Templer, Juden, Freimaurer (bis 1600)

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Alchemie

Bild http://www.alchemywebsite.com – Johan Josef Hormans der Ältere [1682-1759) Eine Frau besucht ein Alchemistenlaboratorium.

Nun, ab Mitte des 13. Jahrhunderts, hielten auch die Überlieferungen und Geheimlehren wie die Alchemie, die vornehmlich auf das alte Ägypten und Griechenland zurückgehen sollen, Einzug in die Stuben und Köpfe der europäischen Gelehrten. Sie knüpften damit an eine alte Tradition an, welche ins antike Griechenland zurückreichte. Eine ansehnliche Reihe griechischer Philosophen unterzog sich Einweihungen in ägyptischen Tempeln und studierte dort angeblich heute längst verlorengegangene Geheimnisse der Menschheit.

Phytagoras (560-500) war einer von ihnen. Er blieb 22 Jahre in Ägypten , woraufhin er sich nach Italien zurückzog, um dort seine eigene Schule zu gründen

Neben der neuen Rationalität, die mit der Verbreitung des wiederentdeckten Sokrates Einzug hielt, kam also auch die arabische Mystik nach Europa. Neue Ideen umschwirrten den Zeitgeist und rüttelten an ihm, entrissen ihn seinem Schlaf. Noch waren Naturwissenschaft, Philosophie und Alchemie nicht getrennt.

Es wurde unterschieden zwischen dem chemischen Teil, in welchem die Veredlung von Stoffen untersucht wurde, was natürlich zu dem Versuch führte, Gold herzustellen, und dem symbolischen Teil. Der letztere Teil integriert Kabbalah und Astrologie zu einem System, das sich allegorisch-esoterischer Verschlüsselungen bedient, auch Hermetik genannt.

Johann Thölde kompilierte 1599, die unter dem Namen des angeblichen Erfurter Benediktinermönchs, „Basilius Valentinus“ erschienenen „Zwölff Schlüssel“, die zu den einflussreichsten alchemistischen Werken gehören. [von Winckelstein]

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Die Christianisierung der Kabbalah beginnt

Die drei neuen Strömungen, die nun unbemerkt an Kraft gewannen, speisten sich aus der jüdischen Tradition der Kabbalah, der arabisch/ägyptischen Alchemie und dem Erbe der griechischen Kultur, dem sokratischen Denken, das gerade durch die arabische Eroberung von Teilen Europas im Mittelalter wieder an Bedeutung gewann. Zwar waren alle drei zu Beginn in gewisser Weise voneinander getrennt, doch entwickelte sich im Lauf der Zeit unweigerlich eine gegenseitige Befruchtung, die in Kombination mit dem Christentum zu immer neuen Mysteriensuchern und Heilslehren führte.

Abner von Burgos (Abner aus Burgos, als Christ nach seiner erst spät vollzogenen Taufe: Alfonso de Valladolid; * 1270 in Burgos; † 1347 in Valladolid) war ein christlicher Arzt und Philosoph jüdischer Herkunft bzw. zählte zu den Marranen. Er und Paul de Heredia begannen die bisher rein jüdisch inspirierte „Praktische Kabbala“ zu christianisieren.

Er zweifelte an der Willensfreiheit und vertrat eine deterministische Sicht. Nach Enttäuschungen über das Fehlschlagen zeitgenössischer messianischer Verheissungen und langem persönlichen Ringen entwickelte er sich als Apostat zum antijüdischen Schriftsteller und scharfen Eiferer gegen das Judentum.

Die Weiterentwicklung der Kabbalah

Von Winckelstein verrät uns die Namen einiger kabbalistischer Gelehrter des 15. Jahrhunderts und wie die kabbalistische Lehre durch jüdische und christliche Mystiker gleichermaßen weiterentwickelt wird.

Giovanni Pico della Mirandola (1463-94) war z.B. der Ansicht, dass die lange verschollen geglaubten Geheimnisse des Katholizismus und Ur-Christentums in der Kabbalah verschlüsselt seien und gilt als Begründer der christlichen oder besser, hermetischen Kabbalistik.
Samuel ben Nissim, ein konvertierter Jude, und Raymond Moncada, bekannt als „Flavius Mithridates“, hatten bereits grosse Teile der Kabbalah für ihn übersetzt. Judas Leon Abarbanel („Leon der Hebräer“, 1437-1508), versuchte mit „Dialog der Liebe“ eine Synthese aus Kabbalah und Neoplatonismus.

Bild: Wiki – Johannes Reuchlin im Kreis bedeutender Zeitgenossen; u. a. sind neben ihm (am linken Bildrand) auch Hutten und Luther dargestellt. Antirömischer Holzschnitt, Straßburg 1521.
Johannes Reuchlin (1455-1522) aus Pforzheim erhielt seine kabbalistischen Kenntnisse von Pico della Mirandola, Obadiah Sforno, Jacob ben Jehiel Loans, von dem er hebräisch lernte, und Joseph ben Abraham Gikatilla, einem Spanier des 13. Jahrhunderts, der sich über die Permutationen des Tetragrammatons „YHVH“ (Jahwe) ausliess. Reuchlin’s bedeutendste Werke waren „De Verbo Mirifico“ (1494) und „De Arte Cabalistica“ (1517). Über die hebräische Sprache schrieb er „Rudimenta Hebrai ca“ (1506). Wegen seiner jüdischen Sympathien wurde er von dem konvertierten Juden, Johannes Pfefferkorn, heftig angegriffen. Mit seinem Einfluss auf Erasmus und Luther legte er die philosophische Grundlagen für die Reformation.
Paul Ricius, der Arzt Kaiser Maximilian’s, kombinierte Mirandola und Reuchlin mit seiner an Joachim von Fiore erinnernden Theorie der drei Zeitalter, das des Chaos, der Torah und des Messiah. Das Tetragrammaton spielt auch hier wieder eine wichtige Rolle. Kardinal Egidio da Viterbo (1465-1532) zeigt in seiner „Scechina“ starke Einflüsse von „Zohar“ und „Sepher ha-Temurah“. Auf dem Laterankonzil von 1512 schlug er eine umfassende Reform der Kirche vor.
Der Franziskaner, Francesco Giorgio da Venice (1450-1540), sollte mit seinen christlich- kabballistisches Fundamentalwerken, „De Harmonia Mundi“ (1522) und „Problemata“ (1536), grossen Einflus auf Robert Fludd, die englischen Rosenkreuzer sowie die französische Gruppe der „Pleiades“ ausüben.
Einer der einflussreichsten Kabbalistiker war der Theosoph Guillaume Postel (1510-1581), der „Zorah“ und „Sefer Yetzirah“ ins Lateinische übersetzte und einen lateinischen Kommentar zur mystischen Symbolik der „Menorah“ verfasste. [von Winckelstein]

Die Templer

Über den Orden ist so unglaublich viel geschrieben und spekuliert worden, dass an dieser Stelle nur das Wichtigste in Kürze erwähnt und zitiert werden soll. An anderer Stelle werden die Templer jedoch noch eine Rolle spielen.

