Freimaurer-Episoden aus dem 18. Jahrhundert

Zurück    Zum Hauptteil    Weiter

Die Abspaltung der Kirche Englands von Rom und die Jakobiten

In der Zeit, von der wir nun sprechen, wird England von bedeutsamen politischen Umwälzungen erschüttert, welche noch lange Zeit für Verschwörungen, Intrigen und Allem, was zu einem guten Plot dazugehört, sorgen wird.

Kurz gesagt, ging es um Folgendes. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts wird bestimmt vom Machtkampf zwischen Protestanten = Parlament und Katholiken = Königshaus. Das Parlament wurde mehrmals aufgehoben. Die alte englisch-katholische Monarchie kämpfte ums Überleben und ging schließlich quasi in den Untergrund, um noch Jahrhunderte lang durch die Geschichte zu spuken.

1689 – Jakob II.

Bild: Wiki – König Jakob II. von England (englisch James II; * 14. Oktober 1633 ; † 16. September 1701), gleichzeitig Jakob VII. von Schottland, wurde am 23. April 1685 zum König von England, König von Schottland und König von Irland gekrönt.

1688/89 wurde Jakob infolge seiner prokatholischen und absolutistischen Politik durch die Glorious Revolution abgesetzt und durch seine Tochter Maria und deren Mann Wilhelm III. von Oranien abgelöst.

Jakob stand der sich am Transatlantischen Sklavenhandel beteiligenden Royal African Company vor. Der Dreieckshandel dieser Gesellschaften wurde bereits in Die East India Company und das Empire beschrieben.

Der König rief u.a. durch seine Politik gegenüber der University of Oxford Widerstand hervor. Er verprellte die Anglikaner, indem er wichtige Posten in zwei der wichtigsten Colleges, dem Christ Church College und dem University College, an Katholiken vergab.

Wilhelm III. auf Seiten des protestantischen Parlamentes

[…] Mehrere einflussreiche Protestanten, die sich durch eine katholische Dynastie bedroht sahen, traten in Verhandlungen mit Wilhelm III. von Oranien ein, der der Schwiegersohn von König Jakob war. Wilhelm III. galt als Vorkämpfer für die protestantische Sache, weil er gegen den katholischen König von Frankreich, Ludwig XIV., gekämpft hatte. […]

Wohlgemerkt, das englische Parlament wollte nicht die Monarchie abschaffen, sondern es wollte einen König, der dem protestantischen Glauben huldigte.

Schließlich landet Wilhelm III. in England und Jakob glaubte irrtümlich, seine Armee sei der Konfrontation gewachsen. Aber als der Prinz von Oranien am 5. November 1688 in England anlegte, wurde Jakob von allen seinen protestantischen Offizieren im Stich gelassen. Seine eigene Tochter Anne schloss sich der Invasionsstreitmacht an, was den König zutiefst verletzte. Am 11. Dezember versuchte Jakob aus England zu fliehen, wobei er zunächst das Große Siegel des Königreichs in die Themse warf. Er wurde in Kent gefangengenommen. Wilhelm III. von Oranien beabsichtigte nicht, Jakob zum Märtyrer werden zu lassen, und ließ ihn am 23. Dezember entkommen. Jakob wurde in Frankreich von König Ludwig XIV. empfangen, der ihm einen Palast und eine großzügige Pension anbot.

[] Wilhelm von Oranien berief ein Parlament ein , welches in Anklang an das Parlament, welches 1660 Karl II. auf den Thron zurückgerufen hatte, Konventionsparlament (Convention Parliament) genannt wurde. Das Parlament erklärte am 12. Februar 1689, dass der Fluchtversuch Jakobs am 11. Dezember eine Abdankung von der Regierung darstellte und der Thron dadurch freigeworden sei. Die Krone war auch nicht auf den Sohn Jakobs II., James Francis Edward übergegangen. Stattdessen wurde Jakobs Tochter Maria zur Königin erklärt. Sie sollte zusammen mit ihrem Ehemann Wilhelm III. von Oranien herrschen. Das schottische Parlament schloss sich am 11. April desselben Jahres dieser Entscheidung an. [74]

Aber die Iren hatten sich nicht angeschlossen und so unternahm Jakob einen Versuch, seine Krone zurückzuerhalten. Er erhielt Unterstützung durch Ludwig XIV. und landete mit einer Flotte in Irland, wurde aber bald darauf geschlagen und flüchtete wieder nach Frankreich. Das dauernde Flüchten ließ ihn in der Achtung seiner Anhänger sinken.

