Eine Zeit für Scharlatane

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Eine Zeit für Scharlatane

Zwischen 1764 und 1782 wurden mehrere Freimaurer-Konvente abgehalten, treibende Kraft war der im Kapitel zuvor beschriebene Baron von Hund.

Gleich beim ersten Konvent, 1764, kam es zu einem Eklat, da anscheinend nicht ganz klar war, wer der Oberboss der geheimen Truppe war. Diesen Umstand hatte Georg Friedrich von Johnssen (auch Johnson oder von Johnson-Fünen), in Wirklichkeit angeblich Johann Samuel Leuchte bzw. Leucht oder Leicht (* ?; † 13. Mai 1775), ausgenutzt und sich als

Georg Friedrich von Johnson-Fünen, schottischer Edelmann, „Ritter vom großen Löwen des hohen Ordens der Tempelherren zu Jerusalem“ und „Großprior des wahren Tempelordens der eigentlichen schottischen Oberen“, abgesandt von dem verborgenen Großkapitel der ganzen Welt in Schottland, mit dem Auftrag, den falschen Lehrarten der Freimaurerei ein Ende zu machen, die Logen in Deutschland nach echtem Templerbrauch zu reformierens eine Miliz des Ordens zu errichten und den Brüdern die Nutznießung der geretteten Schätze und geheimen Wissenschaften des alten Ordens zu vermitteln. Er versicherte auch, das wahre Geheimnis der Freimaurerei zu besitzen und die Kunst zu beherrschen, unedle Metalle in Gold zu verwandeln

ausgegeben.

Illuminaten und Freimaurer

Schüttler schreibt  in Illuminaten und Freimaurer über Johnson:

Johnson hatte durch Vorspiegelung von angeblich ‚höheren Kenntnissen‘ über das ‚wahre Geheimnis‘ der Freimaurerei die 1744 gegründete Jenaer Loge ‚Zu den drei Rosen‘ dazu gebracht, ihn als ‚Großprior‘ der gesamten Freimaurerei anzuerkennen und zugleich dem einzigen damals existierenden logenübergreifenden Hochgradsystem den Krieg zu erklären. Dies war das sogenannte ‚Clermontsche System‘, das im Verlauf des Siebenjährigen Krieges durch französische Armeeangehörige nach Deutschland gelangt war und von Berlin aus operierte. Es bestand aus vier der symbolischen Maurerei aufgesetzten Hochgraden, deren höchster, der ‚Chevalier Sublime‘ oder ‚Ritter Gottes‘, in Jerusalem spielte, und in dem der Aufzunehmende „zur wahren innigen Vereinigung mit Gott“ und zu einem sicheren „Platz im himmlischen Jerusalem“ gelangen sollte.

Die Mitglieder benutzten die lateinische Sprache, legten sich Ritternamen zu, beschäftigten sich mit Alchemie und ‚bearbeiteten‘ Lehren religiös-mystischen Inhalts. Da dieses Clermontsche System keine überzeugende Legitimation aufweisen konnte, fiel es dem kühn auftrumpfenden Johnson zum Opfer, der dann versuchte, auch die Strikte Observanz auf seine Seite zu ziehen. [Illuminaten und Freimaurer, Schüttler, S.4]

Was kam, ist kaum zu überbieten und filmreif und auf Freimaurer-wiki.de beschrieben.

Er brachte das jenensische Kapitel des Clermontschen Systems (s. d.) ganz auf seine Seite, erklärte die Berliner Oberbehörde dieser Lehrart für unrechtmäßig, errichtete ein neues Hochkapitel und schlug gegen klingende Münze Ritter, die ihm blindlings vertrauten und ihn den „größten Menschen unter der Sonne“ nannten. Als es Johnson gelang, einen anderen, ähnlich gearteten Geschäftemacher, den in Halle im Zusammenhang mit dem Clermontschen System auf ähnlicher Grundlage wirkenden früheren Konsistorialrat Philipp Samuel Rosa (s. d.) zu entlarven, hatte er vollends Oberwasser.
Er forderte die verschiedenen von Rosa und dessen Berliner Freunden gegründeten Kapitel des Clermont-Rosaschen Systems auf, sich seiner Obedienz zu unterwerfen. Das geschah auch, nachdem er die Urkunden der Widerstand leistenden Berliner unter Trompetenschall hatte verbrennen lassen. Von allen Seiten kamen Abgeordnete, die ihm ihre Urkunden ablieferten und nach deren feierlichen Vernichtung sich neuerdings ins Noviziat aufnehmen ließen, wofür sie große Summen manchmal bis zu zweitausend Taler zu bezahlen hatten.
Selbst der Heermeister „Baron Hund“ (s. d ) ging Johnson auf den Leim und huldigte ihm 1764 kniend und in mittelalterlicher Rüstung in Altenberge, wurde aber dann doch von Mistrauen erfüllt und nannte ihn bei einer Zusammenkunft einen Betrüger und „formellen Filou“. Johnson flüchtete, von Hund vor die Pistole gefordert, mit der Ordenskasse, wurde 1765 verhaftet und von dem weimarischen Minister Freiherrn von Fritsch auf der Wartburg bis zu seinem Tode in Gefangenschaft gehalten (s. Hund). [36]