Der Orden oder eine Vorstufe davon, denn die Templer traten zunächst als Laienbrüder auf, war wahrscheinlich um 1118 in Troyes gegründet worden. Troyes galt damals als Zentrum der „Aufklärung“ und hatte Verbindungen zu den Übersetzerschulen von Toledo.

Die Templer sollen in Jerusalem die Bundeslade gefunden haben, jedenfalls gruben sie wie die Weltmeister unter dem Tempelberg. Eigentlich hatten sie sich zwar den Auftrag auf die Fahnen geschrieben, die Pilger zu beschützen, doch …

… statt sich der Bekehrung der Ungläubigen zu widmen, tauchen sie in den Wissenschaften ein, sprechen fliessend arabisch, kleiden sich in arabische Stoffe, reiten arabische Pferde und schliessen mit den Sarazenen Verträge ab. Von den Assassinen lassen sie sich in die Geheimnisse der Gnostik einweihen. Wenn sie allerdings kämpfen mussten, dann mit wilder Entschlossenheit. Da für Templer niemals Lösegeld gezahlt wurde, nahmen sie lieber den Tod in Kauf, als in sarazenischen Kerkern zu verschmachten.

Die Templer gelangten zu unerhörtem Reichtum, was zu nicht enden wollenden Spekulationen darüber führte, ob der rasche Wohlstand etwas mit einem unter dem Tempelberg gefunden Schatz zu tun hätte

Vielleicht hatte der Reichtum der Templer aber auch etwas mit der Art zu tun, wie sie es verstanden, ihre Niederlassungen zu Vorläufern des Bankenwesens zu gestalten. Denn sie führten den bargeldlosen Zahlungsverkehr mittels Wechseln ein, und erschufen mit ihren über 9.000 Burgen und Komtureien ein florierendes Handels- und Bankenwesen, das als Vorläufer moderner kapitalistischer Systeme gelten kann. Als einziger Orden der gesamten Christenheit war es ihnen erlaubt, Zinsen auf Kredite zu kassieren.

Oliver Janich, der Autor von „Die Vereinigten Staaten von Europa“ glaubt sogar, dass das eigentliche Geheimnis der Templer im Verständnis des Wesen des Geldes begründet liegen würde.

Das Geheimnis der Templer = das Geheimnis des Geldes?

Denn auf der Kenntnis dieses Zusammenhangs beruhen der Reichtum und die Macht der Templer. Entscheidend ist die Umkehrung des Gesetzes: Legt der Staat kein gesetzliches Zahlungsmittel fest, setzt sich das werthaltigste durch. Die Templer gingen nun überall dorthin, wo der gesetzlich festgelegte Wert der Münze vom Marktwert oder vom gesetzlich festgelegten Wert in anderen Regionen abwich und tauschten entsprechend die zu hoch bewerteten Münzen in die zu niedrig bewerteten (entweder Gold oder Silber). Oft sicherten sie sich auch selbst das Geldmonopol, kauften die unterbewerteten Münzen anderswo ein und drehten sie der „eigenen Bevölkerung“ an.

Heutzutage hat das Geld überhaupt keinen Wert mehr und die Nachfahren der Templer können davon so viel produzieren, wie sie wollen, auf Papier oder sogar elektronisch auf Knopfdruck. Sie tauschen es in echte Sachwerte, Unternehmensanteile oder Rohstoffe um. Die Zeche zahlt der Normalbürger, bei dem das neu geschaffene Geld als letztes ankommt und der die Sachwerte erst zu höheren Preisen kaufen kann (Cantillon-Effekt). Mit dem so erworbenen Reichtum können sich die Nachfahren der Templer beim Gewaltmonopol und den Medien einkaufen. Voilà, fertig ist der Plan zur Welteroberung! Und das mit einer Erkenntnis, die man in einem Satz zusammenfassen kann! Faszinierend, nicht wahr? Die Antwort auf die Frage, warum so viele Banker in Logen sind, lautet also:

Die Banker sind nicht in den Logen, weil sie Banker sind. Sie sind Banker, weil sie in den Logen sind! [84]

Bild: Wiki – Die Niederlassungen des Templerordens in Europa um 1300 dienten auch als Handels- und Bankhäuser.

Freitag, der 13.

Bekanntlich ließ der französische König Philipp IV. „Le Bon“ („der Schöne“, 1396-1467), in einer Nacht und Nebelaktion die Ordenshäuser besetzen. Am Freitag, dem 13.10.1307 (daher „Freitag der 13.“).

Der Orden war reich und mächtig geworden, das Geld in den königlichen Kassen knapp. In ganz Frankreich wurden Razzien durchgeführt, doch die sagenhafte Bundeslade wurde nicht gefunden. Der heilige Gral wird immer noch gesucht, die Legende geht weiter, dass der Schatz der Templer nach Schottland gebracht wurde.

Am 22.3.1312 wurde der Orden offiziell, mit der Bulle „Vox in Excelso“, vom Papst aufgelöst, das Erbe ging an die Johanniter. Die Überbleibsel der Templer gehen in anderen Orden auf.

In Portugal überlebt der Orden als Christus-Orden mit Sitz in Tomar. Hier taucht um 1530 das Symbol von Rose und Kreuz auf In Spanien firmiert er unter dem Montesa-Orden weiter. [EcoFou, 147] Im Osten gab es schliesslich noch den Schwesterorden, der „Deutsche Orden“, der die gleichen Regeln wie die Templer hatte und von Bernhard von Clairvaux mitbegründet worden war. [von Winckelstein]

Die Templer glauben nicht an eine Kreuzigung Jesu, sie wurden oftmals als christliches Pendant der Assasinen angesehen. Assasinen und Templer sollen Beziehungen untereinander gepflegt haben. Die schon in Teil 2 erwähnten Ismaeliten kannten eine siebenstufige Graduierung, die von den Templern übernommen wurde. Später taucht das Gradsystem bei den Freimaurern wieder auf. Der ismaelitische Gnostizismus leitete sich von altägyptischen Riten, jüdischer Kabbalistik, Alchemie, druidischen Bräuchen und dem Manichäismus ab.

