Illuminati, Freimaurer und Geheimgesellschaften (ab 1600)

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Eine kleine Geschichte der Geheimgesellschaften ab 1600

Nach 1600 wurde die Bildung geheimer Vereinigungen Mode, z. T. waren es wissenschaftlich ausgerichtete Gesellschaften (z. B. in Frankreich der Kreis um Mersenne, um 1630, in England das „invisible college“, 1646, in Oxford), z. T. esoterische, humanistisch ausgerichtete Vereinigungen wie die Rosenkreuzer (1615-1630), welche mit der Reformation liebäugelten oder die Pansophen (1640ff). [30]

Die protestantistischen Strömungen veranlassten die katholische Kirche auf dem Konzil von Trient 1545-63 die Gegenreformation einzuleiten. Die Inquisition richtete den berüchtigten Index der verbotener Bücher ein, der bis 1966 fortbestand.

John Dee

Bild Wiki: Ein Porträt von John Dee (16. Jahrhundert), Künstler unbekannt. Angeblich zeigt es Dee im Alter von 67 Jahren. Es gehörte seinem Enkel Rowland Dee und später Elias Ashmole, der es der Universität Oxford vermachte.

John Dee (* 13. Juli 1527 in London; † 1608 oder 1609 in Mortlake-Surrey) war ein englischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph und Mystiker. Unter Königin Maria I. wurde Dee der schwarzen Magie und Zauberei angeklagt. Nach Marias Tod wurde er von der Thronfolgerin Elisabeth I. zum Hofastrologen und königlichen Berater ernannt. 1564 unterrichtete er Elisabeth I. in Astrologie und beriet ihre führenden Minister Francis Walsingham und William Cecil.

In seinem 1564 veröffentlichen Buch Monas Hieroglyphica führte er mithilfe der Mathematik, Kabbala und Alchemie die Schöpfung auf eine Einheit aus Punkt, Linie und Kreis zurück. [56]

Das „Voynich-Manuskript“

Bild:Wiki – Abbildung aus der „kräuterkundlichen“ Sektion (f34r). In diesem Manuskript wird nicht nur eine unbekannte, bisher nicht entzifferte Schrift verwendet, sondern es zeigt auch Abbildungen von unbekannten Pflanzen.
John Dee (1527-1609) wird nachgesagt, er habe am Hofe Maria’s für Elisabeth spioniert. Nachdem Elisabeth an die Macht kam, stellte sie ihn auch gleich als ihren Hof-Astrologen und Top-Spion (Codename „007“) ein. Als Architekt des britischen Empires und der Royal Navy entwickelte er Pläne für die britische Navy, führte die euklidische Geometrie in die Navigation ein, zeichnete Seekarten mit der Nordost- und Nordwest-Passage und entwickelte entsprechende Navigationsinstrumente. [von Winckelstein]

Zwar ist die Geschichte nicht gesichert, aber nach einer Variante soll Dee für die stolze Summe von 600 Dukaten Kaiser Rudolf II. das „Voynich-Manuskript“ („VMS“) verkauft haben, eines der mysteriösesten Dokumente, das, wenn die letzten Informationen stimmen, aus dem 15. Jahrhundert stammt, und somit mitnichten eine moderne Fälschung ist. Der Name bezieht sich auf Wilfried Michael Voynich (1865-1930), der es 1911 in einem Jesuiten-Kloster in Frascati entdeckte.

Das Voynich-Manuskript besteht aus unbekannten Glyphen in einer unbekannten Schrift, die bis heute, selbst von den bedeutendsten Kryptologie-Experten (darunter NSA-Cryptologe William Friedman, der im 2. Weltkrieg den „Purple“ -Code der Japaner geknackt hatte), nicht dechiffriert werden konnten. Es gibt Abbildungen von völlig unbekannten Pflanzen, von deren eine einer Sonnenblume ähnelt, die erst später eingeführt wurde,  desweiteren astronomische oder astrologische Abbildungen und Nymphen und Meerjungfrauen. Eine Radio-Carbon-Untersuchung datiert das Buch auf die Zeit zwischen 1404-38. [63] Eine Abbildung stellt eine Burg mit Schwalbenschwanz-Zinnen dar, die es nur in Norditalien gab. Auch die Sonnenblume gibt Rätsel auf, sie es gab zu jener Zeit in Europa noch nicht.