Für die Strikte Observanz war Johnsons Entlarvung, der als Häftling auf der Wartburg endete, ein voller Erfolg, schlossen sich doch viele der in Altenberge vertretenen deutschen Logen nun dem Hund’schen System an, das zwei Jahre später, Anfang 1766, bereits 218 Mitglieder im sogenannten ‚Inneren Orden‘ zählte.

Johann August Freiherr von Starck (1741-1816) war Begründer des sog. klerikalen Systems und behauptete, er kenne sowohl die ‚unbekannten Oberen‘ als auch die ‚wahren Geheimnisse‘ der Freimaurerei, und um diese angeblichen Kenntnisse zu erlangen, hatten die Führer der Strikten Observanz der Vereinigung mit dem Klerikat zugestimmt – mehr als ein Zeichen dafür, daß die nunmehr maßgeblichen Führer des Ordens die ursprünglichen Intentionen des Freiherrn von Hund nicht kannten bzw. nichts damit anzufangen wußten. Die Vereinigung kam auf dem Freimaurerkonvent von Kohlo 1772 zustande und wurde schon sechs Jahre später auf dem Konvent von Wolfenbüttel wieder aufgelöst, ohne der Freimaurerei bzw. der Strikten Observanz irgend etwas gebracht zu haben.[Schüttler, S.5]

Bild: Wiki – Johann Joachim Christoph Bode (1731-1793)

Für Bode, der erst nach dem Konvent von Kohlo wieder tätig geworden war, bezeichnete diese Episode den Zeitpunkt, mit dem die Irrungen und Wirrungen, die die Freimaurerei bis weit in das folgende Jahrhundert begleiten sollten, recht eigentlich begonnen hatten. Das gleiche traf nach seiner Ansicht auch für Zinnendorf zu, dem aber ein weitaus größerer Erfolg beschieden war, denn seine Gründung existiert bis in die heutige Zeit fort.

Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf

Zinnendorf (1731-1782)wurde 1757 in der Loge „Philadelphia zu den drei goldenen Armen“ seiner Vaterstadt Halle aufgenommen, schloß sich im folgenden Jahre der Loge „Zu den drei Totengerippen“ in Breslau („Drei Weltkugeln„) an, war deren erster Redner, 1763 wurde er Mitglied der Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin].

Er war bis Mitte 1766 Chef der Strikten Observanz für Berlin und Brandenburg gewesen, trat dann aus dieser Vereinigung aus und gründete 1768 in Potsdam die Loge ‚Minerva‘ nach der Schwedischen Lehrart. Gemäß einer damals weit verbreiteten freimaurerischen Legende sei die ‚wahre‘ Freimaurerei von England bzw. Schottland aus über Italien und Rußland nach Schweden gelangt. Also hatte sich Zinnendorf mit der Großloge von Stockholm in Verbindung gesetzt und im Herbst 1766 – der Zeit seines Austritts aus der Strikten Observanz – Rituale und Instruktionen zur in Stockholm ausgeübten Lehrart erhalten.