Baphomet und Götzendienst

Eine der gegen die Templer erhobenen Anklagen war, dass sie heidnische Reliquien verehrten. Der bekannteste ist der Baphomet, ein Eselskopf mit Ziegenhörnern und weiblichen Brüsten. Weiteren unbewiesenen Behauptungenen zufolge sollen sie das Kreuz verkehrt herum aufgehängt haben, wahrscheinlich darauf gespuckt und noch viele andere widerliche Sachen angestellt haben.

Der Name Baphomet leitet sich wahrscheinlich aus dem hebräischen „Ab-ha-Chokhmah“ (Vater der Weisheit) ab. Das entspricht dem arabischen „Abu-fi-Hikmat“, Titel eines Führers einer Illuminaten-Sekte im Languedoc aus dem 12-14. Jahrhundert, zu der auch Rabbi Isaak „der Blinde“ gehörte.

Schottland wird Zufluchtsstätte der Templer

Jedenfalls wandte sich ein Teil der flüchtigen Templer nach Schottland, vor allem nach Argyll und den Firth of Förth, wo es schon früh Verbindungen zu König David I. gab. 1128 hatte sich Hugo von Payns, kurz nach dem Konzil von Troyes, mit König David I. von Schottland getroffen, der den Rittern die Ländereien um Ballantradoch an der Mündung des Förth (jetzt die Ortschaft Temple) überließ. David I. heiratete später Catherine of St. Clair.

Eine der ersten Komtureien ausserhalb des heiligen Landes lagen auf St. Claire’s Ländereien südlich von Edinburgh. 1303 halfen sie William Wallace in der Schlacht bei Rosslyn die Engländer zu besiegen. In der Schlacht von Bannock Burn am 6.11.1314 unterstützten sie, unter Leitung des schottischen Grossmeisters, William St. Clair, den schottischen König, Robert „the Bruce“, erfolgreich gegen die Truppen Eduard II. Der schottische König schlug sie darauf zu Rittern seines neuen Ordens, des „heiligen
Andreas von Schottland“, nach dem Ritus des „Heredom of Kilwinningin“ („schottischer Ritus“ mit 33 Graden). [EcoFou,451]. [von Winckelstein]

Bild:Wiki – Apprentice Pillar (Lehrlingssäule) in der durch Dan Brown berühmt gewordenen Kappelle von Rosslyn, Schottland.

1446 wurde die bemerkenswerte Kapelle von Rosslyn errichtet, die, nicht weit von einer Templerburg, auch heute noch steht und mit vielen Templer- und Grals-Symbolen geschmückt ist. Sie gilt als Bindeglied zwischen Templern und Freimaurern. In Argyllshire/Schottland und Balantrodoch bei Temple gibt es femer Templerfriedhöfe, deren Gräber vom 13. bis zum 18. Jahrhundert datieren, wovon die späteren eine Kombination von Freimaurer- und Templersymbolen zeigen.

Auch für die Templer hatte eindeutig eine Periode begonnen, in der sie ihrer Sache im Geheimen nachgehen mussten.

Die gothischen Kathedralen

In der mystischen Tradition des Islam, bei den Sufis, um 800 n. Chr. herum gab es eine Gruppierung, die sich „die Baumeister” nannte, eine interkonfessionelle, unpolitische Bruderschaft, die mit Symbolen aus dem Bauhandwerk arbeitete, ihr Tun als „Königliche Kunst” bezeichnete (wie Freimaurer es auch heute noch nennen) und eine frappierende Ähnlichkeit zu all dem hatte, was Freimaurer tun und wollen. Was aus diesen Baumeistern geworden ist, weiß man nicht; sie scheinen irgendwann spurlos untergegangen zu sein.

Ein ganz merkwürdiges Phänomen ist, dass die Gotik „plötzlich” um 1130 da war, ein völlig anderer Stil als die Romanik, ohne Vorläufer, ohne Experimentalphase, von Anfang an vollendet in ihrer Formensprache, ein ganz anderes Lebensgefühl ausdrückend als die Romanik. Man kann nicht erklären, woher der Stil kam. Es wurden völlig neue Bauhütten gegründet. […]

Und – ebenso merkwürdig – der gotische Stil verschwand auch wieder, jedenfalls in seiner reinen Form, fast ebenso abrupt etwa um 1330. Zufällige zeitliche Übereinstimmung oder nicht: Der Zeitraum deckt sich in etwa mit der Zeit der Kreuzzüge der Templer: 1118 war der Templerorden gegründet worden, 1128 kehrten die ersten Tempelritter aus dem eroberten Jerusalem nach Europa, vorzugsweise nach Frankreich, zurück. 1312 wurde der Templerorden aufgehoben, 1314 der letzte Großmeister, Jaques de Moley, auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Ob die Templer irgendwelche Erkenntnisse, spiritueller, weltanschaulicher oder bautechnischer Art, aus dem Vorderen Orient mitgebracht haben – und ein geistiger Austausch hat dort zweifellos stattgefunden – , wir wissen es nicht.

Die erste gotische Kirche war die von Abt Suger gebaute Klosterkirche von Saint-Denis in der Nähe von Paris um 1130. Von der Ile-de-France breitete sich der neue Stil über ganz Europa aus. Im 2. Drittel des 12. Jh. kam es geradezu zu einer „Kathedraleneuphorie” […]

Der Bischof hatte zwar sein Plazet für den Bauplan zu geben, hatte dann aber keinerlei Einfluss mehr auf das Geschehen am Bau und durfte sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Menschen, die dort arbeiteten, einmischen. Die Steinmetze schlossen sich als Bruderschaft zusammen, eine festgefügte Gemeinschaft, hatten ihre eigene Gerichtsbarkeit und unterlagen keinem Zunftzwang, d.h. konnten frei ihre Arbeitsstelle in ganz Europa wählen (das ist die andere mögliche Ableitung des Namens „Freimaurer”). Während in den sonstigen ortsgebundenen Handwerkszünften nur die Meister vereinigt waren und die Gesellen ihre eigenen Bruderschaften hatten, gehörten den Bauhütten Meister und Gesellen gleichermaßen an. [22]

Frühe Freimaurerei und Bundeslade

Von Winckelstein vertritt die Auffassung, dass die Berechnungen, welche die Freimaurer für den Bau der Kathedralen verwendeten aus den mathematischen Tafeln der Bundeslade stammen sollen.