Dokumentiert ist hingegen, dass Dee im Besitz eines anderen mysteriösen Werkes war, das ebenfalls verschlüsselte Teile enthielt. Es war das Aldaraia sive Soyga vocor. [64]

Das neue Zeitalter

Julius Sperber (1514-1616) behauptete 16145 in„Adhortatio ad curiosos de Magia“, Breslau (1610-13) und „Echo der Fraternitet des Ordens R.C. auf die Brüderschaft von Rosenkreuz“ (Danzig 1616), dass das Rosenkreuzertum seit dem Fall Adams von einer Generation zu anderen überliefert wurde, und über die Zoroaster, die Chaldäer, Perser, und Ägypter in Gestalt der Kabbalah überlebt hätte.

Er sah in „De Magia“ in Paracelsus, Luther, Ramus und Guillaume Postel die Zeitzeugen einer neuen Zeit. […]
Zusammen mit Comenius leitete er die, von Lelius und Faustus Socinius gegründeten, „Moravischen/Mährischen Brüder“, einer Sekte, die beschuldigt wurde, die katholische Kirche abschaffen zu wollen und geheime satanische Riten zu praktizieren. Im 18. Jahrhundert stehen sie mit den Frankisten in Verbindung. Socinius war nach Mähren geflüchtet, als er von der katholischen Kirche verfolgt wurde. Auch Comenius musste 1641 nach London und ein Jahr später nach Schweden fliehen, wo er unter dem mächtigen Kanzler, Axel Ostenstierna, selber Rosenkreuzer, zusammen mit dem Holländer, Ludwig van Geer, einer der „Sieben von Magdeburg“,Protektion fand. [von Winckelstein]

Christian Rosencreutz

Hinter „Christian Rosencreutz“ soll sich der Abenteurer Andreas von Carol Stadt verbergen. Die „Confessio“ ist eine Art politisches Bekenntnis, in der Mohammed, der Papst, die scholastische Philosophie und die falschen Alchemisten angegriffen werden. Die Bibel wird als göttliches Buch angesehen.
1599 gründete der Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1572-1632) das „Collegium Mauritianum“ und 1609 oder 1615 das „Rosenkreuzerkapitel“, dem u.a. Prinz Friedrich Heinrich, Statthalter der Niederlande, Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt, Kurfürst Friedrich III, Valentin Andreae, Michael Maier und Raphael Eglinus angehörten. Am Hof des
Landgrafen war es auch, wo die Rosenkreuzer-Manifeste publiziert wurden. [von Winckelstein]

Kurz vor Ausbruch des 30-jährigen Krieges erschienen nacheinander das Aurora-Manuskript von Jacob Böhme, der sich dadurch den Zorn des Vertreters der lutherischen Orthodoxie zuzog, und die „Rosenkreutzerischen Manifeste“, die eine Kriegserklärung an Papsttum und katholische Kirche darstellten.

Die „Fama Fraternitatis oder Entdeckung der Bruderschaft des löblichen Ordens des R.C. an die Häupter, Stände und Gelehrten in Europa“ rief gleichzeitig zur „Allgemeine[n] und Generalreformation der ganzen weiten Welt“ auf. Na wenn das keine Verschwörung zum Umsturz ist …

1615 erschien das zweite Buch, welches Andreä zugeschrieben wird, in Frankfurt: „Confessio Fraternitatis R. C. ad Eruditos Europae“, welches den Zustand der Philosophie als „ganz krank und mangelhaft“ angriff und die Standpunkte der Bruderschaft darstellt. Es wird die „Öffnung und Mehrung der Bruderschaft“ gefordert, so dass auch die „Nicht-Gelehrten“ Zugang erhielten und der Kampf gegen das in Deutschland bereits enthronte Papsttum sollte zu Ende geführt werden. [65]

Es wird vermutet, dass sich der Begriff Rosenkreuzer aus dem Familienwappen Andreäs ableitet welches ein Andräaskreuz und vier Rosen enthielt, auch der Siegelring von Martin Luther bestand aus einem Kreuz in einem Herz in einer Rose. Man verfolgte humanitäre Zwecke und die Verbesserung der Welt durch Vereinigung von Wissenschaft (bzw. was man dafür hielt) und Religion. Gott, Weltall und belebte Natur wurden als identisch betrachtet.

Diese Rosenkreuzer waren eindeutig protestantisch und wollten die Reformation mit neuen Mitteln und auf anderen Gebieten fortsetzen. Sie verpflichteten sich zur strengen Sittlichkeit und der Nächstenliebe, wobei sie besonders den Stellenwert der Krankenpflege hervorhoben, während sie den weltlichen Ehren entsagten. Der Papst wird mit Mohammed gleichgesetzt und der Niedergang der katholischen Kirche angekündigt. [65]

Der 30-jährige Krieg

Bild Wiki: Mitteleuropa am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich auf europäischer Ebene der habsburgisch-französische Gegensatz und auf Reichsebene derjenige zwischen Kaiser und Katholischer Liga einerseits und Protestantischer Union andererseits. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten im Reich trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus. Infolgedessen verbanden sich eine Reihe weiterer Konflikte mit dem Dreißigjährigen Krieg: der Achtzigjährige Krieg (1568–1648) zwischen den Niederlanden und Spanien, der Französisch-Spanische Krieg (1635–1659) und der Torstenssonkrieg (1643–1645) zwischen Schweden und Dänemark.