Erbe

Nun begann ein Hick-Hack in der englischen Thronfolge, das schließlich aufgrund der ständigen strategischen Verheiratungen der Adelshäuser untereinander, dazu führte, dass die Krone an das Haus Hannover und den Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg ging.

Jakobs jüngere Tochter Anna bestieg den Thron, als Wilhelm III. 1702 starb. Maria II. war bereits 1694 gestorben. Der Act of Settlement von 1701 bestimmte, dass die in der Bill of Rights festgeschriebene Thronfolge auf eine entfernte deutsche Cousine, Sophie von der Pfalz, und ihre protestantischen Nachkommen übergehen sollte, wenn die herrschende Erblinie aussterben sollte. Als Königin Anna 1714, kurz nach Sophie, starb, ging die Krone an Sophies Sohn Georg I., den Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg, und somit an das Haus Hannover.

Der Sohn Jakobs II., James Francis Edward Stuart, nahm sich der jakobitischen Sache an. Er wurde von seinen Anhängern James III. und VIII. genannt und von seinen Gegnern der „Alte Thronanwärter“. Er führte kurz nach der Thronbesteigung Georgs I. einen Aufstand in Schottland an, wurde jedoch besiegt. Weitere Aufstände wurden ebenfalls niedergeschlagen. Seit dem fehlgeschlagenen Aufstand von 1745 wurden keine ernsthaften Versuche mehr unternommen, die Stuarts wieder auf den Thron zu bringen. Es gibt jedoch noch immer Einzelne, die Anhänger der jakobitischen Sache sind. [75]

Inmitten dieser Zeit des Umbruchs und der Streitigkeiten des Parlamentes mit der Krone und dem Papst entstehen in England die ersten offiziellen Freimaurer-Logen, wie wir wissen. Aber auch andere Clubs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der englischen High Society.

Der Hellfire-Club

Auf die Gründung der großen Loge von London und Westminster wurde hier bereits eingegangen. Im Umfeld der Freimaurerei, das wir bisher kennengelernt haben, gab es viele ernsthafte Menschen, die in der Mehrheit die Suche nach einer mystischen Wahrheit im Sinn hatten, was sich immer wieder in der Geschichte der Menscheit einige Scharlatane zu Nutze machten. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Geschichte der englischen Hellfire-Clubs, denn der Club scheint in gewisser Weise einer der Vorläufer der sogenannten Gentlemen-Clubs zu sein, für die England auch in späteren Jahren noch berühmt sein wird.

Die frühesten Spuren führen zurück ins Jahr 1719, als sich die Freimaurer Duke of Wharton und George Lee, Earl of Litchfield, in der „Greyhound Tavem“ in London trafen. Schon 1721 musste der Club allerdings aufgrund eines Erlasses von George I., unterstützt von einem Erzfeind Whartons, Robert Walpole, wegen „horrid impieties“ [abscheuliche Pietätlosigkeiten], wieder schließen.

Obgleich es keine Beweise dafür gab, dass in dem Club mehr als exessive Saufereien und pseudoreligiöse Spottzeremonien stattfanden, nutzte Whartons Opposition seine Mitgliedschaft aus, um ihn schließlich aus dem Parlament zu verbannen. Wharton hatte das Stanton Parlament angegriffen und nahm Partei zugunsten der Royals.