Am nördlichen Portal der Notre-Dame-Kathedrale in Chartres, dem Tor der Initiierten, befindet sich eine Reliefdarstellung der Bundeslade bei ihrem Transport mit der Inschrift „Hic amit(t)itur Archa cederis“ (etwa: Hier nehmen die Dinge ihren Lauf, durch die Bundeslade musst du arbeiten). [CharChar, 66]

Was hatten die die Baumeister mit der Bundeslade zu tun? Gab es also doch einen Zusammenhang mit den Templern? Fakt bleibt, dass die Baumeister der Kathedralen einen neuen Architektur-Stil einführten, der nicht auf selbsttragenden Rundbögen beruhte, sondern auf Spitzbögen, die durch Kreuzgewölbe gestützt werden, wodurch die zuvor unerreichte Expansion in die Höhe möglich wurde.

Portal der Kathedrale Notre-Dame de Chartres

Die Baumeister richteten sich nach dem hermetischen Prinzip „Wie oben, so unten“. Folgende gothische Kathedralen wurden innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums erbaut. Die erste Kathedrale war Notre-Dame-de- Paris (1163), darauf folgten Chartres (1194), die bedeutendste und grösste, Reims (1211), Amiens (1221) und wenig später die von Bayeux , Abbeville, Rouen, Laon, Evreux und Etampes.

Beachtenswert scheint im Zusammenhang mit dem Bau gothischer Kathedralen auch, dass der Bau dieser Wahrzeichen großer finanzieller Mittel bedurfte und dass die Größe der Kathedralen anscheind nichts mit der Einwohnerzahl der Standorte der Kathedralen zu tun hatte. Von Winckelstein schreibt dazu:

Chartres war damals ein Marktflecken, deren gesamte Einwohnerschaft die Kathedrale mehrmals hätte füllen können. Die Baukosten können nur als astronomisch bezeichnet werden, zumal die Steine nicht über einen Fluss herangeschafft werden konnten. […] Das Kirchenschiff weicht 47 Grad von der normalerweise üblichen Ost-West- Ausrichtung ab und ist damit exakt auf den Sonnenaufgang zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling ausgerichtet.
Zur Mittsommerwende am 21. Juni zur Zeit des Sonnenhöchststandes (ca. zwischen 12.45 und 12.55) fällt durch das Sainte-ApoUinaire-Fenster im westlichen Teil des Südquerschiffes ein Lichtstrahl auf eine weisse Fliese mit einem goldschimmemden Metallzapfen.
Eines der bis heute ungelösten Geheimnisse bilden die gotischen Kirchenfenster, die ein ganz eigenartiges Licht erzeugen. Sie filtern schädliches UV-Licht, dämpfen direktes Licht und sorgen bei schwachem Licht für gleichmässige Helligkeit. Dieses Glasschmelzkunst verschwand jedoch unvermittelt Mitte des 13. Jh. […]
Die Bruderschaften der Dombauhütten nannten sich „Compagnons des Devoirs“ und „Compagnons du Tour de France“. Sie wurden ebenfalls mit den Templern verboten und dürften auf die Freimaurer- Symbolik eingewirkt haben, wobei der Name „Freemason“, wahrscheinlich eine englische Verballhomung von „Freres Mason“ ist und schon 1376 in einer englischen Handschrift auftauchte. (Nefontaine) [von Winckelstein]

Die Katharer

Eine andere Bewegung, die oft im Zusammenhang mit den Templern genannt wird, sind die „Katharer“ (griech.: Die Reinen) […]. Sie etablierten sich ab den 12. Jahrhundert, also in einer Zeit, als die Templer gerade zu Ruhm und Ansehen gelangten, vorwiegend in der Gegend um Albi in Südfrankreich, weswegen sie auch Albigenser genannt wurden. Ihre Mystik breitete sich nun im Languedoc und der Provence aus.

Bild: Wiki – Der heilige Dominikus und die Albigenser in Albi (1207): Katholische und katharische Schriften werden ins Feuer geworfen, doch nur letztere verbrennen (Pedro Berruguete, um 1495)

Die Ableitung des Namens ‚Katharer‘ vom griechischen καθαρός (katharós „rein“)[2] gilt heute nicht mehr als unumstritten, da man festgestellt hat, dass sich die Katharer selbst niemals so genannt haben. Der Begriff wurde nur von ihren Gegnern gebraucht und trägt daher meist einen abfälligen Beiklang, so beispielsweise in den Predigten des deutschen Mönches Eckbert von Schonau, der ihn 1163 zum ersten Mal benutzte.[3] Fünfunddreißig Jahre später schrieb der katholische Polemiker Alain de Lille, dass sich der Name der Katharer vom lateinischen catus oder cattus („Katze“) ableite, „da sie, wie man sich erzählt, das Hinterteil einer Katze küssen, in deren Gestalt ihnen Luzifer erscheint“. [Wikipedia]

Der Papst und der französische König verbündeten sich alsbald, um die neue Religion schnellstens wieder auszurotten, was im Zuge der Albigenser-Kreuzzüge (1209–1229) geschah. Die Katharer wurden als Häretiker verfolgt und beinahe ausgerottet. Zugleich dienten sie als Vorwand für die Gründung der Inquisition, die im 13. Jahrhundert begann. Doch Wissenschaft, Bildung und eine größere Unabhängigkeit von der katholischen Kirche wurden zunehmend en vogue, die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten.

1361 – Nicolas Flamel und die Kabbalah

Über Nicolas Flamel (1330-1418) gibt es eine unterhaltsame Anekdote, die in von Winckelsteins Odyssee beschrieben wird.

1361 kaufte er für 2 Forint ein Buch mit dem kurzweiligen Titel „Das heilige Buch von Abraham dem Juden, Fürsten, Priester, Leviten, Astrologen und Philosophen jenes Stammes der Juden, der durch den Zorn Gottes unter die Gallier zerstreut wurde“. Teile des Buches, in dem das Wort „Maranatha“ häufig wiederholt wurde und der „Stein des Weisen“ auftauchte, waren in Kabbalah chiffriert.
Folglich suchte er einen Juden, der sich damit auskannte. Da die Juden aus Frankreich vertrieben waren, hoffte er in Spanien einen solchen zu finden. Also machte er sich, als Pilger verkleidet, auf nach Santiago de Compostella. In Leon, schliesslich, machte ihn ein Bologneser Kaufmann auf einen bekehrten Juden, namens „Meister Canches“, aufmerksam. Dieser wollte ihm auch helfen, das Buch zu entschlüsseln. Die wenigen Seiten, die Flamel bei sich trug, reichten jedoch nicht aus, sodass er sich bereit erklärte, ihn nach Frankreich zu begleiten. Seine Gesundheit war allerdings schon derart angegriffen, dass er auf dem Weg nach Paris in Orleans verstarb.
Möglicherweise gelang es Flamel dennoch den Code zu entschlüsseln. Denn er verkündete, dass es ihm in der Mittagsstunde des 17.1.1392 und um 5 Uhr nachmittags des 25.4.1392 gelungen sein, eine alchemistische Projektion/Transmutation durchzuführen.