Bild Wiki: Der Galgenbaum – Darstellung von Kriegsgräueln nach Jacques Callot (1632)

[…] Am 24. Oktober 1648 endete der Krieg in Deutschland. Seine Feldzüge und Schlachten hatten überwiegend auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches stattgefunden. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verwüsteten und entvölkerten ganze Landstriche. In Teilen Süddeutschlands etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Nach den wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen benötigten einige vom Krieg betroffene Territorien mehr als ein Jahrhundert, um sich von deren Folgen zu erholen. [7]

Von Orden und Rittern

Bild: Wiki -Johann Valentin Andreä (1586–1654) im Alter von 42 Jahren (Kupferstich von Johann Pfann)
Der Rosenkreuzer Andreae war Mitglied der von Prinz Ludwig von Anhalt gegründeten „Fruchtbringenden Gesellschaft“ und stand mit Friedrich von der Pfalz in Verbindung. Den inneren Kreis der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ oder später, des „Palmenordens“ bildete der, wahrscheinlich 1580 gegründete, alchemistische „Orden der Unzertrennlichen“, der unter verschiedenen Synonymen, wie „Alchemistenloge“, „Kreuzorden“ oder „Gesellschaft der Philosophen und Naturforscher“ firmierte.
Ebenfalls einer Loge der „Unzertrennlichen“ in Halle, die um 1680 als „Sincera Confoederatio“ in Erscheinung trat, gehörte der lutherisch-sächsische Pastor Samuel Richter an. Von Boehme und Paracelsus beeinflusst, publizierte er 1710 unter dem Pseudonym „Sincerus Renatus“ „Die wahrhaffte und vollkommene Bereitung des Philosophischen Steins, der Brüderschafft aus dem Orden des Gülden- und Rosen-Creutzes von S. R.“ (Breslau 1710/14). Das Buch nimmt Bezug auf „Echo de la Fratemite, … de l’illustre Ordre R.C.“ (1615) von Julius Sperber, und „Temis d’or“ (1618) von Michael Maier. Er behauptet, Mitglied einer geheimnisvollen Bruderschaft zu sein, […] Seltsam ist die 36. von den 52 Regeln des Ordens, die er auflistet. Danach ist es den Brüdern strengstens untersagt, Perlen oder Edelsteine von unnatürlicher Größe zu fertigen und ihr Geheimnis preiszugeben.
1620 gründete Andreae in Norddeutschland einen alchemistischen „Verein der Färber“ und baute inmitten des 30-jährigen Krieges ein Netz geheimer „christlicher Bruderschaften“ auf, mit deren Hilfe es vielen Gelehrten gelang, sich der Inquisition zu entziehen und nach England abzusetzen. Unter diesen befanden sich Samuel Hartlib, Comenius, Theodor Hank, enger Freund von Elisabeth Stuart und Dr. John Wilkins, ehemals Friedrich’s Hofkaplan und später Bischof von Chester. [von Winckelstein]

Die Rosenkreutzer-Diskussion

Wer die Rosenkreutzer sind, welches ihre Ursprünge sind und welches ihre Ziele waren, darüber gibt es seit 1614 eine rege Diskussion, die sich bis in die Neuzeit fortsetzt.

Charles von Bokor hatte bei den Templern noch die Kabbalisten erwähnt. Diese tauchen bei Gössling erst in Zusammenhang mit den Rosenkreuzern auf: Er behauptet, dass die „spekulative“ Freimaurerei, die bei ihm schon seit 1250 oder 1350 besteht, „über Jahrhunderte hinweg ein Hort der sogenannten pansophischen und rosenkreuzerischen Esoterik war, hermetischen Geheimlehren, deren Verfechter sich unter anderem mit Magie und künstlichem Gold beschäftigten“ (43; ähnl. 226) [43]

Der Autor von „De naturae secretis“ fand es 1618 an der Zeit, das Rosenkreuzer-Geheimnis zu lüften, indem er auf den 1430 gegründeten Orden vom „Goldenen Vlies“ hinwies.