1722 schloss er sich einer Freimaurerloge an. Wharton wurde zu einem Unterstützer der katholischen Thronfolge, also von Jakob III. und trat sogar zum Katholizismus über.

Da PHILIP, Duke of Wharton (1698–1731) auf die Seite der Jakobiten kämpfte, wurde er 1729 wegen Hochverrats geächtet und ihm seine Titel aberkannt. Die Ächtung wurde 1825 rückwirkend für unwirksam erklärt […]

1735 etablierte der Earl of Rosse, ein guter Freund von Wharton, den „Dublin Hell Fire Club“, welcher später auch Vorbild für die Neu-Gründung der britischen Hell Fire Clubs abgegeben haben könnte.

Der Dublin Hellfire Club

Über den Hellfire Club in Irland kann man lesen, dass er bekanntermaßen eine Organisation für die Elite war. Der abgelegene Club ausserhalb von Dublin wurde bald zur Quelle der ausuferndsten Gerüchte, zu welcher dessen Geheimhaltung noch beitrug, sodass es schwer bis unmöglich ist, Mythen und Fakten auseinander zu dividieren. Eine Anekdote will ich Ihnen jedoch nicht vorenthalten.

Das Club-Haus, eine ehemalige Jagdresidenz, dessen Erbauer es unglücklicherweise auf oder in der Nähe eines alten Friedhofs erbaut hatte, stand schon vor dessen Verwendung als Residenz des Dublin Hell Fire Club in dem Ruf eine Unheilsstätte zu sein. Einige Jahre später (1740) brannte die „Hütte“ ab. Von den moderateren Kommentatoren der damaligen Zeit wird der Club als gesellige Zusammenkunft betuchter Gentlemen bezeichnet, bei der viel gezecht und auch noch Unzucht betrieben wurde. Denn es gab auch Damenbesuch. Die Frauen des „Ordens“ wurden als Nonnen bezeichnet.

In jener Nacht, als das große Feuer ausbrach, soll ein Bediensteter einen Drink über Richard Chappell Whaley, ein prominentes Mitglied des Clubs, verschüttet haben. Als Kompensation schüttete Whaley seinerseits einen Drink über den armen Bediensteten und zündete ihn auch noch an. In Folge soll das ganze Haus abgebrannt sein.

Aus dieser Geschichte kann man mehrere Schlussfolgerungen ziehen. Erstens: Der Schnaps muss wirklich hochprozentig gewesen sein. Zweitens: Die Leute gingen dort nicht hin, um zu beten. Drittens: Sollte sich die Geschichte nicht oder nicht so zugetragen haben, dann zeugt sie minimum vom schlechten Ruf, den die Gesellschaft hatte. Chappell soll fortan den Spitznamen „Burn-Chapel“ Whaley getragen haben. [70]

Sir Francis Dashwood

1746 unternahmen einige ehemalige Mitglieder der ersten Stunde in London einen neuen Versuch, den Hellfire Club in England wiederzubeleben. Unter ihnen war Sir Francis Dashwood. Letzterer muss allerdings erst später hinzugekommen sein, da er 1719 noch ein keine 12 Jahre alt war, was darauf schließen lässt, dass der Club auch nach seiner Auflösung unauffällig weiter existierte.

Dashwood hatte eine bekannte Abneigung gegen die katholische Kirche. Das Verspotten derselben muss ihm äußersten Genuss bereitet haben, denn er wendete viel Zeit und Geld dafür auf. Dashwood war der klassische Unruhestifter und Scherzbold. Wikipedia meint sogar:

Francis Dashwood, 11. Baron le Despencer (* Dezember 1708 in London; † 11. Dezember 1781) war ein britischer Politiker (1762–1763 Schatzkanzler), der vor allem als Wüstling und Gründer des Hellfire Club bekannt ist.