Nicolas Flamel wurde tatsächlich ziemlich reich und ließ zahlreiche Waisen- und Witwenhäuser errichten. In Paris hinterließ er allein über 30 Häuser und Grundstücke.

Bild: www.levity.com

1681 wurde die deutsche Ausgabe des 1612 in Paris erschienenen Buches „Des berühmten Philosophi Nicolai Flamelli Chymische Werke“ in Hamburg herausgegeben.

Flamel musste nach Spanien reisen, um einen Juden zu finden, weil die Juden auch aus Frankreich vertrieben wurden. Die Lage der Juden war prekär …In ganz Mitteleuropa wiederholten sich dieselben Szenen der Vertreibung, Unterdrückung und Diffamierung.

Die Hussitische Revolution

Unterdessen bröckelte der Lack der päpstlichen Kirche, die Kirche zerfiel weiter, was schließlich mit Luther und seinen Wittelsbacher Thesen zu einem vorläufigen Höhepunkt führen sollte.

Bild: Wiki – Jan Hus (1369 -1415), Begründer der Reformation

Der Reformator Jan Hus formulierte bereits um 1413 seine wichtigsten Thesen. Als er für seine neue Kirchenlehre auf dem Scheiterhaufen sterben musste, stürzte das Land in eine lange Zeit der Kriege. Die Zeit der Glaubensverfolgungen brach an, welche auch die kleine Minderheit der Juden in Europa mit aller Macht erfasste. Aus Wikipedia:

Nach der Verbrennung des bedeutenden böhmischen Reformators Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz im Jahre 1415 spalteten sich die nach ihm benannten Hussiten in zwei Parteien, die pragmatischen Utraquisten und die radikalen Taboriten. Zunächst konnten sich diese reformatorischen Gruppen mit der damals üblichen Fremdbezeichnung Böhmische Brüder, bzw. der Eigenbezeichnung Unitas Fratrum (Brüder-Unität), behaupten. Jedoch versuchte die böhmisch-luxemburgische Königsdynastie, die Hussiten aus Kirchen- und Staatsämtern auszuschließen, was zu heftigen Unruhen führte und schließlich mit der Kreuzzugsbulle von Papst Martin V. vom März 1420 dann in die Hussitenkriege mündete. Während dieser in Böhmen und den angrenzenden Ländern wütenden Kämpfe gegen die Katholiken entbrannte auch ein jahrelanger gewalttätiger Kampf unter den beiden hussitischen Gruppen.

Martin Luther (1483-1546) versuchte eine Zeit lang zu vermitteln und die Kleinen Unitarier, wie sie genannt wurden, in die Reformation einzubinden, was nicht gelang, da die auf dem Zölibat des Klerus, den sieben Sakramenten und der eucharistischen Lehre nach katholischem Glauben und apostolischer Tradition bestand.

Judenverfolgungen und -vertreibungen 1300 -1500

Seit dem Auftreten der Pestpandemie 1348/49 überschatteten die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes ihr Leben. Sie begannen 1348 in der Schweiz unter dem Vorwurf der Brunnenvergiftung durch die Juden. In 85 von 350 Städten mit jüdischen Einwohnern wurde gemordet, wie beim Judenpogrom in Straßburg 1349, fast überall wurden Juden ausgewiesen. Im Elsass wurde mit 29 Orten die Hälfte aller jüdischen Siedlungen ausgelöscht, am Mittelrhein rund 85 von 133 Siedlungen.

Rupert II. verwies 1390 alle Juden aus Heidelberg, aber ab Mitte des 15. Jahrhunderts verbesserte sich die Lage für die Juden wieder, es entstand eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt.

Bild Wiki: Die Ausbreitung der großen Pest zwischen 1347 und 1352

Jüdische Gemeinde am Beispiel von Wertheim

1348/49 wurden z.B. auch in Wertheim Juden ermordet; nach diesen Ereignissen lebten kurzzeitig keine Juden in Wertheim.

1528 wurde die erste „Wertheimer Judenordnung“ erlassen. Durch sie wurde der Ladenverkauf untersagt und ein Zinsverbot erlassen; der Markthandel war für die Juden jedoch erlaubt. Ferner wurde ihnen das Tragen gelber Ringe an der Kleidung vorgeschrieben.[2] 1622 wurden 16 jüdische Familien in der Stadt gezählt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren es durchschnittlich zehn bis zwölf Familien.

Die volle bürgerliche Gleichstellung Wertheimer Juden wurde erst 1862 erreicht; noch im Revolutionsjahr 1848 wurde ein Zeitungsaufruf „Zum Schutz der Israeliten in Wertheim“ veröffentlicht. Ursache hierfür könnte die Beteiligung der beiden Wertheimer Juden Philipp Mandelbaum und Bernhard Benario an Revolutionsumtrieben gewesen sein. [25]

Vertreibung aus Frankreich und Spanien

Die übrigen Anhänger des Judentums verteilten sich im Hochmittelalter auch in andere Teile Europas, im Spätmittelalter, im Zuge der Pestpogrome und der Ausweisung beispielsweise aus Frankreich, besonders nach Osteuropa, ferner in die islamische Welt und im Anschluss bei der Vertreibung aus Spanien 1492 nach Eretz Israel. In Spanien wurden seit 1391 die Juden offiziell verfolgt und mussten zwischen Hinrichtung und Zwangstaufe wählen.

Als diejenigen Juden, die 1391 nicht zum christlichen Glauben konvertieren wollten, aus Spanien vertrieben wurden, verdünnen sich die Spuren des rein jüdischen Zohar und der Kabbala für ein paar Jahrhunderte in Europa.

Sephardische Juden, die nicht konvertierten, zogen nach Holland, England oder auch in das Osmanische Reich, wo sie eine Zeit lang unter dem Schutz des Sultan aufblühten. Die Juden in Spanien, aber auch anderswo, die offiziell konvertiert waren, behielten oft heimlich ihren alten Glauben bei. Diese Praxis zog den Zorn der Kirche auf sich.