Michael Maier behauptete in seinem „Silentium post clamores“, dass die Rosenkreuzer mit dem „Goldenen Vlies“ und dem „Hosenbandorden“ in Verbindung ständen.
Irenäus Agnostus (Friedrich Grick) veröffentlichte 1618 „Le bouclier de la verite“, in dem er Adam als den ersten Rosenkreuzer bezeichnet. Tommaso Campanella liess in seiner deutschen Ausgabe der „Monarchia Hispanica“ die ganze Rosenkreuzerei für ein Hirngespinst erklären. Andreae selbst, vermutlich um sich aus der Schusslinie zu bringen, distanzierte sich in „Turris Babel“ (1619) von der Rosenkreuzerei, suchte sie aber gleichzeitig zu rechtfertigen.
1619 erschien ebenfalls von Andreae „Christianapolis“, die Francis Bacon zu seiner „Nova Atlantis“ inspirierte und auf Thomas Morus „Utopia“ basiert. Es ist die Geschichte eines Schiffbrüchigen, der in der Nähe des Südpols auf einer Insel namens „Caplar Salama“ landet und dort zu der idealen Stadt „Christanopolis“, die an das „Neue Jerusalem“ erinnert, geleitet wird. Das Werk, von dem Richard Boyle derart beeindruckt war, dass er eine englische Übersetzung anregte, wich im Stil erheblich von der „Chymischen Hochzeit“ ab und wurde von Andreae als sein Hauptwerk bezeichnet.
Die Veröffentlichungen von Robert Fludd’s (1574-1637) „Apologia compendiaria Fratemitatem de Rosea Cruce suspicionis et infamiis maculis asperum, veritatem quasi Fiuctibus abluens et abstergens“ von 1616 und „Tractatus apologeticus integritatem societatis Rosea Cruce defendens“ von 1617 zur Verteidigung der Rosenkreuzer, besonders gegen seinen Erzfeind, Andreas Libavius, zeigten bereits, dass die Rosenkreuzer-Debatte voll entbrannt war.
Als Reaktion auf die Manifeste erschienen allein von 1614-1620 über 200 Bücher, bis zum 18. Jahrhundert über 900 Bücher.
Gegen Ende des 30-jährigen Krieges schien die Rosenkreuzer-Bewegung in der Freimaurerei und den mystischen Gold- und Rosenkreuzem aufgegangen zu sein. 1622 hatte in Holland eine alchemistische Gesellschaft den Namen „Rosenkreuzer“ angenommen. Ihr Grossmeister nannte sich „Imperator“. Sie residierte im Haag in einem Palast und hatten Ableger in Ancona, Amsterdam, Danzig, Nürnberg, Hamburg, Mantua und Venedig. (Harless, „Jacob Boehme und die Alchemisten“, Leipzig 1882) Nachdem 1763 in Süddeutschland eine von Freimaurern verfasste, auf Michael Maier’s „Themis Aurea“ basierende „Allgemeinen Konstitution“ erschien, war daraus der Orden der „Gold- und Rosenkreuzer“ geworden.
Am 10.10.1676 erschien in „Poor Robin’s Intelligence“ eine Notiz, die besagt, dass „Die alte Brüderschaft der Rosenkreutzer, die Adepten des Hermetismus und die Gesellschaft der angenommenen Maurer beschlossen hätten, gemeinsam zu speisen“. Nicolas de Bonneville behauptete, dass die Freimaurer sämtliche Allegorien, Symbole und Phrasen von den Rosenkreuzem übernommen hätten. Und am 5.9.1730 erwähnte ein Artikel im „Daily Journal“, dass „eine ausländische Gesellschaft existiere, von der die englischen Freimaurer einige Zeremonien kopiert, und sich zu erklären bemüht habe, dass sie von den Rosenkreuzern abstamme und mit ihnen identisch sei“. Zwischen 1740 und 1773 drang das Rosenkreuzertum in Form eines Hochgrades in die Freimaurerei ein. Bei einigen Logen des „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“ gehört der Rosenkreuzer-Grad zu den höchsten (18. Grad), bei dem „Französischer Ritus von 1786„, war er der höchste. [von Winckelstein]

Rosenkreuzer und Freimaurer in England

Bild: http://www.alchemywebsite.com/apparatus_Blanckaert.html – alchemistische Gerätschaften.