Sir Francis scheint zwei völlig unterschiedliche Seiten besessen zu haben. Einmal der gelehrte Politiker …, … dann wieder der Wohllebemann, Mitglied des radikalen jungen  Whig-Flügels im Parlament, der einer anständigen Orgie anscheinend nicht abgeneigt war, bei der man auch mal kirchliche Rituale verspottete. Der Name „Orden der Brüder des hl. Franziskus“ soll eben dies ausdrücken.

Bild: www.geni.com Sir Francis Dashwood verspottete die katholische Kirche, aber auch andere Traditionen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Bestätigt wird diese Einschätzung durch einen Bericht von Charles de Brosses, der 1740 berichtete, dass Dashwood und William Matthias Stafford-Howard, 3rd Earl of Stafford – “schlechte Katholiken” wie er sie nannte – einen “vrai scandalum magnatum” verursacht hätten, indem sie eine Spott-Konklave abgehalten hatten und Caridnal Ottoboni zum Papst „einsetzten“.

In diesem Sinn sind auch die Porträts zu verstehen, die Dashwood als Mönch nach Art des hl. Franziskus zeigen. Meist ist auch der Torso einer nackten Frau mit auf dem Bild.

Katholische Spottlieder, Saufereien und „Schwarze Messen“

Der Name ‚Hellfire-Club‘ (Höllenfeuer-Club) wurde dem Verein wohl von missgünstigen Personen verliehen, ursprünglich trat er unter dem Namen Order of the Knights of St Francis oder die Medmenham Mönche auf. In den Club aufgenommen wurden Mitglieder der High Society, ein Markenzeichen auch der späteren Gentlemen-Clubs. Die kirchlichen Namen sollen jedoch alleine der Verspottung des Papstes gedient haben.

Daeshwood war Mitglied weiterer Clubs wie der Society of Gentlemen of Spalding, des Divan Club oder der Dilletanti Society. Angeblich soll Benjamin Franklin einer Sitzung von Dashwoods Hell Fire  Clubs beigewohnt haben, ob er Mitglied war, ist nicht bekannt.

Bild:Wiki – Franklin während seines Aufenthaltes in London, Porträt von Benjamin Wilson, um 1760.

Welcher Art Dashwoods Humor war, wird auch aus einer Episode am Moskauer Zarenhof deutlich, wo Dashwood bei einer Gelegenheit in der Uniform des Königs von Schweden auftrat, wohl wissend, dass der Zar und der König miteinander verfeindet waren.

Zwischen 1748 und 1752 lässt Dashwood Kavernen unter der ehemaligen Zisterzienserabtei Medmenham Abbey ausheben, worin zukünftige Treffen der Gruppe stattfanden. Die Mitglieder des Clubs, mittlerweile auch als „Unheilige 12“ oder „Medmenham Mönche“ bekannt, verkleideten sich als Franziskaner-Mönche und Nonnen, und feierten orgiastische Gelage und schwarze Messen, die unter dem Motto standen „Fay ce que voudras“ (Mach, was dir gefällt). Ein Wahlspruch, das später unter anderem vom berühmten Okkultisten Aleister Crowley wieder aufgegriffen wurde.

Baron von Hund

Bild:Wiki – Baron Karl Gotthelf von Hund und Altengrotkau

Weit davon entfernt, sich über die Kirche oder die Monarchie zu belustigen, waren hingegen die Initiatoren der strikten Observanz. Später häuften sich die Gerüchte, dass die Jesuiten die Freimaurerei unterwandert hätten, doch von Spott keine Spur, allenfalls Verbissenheit im Kampf gegen die katholische Kirche ist spürbar.

Eine der treibenden Kräfte hinter der Striken Observanz , von der noch zur Genüge die Rede sein wird, war Karl Gotthelf von Hund.