Eine besondere Schärfe erhielten die Verfolgungen, als mit Einführung der Inquisition in Spanien 1480 unter Ferdinand II. von Aragon und Isabella I. von Kastilien nicht mehr nur die Juden Ziel der Nachstellungen wurden, sondern auch jene, die zwar rein äußerlich zum Christentum konvertiert waren, um ihr Leben zu retten, die aber im Geheimen weiterhin an ihrem alten Glauben festhielten. Nach dem Vertreibungsedikt emigrierten 50.000 bis 100.000 Juden nach Portugal, um der Zwangsbekehrung zu entgehen.

Wenn das System der Kabbalah in dieser Zeit in Europa weiter praktiziert wurde, dann im Stillen und Geheimen, denn die Zeiten wurden schlechter für die Juden und die jüdischen Gebräuche in den meisten Gegenden Europas befanden sie sich in einem ständigen Rückzugskampf. Mit der Vertreibung des Mauren aus Europa festigte die Kirche ihre Machtstellung vorübergehend, die sie gegen jegliche Andersgläubigte mit aller Härte einzusetzen gedachte. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 wurde Galiläa zum Zentrum der Kabbalistik.

Der Ursprung der Rosenkreuzer

Es folgen weitere Auszüge aus von Winckelsteins ‚Odyssee des Aristoteles‘, der so unheimlich viele Daten, Namen, Orte und Geschichten von Geheimgesellschaften zusammengetragen hat, dass einem beim Lesen manchmal geradezu schwindlig wird. Mit seiner Arbeit hat er eine unglaubliche Leistung vollbracht, vor der ich nur den Hut ziehen kann. In diesem Sinn erlaube ich mir immer wieder zusammenhängende Abschnitte aus seinem Werk zu zitieren, und den Leser stückchenweise mit den komprimierten Informationen seines Werkes vertraut zu machen.

Ormus, ein serapischer Priester aus Alexandrien, soll von dem Apostel Markus zum Christentum bekehrt und im Jahre 46 den Rosenkreuzerorden bzw. dessen Vorläufer gegründet und damit Gnostizismus und Christentum verbunden haben. Die alexandrinische Bibliothek war damals ein Zentrum des Gnostizismus und anderer esoterischer Lehren. Der Name Rosenkreu(t)z hatte vermutlich auch nichts mit Rose und Kreuz, sondern mit hebräisch „Rosah Koroz“ zu tun, was „Geheimbote“ oder „Götterbote“ bedeutet und sich auf den biblischen Engel „Keraziel“ bezieht. [Daniel 2,9; Marcel Roggemans] […]
In den „Nag-Hammadi“ -Dokumenten erinnert die „Pachom“ -Handschrift an Ormus, wo ein serapischer Priester namens Sankt Pachomius aus Diospolis (später Chenoboskion) erwähnt wird, der zum Christentum konvertierte und die alten Mysterien mit diesem zu vereinigen suchte.

Bild: Wiki – Agrippa von Nettesheim (1533)
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim, Ordensritter der Goldenen Miliz und Leibarzt Karl’s V., wurde am Hofe Heinrich’s VIII. von Dean Colet in die Briefe des Paulus eingeführt. Als Autor der kabbalistisch-magischen Enzyklopädie „De Occulta Philosophia“ (Köln 1553), war er beeinflusst von Lull, Mirandola und Reuchlin. 1507 gründete er, auf Anraten seines Freundes Trithemius die „Gesellschaft der Vereinigten Magier“, die die europäischen Hermetiker zusammenschloss und aus denen gegen 1570 die „Freres de la Rose+Croix d’Or“, hervorgingen. Einer anderen Version zufolge, sollen diese sich aus dem schottischen Orden „Knights of the East“, den, 1188 aus Palästina vertriebene Mönche gegründet haben, abgeleitet haben. Raimond Lull (1235-1315), der 1276 ein Franziskanner-Kolleg auf Palma de Mallorca gründete, soll ebenfalls diesem Orden angehört und auf Einladung von John Cremer, Abt von Westminster, an den englischen Hof gekommen und Edward II. (1284-1327) initiiert haben.
Kardinal Contarini, Schüler des Paduaner Aristotelikers, Pietro Pomponazzi, Sympathisant der Reformation und einer der Mächtigen der Republik, beeilte sich, nun einen strategischen Partner im fernen England zu finden. 1529 wurde sein Neffe, der Rosenkreuzer, Francesco Zorzi, von der venezianischen Signoria als Berater an den Hof Heinrichs VIII. geschickt. 1525 hatte er schon das, sich auf den „Sephirot“ beziehende Werk „De harmonia mundi“ publiziert. 1536, am englischen Hof, veröffentliche er dann sein zweites, magisches Werk „In Scripturam Sacram Problemata“. Unter seinem Einfluss standen Philip Sidney und Edmund Spencer, Autor von „The Faerie Queene“ und Verfechter des britischen Imperialismus. Er wurde jedoch, sowohl von Christopher Marlowe in „Doktor Faustus“ als auch von Shakespeare in „Othello“, scharf angegriffen.

Bild: Wiki – Paracelsus 1540. Kupferstich von Augustin Hirschvogel
1536 publiziert Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt „Paracelsus“ (1493-1541), beeinflusst durch Isaac Hollandus, die „Prognostation“ (1530), worin er auf das Symbol der Rose mit dem Kreuz anspielt und das erste Mal den Propheten „Elias Artista“ erwähnt. Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf die Prophezeiung des „Septentrionalen Löwen“, die auch in seinem Buch, „De Minerahbus“, vorkommt. Darin wird ein politischer und religiöser Umschwung prophezeit, gefolgt von der Entdeckung „dreier gewaltiger Schätze in Italien, Bayern und einem zwischen Frankreich und Spanien gelegenen Ort“. Der Löwe, Symbol Friedrich II., kämpft dabei gegen den habsburgischen Adler. Das 7. Kapitel der späteren „Fama Fraternitatis“ nimmt Bezug auf diese Prophezeiung. Paracelsus, dessen Vater Grossmeister des „Teutonen-Ordens“ war, gilt als der Begründer der neueren Rosenkreuzer-Bewegung.

Bild: Wiki – Giordano Bruno. Illustration in: Neue Bibliothec, oder Nachricht und Urtheile von Neuen Büchern. Frankfurt und Leipzig, 1715. S. 622, fig. 38
Giordano Bruno (1548-1600), von Lull, Ficino und Mirandola beeinflusst, stellte in seinem Werk „L’expulsion de la bete triomphante“ (1584), den Hermetismus über das Christentum, forderte die Einführung einer umfassenden Reform und die Rückkehr der ägyptischen Religion, was ihm den Tod auf den Scheiterhaufen einbrachte. Nachdem Bruno schon Heinrich III. von Navarra mit seinen Reformideen bearbeitet hatte, sah er nun in Heinrich IV. den Mann der Stunde und versuchte zusammen mit Tommasio Campanello, ihn für seine Reform zu gewinnen.