Bild: Wiki – Johann Wilhelm von Zinnendorf, Kupferstich um 1785

Dieses ‚Schwedisch-Zinnendorfische System‘, das von ihm selbst und seinen engsten Mitarbeitern und dann von Nettelbladt überarbeitet und umgeformt wurde, stellte in seinen neun Graden einen christlichen Ritterorden dar, in dem sowohl die Templerlegende als auch aus dem Klerikat stammende Ideen ihren Platz fanden. Der englische freimaurerische Historiker Gould bezeichnete denn auch den an der Spitze dieses Systems stehenden sogenannten ‚Vicarius Salomonis‘ als „a species of Protestant Pope“; die Schwedische Lehrart wäre demnach eher als christlich-gnostische Sekte denn als Freimaurerei zu betrachten. Die Gründung aber hatte Erfolg und wurde zur größten Konkurrenz der Strikten Observanz. Mehrere Versuche noch im 18. Jahrhundert, beide Systeme wieder zu vereinigen, blieben ergebnislos. [Schüttler, S.6]

Das Vertrauen in die Führung der Strikten Observanz schwand zunehmend. Das Misstrauen in Hunds templerischen Qualitäten zeigte sich bereits deutlich während des dritten Konventes 1775 in Braunschweig.

22 Fürsten gehörten ihr an, als die Delegierten am 22. Mai in ihrer Rittertracht in Prozession ins Ordenshaus zogen. v. Hund wurde abermals aufgefordert, seine immer stärker angezweifelte templerische Heermeisterschaft nachzuweisen. Unter Tränen erzählte er die Geschichte seiner Bestallung durch den „Ritter von der roten Feder“ in Paris. Nochmals erklärten sich die anwesenden Abgeordneten zufriedengestellt; aber das einmal rege gewordene Mißtrauen war bei manchen nicht mehr zu unterdrücken. [von Winckelstein]

Eine Glaubensfrage

In Deutschland verschärfte sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts der Streit über den „wahren“ Ursprung  der Maurerei weiter, was auch die Judenfrage in den Vordergrund rückte. Denn, wenn die Freimaurerei von der Sache her christlich wäre, was hätten dann die Juden darin verloren, die alten Erzfeinde von Jesus? Die Juden, vergessen wir das nicht, die dazumal an so manchem Ort in Zentral-Europa immer noch die Erlaubnis des Landes-, Provinz- oder Stadtfürsten benötigten, um durchreisen zu dürfen, oder sich in einer Stadt niederzulassen; die Abzeichen tragen mussten und allenfalls in Ghettos hausten, wie das Frankfurter Ghetto, welchem Mayer Amschelm Rothschild zwischen 1760 und 1770 so wundersamerweise entstieg.

In den protestantischen Gegenden ging es den Juden besser, jedenfalls dort, wo auch reformerische Kräfte am Werk sind, was der Grund dafür sein mag, dass Juden, die sich öffentlich engagierten, dies in der Regel auf Seiten der reformerischen Kräfte und damit im Prinzip gegen die römische Kirche gerichtet taten.

Faszinierend in diesem Zusammenhang ist die Bedeutung der Religionszugehörigkeit allgemein und wie mit Konvertiten umgegangen wurde. Jakob Frank (1726-1791), z.B., konvertierte in seinem abwechslungsreichen Leben gleich mehrmals. Zunächst vom Judentum zum Christentum, dann zum Islam, schließlich verhandelt er wieder über die Taufe seiner Anhänger, während er in Wirklichkeit Sabbatianer gewesen sein soll. Doch ebenso konvertierten ja auch Altkatholiken und wechseln auf die Seite der Protestanten, usw., oft gewährt der Übertritt zu einem anderen Glauben Vorteile.

Wie sich herausstellte, gab es in Deutschland eine Gruppe Freimaurer mit großem Einfluss, die vehement versuchte, Juden aus der Freimaurerei herauszuhalten, im Gegensatz zu den freimaurerischen, freiheitlichen Gepflogenheiten der Mutterloge in London oder derjenigen in Frankreich, und auch einiger deutscher Logen, und sich auf eine angeblich christliche Tradition berief, im Widerspruch dazu aber gleichzeitig ständig Veränderungen an dieser angeblichen uralten Tradition vornahm.

Zu bedenken ist, dass die Berufung auf eine christliche Tradition im nächsten Schritt die Frage nach dem wahren christlichen Glauben hervorruft. Altkatolizismus, protestantisch, eine der vielen Sekten, Konvertierte? Der wahre Glaube brachte schon seit jeher nichts als Probleme mit sich.

