Freimaurer-Konvente

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Freimaurer-Konvente in Deutschland

Ganz anders als beispielsweise in England, wo Dashwood mit seinem Hellfire Club in den Ruf gerät, schwarze Messen abzuhalten, aber wahrscheinlich nicht mehr als so eine Art exklusiver Nachklub für die Anti-Papisten-Fraktion war und ansonsten gezecht und geraucht wurde, was das Zeug hält, ist die Lage in Deutschland.

Hier ist das Thema der Freimaurerei ein überaus ernstes Geschäft, um das gerungen wird. Welches Freimaurertum soll es sein und welcher Ritus ist der wahre Ritus, welche Loge hat das wahre Geheimnis, oder anders gefragt: Was sind die Wurzeln und wo soll es hingehen? So vieles war unklar und so viele Ansichten schwirrten im Raum. Es galt Schwindler und Mystiker auszusortieren, doch wer soll die Auswahl treffen? Als schließlich in einer dubiosen Abstimmung dafür entschieden wurde, die Hochgradmaurerei einzuführen (welche abwich von der ursprünglichen Dreigrad-Maurerei), angeblich beeinflusst durch französische Abgesandte, waren noch nicht einmal Orden, Kleidung und sonstiges Zubehör verfügbar, und man musste auf französische Lieferanten zurückgreifen, um die Zeremonien baldmöglichst abhalten zu können.

Zwischen 1764 und 1782 wurden 8 mehrwöchige Kongresse der „Strikten Observanz“ zur Regelung gemeinsamer Ordensfragen abgehalten, in welchem eine Einheit in der deutschen Freimaurerei, eine gemeinsame Identität gefunden und schließlich auch die Vereinigung, oder wenigstens Annäherung, der internationalen Freimaurerei anvisiert werden sollte.

  1. Konvent von Altenberge bei Kahla, 1764,
  2. Konvent von Kohlo, einem Rittergute in der Niederlausitz, 1772
  3. Konvent von Braunschweig, 1775,
  4. Konvent von Wiesbaden, 1776,
  5. Konvent von Leipzig, 1777,
  6. Konvent von Lyon, Convent national des Gaules, 1777,
  7. Konvent von Wolfenbüttel 1778,
  8. Konvent von Wilhelmsbad, 1782. [36]

Der Konvent von Wilhelmsbad 1782

Über den ersten Konvent von Altenberge und die Ereignisse rund um Johnson wurde in Eine Zeit für Scharlatane berichtet. Ersparen wir uns die sechs Kongresse dazwischen, die nicht wirklich aufregend waren und kommen direkt zum schicksalshaften Wilhelmshavener Kongress im Jahr 1782, auf dem eine Art Putsch eines Flügels stattfand, der eine Änderung der Grade und Riten zur Hochgradmaurerei durchdrücken konnte. Sehr zum Verdruß der unterlegenen Logen, welche zu den ursprünglichen drei englischen Graden zurückkehren wollten und noch andere drängende Fragen unbeantwortet fanden, die Freiherr von Knigge weiter unten so treffend zusammenfasst.

Laut Schüttler sollen der Ordenschef Herzog Ferdinand von Braunschweig und Karl von Hessen ausschlaggebend dabei gewesen sein, dass sich eine von mehreren Fraktionen des Ordens gegen alle anderen durchsetzen konnte.

Die Folge davon war die Abspaltung einzelner Logen und ihre Rückkehr zur traditionellen englischen Lehrart, aber auch die Gründung des ‚Eklektischen Bundes‘ und der Siegeszug des Illuminatenordens auf der einen wie der der Gold- und Rosenkreuzer auf der anderen Seite.

Auch in Frankreich war von Einigkeit keine Spur. Eine von Willermoz, dem Martinisten, durchgeführte Reform, das auch auch ‚Lyoner‘ oder ‚Rektifiziertes Schottisches System‘ genannt wurde, konnte sich nicht durchsetzen.

Lediglich einige deutsche Logen übernahmen diese Lehrart, hinzu kamen die unter der Leitung von Karl von Hessen stehenden Logen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein sowie in Dänemark und die zur Strikten Observanz gehörigen Niederlassungen in der Schweiz, wo diese Lehrart bis ins zwanzigste Jahrhundert praktiziert wurde.