Bruno postulierte die Unendlichkeit des Weltraums und ewige Dauer des Universums. Damit stellte er sich der damals herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Viel schwerer wog damals, dass seine pantheistischen Thesen von einer unendlichen materiellen Welt keinen Raum für ein Jenseits ließen, da zeitliche Anfangslosigkeit des Universums eine Schöpfung und dessen ewiger Bestand ein Jüngstes Gericht ausschlossen.[62]

Rosenkreuzer – Christentum und Mystik

Am 17.7.1586 kam es in Lüneburg auf Anregung Simon Studion’s zu einem Treffen der protestantisch-rosenkreuzerischen Verteidigungsliga, „Confederatio Militia Crucifera Evangelica“, die schon 1186 in Köln gegründet worden war und aus der, 1605, die „Brüderschaft der Rosenkreuzer“ mit dem Emblem von Rose und Kreuz hervorging. An dem Treffen sollen u.a. John Dee, Jakob VI. von Schottland, Thomas Bodley als Gesandter Elizabeth I. von England, Friedrich von Württemberg, der König von Dänemark und Abgesandte des Königs Heinrich IV. von Navarra teilgenommen haben.
1593 gründete Jakob VI. von Schottland mit 32 Rittern des, 1314 von Robert Bruce für die Templer gegründeten Ordens, „Saint Andrew of Chardon“, die „Royal Rosicrucians“. Er wurde 1603, jetzt als Jakob I. von England, Grossmeister der englischen Freimaurer. [Rosenkreuzer ?, C.B.]
Der Gold- und Rosenkreuzem, Jakob Boehme (1575-1624), „Philosophus teutonicus“ aus Böhmen, war von Paracelsus beeinflusst und widmete sich Kabbalah, Alchemie, Hermetik und Esoterik. In Prag, Zentrum der jüdischen Kabbalistik und Ausgangspunkt des neuzeitlichen Rosenkreuzertums, macht er die Kabbalah des Isaac Luria dem Christentum zugänglich. Er sollte grossen Einfluss auf die deutsche Philosophie, insbesondere Schelling, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Hartmann, Bergson, Heideggerund C. G. Jung ausüben.

Bild: Wiki – Simon Studion im Alter von 50 Jahren, 1593.
Simon Studion veröffentlichte 1604, beeinflusst durch Joachom von Floris, Paracelsus und Samuel Heyland’s „Mystische Arithmetik“, seine „Naometria“, ein, Heinrich IV., Jakob I. und Friedrich von Württemberg gewidmetes, fast 1800 Seiten umfassendes Traktat über die Vermessung des Salomonischen Tempels. Es ist verziert mit Gravuren von Jakob Lederlein,
wobei eine die „Vaticinia sev praedictiones…“ des Joachim von Fiore darstellt. Das Werk übte einen grossen Einfluss auf die Tübinger Rosenkreuzer-Bewegung aus, die vermutlich aus der von ihm gegründeten „Societas Cruce Signati“ hervorging. [von Winckelstein]

Bild: Wiki – Johann Arndt oder Arnd (* 27. Dezember 1555 entweder in Edderitz oder in Ballenstedt;[1] † 11. Mai 1621 in Celle) zählt zu den wichtigsten nachreformatorischen Theologen.
Enormer Erfolg war dem Buch „Vom Wahren Christentum“, des Vorläufers des deutschen Pietismus, Johann Arndt, beschieden. Es wurde sogar in Heinrich Khunrath’s „Amphitheatrum Sapientiae Aeternae“ (Amphitheater der ewigen Weisheit, 1609) kommentiert, worauf er mit „Judicium über die vier Figuren von Khunraths Amphitheatrum“ antwortete. Aus seinem „Liber Naturae“ werden Teile wortwörtlich in die Rosenkreuzer-Manifeste übernommen. [von Winckelstein]

Johann Valentin Andreae, der noch behandelt werden wird, soll ihn später sogar als seinen geistigen Vater bezeichnet haben. Khunrath allerdings wurde in den Rosenkreuzer-Manifesten als der „amphiteatralische Komödiant, der die Kleingeister zu beeindrucken weiss“, bezeichnet.

Michael Maier (1568-1622)

Bild: Wiki – Michael Maier, 48 Jahre alt. Einziges Porträt. 1617. Aus: Atalanta Fugiens. Oppenheim 1618. Kupfer von Matthäus Merian.
In seinem Buch „Themis Aurea“ (1618) bezieht sich Maier auf eine Resolution aus dem Jahre 1617, wahrscheinlich die „Konvention der Sieben von Magdeburg“, die am 31.10.1617 tagte, wonach die Rosenkreuzer für die nächsten hundert Jahre als die „Unsichtbaren“ strikteste Geheimhaltung zu wahren hätten. Dabei sei ein Eid geschworen worden, die Kirche Jesus Christus‘ zu zerstören und im Jahre 1717 die Bruderschaft in eine Gesellschaft zu überführen, die mehr oder weniger propagandistisch in der Öffentlichkeit auftreten könne, was übrigens mit der Gründung der ersten Freimaurerloge zusammentrifft. [von Winckelstein]

Maier beschrieb in dem Buch „De medicina regia et vere heroica, Coelidonia“ („Von der königlichen Medizin, der wahrhaft heroischen, der Himmelsgabe“) die Zubereitung einer Universalmedizin. Dazu benötigte er neben den Gerätschaften und Stoffen drei Dinge: die königliche selbstbestimmende Kraft des Ich, das mutig heldenhafte Ringen mit den gegnerischen Kräften und die gnadenhafte Mitwirkung des Himmels.[7]

Jüdisch – Christliche Sonderwege

Wir nähern uns nun jener Epoche, mit welcher jener offizielle Strang der Freimaurerei beginnt, der uns letztendlich interessiert. Mittlerweile dürften Sie einen, wenn auch nicht umfänglichen so doch immerhin groben Überblick über die Materie gewonnen haben, sind vielleicht ein wenig der mystisch-religiösen Bestrebungen der Menschen vergangener Zeiten und ihrer Denkweise nähergekommen und nun besser gerüstet für die Feinheiten der späteren Diskussion um Freimaurer, Illuminaten und Rosenkreuzer.