1743, als 21-jähriger junger Mann, lernte Hund in Paris den Earl of Kilmarnock und einige andere Gentlemen kennen, die sich für die Aufnahme in eine Loge beworben hatten, und er erfuhr von ihnen, dass der Orden einige wunderbare Geheimnisse bewahre. Schließlich wurde er selbst zugelassen, wo er mehr über das große Geheimnis erfuhr. Laut Robison ging die Geschichte wie folgt:

Als Philipp der Schöne von Frankreich den Orden der Tempelritter, vgl. Templer, Juden, Freimaurer (bis 1600),  verbot und seine Miglieder grausam verfolgen ließ, gelang es einigen wichtigen Personen, sich in die schottischen Highlands abzusetzen, wo sie sich in Höhlen versteckt hielten. Diese Personen waren im Besitz des wahren Geheimnisses der Freimaurerei, welches von den Templern während ihres Dienstes im Heiligen Land erworben worden war. Die Chevaliers de la Rose-Croix hätten heute noch dieselbe Aufgabe wie früher, hieß es, und in Wahrheit sei jeder Freimaurer ein Tempelritter.

Der geheimnisvolle Ritter der Roten Feder

Conspiracyarchive beschreibt den weiteren Werdegang von Hunds wie folgt:

Zwischen 1750 und 1760 begann Baron von Hund (1722-1776) Werbung für einen neuen Ritus unter seinen Freimaurerbrüdern zu machen. Er behauptete, dass dieser direkt von Tempelrittern hergeleitet werden könne. Als Hund gedrängt wurde, weitere Details zu verraten, enthüllte er schließlich, dass er, als er während der 1740er Jahre in Paris weilte, in einige höhere Grade eingeweiht worden war – ein geheimer Orden der Templer – und zum Grad des Chevalier Templiers zugelassen wurde. Der initiierende Meister war ein ‚unbekannter Oberer‘, der von ihm nur als Ritter der roten Feder identifiziert werden konnte.

Weiterhin enthüllte er, dass er kurz nach der Zeremonie vor keinen anderen geführt wurde als vor Charles Edward Stuart (Bonnie Prince Charlie, der junge Thronanwärter selbst), der, wie er annahm,  ebenfalls eine Oberer des Ordens war. Hier waren alle Elemente beisammen, die es einem anti-Katholiken mit ausreichend Vorstellungskraft ermöglichen würden, geistigen Amok zu laufen: (Katholische) Jakobiter, (Katholische) Stuart Thronanwärter, (katholische) Tempelritter, (katholische) unbekannte Obere – aber hallo! [Aufgrund dieser Überlieferung Bodes entstanden wahrscheinlich die Gerüchte über ein Komplott der Stuarts, welche über die Unterwanderung oder Initiierung von Geheimbünden wieder an die Macht kommen wollten, Anmerkung C.B.]

Die wichtigste Frage jedoch, welche die Phantasie der Leute nachhaltig beschäftigte, war die nach der Identität dieses Ritters der Roten Feder. Jedermann hatte eine Vermutung, Spekulationen darüber wurden zum bevorzugten Zeitvertreib interessierter Kreis und Bode selbst war nur einer in einer langen Reihe von Menschen, die sich diesbezüglich in schöpferischen Hypothesen ergingen.

Eques a Lilie Convallium (ein Logenname), Direktor der siebten Provinz der ‚Strikten Observanz‘, kam zu der Schlussfolgerung, dass die Jesuiten die templerische Freimaurerei erfunden hätten, um zunächst die Sache der katholischen Stuarts zu unterstützen, und der später, als der [Jeusiten-]Orden verboten wurde (1773), weiterhin unter dem Deckmantel der Geheimhaltung am Kampf gegen die Protestanten gearbeitet hätte. Er dachte, dass Johnson, Hund, Starck, the Clerics, Gugomos, Waechter – die behaupteten, sie hätten das geheime Wissen wieder zurück nach Rom gebracht – sowie die Swedenborg´schen Illuminati entweder Abgesandte oder Schüler des Jesuiten Loyola waren. So ernst nahm er die Angelegenheit, dass er die Oberen der ‚Strikten Observanz‘ vor dieser Gefahr zu warnen beschloss. – Le Forestier, op. cit., S. 186 [53]