Der „Durst nach Mysterien, Magie und Gold“ hatte in den meisten Logen des Kontinents Einzug gehalten. Befördert wurde diese Entwicklung besonders durch die Hochgrade mit ihren Vorspiegelungen von angeblichen ‚geheimen Wissenschaften‘, dem ‚wahren Geheimnis‘ der Freimaurerei und der Legende der ‚unbekannten Oberen‘, wodurch die ursprünglichen Intentionen der Londoner Gründung von 1717 mehr und mehr in den Hintergrund geraten waren. [Schüttler, S.8,9)

Aus der beschriebenen Entwicklung heraus sind die Anstrengungen zu verstehen, die Logen zu reformieren. Dazu gehörte auf der einen Seite der Versuch, die historischen Ursprünge zu untersuchen, und zum anderen bedeutete sie eine nunmehr vehement geführte Diskussion um die Ziele und Zwecke der Vereinigung jetzt und in der Zukunft.

Haben wir würklich existirende Obern?

Zum Konvent von Wilhelmsbad im Jahr 1782 kamen Freimaurergesandtschaften aus den verschiedensten Ländern, z.B. Russland, Österreich, usw. Die Freimaurer waren zusammengerufen worden um Gemeinsamkeiten zu finden, tatsächlich wurde auch ein Oberhaupt gewählt. Adolf Knigge jedoch, ein Teilnehmer des Konvents und aktiver Illuminat, schrieb anschließend eine geharnischte Kritik an Prozedere und Inhalten der Veranstaltung. Während des mehrwöchigen Kongresses waren seiner Meinung nach, die wichtigsten Fragen entweder nicht gestellt, oder ignoriert worden. Z.B.

  1. Sollen wir den Orden als eine blos conventionelle Gesellschaft ansehen?
  2. Haben wir würklich existirende Obern?
  3. Was verstehen wir unter einem Obern des Ordens?
  4. Hat er das Recht, zu befehlen, oder nur, uns zu unterrichten?
  5. Giebt es vielleicht andre Personen, oder Gesellschaften, die, ohne eben Anspruch auf den Titel von Obern zu machen, dennoch dieselben oder ähnliche Eigenschaften haben?
  6. Welches ist die beste und der politischen Verfassung der Staaten am angemessenste Coordination und Subordination der einzelnen Theile des Ordens?
  7. Welches sind die sichersten Mittel, die Vernachläßigung der künftigen Gesetze im Ganzen und im Detail zu verhüten?
  8. Durch welche Mittel können wir die Achtung des Publikums und den Schutz des Staats am sichersten erlangen? Und welches sind die Beschäftigungen eines Freymaurers, wodurch er sich und dem Publikum am nützlichsten werden kann?
  9. Könnte man nicht einen öffentlichen und geheimen, oder einen äussern und innern Endzweck des Ordens annehmen? Und welcher könnte wohl der letzte seyn?
  10. Giebt es gewisse Kenntnisse, in deren einzigem Besitze der Orden ist? Wie werden dieselben in solchem Fall mit der Regierungs-Verfassung in die vortheilhafteste Verbindung zu setzen seyn; und in wie fern ist bey dem Cäremoniale darauf Rücksicht zu nehmen oder nicht? [35]

Ist die Kritik von Knigges ein Echo der Bemühungen Weishaupts die Freimaurerlogen zu übernehmen, bzw. diese zu zersetzen? Wohl eher nicht, die Kritik hört sich ganz vernünftig an, wäre da nicht der aus heutiger Sicht komisch anmutende Aspekt der ganzen Sache.

Christoph Bode war ebenfalls anwesend beim Konvent und wurde im unmittelbaren Anschluss vom Freiherrn von Knigge angeworben, dem es während dieser Zeit gelang eine stattliche Anzahl an neuen Mitgliedern für die Illuminaten zu werben. 1781 sollen es bis zu 500 neue Mitglieder gewesen sein.

Zu diesem Zeitpunkt war die von Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründete Vereinigung gerade sechs Jahre alt und noch nicht besonders weit über die Grenzen Bayerns hinaus vorgedrungen. Knigges Werbeaktion innerhalb der Freimaurerei und besonders der Strikten Observanz und in der Folge Bodes eigene Bemühungen um neue Mitglieder machten den Orden dann zur größten nicht originär freimaurerischen Geheimgesellschaft dieser Zeit. [Schüttler, „Illuminaten und Freimaurer“, S.10]
Im Frühjahr 1782, ungefähr zur selben Zeit wie die Deutschen Freimaurerorden beim Konvent 1782 um Ziele und Herkunft der Logen rangen, hatte auch der Grand Orient de France hatte eine ‚Kammer der Grade‘ eingerichtet, die die im Lande bearbeiteten Riten reformieren sollte.
Treibende Kraft dabei war Roettiers de Montaleau. Die Verhandlungen zwischen den verschiedenen Logen und Systemen zogen sich über Jahre hin, bis sich 1786 mehrere Logen zusammen in einer gemeinsamen Organisation, dem ‚Grand Chapitre Général‘ oder ‚Souverain Chapitre Métropolitain‘, zusammenfanden. Eine dieser Logen waren die Amis Réunis, die am 25. Dezember 1787 den Antrag auf Aufnahme stellten, und schon am 9. Januar 1788 Mitglied dieser neuen Dachorganisation wurden.