Freimaurerei – die französische Variante

Doch selbst in Frankreich hatte die ökumenische Oberfläche bei genauerem Hinsehen schnell Risse bekommen. 1742 erschien ein Buch mit dem Titel Apologie pour l’ordre des Franc,  worin eine Passage über die Freimaurer existiert. In dieser Apologie wird festgestellt, dass der Orden nur für Christen offen ist. Weder wäre es möglich noch zulässig Personen ausserhalb der christlichen Kirche als Freimaurer aufzunehmen. Juden, Moslems und Heiden mussten also draussen bleiben. Die Verfassung der Großen Loge in Frankreich, welche 1755 ratifiziert wurde, enthielt dann auch eine explizite Passage, welche die Taufe als notwendige Voraussetzung einer Mitgliedschaft im Orden spezifizierte.

Die Verfechter dieser Ansicht, versuchten die genealogischen Wurzeln der Freimaurerei bis in die mittelalterlichen Orden zurückzuverfolgen, und argumentierten, dass die Freimaurerlogen nichts anderes als eine Reinkarnation der Ritter vom Heiligen Johannes aus den Kreizfahrerzeiten seien. Ein neues, christliches Element schlich sich in die Freimaurerei hinein, und die neue Regel konstatierte, dass nur Christen es wert waren als Brüder in die Logen aufgenommen zu werden.

Bild:Wiki- Ludwig XV. (Kopie eines Gemäldes aus der Werkstatt von van Loo von 1763) Er war nicht begeistert vom Treiben der Freimaurer und hielt es für „subversiv“.

1725 wurde die erste Loge gemäß englischem Vorbild in Paris gegründet und hatte von Anfang mit Gegenwind zu kämpfen. Der König, Louis XV. (1710-1774), empfand das geheime Treiben der Freimaurer als subversiv und erließ ein Edikt, in dem es hieß, dass loyale Untertanen nicht einem Freimaurerorden angehören könnten.

Die Kirche mischt sich ein

Im Kampf darum, ob es Freimaurerlogen geben könne, in denen Religionsfreiheit herrscht und über natürliche Rechte nicht nur geredet wurde, fuhr sodann die Kirche schweres Geschütz auf. Am 28. April 1738 erließ Clemens XII. die erste päpstliche Bulle (In eminenti apostolatus specula) gegen die Freimaurerei. Zur gleichen Zeit kämpft die Kirche mit den Jansenisten, eine Bewegung die zur Besinnung auf das Ur-Christentum aufruft und gegen die Haltung der Jesuiten auftritt. In diesem Zusammenhang wird seitens der Kirche das Wort Häresie sehr häufig verwendet. Die Kirche sah ihren Einfluss wieder mal bedroht und versuchte mit allen Mitteln, inkl. Androhung der Ex-Kommunikation, ihre schwindende Macht bei den katholischen Schäfchen wiederherzustellen. 11 weitere Päpste würden die Freimaurerei in den glühendsten Farben verteufeln.

Bild:Wiki – Leo XII. (1760-1829) rügte die christlichen Führer, weil sie nicht hart genug gegen die Freimaurer vorgingen.

Leo XII. lamentierte, dass die christlichen Prinzen und Führer der Staaten das Verbot der Freimaurer durch den Vatikan nicht vollständig befolgt hätten, wie es die „Sicherheit von Kirche und Staat „erfordert hätten. Pius VIII. erklärte zum Thema Maurer, dass „Lügen ihr Gesetz ist, Satan ihr Gott und verabscheuungswürdige Taten ihr Opfer“. Gregor XVI. verglich die Maurerei mit einem Abflussrohr, in dem sich alle Sakrilegie, Infamie und Blasphemie zu widerwärtigster Häresie vermengen würden. Pius IX. übertraf seine Vorgänger noch, indem er zwischen 1846 und 1873 sechs verschiedenen Bullen gegen die Massonerie aussprach, worin er „jene schädlichen, geheimen Sekten“ brandmarkte, welche aus der Dunkelheit kamen, um den Ruin und die Zerstörung von Kirche und Staat zu besorgen.  [33]

Der Orden der Strikten Observanz in Frankreich

Die französische Freimaurerei kannte spätestens seit den vierziger Jahren ebenso wie die deutsche die Idee, die Vereinigung lasse sich auf die mittelalterlichen Templer zurückführen und die derzeitigen Bemühungen hätten das Ziel, diesen Ritterorden in aller Öffentlichkeit wiederherzustellen. Neben dieser Idee fand dann aber vor allem mystisches und okkultistisches Gedankengut Eingang in die französischen Logen; die ursprünglichen freimaurerischen Ziele der Gleichheit und Toleranz sowie das Bestreben, Moral und Tugend zu befördern, traten dabei mehr und mehr in den Hintergrund.