Die Zersplitterung der Religion des christlichen Glaubens in immer weitere Sekten nimmt ihren Lauf, nunmehr interessieren sich einige Christen sogar für die Einhaltung des Sabbat, also von jüdischen Glaubensregeln, und werden somit zu einem Sonderfall der vielen Sekten und lokalen Glaubensrichtungen im Reich der römisch-katholischen Kirche.

Sabbatianer

Wikipedia über Sabbatianer:

Mährische Sabbater
[…]
Um 1528 gründete Oswald Glait, Schüler des Täuferführers Hans Hut, in Mähren und Schlesien die Gruppe der Sabbater, die den Sabbat als Zeichen für die Verheißung des „Weltensabbats“ – des letzten erwarteten Äons – rituell einhielt. Glait lehrte mit Bezug auf Heb 4,LUT EU und Ex 31,16f LUT, das Sabbatgebot sei bleibend gültig, da die Gläubigen erst nach Jesu Wiederkunft zur Ruhe Gottes gelangten. Durch seine Einhaltung werde man „versiegelt“ und bewahrt, um im Endgericht zu bestehen. Die Gruppe wollte also ihre künftige Erwählung antizipieren und ständig aktualisieren. Der Täufer Andreas Fischer löste Glait nach 1532 als Gruppenführer ab. Bis 1573 existierten mehrere Untergruppen in Mähren. Gegen sie schrieb Martin Luther 1538 die Schrift Wider die Sabbather (WA 50,309ff.), in der er die Lehre Glaits auf jüdische Propaganda zurückführte. Diese ist jedoch nicht nachweisbar.

Siebenbürgische Sabbatharier
[…]
Zum judenchristlichen Typ gehörte eine 1588 gegründete Gruppe um den ehemaligen Unitarier Andreas Eössi in Siebenbürgen. Er forderte die Einhaltung des Sabbats, der übrigen jüdischen Feste und Speisegebote für Christen, nicht aber die Beschneidung. Denn Christus habe die Tora nicht aufheben, sondern die Heiden zu ihr führen wollen. Bis zu seiner Wiederkunft gelten daher die in der Tora genannten Bedingungen für die Erfüllung der prophetischen Verheißungen weiter. Diese Lehre setzte Eössis Schüler Simon Péchi ab 1621 fort und verbreitete sie auch im höheren Adel. Fürst Gabriel Bethlen erlaubte der Gruppe zu missionieren. 1638 trennten sich die Unitarier dieser Gegend von den Sabbathariern; letztere wurden daraufhin oft verurteilt oder konvertierten zum Schein zu den Reformierten.

Einige dieser Sabbatharier hielten sich, obgleich verfolgt, bis ins 19. Jahrhundert und wurden auch als Seelenjuden bezeichnet[1]. Eines ihrer Zentren war der Ort Székelykeresztúr. Der letzte Rest der Gemeinschaft, die damals noch etwa 30 Familien umfasste, trat 1868 vollständig zum Judentum über. Eine der letzten sabbatharischen Gemeinden in Siebenbürgen befand sich in Bözödújfalu (deutsch: Neudorf, rumänisch: Bezidu Nou). Die im Nationalsozialismus verfolgte Gemeinde verlor ihr Zentrum endgültig, als Bözödújfalu in den letzten Jahren des kommunistischen Ceaușescu-Regimes einem Stausee weichen musste.[2] Die letzten überlebenden Nachfolger der Siebenbürger Sabbatharier wurden im Holocaust ermordet.

Russische Subbotniki
Um 1640 traten in Russland die Subbotniki oder Sabbatniki auf. Sie übernahmen Einflüsse des jüdischen Humanismus und der Kabbala, bestritten Jesu Gottsein und Auferstehung, verwarfen die Verehrung von Ikonen, feierten das Pessach und befolgten die Toragebote, zunächst ohne die Beschneidung. Wie die Juden erwarteten sie die Ankunft des Messias, wenn alle Menschen die Tora ganz halten. Ab 1760 wurden sie Teil der Molokanen, die die russisch-orthodoxe Kirche ablehnten und hielten darin weiter den Sabbat.

Siebentägner-Tunker
Im 18. Jahrhundert gründete sich in Nordamerika die Gruppe der Siebentägner-Tunker, die sich zuvor unter der Führung von Johann Conrad Beissel von der täuferisch-pietistischen Bewegung der Tunker (auch Schwarzenau Brethren) getrennt hatte. Die Siebentägner-Tunker gründeten 1732 das Ephrata Cloister. Reste der Gruppe schlossen sich im 19. Jahrhundert den Siebenten-Tags-Baptisten an.

Anhänger von Messiasanwärtern
Auch die Anhänger des selbsternannten Messias Shabbetaj Zvi, dessen Geschichte in einem anderen Teil erzählt wird, werden Sabbatianer oder Dönme genannt. In der Türkei sind tatsächliche oder vermeintliche Mitglieder dieser Sabbatianer häufig Gegenstand von Verschwörungstheorien. Denselben Namen führen auch die Anhänger der Joanna Southcott. [52]

Babylonische Verwirrung in Glaubensfragen

Blickt man zurück in die Geschichte der Menschheit und schaut auf deren Religionen, dann muss man sich aus heutiger Sicht wirklich wundern über die unübersehbare Vielzahl von Glaubensrichtungen, welche dem Mittelalter entsprangen und wir können daraus nur schließen, dass der religiöse Glaube im Mittelalter stets einen zentralen und überragenden Stellenwert innehatte. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung neuer Glaubenssysteme, wie sie  Kabbalah, Alchemie, aber letztendlich auch die in den Kinderschuhen steckende damalige Wissenschaft verkörperte, hervorgehoben. Ursprünglich war die Kabbalah von jüdischen Mystikern entwickelt worden, schwappte jedoch während der Blütezeit des Islam auch in christliche Kreise über und wurde dort übernommen und weiterentwickelt.

Verschiedene Glaubenssystem schlossen einander in der Regel aber aus, und so kam es zu einem scharfen Wettstreit um die Vorherrschaft, während gleichzeitig der Versuch unternommen wurde, die Glaubenssysteme zu harmonisieren. Der sogenannte Sokratismus, welcher die Rationalität mit sich brachte und zunächst gleichrangig neben den anderen Alternativen der etablierten Religion stand, sollte schließlich als überlegenes System hervorgehen und sich gegen die anderen durchsetzen. Eine Entwicklung, die natürlich nicht ohne weiteres Blutvergiessen vor sich ging.

Aber glauben Sie bloß nicht, dass wir heutzutage aus dem Zeitalter des Glaubens heraus wären, nur weil auf dem Fähnchen jetzt Rationalismus steht.

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