1785 – Die Philaleten

Die Philalethen hatten sich die Erforschung der sogenannten ‚maurerischen Wissenschaften‘ zur Aufgabe gemacht, ein Unterfangen, dem in der Auseinandersetzung der Systeme höchste Bedeutung zukam. Jean Pierre Beyerle, ein hoher Funktionär der Strikten Observanz und Teilnehmer von Wilhelmsbad, urteilte kurz und bündig, „daß der Convent in Wilhelmsbad, da er versäumt hat, über … wichtige Gegenstände zu entscheiden, ein unvollkommener Convent ist, und daß man eines neuen Convents bedürfe, um diese grausamen Nachläßigkeiten wieder gut zu machen.“Beyerle trat den Philalethen bei, gestaltete deren Konvente mit und engagierte sich vehement für die Klärung dieser Fragen.

Die Verhandlungspunkte der Pariser Konvente waren im wesentlichen deckungsgleich mit denen von Wilhelmsbad: Ursprung sowie Sinn und Zweck des Ordens, ‚geheime Wissenschaften‘, aber auch die angeblichen ‚unbekannten Oberen‘ der gesamten Maurerei sollten behandelt werden. Der erste von den Philalethen ausgeschriebene Konvent (Februar bis Mai 1785) endete mit einem Desaster. Man erlangte keine Klarheit, dafür erreichten die Verwirrungen einen neuen Höhepunkt.

Neben den bereits bekannten Systemen boten sämtliche Sektierer und Abenteurer ihre Dienste an: Cagliostro, Mesmer, Saint-Martin, der Graf von Saint-Germain. Und die ‚Amis Réunis‘ hatten „Theosophie, Alchymie, Cabbala, göttliche Magie, als wirklich bestehende Wissenschaften anerkannt“, wie Kloss – allerdings wider besseres Wissen – urteilte. [Schüttler, S.25]

Bild: Wik – Johann Joachim Christoph Bode (Aemilius/Winefried): Initiiert in die Hamburg Loge ‘Absalom’ 1764; Mitglied der Strikten Observanz (alias “a Lilio convallium”); 1782-86, ‘Absalom’ Meister des Stuhls; Illuminatus minor, 1782; Illuminatus major, 1783; Oberer der sächsischen Provinz, 1784; 1785-93, the defacto Kopf der Illuminati.

Der erste Konvent

Auch Bode, der Illuminati und zeitweilige Vertraute von Weishaupt, war dabei an diesem ersten Konvent der Philalethen. In einer ausführlichen Abhandlung wies er darauf hin, „dass alle diese verborgene und geheime Wissenschaften Fallstricke seyen, welche von den Jesuiten den Maurern gelegt worden.“

Ein anderes Beispiel von Bodes Eifer, die Maurerei von jeglichem Hauch von Jesuitentum zu befreien,  ist, dass er 1787 seine diesbezügliche Schrift an den Maurer-´Kongress nach Paris sendet. Im Sommer desselben Jahres reiste er dann persönlich nach Paris und kann erfolgreich einige mächtige Mitglieder der Pariser Loge ‘Les Amis Réunis’ für die Sache der Illuminaten gewinnen. [54]
Viele Vorschläge wurden beim Philaleten-Konvent gehört, wenige wurden gutgeheißen. Der Landgraf Christian von Hessen-Darmstadt warb für einen „lichtvollen Plan zur Reform der Freimaurerei“, vergebens, wie Schüttler bemerkt.
Die Jagd nach übersinnlichen und ausser dem regelmässigen Gang der Natur liegenden Dingen hatte die Oberhand gewonnen, und das im Anfang zuverlässig aufrichtig gemeinte Streben der Philalethen musste durch die vielgestaltigen Phantasien der befragten Maurer auf eine verkehrte Bahn hinweggeleitet werden, und das, was grossartig gedacht und begonnen war, an seinem Unwerth dahinsterben.“ […]
Der erste Konvent ging, wie in der Literatur übereinstimmend berichtet wird, völlig unbefriedigend auseinander. Bekannt wurde das Ansinnen Cagliostros, die Delegierten sollten das Archiv der Amis Réunis verbrennen, und dafür seine Lehre der ‚ägyptischen Maurerei‘ annehmen. Die führenden Köpfe der Philalethen wußten nun, aus welcher Richtung keine Lösung der Probleme zu erwarten war: mit Cagliostro, Mesmer, Saint-Martin und den verschiedenen Nachfolgern bzw. Imitatoren der Tempelritter-Legende und den Okkultisten jeglicher Couleur war kein Weiterkommen möglich. [Schüttler, S. 26]