Der französische Historiker LeForestier beispielsweise versieht die Freimaurerei dieser Epoche mit einem geradezu vernichtenden Urteil: „Wollte man versuchen, den vorherrschenden Charakter der französischen Freimaurerei im 18. Jahrhundert mit einem Wort zu bezeichnen, so würde nur eines in Frage kommen: Dilettantismus.“ Seiner Einschätzung zufolge hatte die Freimaurerei in Frankreich hauptsächlich spirituelle, und hier vor allem spezifisch christliche Inhalte, daher sei jegliche Spekulation, der Orden habe den Deismus befördert und den revolutionären Geist in die Politik eingeführt, aus den Dokumenten derjenigen Logen zu widerlegen, die dem templerischen Gedanken anhingen bzw. in der Freimaurerei einen modernen Ritterorden sahen – und diese bildeten die Mehrheit.[…]

Willermoz / Pasqually / Saint-Martin

Der höchste Grad der ‚Elus Coëns‘ nannte sich ‚Réau Croix‘, hatte allerdings nichts mit den älteren Rosenkreuzern oder dem seit etwa 1765 von Deutschland aus arbeitenden neuen ‚Orden der Gold- und Rosenkreuzer‘ zu tun.

In diesen Grad wurde Willermoz (1730-1824) im März 1768 eingeführt. Er wurde sogleich eifriger Propagandist dieser Lehre. Grundlage von Pasquallys System bildete ein eigentümliches Verständnis der christlichen Überlieferungen, vermischt mit gnostischen Elementen und jüdischer Kabbalistik. Ziel der ‚Operationen‘, zu denen Magie ebenso wie Geisterbeschwörungen gehörten, war, die getrennte Verbindung zwischen Mensch und Gott wiederherzustellen; die vollkommene ‚Operatio‘ stellte dabei die Eucharistie dar.

Bild:Wiki – Der Gründer des Martinistenordens Martinès de Pasqually (1727–1774)

Zum Kreis der Männer um Pasqually zählte von 1771 an auch St. Martin. [Schüttler, S.8.]

St. Martin war Freimaurer und bildete Pasquallys Lehre weiter aus. 1773 zog Saint-Martin nach Lyon. Er war eine zeitlang Privatsekretär Pasquallys, und er veröffentlichte dessen Gedanken mit seinem Buch ‚Des Erreurs et de la Vérité‘ (1775), welches durch seine rätselhafte und symbolische Sprache ein großer Erfolg in Freimaurer- und magischen Kreisen wurde.

Der Erfolg des Buches verschaffte Saint-Martin Zugang zu den höheren Gesellschaftsschichten, wo er sich durch seine Intelligenz und seinen Charme die Unterstützung einflussreicher Gönner sichern konnte. Unter dem Begriff des ‚Martinisme‘ bzw. ‚Illuminisme‘ – nicht zu verwechseln mit den deutschen Illuminaten! – wurden diese Bestrebungen, die nun Willermoz in die Logen einführte, zum Synonym der gegen-aufklärerischen Bewegung in Frankreich. [s.a. Schüttler, S.8.]

1782 erschien auf Drängen seiner Freunde sein zweites Buch mit dem Titel Tableau naturel des raports qui existent entre Dieu, l’homme et l’universe.

1784 begann er sich für den Mesmerismus zu interessieren und trat Franz Anton Mesmers Loge bei.

Bild: Wiki – Louis-Claude de Saint-Martin (1743-1803)

Willermoz hatte die Lehren von Pasqually, St. Martin und de Maistre erfolgreich mit der Freimaurerei traditioneller Form vermengt, Hermetik und Theosophie, Magie und Alchemie wurden in diesem Gebäude ebenso gepflegt wie der katholischen Messe angelehnte Zeremonien, wobei die Christen der verschiedenen Konfessionen als ‚Eingeweihte niederer Stufe‘ betrachtet wurden. [Schüttler, S.8]

Die Freimaurerei in Frankreich wurde nach dem Konvent von 1778 in Lyon zunehmend ein “ Sammelbecken der okkultistischen Kräfte des Landes“.