Während Bode, die treibende Kraft der ‚Strikten Observanz‘, von dem noch die Rede sein wird, nicht gerade überraschend, nach einem Jesuiten Ausschau hielt, glauben Michael Baigent und Richard Leigh zweihundert Jahre später die Lösung des mysteriösen Falles präsentieren zu können. In Temple and the Lodge (Arcade Publishing, 1991), S. 196-8, stemming from access “to the papers of a group called ‘Stella Templum’,” behaupten sie, das der ‚Ritter der Roten Feder‘ durch Zugang zu  einem bislang unbekannten Archiv einer ‘Stella Templum’ genannten Gruppe als Alexander Montgomery identifiziert werden konnte.[52]

1748, als der Einfluss der „Unsichtbaren Oberen“ nachzulassen begann, wurde Hund zur Rettung des „Hohen Orden des heiligen Tempels von Jerusalem“ aktiv.

[Er] tat er sich mit Johann August Starck zusammen, der schon in St. Petersburg von dem berühmten Diamantenschleifer Johann Lorenz Natter (1705- 1763) mittels der „Turba magna“ in die gnostisch-templerische und alchemistisch- rosenkreuzerische Erbschaft eingeweiht worden war. 1751 gründete er auf seinem Landgut in Unwürde die Loge „Zu den drei Säulen“. Deren, 1764 in Görlitz gegründeten Nachfolgerin, „Zur gekrönten Schlange“ bis 1935, zum Verbot durch die Nazis, überlebte. [von Winckelstein]

Die Strikte Observanz

Die vom Freiherrn von Hund hintertriebene Strikte Observanz wurde mit Abstand zur erfolgreichsten Freimaurer-Loge des Kontinents.

Zu Beginn der 1780er Jahre hatte die vom Freiherrn von Hund gegründete Strikte Observanz mit gut 1400 Mitgliedern in den sogenannten ‚Rittergraden‘, die sich über Ordensniederlassungen von Frankreich bis Rußland verteilten, die Spitzenposition aller damals existierenden, auf der Freimaurerei aufbauenden Verbindungen erreicht. […]

Die eigentlichen Ziele der Strikten Observanz sind in der Forschung bis heute umstritten. Nimmt man jedoch einige Äußerungen der damals beteiligten Personen sowie die ersten Dokumente dieser Organisation beim Wort (was man nicht machen sollte), so hatte sich der Freiherr von Hund (auf ihn kommen wir später noch zurück) die Aufgabe gestellt, mittels des im Geheimen operierenden Ordens einen eigenen, von allen weltlichen und geistlichen Mächten unabhängigen Staat zu errichten.

Johann Joachim Christoph Bode

In diese Bestrebungen war nun Christoph Bode (1731-1793), dessen Mutter eine geborene von Knigge war, von 1765 an verwickelt.

The Kassel Strict Observance Lodge ‘Zum gekrönten Löwen’ medallion 1743

Im Februar 1761 war er der Hamburger Loge ‚Absalom‘ beigetreten, erreichte noch im gleichen Jahr den Meistergrad und wirkte schon im Dezember als Redner und Sekretär der Loge. Als diese Loge 1765 der Strikten Observanz beitrat, wobei sie ihren Namen in die noch heute gebräuchliche Form ‚Absalom zu den drei Nesseln‘ umwandelte, vollzog Bode diesen Schritt mit. Unter dem Ordensnamen ‚Eques a Lilio convallium‘ fungierte er vom Mai 1766 bis 1784 (mit Unterbrechungen) als ‚Procurator generalis‘, d.i. Schatzmeister, in einem Amt, das ihm den Zugang sowohl zum engeren Führungskreis als auch den Interna dieser Vereinigung öffnete.