Zweiter Konvent der Philaleten

Auf dem zweiten Konvent der Philaleten 1787 änderte man die Taktik und fragte nicht mehr nach ‚geheimen‘ Wissenschaften, sondern nach dem Urteil der Befragten über diese angeblichen ‚geheimen Wissenschaften‘ und verlangte eindeutige Belege.

[…] man forderte alle die, die theosophisch-mystische Positionen vertreten hatten, dazu auf, einen eindeutigen Beweis ihrer Verbindungen zu höheren Wesen oder gar zu Gott zu liefern; der Zusammenhang maurerischer Gebräuche und christlicher Überlieferung bzw. kirchlicher Tradition wurde in Zweifel gestellt; man verlangte Originaldokumente zur bisherigen Geschichte der Maurerei, besonders der Strikten Observanz. [Schüttler S. 26]

Nach Auffassung von Schüttler stand am Konvent der Philaleten zwischen dem 8. März und dem 11. Mai 1787 die Freimaurerei als Ganzes auf dem Prüfstand und ‚daß sich bei einer negativen, unzureichenden oder ausweichenden Beantwortung all dieser grundsätzlichen Fragen das ganze ‚Unternehmen Freimaurerei‘ hätte in Luft auflösen können.‘

Die beiden Sitzungen vom 8. und 13. März brachten zunächst den Bericht der nach dem ersten Konvent eingesetzten Interimskommission. Erwähnenswert ist hier die Absage des Herzogs von Montmorency-Luxembourg, des Führers des Groß-Orients, am Konvent teilzunehmen.

In den folgenden Wochen wurden abermals die verschiedensten Ansichten zu Ursprung und Zielen der Freimaurerei vorgetragen und verlesen. D’Aubermesnil lehnte beispielsweise die sogenannten ‚Adoptionslogen‘ ab, die  weibliche oder auch gemischte Freimaurerei, womit D’Aubermesnil die Zustimmung des Konventes erntete, indes stellt Bode in einer Randbemerkung fest, ‚daß hier genau der Anknüpfungspunkt zur illuminatischen Minervalkirche zu finden sei‘.

Interessant ist, dass das Freimaurertum zwar insgesamt noch als Männerdomäne angesehen wurde, dass die Emanzipationsfrage der Frauen, jedoch immerhin als eine Randfrage behandelt wurde.

Die 11. Sitzung, 3. April

Als nächstes wurde der von Kloss erwähnte Reformplan von Christian von Hessen-Darmstadt verlesen. Die Akten gehen auf den Inhalt nicht ein, aber er wurde für so bedeutend eingeschätzt, daß man Beyerle beauftragte, sich mit dem Prinzen in Verbindung zu setzen. Beyerle reiste sofort ab.

Prinz Christian war führender Funktionär der Strikten Observanz in Straßburg, außerdem war er deputierter Generalgroßmeister dieses Ordens und Stellvertreter von Karl von Hessen, dem ‚zweiten Mann‘ der Strikten Observanz. Was die Philalethen sicher nicht wußten, war, daß Christian den Illuminaten angehörte und sein Memoire mit Bode abgesprochen hatte, mit dem er während dessen Paris-Besuch in brieflichem Kontakt stand.

In der gleichen Sitzung wurde ein Schreiben von Christian Gottfried Körner aus Leipzig angekündigt. Körner, der bekannte Freund Schillers, war einer der wenigen klar sehenden Männer in der deutschen Freimaurerei. Mitglied der Leipziger Loge ‚Minerva‘, gehörte er ebenfalls den Illuminaten an; er war mit Bode persönlich bekannt, wenn nicht gar befreundet. Die Reform des Illuminatenordens bzw. der damit verbundenen Logen der symbolischen ‚blauen‘ Freimaurerei, die Bode nach seiner Rückkehr aus Paris in Angriff nahm, sah ihn als Mitarbeiter. [Schüttler, S. 30]

Der Konvent ging zwar ohne konkrete Beschlüsse auseinander, jedoch erhielt das Memoir Bodes, der für eine Abwendung von mystischen Inhalten und eine Rückkehr zur ursprünglichen Form des englischen Templertums und zur „Reinen Vernunft“ warb, breite Zustimmung.