1773 – Das Verbot und die Verschwörung des Jesuitenordens

Die Logen gingen zum Gegenangriff auf die Kirche über. Zuerst in Portugal und sich von da aus in die europäischen Fürstentümer und Nationen ausbreitend, wurden die Jesuiten verboten. 35 Jahre nach der päpstlichen Bulle gegen die Freimaurerei erfolgte die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 durch Papst Clemens XIV. auf Druck der Könige von Frankreich, Spanien und Portugal. Bei den vorausgegangenen Angriffen auf den Jesuitenorden spielten verschiedene Verschwörungstheorien eine große Rolle. Der in der neuzeitlichen Kirchengeschichte einzigartige Vorgang im Zeitalter der Aufklärung raubte dem Papsttum eine wichtige Stütze. Am Kampf gegen die Jesuiten waren Aufklärer und Freimaurer maßgeblich beteiligt. Die Aufhebung wurde 1814 von Papst Pius VII. rückgängig gemacht. [29]

Das Jahr 1773 ist auch in anderer Hinsicht ein wichtiges Datum. In diesem Jahr soll Adam Weishaupt die Idee, einen Illuminati-Orden zu gründen, gekommen sein. Weishaupt war kein bei den Jesuiten aufgewachsener Jude! (s.u.) Weishaupt muss schnell klar geworden sein, dass die Macht der Jesuiten mit dem offiziellen Verbot noch keineswegs gebrochen war, was Thema von Adam Weishaupt und die Illuminati (1) ist.

Halten sich etwa aufgrund dieser Falschinformation die Gerüchte so hartnäckig, dass Jesuiten die Illuminati unterwandert hätten, und dass beide zusammen mit den Freimaurern, die ihrerseits möglicherweise von Illuminati unterwandert gewesen sein sollen, die französische Revolution angezettelt haben? Johann Joachim Christoph Bode (1780) und Nicolas de Bonneville (1788) [und viele andere] versuchten Zusammenhänge zwischen Jesuiten und Hochgradmaurerei herzustellen (Lennhoff/ Posner, 1932, Sp. 179, 280, 775-779). [44]

Die Verschwörung der Jesuiten, ein Klassiker, der spätestens hier seinen Ausgangspunkt hat.

Revolutionäre Zellen während der französischen Revolution wurden mit Gewissheit auch von den Freimaurern gebildet oder umgekehrt. Dass diese Gruppen die Revolution angezettelt haben, lässt sich nicht gewiss belegen, allerdings könnten die Verbindungen der Brüder untereinander eine Koordination der sogenannten Volksmeinung im ganzen Land erleichtert haben. Mehr dazu im Abschnitt über die Französische Revolution.

Die ‚Unfehlbarkeit‘ des Papstes

Papst Pius VII. nutzte 1814 die Schwächung der absolutistischen Staatsidee, um die Jesuiten, die partiell die Aufhebung überstanden hatten, mit der Bulle Sollicitudo omnium ecclesiarum wieder zu restaurieren.

1870 verleiht die Kirche dem Papst Unfehlbarkeit, beim Konvent kommt es zum Eklat. Das ganze deutsch[4]-österreichische Episkopat und ein Teil des französischen Bischofskollegiums waren anläßlich des Konventes dagegen. 60 Bischöfe verließen vor der endgültigen Abstimmung die Stadt.

In der katholischen Kirche ist die Unfehlbarkeit des Papstes (Infallibilität, lateinisch Infallibilitas) eine Eigenschaft, die – nach der Lehre des Ersten Vatikanischen Konzils (1870) – dem römischen Bischof (Papst) zukommt, wenn er in seinem Amt als „Lehrer aller Christen“ (ex cathedra) eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet.[1] Die Intention der päpstlichen Unfehlbarkeit ist, dass der Papst bei einem Streit innerhalb der Kirche das „letzte Wort“ hat.

Jesuitenverbote hat es auch in der Folge gegeben. Beispielsweise war in Deutschland der Orden von 1872 bis 1917 verboten (Jesuitengesetz), als Teil einer Reihe von Maßnahmen im Kulturkampf. Die Schweizer Bundesverfassung von 1874 (Artikel 51) verbot den Orden in der Schweiz. Dieser konfessionelle Ausnahmeartikel wurde erst im Jahr 1973 aufgehoben.[3]

Saint-Germain

Saint Germain spielte in verschiedenen Freimaurerzirkeln, die damals im Deutschen Reich den Zugang zu einflussreichsten Kreisen ermöglichten, eine bedeutende Rolle und schuf sich so eine neue Legende: Beispielsweise war Cagliostro sehr daran gelegen, als sein Schüler zu gelten.

