleuchtung als auch Aufklärung im Sinne von Rationalität und Humanismus bedeuten kann, wobei unterschiedliche Strömungen der Freimaurerei sich ganz ungeniert zwischen beiden Welten bewegen, hier und da einen Schuss Alchemie, Kabbalah, Christen- und Rosenkreuzertum hinzufügen und sich, je nach individueller Ausrichtung der unzähligen, im 18. Jahrhundert entstehenden Logen und Zirkeln bei allen bedienen. Ein Teil der Verwirrung im Zusammenhang mit den Illuminaten mag sich auch aus der unterschiedlichen Deutung dieses Wortes ableiten.

Der Beitrag Johann Adam Weishaupts zur Pädagogik des Illuminatismus

von M. A. Peggy Pawlowski [Auszug]

Man wird bei eingehender Betrachtung feststellen, daß sich in diesem Orden all jenes in verdichteter Form wiederfinden läßt, das die zu einem eigenen Bewußtsein gelangende bürgerliche Gesellschaft im Zuge der Aufklärung gegenüber der ihr verbindlichen Herrschaftsform als Anspruch formulieren konnte, namentlich die Nivellierung von Standes unterschieden, das Zusammenfinden als Interessengruppe, den Anspruch auf Bildung. Dem Illuminatenorden revolutionäre Sprengkraft im Sinne der Ereignisse von 1789 zu unterstellen, bedeutete jedoch eine Fehleinschätzung. ->

-> Die als Verschwörungsthese bekannte Vermutung, der Illuminatenorden hätte u.a. den geistigen Hauptanteil an der französischen Revolution und wäre noch dazu verantwortlich für die bis heute andauernde Weltverschwörung, soll an dieser Stelle noch einmal entkräftet werden. Vgl. hierzu auch: Rogalla von Bieberstein, Johannes: Die These von der Verschwörung 1776 – 1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung. Bern 1976. […]

Daß der Illuminatenorden bereits Zeitgenossen beschäftigt hat, beweisen nicht weniger als ca. 130 angeführte Titel in der Stillerschen Bibliographie zur Freimaurerei aus dem Jahre 1830, worin nahezu sämtliche bis dahin relevanten Beiträge zur Illuminatendebatte aufgeführt sind.

Schüttler in ‚Freimaurer und Illuminaten‚ stellt folgendes fest:

„Wie die Gold- und Rosenkreuzer, die Asiatischen Brüder oder die Deutsche Union gehörten die Illuminaten zu den geheimen Gesellschaften, die sich zwar deutlich an die Freimaurerei anlehnten, aber neben ihr oder in scharfer Abgrenzung und Konkurrenz zu ihr operierten. Die genannten vier Verbindungen, die im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts äußerst rührig waren, kannten ebenso wie die Freimaurerei das Prinzip der Geheimhaltung, hatten eine Einteilung in Grade oder Stufen mit zumeist wesentlich strafferer Hierarchie, verwendeten Decknamen, Geheimschriften und eine eigene ‚Ordensgeographie’nebst eigener Zeitrechnung und – benutzten die Freimaurerlogen als ihr wichtigstes Rekrutierungsfeld.
Während die Gold- und Rosenkreuzer und die Asiatischen Brüder ein mystisch-okkultistisch verbrämtes Christentum, verbunden mit Alchemie, Magie und Geisterbeschwörungen praktizierten, stellten Illuminaten und Deutsche Union das Sammelbecken der aufklärerisch-rationalistisch gesinnten Männer dar, die mittels dieser Vereinigungen Einfluß auf Staat, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft zu gewinnen suchten – mehr, als dies die traditionelle Freimaurerei und die aus ihr hervorgegangenen verschiedenen Hochgradsysteme je beabsichtigt hatten.“
[Das Ganze war also mehr oder weniger ein Versehen, das aus dem Ruder lief, könnte man jetzt mal interpretieren.]