Der Wandel – von praktischer zu spekulativer Freimaurerei

Aufzeichnungen der Loge von Edinburgh (Mary’s Chapel), No.1. gelten als früheste Dokumentation der Freimaurerei. Sie stammen vom 31. Juli 1599 und tragen den Titel

The Buik of the Actis and Ordinans of the Nobile Maisteris and fellows of Craft of the Ludg of Aitchison’s heavine.
Aus den Auszeichnungen geht hervor, dass es sich bei der Loge zu Beginn um eine rein operative Vereinigung handelte. Erst im Verlauf des siebzehnten Jahrhunderts kam es durch die vermehrte Aufnahme nicht operativer Mitglieder allmählich zur Bildung der spekulativen Maurerei. Die Führung des Ordens teilten sich in der Anfangszeit ein sogenannter ‚Warden‘ [Wächter, Aufseher,…] mit einem ‚Deacon‘ [Diakon]. Aus heutiger Sicht wird ein Diakon mit einem Hilfspfarrer verglichen. Im Lauf der Zeit scheint zudem eine Verschiebung vonstatten gegangen zu sein, die dem Amt des Diakon eine größere Wichtigkeit zumaß als dem Aufseher.
Weiterhin gab es zu dieser Zeit wahrscheinlich nur einen Grad, den man erreichte, sobald man in die Loge eingetreten war. Dies folgt daraus, dass in den Aufzeichnungen der Loge zwar Lehrlinge, Gesellen und Meister erwähnt werden, jedoch diese Bezeichnungen für die Anwärter schon bei der Aufnahme gelten und nicht erst erworben werden müssen. Die Titel sind also rein handwerkliche, operative Bezeichnungen ihres Ausbildungsstandes und beziehen sich nicht auf Grade innerhalb der Loge. Bei Verstössen gegen die Logenregeln konnten Geldstrafen verhängt werden, oder z.B. Auflagen verhängt werden, dass der Schuldige in Zukunft nur noch mit Genehmigung der Loge Auszubildende annehmen durfte. [57]
Die Mitgliedschaft kostete eine Gebühr. Zwanzig schottische Schillinge, damals ungefähr 1 Schilling 1/8 Pence in englische Währung umgerechnet und Handschuhe für jeden anwesenden Meister. Wieviel die Handschuhe damals umgerechnet gekostet haben ist nicht ganz eindeutig zu klären, klar ist jedoch, dass man in Schottland warme Hände zu schätzen wusste.

Elias Ashmole und die Warrington Loge

Bild Wiki: Elias Ashmole (* 23. Mai 1617 in Lichfield, Staffordshire, England; † 18. oder 19. Mai 1692 in South Lambeth bei London) war Wissenschaftler, Rechtsanwalt, Alchemist und Historiker und hatte Verbindungen zur Universität Oxford. [57]

1644 wird Eliaas Ashmole in den Orden vom Rosenkreutz aufgenommen, im Jahr 1646 war er mit dem Astrologen William Lilly, dem Arzt Thomas Wharton, dem Mathematiker William Oughtred und anderen an der Gründung des „Haus Salomonis“ beteiligt. Dies lässt sich auf die Idee Francis Bacons aus dessen utopischem Staatsroman Nova Atlantis zurückführen. Aus Ashmoles Tagebüchern ist bekannt, dass er am 16. Oktober 1646 mit Oberst Henry Mainwaring aus Karincham (Cheshire) Mitglied einer Freimaurerloge in Warrington (Lancashire) wurde; er wird neben Robert Moray als einer der ersten spekulativen Maurer bezeichnet. Ashmole war Schüler von Rabbi Solomon Frank und Robert Fludd, produzierte ein Buch mit Abbildungen von alchemistischen Gerätschaften und gründete 1645 das unsichtbare Kollege, aus dem 1660 die Royal Society hervorging.

1683 eröffnete er in Oxford das erste öffentliche Museum („Ashmolean Museum“).

Sir Robert Moray (1600-1675) wurde am 20.5.1641 in eine Loge aufgenommen. Er war Mitbegründer der „Royal Society“.
Weder Ashmole noch Moray können als typische Vertreter der operativen Maurerei bezeichnet werden. Es bleibt vorerst weiter verborgen, welcher Umstand die operativen Handwerksbetriebe, die nicht notwendigerweise schon immer auf Handwerker beschränkt waren, aber aus dem Gewerbe Berechtigung zogen, das Interesse des Adels und der wohlhabenden Schicht gewann.

Richard Boyle (1627-1691) kam über Sir Henry Wotton mit den Rosenkreuzern in Kontakt. 1645 wurde er Mitglied des „Invisible College“, aus dem später das Royal Institute entsand.