Bode gelang es auf dem Kongress neue Mitglieder zu werben.

Savalette war also am 1. August 1787 den Illuminaten beigetreten. Am vierten August folgten de Bondy und Roettiers de Monteleau. Bode kommentierte: „Wir haben uns alle vier feierlich versprochen, nach unseren Möglichkeiten für das Wohl der Menschheit zu arbeiten. Amen!“ Weiter zeigt das Reisetagebuch ständige Arbeitskontakte Bodes mit d’Aubermesnil, so daß man auch diesen zu den für die Illuminaten gewonnenen Personen zählen kann. Als fünftes neues Illuminatenmitglied kam LeSage, Savalettes Sekretär hinzu.

Bode vertrat ausdrücklich die Ansicht, dass England und dort die 1717 gegründete Londoner Großloge der wahre Entstehungsort der Freimaurerei sei. Seit den späten vierziger, besonders aber den fünfziger Jahren hätten sich dann ‚Jesuiten‘ in den Orden eingeschlichen, um heimlich den Katholizismus in den protestantischen Ländern zu befördern.

Der Konvent blieb nicht ohne Folgen und führte zu einigen Neuerungen bei den französischen Freimaurerorden.

Nur noch zwei Jahre bis zum Ausbruch der französischen Revolution.

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Anhang

Illuminati-Organisation als Vorbild für Untergrundorganisationen [Auszüge aus Illuminaten und Freimaurer]

Weishaupts Intention bei der Gründung des Bundes war es, junge Männer in einer sogenannten ‚geheimen Weisheitsschule‘ auf eine solche Art zu bilden und zu formen, daß diese später in ihrer jeweiligen beruflichen und gesellschaftlichen Tätigkeit zur Verbreitung der Aufklärung im Sinne des Ordens beitrugen. Die Idee des ‚langen Marsches durch die Institutionen‘ wurde hier entdeckt und zum erstenmale praktiziert. Gleichermaßen stellte das Projekt Weishaupts den Versuch dar, eine aus prinzipiellen philosophischen Überlegungen gewonnene Staats- und Gesellschaftstheorie für die Praxis wirksam zu machen. Die Bestrebungen des Illuminatenordens gingen hier wesentlich weiter und auch tiefer als die der Strikten Observanz.[…]
 
Weishaupts Überlegungen waren nun keineswegs ungewöhnlich, sieht man auf die Theoriebildung in der Philosophie sowie der Staats- und Gesellschaftswissenschaft zwischen 1750 und 1800; neu war dagegen der konkrete Versuch, auf theoretischem Wege gewonnene Erkenntnisse mittels einer im Geheimen arbeitenden Verbindung in die Praxis umzusetzen: der Illuminatenorden und das von ihm angewandte, später ‚Kaderprinzip‘ genannte Führungs- und Organisationsschema wurden zum Vorbild der dann im 19. Jahrhundert entstandenen politischen Untergrundbewegungen von den Carbonari über die Dekabristen bis hin zum Ku-Klux-Klan mit Auswirkungen bis in unsere Zeit: ‚Rote Zellen‘ wie auch rechtsextremistische Gruppierungen verwenden das gleiche Muster zur Geheimhaltung.
Bei diesem Organisationsmodell kannte jedes Mitglied jeweils nur den unter einem Decknamen operierenden direktenVorgesetzten sowie höchstens bis zu fünf gleichrangige Personen, über Mitglieder höherer Stufen sowie die Organisation des Ordens hatte es keinen Überblick. Mit ‚Quibus licet‘ genannten monatlichen Berichten mußten die Illuminaten nicht nur regelmäßig über ihre eigenen Fortschritte im Orden berichten, sondern auch angeben, was ihnen bei anderen Mitgliedern wie auch bei ihrem Vorgesetzten positiv und negativ auffiel: Weishaupt installierte dieserart im Orden ein nahezu lückenloses System gegenseitigen Ausspionierens und somit der denkbarwirkungsvollsten gegenseitigen Kontrolle und Disziplinierung.
Diese Informationen gelangten über die Provinzoberen, die je nach Rang die Berichte lesen durften oder sie aber verschlossen weiterreichen mußten, an Weishaupt und den ‚Areopag‘ des Ordens, einem Anfang 1779 eingerichteten Gremium, dem nur die höchsten Mitglieder angehörten. Nur diese Gruppe hatte also den völligen Überblick sowohl über die Organisationsstruktur des Ordens wie über die Zusammensetzung der Mitgliederschaft und – was wesentlich schwerer wog – die persönlichen Eigenschaften der einzelnen Illuminaten. Bode als ranghoher und bekannter Freimaurer blieb anfangs von dieser Praxis ebensowenig verschont, wie die in der Folge aufgenommenen fürstlichen Mitglieder. [Schüttler, S.11]