Bild: Travis_Simpkins – Graf von, Abenteurer unbekannter Herkunft im 18. Jahrhundert, von manchen als Sohn der Witwe Karls II. von Spanien, Maria, von anderen wiederum als portugiesischer Jude bezeichnet, gab vor, tausend Jahre alt zu sein und über Zauberkräfte zu verfügen.

Darüber hinaus war Saint Germain angeblich auch Rosenkreuzer und vertrat eine okkulte Variante der Freimaurerei, was ihn bei Freimaurern umstritten machte: der Herzog von Braunschweig ließ ihn 1777 überprüfen und fand, dass er entgegen seinen Angaben nicht in die „höheren Grade“ eingeweiht sei.

1778 gelang es Saint-Germain in Hamburg, die Freundschaft des von Alchemie und Freimaurermythen begeisterten Karl von Hessen-Kassel, dem Statthalter des dänischen Königs in Schleswig, zu erringen. St. Germain, stirbt am 27. Februar 1784.

Landgraf Karl von Hessen-Kassel

Photo:Jens_Rusch – Nach den Napoleonischen Kriegen nahm er die beiden vom Grand Orient de France gegründeten, vorwiegend aus jüdischen Mitgliedern zusammengesetzten Logen „Zur aufgehenden Morgenröte“ in Frankfurt a. Main und „Zu den vereinigten Freunden“ in Mainz unter seinen Schutz, gab ihnen neue Konstitutionen und der ersteren sogar ein Patent für ein Schottisches (christliches ! ) Kapitel.

Karl wurde am 19. Dezember 1744 in Kassel geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war George II. von England, der in Personalunion Kurfürst von Hannover war.

Der andere Großvater war Landgraf von Hessen, der als einzige europäische Macht ein stehendes Heer unterhielt. Teile davon lieh er England gegen ein sattes Sümmchen für seinen Krieg gegen die 13 Kolonien aus.

Carls Erziehung war im ersten Abschnitt seines Lebens als fortschrittlich zu bezeichnen, in der zweiten Hälfte wurde sein Großvater väterlicherseits Wilhelm VIII., ein strenger Calvinist, prägend für das weitere Leben Karls. Karl wurde, nach allem was bezeugt ist, ein zutiefst religiöser Mensch, der die Barmherzigkeit nicht nur kannte, sondern lebte, was ihn nicht davon abhielt, Großmeister eines Freimaurerordens zu werden.

Bild: Wiki – Prinzessin Louise Charlotte von Dänemark, Frau des Freimaurers Karl von Hessen-Kassel. Was sie wohl zum Treiben ihres Mannes gesagt hat?

1766 heiratete Karl die Prinzessin Louise von Dänemark, (1750 -1831) Prinzessin von Dänemark. Der Vater ist Frederik V. von Oldenburg (1723-1766). Das Haus Oldenburg gilt in dieser Zeit als eines der mächtigsten in Europa. Dänemark leiht sich Anfang des 19. Jahrhunderts 20 Millionen von Rothschild, weil es bankrott ist.

Bereits am 24. März 1775 war er Mitglied der in Schleswig ansässigen Freimaurerloge „Joshua zum Korallenbaum“ geworden […]

Sein Wunsch, in die Freimaurerloge aufgenommen zu werden, lässt sich schnell erklären, schreibt Pawlowski [s. Link]

Auf der Suche nach einer Gemeinschaft mit Gott sah Carl den Freimaurerorden als sinnbildende Basis an. Carl galt als passionierter Freimaurer und stand über 60 Jahre an der Spitze der dänischen Brüder, zunächst als Provinzial-, später dann als Generalgroßmeister des Ordens, mit entsprechendem Einfluss auf dessen Verbreitung und Erneuerung. Was ihm besonders am Herzen lag, listete er in einem „Ritual“ auf, das er an alle neu eröffneten Logen versandte: Glaube, Hoffnung, Demut, christliche Liebe, Wohltätigkeit, Keuschheit und Beständigkeit seien die sieben Tugenden, denen sich die Maurer verpflichtet fühlen sollten.[38]  Pawlowski.pdf

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