Dieses Amt hatte eine aufreibende Tätigkeit zur Folge. Nicht nur in den Logen der strikten Observanz (d.i. ab dem ‚Noviziat‘), sondern auch in den der Vereinigung angeschlossenen und von ihr geführten traditionellen Logen sollte er die Beiträge eintreiben. Zudem hatte er die Aufsicht über das ‚Policeywesen‘ der Logen, war also bei allen Streitfragen damit beschäftigt, die innere Ordnung wiederherzustellen. Eine rege Reisetätigkeit gehörte nun zu seinem Alltag. Der Freiherr von Hund wollte ursprünglich nur adelige Personen in seinen Orden aufnehmen, mußte aber nach dem Konvent von Altenberge feststellen, daß dies nicht möglich war, ohne dabei auf die Mitarbeit derjenigen Logen zu verzichten, in denen Bürgerliche bereits damals die Mehrheit stellten. Dies traf besonders auf die Logen der Freien Reichstädte in Norddeutschland zu.[Schüttler, S.3]

In ihrer ursprünglichen Gestalt bediente sich die Strikte Observanz der Templer-Legende und der Nachahmung besonders der Organisationsform dieses Ordens als Tarnung ihrer Projekte. Eines davon, „einen neuen und unabhängigen Staat zu stiften, wo kein einzelner Wille und keine unabhängige Ober-Gewalt herrschet“, wurde zu einer der ersten Aufgaben Bodes als Schatzmeister. Durch die Beitragszahlungen der Mitglieder und die Gründung ordenseigener Unternehmungen sollten die Geldmittel aufgebracht werden, um in der Umgebung des russischen Saratov – vorher dachte man an Labrador – Ländereien zu erwerben und dort eine Kolonie des Ordens zu gründen. Der Plan scheiterte wenig später an der Uneinigkeit der Mitglieder und besonders an ihrem Unwillen, größere Geldmengen für Projekte zu opfern, die ihnen gegenüber geheim gehalten wurden.

Das Vorhaben war für die damalige Zeit Hoch- und Staatsverrat: Abwerbung von Untertanen, Abzug von Geldern, Ablehnung der bestehenden Regierungsform und stattdessen die Absicht, sich auf eigenem Land mit eigener, demokratisch zu bildender Verfassung unabhängig zu machen, hätten weder die Reichsgewalt noch die einzelnen Fürsten gutheißen können. Erst nach dem Mißlingen dieses Projektes und beschleunigt durch die rasche Zunahme an Mitgliedern wurde die Strikte Observanz zu dem Verein der anachronistischen ‚Ritterspiele‘, als den ihn schon die Zeitgenossen karikierten und kritisierten. [Schüttler, S.5]

Die erste Wiener Loge

Auch Österreich-Ungarn unter der Herrschaft der Habsburger blieb nicht von der Gründung und Ausbreitung von allerlei Logen verschont. Einige werden nachfolgend aufgeführt, Infos über die Gründung der ersten österreichischen Logen im 18. Jahrhundert fand ich wie folgt bei www.wien.gv.at. Interessant ist insbesondere, dass zur ersten Loge ein Afrikaner und (getaufte) Juden zugelassen worden waren.

Die erste Wiener Loge, „Aux Trois Canons“ („Zu den drei Regeln“) wurde am 17. September 1742 unter dem Protektorat der Breslauer Loge „Zu den drei Totengerippen“, deren Meister Bischof Philipp Gotthard Graf Schaffgotsch war, durch den nach Österreich entsandten Reichsgraf Ludwig von Hoditz gegründet. Mitglieder waren Hocharistokraten, geistliche Würdenträger und ausländische Diplomaten sowie der aus Genf stammende jüdische Juwelier Jacques Pallard. Die Aufnahme von (getauften) Juden (wie auch des hochgebildeten Afrikaners Angelo Soliman) entsprach der freimaurerischen Toleranz, trug aber zur wachsenden Feindschaft gegen die Freimaurerei bei.