Bild Wiki – Darstellung Rosenkreuzer-Kolleg; Illustration aus Speculum sophicum Rhodostauroticum, 1618 von Theophilus Schweighardt. Frances Yates nennt es „Invisible College of the Rosy Cross“, „Unsichtbares Kolleg des Rosenkreuzes“.
Die „Grand Lodge of London and Westminster“, auch „Mother Lodge“ genannt, wurde am 24.7.1717 (Johannistag) von 24 Freimaurern mit Anthony Sayer (1672-1742) als Grossmeister im Bierhaus „The Goose and the Gridiron“ am St. Paul’s Churchyard gegründet. Der Gründung voraus ging die „heilige Weihe“ vom 9.1.1717, mit der die Existenz der „Quatuor Coronati“ bekannt gemacht wurde. Ihr sollen Heinrich Khunrath, Alexander Sethon, Michael Sendivogius (1566-1646), Jacob und Rudolph Salzmann angehört haben. […]
1742 bekennt sich Herzog Emst August von Sachsen- Weimar in „Theosophische Widmungen“ als einer der Ersten öffentlich, ein Rosenkreuzer zu sein. [von Winckelstein]

John Milton / Robert Boyle

Der Dichter John Milton (1608-1674) und der Chemiker Robert Boyle (1626-1691) waren wohl auch Mitglieder einer Geheimgesellschaft.

1644 richtete John Milton die Areopagitica an das Parlament, mit der er einer der Wegbereiter der Pressefreiheit wurde.

Seine Beteiligung an der politischen und kirchenkritischen Bewegung beginnt mit fünf publizistischen Abhandlungen (Prelatical episcopacy, Reason of church etc., 1641 und 1642), in denen Milton sich gegen die Tendenzen in der anglikanischen Kirche wandte, durch Verschärfung der bischöflichen Macht sich dem Katholizismus wieder anzunähern. Die Konstantinische Schenkung, welche die weltliche Macht und den Reichtum der Papstkirche gegründet hätte, bezeichnete Milton mit Dantes Worten als „die wahre Büchse der Pandora“. Den Katholizismus beschrieb er in diesen Schriften als eine politische Partei, die unter dem Schein einer Kirche die priesterliche Tyrannei anstrebe. [31]

Bild: Wiki -Robert Boyle (1627–1692) Anfänglich noch Anhänger der Alchemie, wurde er zum Mitbegründer der auf detaillierten und detailliert veröffentlichten Experimenten beruhenden modernen Naturwissenschaften, insbesondere der Physik und Chemie. Er bereitete den modernen Elementbegriff vor und entdeckte das nach ihm benannte Gesetz zum Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases.

Der Messias-Wahn – Shabbetai Tsevi und Nathan von Gaza

Unterdessen leben die Juden zerstreut in alle Welt und mit der immer wieder neu aufflackernden Hoffnung auf den Messias.

Am 14. September 1666 wird ein gewisser Shabbetai Tsevi verhaftet und vor den Sultan geführt. Er bekommt die Wahl zwischen Folter gefolgt vom Tod und der Konvertierung zum Islam. Er entscheidet sich für letzteres.

Dem vorausgegangen war der Aufstieg von Shabbetai Tsevi zum lange erwarteten jüdischen Messiah. Shabbetai war 1626 in Smyrna im ottomanischen Reich geboren worden. Traditionell erzogen lernte er irgendwann die Lehren des Zohar kennen und fand darin seine wahre Berufung. Im Jahre 1648, als es in der Ukraine zu Progromen kam, bei denen viele tausende Juden ums Leben kamen, erlebte Schabbtai Zvi eine Berufungsvision.

Einigen Berichten zufolge erklärte er Freunden gegenüber, er sei ein Prophet. Zwischen 1651 und 1654 wurde er aus der jüdischen Gemeinde ausgeschlossen und musste Smyrna verlassen. Danach zog er nach Saloniki, wo er später ebenfalls ausgewiesen wurde. 1658 war Schabbtai in Konstantinopel, wo er weiter die Kabbala studierte und 1659 auch hier ausgewiesen wurde. Er kehrte mit Rabbi David Chabillo, einem Kabbalisten und Gesandten der Jerusalemer Juden, den er in Istanbul kennengelernt hatte, nach Smyrna zurück. Er lebte asketisch und zog zunächst eine kleine Schar Anhänger an.

Gemäß der Einschätzung mehrerer Historiker scheint Shabbetai jedoch an bi-polaren Störungen gelitten zu haben, was erklären würde, warum sein Verhalten bei so mancher Gelegenheit weder strenggläubig noch heilig zu nennen war. Mehrmals verletzte er jüdische Gesetze und heiligte nicht dem Sabbat. Dennoch ernannte er sich zum jüdischen Messias und zog mit einer wachsenden Schar Anhänger durch das ottomanische Reich und erreichte schließlich Jerusalem, wo er auf Nathan von Gaza traf. Zwischen den beiden erwuchs eine enge Freundschaft.