Anhang 2

Die „Dönme“

Die Dönme ist eine Sekte, die von einer Gruppe sephardischer Juden abstammen, die während der Inquisition im 16. und 17. Jahrhunder aus Spanien vertrieben worden waren. Diese Flüchtlinge wurden im Osmanischen Reich willkommen geheißen. Im Lauf der Zeit entwickelten sie eine mythische Glaubensausrichtung des Islam, die religiöse Aspekte der jüdischen Kabbala und der islamischen Sufi zu einer Lehre vereinigten, die eine treibende Kraft für den Säkularismus in der Türkei wurde. Viele Kryptojuden, Ashkenazi, Chasaren und Konvertiten aus den Stepppen Zentralasiens schlossen sich ihnen an. Kryptojuden sind Juden, die vom osmanischen Herrscher Sultan Mehmed IV. gezwungen worden waren zum Islam zu konvertieren. Siehe auch weitere Informationen zu der Geschichte in Teil 2 Illuminati, Freimaurer und Geheimgesellschaften (ab 1600).

Insgeheim betrieb die Gruppe aber weiterhin ihrem Glauben treu.

Anhang 3

Die Berliner Toleranzloge
Die Freimaurer-Lexika (Artikel Toleranzloge, Melchisedekloge und Juden) stützten sich hauptsächlich auf den Aufsatz Geist der Maurerei im Maurerischen Taschenbuch. Der Berliner Verlagsbuchhändler Johann Christian Gädicke, ein Zeitgenosse und Freimaurer, verwies in seinem Freimaurer-Lexikon (Berlin 1818, 2. Auflage 1831) lediglich auf die Existenz der Toleranzloge und ihre Gründer, die Herren v. Hirschfeld und Catter, billigte ihnen also nicht den Status von Freimaurern zu. 18 Eine Aufnahme von Juden lehnte Gädicke aus religiösen Gründen ab (Artikel Juden).19
…. Die christlich-jüdische Johannisloge zur Toleranz ist vermutlich im Jahre 1782 30 gegründet worden und stellte 1792 ihre Arbeiten ein.
… Die letzte Nachricht – die bereits erwähnte Antwort v. Hirschfelds an die Große Landesloge – ist vom 12. März 1792 datiert. 32 Es ist möglich, daß die Toleranzloge noch einige Zeit lang arbeitete. Sie existierte aber sicher nicht mehr bei Erlaß des preußischen Edikts wegen der geheimen Verbindungen von 1798. Das Edikt verbot in der Monarchie alle Geheimgesellschaften. Es erlaubte jedoch die drei seitdem so genannten altpreußischen Großlogen, denen sich alle sonstigen Logen anschließen mußten, wollten sie nicht vom Staat als Geheimgesellschaften verfolgt werden.

Ob die Berliner Toleranzloge eine Gründung der Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa, also der Asiatischen Brüder, war, wie Ferdinand Runkel annimmt, läßt sich nicht verifizieren. Beide Sozietäten entstanden zur gleichen Zeit (1782, Wilhelmsbadener Konvent) und hatten teilweise dieselben Mitglieder, Juden und Christen. Dagegen sprechen die Gründung der Toleranzloge durch v. Hirschfeld und Catter, die beide keine Asiatischen Brüder waren, und die gegensätzliche Programmatik, auf der einen Seite die „rein alchymistisch-rosenkreuzerisch und stark mit talmudisch-spekulativer Philosophie“ durchsetzte Lehre der Asiatischen Brüder 35, eines Hochgradsystems, und auf der anderen Seite das aufklärerisch-humanistische Programm einer Johannisloge. Zudem arbeitete die Toleranzloge nicht nach dem Ritual der Asiatischen Brüder, sondern nach dem der Großen Landesloge, aus der die beiden Gründer v. Hirschfeld und Catter kamen. S.6
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