Die Loge „Aux Trois Canons“ wurde auf Befehl Maria Theresias durch einen Trupp der Sicherheitswache am 7. März 1743 aufgelöst, was damals europaweit Aufsehen erregte. Die Polizeiaktion hatte wohl das politische Motiv, dass die Logengründung von Breslau ausgegangen war, das Maria Theresia 1742, nach dem ersten Schlesischen Krieg, an Preußen hatte abtreten müssen; da der Logengründer Graf Hoditz ein Günstling des Preußenkönigs Friedrich des Großen war, befürchtete Maria Theresia möglicherweise einen Stützpunkt preußischer Politik. Kirchliche Initiativen dürfen aber im Hinblick auf die Bulle Papst Klemens‘ XII. „In eminenti“ (1738) nicht außer acht gelassen werden.

Neuer Versuch – 30 Jahre später

Erst 1770 wurde in Wien die Loge „Zur Hoffnung“ gegründet (die sich später „Zur gekrönten Hoffnung“ nannte), 1771 folgte die Loge „Zum heiligen Joseph“. Die am 12. März 1781 gegründete Loge „Zur wahren Eintracht“ mit ihrem Meister vom Stuhl Hofrat Ignaz Freiherr von Born erreichte unter den Logengründungen jener Zeit aufklärerisch bahnbrechende Bedeutung. Mitglieder waren unter anderem Johann Baptist Alxinger (ab 1785, zuvor ab 1781 „Zum heiligen Joseph“), Johann Melchior Edler von Birkenstock, Alois Blumauer, Johann Peter Frank, Friedrich Heinrich Füger (zuvor 1780 „Zum Palmbaum“), Joseph Haydn, Joseph von Sonnenfels und Gerhard van Swieten.

Mozart gehörte (wie auch sein Vater Leopold) ab 14. Dezember 1784 der (1783 gegründeten) Loge „Zur Wohlthätigkeit“ an, erhielt den Gesellengrad aber stellvertretend bei der Loge „Zur wahren Eintracht“. 1784 erfolgte die Gründung der „Großen Landesloge“ von Österreich, der fast alle Bauhütten der Monarchie angehörten. Erster Großmeister wurde J. B. K. Fürst Dietrichstein.

Vom 1764 in Frankfurt a.M. zum Kaiser gekrönten Joseph II. hieß es zwar, er wäre fortschrittlich gewesen, allerdings war er dann doch nicht so fortschrittlich, dass er nicht die Kontrolle über die Logen haben wollte, denn

Um die Unterwanderung der Freimaurer durch paramaurerische Gruppierungen einzudämmen, erließ Joseph II. unter dem Einfluss von Born und Dietrichstein 1785 ein „Freimaurerpatent“, das allerdings über die Wünsche der Initiatoren weit hinausging; dass jedoch für die Freimaurer überhaupt ein eigenes Gesetz erlassen wurde, erweist ihre damalige öffentliche Bedeutung.

Hierbei ging es, wie später noch aufgezeigt werden wird, auch um den Kampf konventioneller Logen gegen neue Freimaurerlogen, die die Kabbalah und andere jüdische Elemente in die Freimaurerei einbrachten. Das Patent Joseph II. erzwang eine drastische Reduzierung der bestehenden acht Wiener Logen, welche da waren:

„Zur wahren Eintracht“, „Zur Wohlthätigkeit“, „Zu den drei Adlern“, „Zum Palmbaum“, „Zur Beständigkeit“, „Zur gekrönten Hoffnung“, „Zum heiligen Joseph“ und „Zu den drei Feuern“. 

Es entstanden drei sogenannte Sammellogen (ab 1786 „Zur Wahrheit“ [ab 1790 „Heiliger Joseph“] und „Zur [neu] gekrönten Hoffnung“, ab 1791 auch „Zur Liebe und Wahrheit“) und stellte die Freimaurer zugleich unter eine sie bevormundende Kontrolle. [52]

Die unkonventionelle Loge der „Asiatischen Brüdern“ stellte sich gar nicht erst zur Auswahl, da der Orden unter Kontrolle des Kaisers keine Chance sah, und beendete seine offizielle Tätigkeit in Österreich.

Zurück    Zum Hauptteil    Weiter

Advertisements