Bild: Wiki – Schabbtai Zvi

Bald darauf erklärte Nathan, dass er Elijah, der Prophet, wäre und Shabbetai der Messias. Nathan sandte das Wort aus zu vielen anderen jüdischen Gemeinschaften und setzte die unwahrscheinlichsten Gerüchte über die Kräfte Shabbetais in die Welt. Bald, so hieß es, würde Shabbetai vor den türkischen Sultan selbst treten und die Krone verlangen.

Verhaftung des Messias

Von welcher Selbstüberschätzung Shabbetai auch immer getragen worden ist – als er tatsächlich vor den türkischen Behörden erschien und die Krone forderte, waren die Beamten des Sultan nicht überzeugt von seinen messianischen Kräften und warfen ihn erst einmal ins Gefängnis.

Mittlerweile brodelte die jüdische Gemeinschaft vor Aufregung und Hoffnung, viele hielten Shabbetai für den echten Messias und seine Anhänger nahmen es als ein gutes Zeichen, dass der von den Behörden, die nicht so recht wußten, was sie mit dem falschen Messias anfangen sollten, mehrere Monate lang in Verwahrung genommen wurde. Die Juden Ägyptens und des heiligen Landes wurden in einem Taumel überschwenglicher Hoffnungen fortgerissen.

Bild Wiki: Nathan von Gaza

Der über Sabbatai verhängte Bann geriet in Vergessenheit, und selbst seine Vaterstadt empfing ihn mit lautem Jubel als den Messias und erwartete nach seiner Weissagung für das Jahr 1666 mit Bestimmtheit das neue Heil, das für Israel und die Welt anbrechen sollte. “Der messianische Wahnsinn begann sich in den jüdischen Gemeinschaften in ganz Europa auszubreiten.

In Amsterdam machten sich die Juden daran, ihre Häuser zu verkaufen, in Ungarn, deckten sie in Erwartung des prophezeiten göttlichen Ereignisses die Dächer ihrer Häuser ab, in Hamburg konnte man in eine Synagoge gehen und sah die Rabbis und alle Mitglieder der Gemeinde dort tanzen und lachen, wird berichtet. Als die Nachricht vom Messias den aus Frankfurt stammenden Jobst Goldschmied erreicht, lässt er Haus und Hof im Stich und begibt sich nach Hamburg, wo er von da an darauf wartet, mit einem Schiff in das prophezeite heilige Land zu reisen. [2]

Schließlich wurde dem Sultan die Unruhe unter den Juden zu viel und er stellte Shabbetai vor die Wahl. Folter und Tod oder Bekehrung. Der falsche Messiah entschied sich spontan zum neuen Glauben und trug fortan einen Turban, was bei seinen Anhängern für Schock, Unglauben und Abscheu sorgte. Die jüdische Welt landete unsanft wieder auf dem Teppich und geriet in eine tiefe Krise.

Einige seiner Anhänger blieben ihm treu und konvertierten aus Loyalität ebenfalls zum Islam. Die Dönme genannte Sekte existiert heute noch und spielte wahrscheinlich eine gewisse Rolle bei der Zerschlagung des osmanischen Reiches. [3] Siehe auch die Rolle der Chazaren und Teil 2.

Jacub Frank

100 Jahre nach ihm trat ein anderer falscher Messias auf, nämlich Jacub Lejbowicz FRANK (1726-1791) mit einer neuen religiös-mystischen Bewegung auf. Und auch er, nach dem er sich 1755 als Messias erklärte, mit seiner Anhängerschaar, den Frankisten – sie waren nichts anderes als eine Sekte im herkömmlichen Sinne -, richtete großes Unheil an.

Bild: Wiki – Bildnis des Jakob Joseph Frank

Frank, so steht es auf Wikipedia zu lesen, bediente sich des jüdischen Messianismus, um ungebildete, leichtgläubige osteuropäische Juden hinter sich zu scharen, sie mit der Autorität des wiedergeborenen Messias von der angeblichen Sinnlosigkeit des Talmuds zu überzeugen, die mit ihm verbundene Tora-Treue als Ursache ihrer schlechten Lebensverhältnisse zu benennen und schließlich die Konversion zum Christentum als nötige Stufe zu proklamieren. [68]