Freimaurer und Juden aller Welt emanzipieren sich

Als die Macht der Kirche mit den Jahrhunderten zurückgedrängt wurde, rückte ein anderer Kampf in den Vordergrund – der Kampf gegen die absolutistische Staatsmacht in Form von Monarchen. Wieder fanden sich Menschen zusammen, die angeregt von Ideen, wie dem natürlichen Recht eines jeden Menschen, von naturwissenschaftlichen Fortschritten und den Vorboten des industriellen Zeitalters nach Wegen suchten, eine, ihrer Meinung nach bessere Welt zu erschaffen. Der Einzug aristotelischer Denkungsart hatte schon Anfang des zweiten Jahrtausends begonnen. Wo vorher Glaubensfragen vorherrschten, wandelte sich der Schwerpunkt der ab Anfang des 17. Jahrhunderts entstehenden Gruppen hin zu sozialen und politischen Themen. Wenn sich das bisher starre religiöse Glaubensmuster ändern ließ, warum sollte das nicht auch mit den absolutistischen Prinzipien der Staatsmonarchien gelingen?

Gegner der Kirche und Befürworter einer Trennung von Kirche und Staat oder gleich der Abschaffung von beidem fanden sich zusammen in Geheimgesellschaften und Salonen, Freimaurerlogen und Lesezirkeln. In vielen Freimaurerlogen wurde schon Jahrzehnte vor der französischen Revolution von deren Idealen gesprochen und nach Wegen gesucht, wie diese erreicht werden könnten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es schien mehr als eine Möglichkeit zu sein, die Menschheit zu transformieren.

Bezeichnenderweise ist die Freimaurerei in England, wo es zu Beginn des 18. Jahrhunders (ab 1707) ein Parlament gab, das wenigstens den Anschein erweckte, die Macht der Royals einzuschränken, ein recht zahmes Geschäft, obgleich sie auch in England eine Rolle dabei spielte, als sich die ersten Gewerkschaften zu bilden begannen. Doch die Aufspaltung der Freimaurerei in extreme politische oder okkulte Gesellschaften und Praktiken begann auf dem Festland.

Politische und intellektuelle Abweichler jeder Farbe, vom Atheisten zum Okkultisten, suchten in Logen Gleichgesinnte zu finden. Es gab mystische und sprituelle Freimaurer der Rosenkreuzer, oder die Schüler der Swedenborg´schen Häresie, wobei beide Lager Gegner des orthodoxen Christentums waren und obskure hermetische Systeme als Ersatz anstrebten. Es gab Logen, welche der Religion und der Staatspolitik mehr oder weniger konservativ gegenüberstanden, die häufig loyale Ableger der großen Mutterloge zu London waren. Es gab gelangweilte Adlige, die sich der Alchemie, der Astrologie und der Suche nach dem Stein der Weisen zuwandten. Trotz der enormen Vielfalt der Logen, bei vielen läßt sich, mit etwas gutem Willen, im Wunsch nach Aufklärung und Erleuchtung ein gemeinsamer roter Faden finden.

Der Kampf der Kirche

Gleichzeitig gab es aber auch Bestrebungen die Freimaurerei rein christlichen Regeln zu unterwerfen, mit dabei an vorderster Front, die Jesuiten. Die Juden fochten in dieser Zeit ihren eigenen Kampf um Anerkennung, doch auf ihre ganz spezielle Art trugen sie einen gut Teil zum Zeitalter der Aufklärung/Erleuchtung bei.

Auch wenn man natürlich nicht sagen kann, dass alle Revolutionäre im 18. Jahrhundert Mitglieder in Freimaurergesellschaften waren, so lässt sich andererseits mit Bestimmtheit die Überzeugung äußern, dass etliche Freimaurergesellschaften dazu beitrugen, dass die fortschrittlichen Ideen der französischen Revolution wenigstens teilweise verwirklicht werden konnten. Nicht weiter erstaunlich ist, dass auch der Kommunismus ein Kind jener Zeit ist, und daher liegt die Vermutung nicht fern, dass auch die Idee des Kommunismus in irgendeiner Form vom Zeitalter der Erleuchtung und der Freimaurerei profitiert hat.

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