Jacub Frank stützte sich einerseits, nachdem er in Salonoki mit dem Sabbatianismus in Berührung kam, auf deren popularisierte kabbalistische Ideen vor allem der Seelenwanderung, verkündete aber andrerseits eine Lebensfreude und Verbindung mit G’T, ausschließlich durch sexueller Ekstase. Mehrmals wurde er und seine Anhänger unter Anklage der Häresie (des Ketzertums) und ausschweifenden Lebenswandel gestellt, doch jedesmal gelang im die Flucht. über Polen und Mähren kam er schließlich ins Hessische Offenbach, wo er 1791 verstarb. [27]

Bild: Wiki – Jan Feliks Piwarski: Jüdische Kaufleute in Warschau, 1841

Auf der Grundlage des wachsenden Aberglaubens und messianischer Erwartungen wuchs seit 1750 in der Woiwodschaft Podolien und Woiwodschaft Wolhynien auch die Bewegung des osteuropäischen Chassidismus, deren Begründer Rabbiner Israel ben Elieser war. Es entstand die Figur des Zaddik, ein Rechtsschaffener, der aufgrund seiner Lebensführung als Vorbild für alle Juden dient und einen eigenen chassidischen Hofstaat errichten darf, in dem er als Herrscher das Leben seiner Anhänger bestimmt. […]

Es hatte zudem in Spanien der sabbatianische Philosoph Abraham Miguel Cardozo zur Unterstützung der Messianität Schabbtai Zvis die Notwendigkeit der Apostasie für den Messias vorgezeichnet, der die Macht haben müsse, auch gegen Gottes Gebote verstoßen zu können, z. B. durch Konversion zu einer anderen Religion. Als Jakob Frank um 1740 sein messianisches Erlösungswerk entwickelte, waren jedoch längst nicht mehr nur der inzwischen verstorbene Messias Zvi zum Islam konvertiert, sondern auch viele dessen Anhänger, darunter Baruchia Russo (1676-1726), der in Saloniki alle kryptojüdischen Sabbatianer in der Dönme zusammenhielt. [69]

Endzeit und Heilsbringergläubigkeit

Diese Geschichte vom umwerfenden Erfolg der falschen Messiasse bietet uns einen wertvollen Einblick in die geistige Perspektive der Juden jener Zeit vor dem Zionismus. In den meisten Ländern waren die Juden ausgegrenzt, unterlagen Auflagen und besonderen Gesetzen, aus Spanien waren sie ganz vertrieben worden. Die Sturheit der Rabbis an der buchstabengetreuen Auslegung des Talmud festzuhalten und auch in äußerlichen Dingen strikt die religiösen Gebräuche einhaltend, verstärkte diese Ausgrenzung aus dem sozialen Leben der Gastländer anstatt mit den Jahren abzunehmen.

Durch das Leben in Ghettos, das an die Parias in Indien denken läßt, geprägt, hatten die Juden, so scheint es, nicht einmal eine Klasse, so fremd waren sie. Als Fremde in der Fremde wurden die Juden andererseits zusammengeschweißt.

Oft war der einzige Beruf, der einem Juden offenstand, der Handel und der Geldwechsel. Hinzu kam, dass es ihnen, ebenso wie ehemals den Templern, erlaubt war, Zinsen zu verlangen. Und so kam es, dass einige Juden im 17. Jahrhundert als wohlhabend bezeichnet werden konnten, weil sie Verträge mit dem Hof oder Fürstentümern abschließen konnten. Diese wurden oft auch als Hofjuden bezeichnet.

Z.B. kann man von einem Mitglied der Familie Goldschmidt Meyer, lesen, dass der 1667 gestorbene Kasseler Geldwechsler im Jahre 1660 , als das Haus Hessen sein Einkommen durch seine Mietsöldner bestritt, ein Kapital von 10.000 Gulden hatte. Der Vater, Benedict Goldtschmidt, (gest. 1642) war Hofbankier und erhielt dafür das Privileg in der Stadt wohnen zu dürfen, einen sogenannten Schutzbrief. Die Goldschmidts sollten später von den Rothschilds als Hofbankiers abgelöst werden, die ab dem letzten Viertel des Jahrhunderts die Finanzen des Kasseler Fürsten regelten. Gleichzeitig waren sie strengen Auflagen unterworfen und mussten mancherorts eine besondere Kennzeichnung tragen.

Die bogenförmige Judengasse auf einer Stadtansicht von Matthäus Merian aus dem Jahr 1628 – Sonntags kein Ausgang!

Dies war die Lage der Juden in den meisten deutschen Fürstentümern, aber auch andernorts im 17. Jahrhundert. Mit wenigen Ausnahmen wurden sie eher geduldet, als Willkommen geheißen. Von der anstehenden allgemeinen Emanzipation und Revolution war in der jüdischen Gemeinschaft noch wenig zu ahnen.

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