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1773 Adam Weishaupt und Illuminati

Die offizielle Geschichte der von Adam Weishaupt gegründeten „Bayerischen Illuminaten“ ist so lächerlich kurz (9 Jahre), dass jegliche Verbindung mit im globalen Verbund agierenden Illuminaten des 21. Jahrhunderts ein sehr unwahrscheinlicher Zufall sein müsste, der wahrhaftig nach dem von echten Illuminati eher despektierten Begriff „Wunder“ schreit.

Bild: ageoftruth.dk

Fast schon ist es Ironie zu nennen, dass die von vielen Mythen und Sagen umgebenen bayerischen Illuminaten ausgerechnet in Bayern, dem erzkonservativen von Klerikern und Aristokraten dominierten Umfeld, erdacht wurden. Mitte des 18. Jahrhunderts berichtete ein Reisender von 28.000 Kirchen, Klöstern und Kapellen im Land.

1775 wird der 1748 geborene Adam Weishaupt Dekan der ehemals von Jesuiten geführten Universität Ingolstadt, obgleich er mit seiner atheistischen Einstellung keineswegs hinter den Berg gehalten hat. Seine Kämpfe mit jesuitischem Lehrpersonal, insbesondere mit Ignaz Franck, waren legendär, und zwar vor, während und nach dem Jesuiten-Verbot durch Papst Clemens XIV, der sich dem Druck von Frankreich, England und Spanien beugte. Die Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit, zudem war Franck auch noch Kopf des Münchner Zirkels der Gold- und Rosenkreutzer. Insofern sind die anhaltenden Gerüchte über ein Rosenkreuzerisch-Jesuitisches Komplott um die Illuminati zu zerstören nicht unbedingt aus der Luft gegriffen.

Illuminati vs. Jesuiten

Grundsätzlich lassen sich ab dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts zwei gegnerische Gruppen unterscheiden und zusammenfassen. Auf der einen Seite: Philosophen + Freimaurer + Illuminati (die erst später hinzukamen), auf der anderen Jesuiten + Kirche + Rosenkreuzer. In diesem Artikel wird insbesondere beleuchtet, wie sich die von Weishaupt gegründete Vereinigung zu einem Hochgradmaurersystem vollzog und welche Brisanz in eben diesem Umstand verborgen lag.

Da die Hauptakteure der Gruppe, Weishaupt und Knigge, immer wieder Zeit darauf verwendeten, gegen die Jesuiten und ihren verborgenen, viel zu starken Einfluss zu wettern, beschäftigen auch wir uns mit einigen dieser Traktate, ohne jedoch darauf einzugehen, welchen offenen oder verborgenen Einfluss die Jesuiten nach heutiger wissenschaftlicher Sicht auf Politik und zeitgenössisches Tagesgeschehen tatsächlich oder wahrscheinlich hatten.

Weishaupts ständiger Clinch mit der Universität und den kirchlichen Vorständen könnte Weishaupt überhaupt erst auf die Idee gebracht haben, eine Geheimgesellschaft nach Vorbild der Jesuiten zu gründen, welche sich jedoch den Idealen und Zielen der Aufklärung verschreiben sollte. Nur durch eine Organisation, die unter absoluter Geheimhaltung stand, war es möglich die Macht der Kirche zu brechen, könnte seine Überlegung gewesen sein.

These: Adam Weishaupt wollte die Illuminati als Gegengewicht zu den Jesuiten aufbauen.

1776 – Gründung der Bayerischen Illuminaten

Als der Orden der Bayerischen Illuminaten am 1. Mai 1776 offiziell gegründet wurde, hatte Weishaupt laut LeForestier schon einige Jahre über die Idee nachgedacht.

In Weishaupt´s Worten sollte der Orden unablässig für den Tag arbeiten, „an dem Prinzen und Nationen vom Angesicht der Erde verschwinden werden! Ja, es wird eine Zeit kommen, wenn die Menschen kein anderes Gesetz mehr werden anerkennen, als das große Buch der Natur; diese Offenbarung wird die Arbeit der Geheimgesellschaften sein und dies ist eines unserer großen Mysterien …

Bild: www.conspiracyarchive.com – Die Grafik soll nach Stand 1970er Jahre den Stammbaum der Bayerischen Illuminati zeigen. Sie stammt aus dem Buch Cosmic Trigger: Final Secret of the Illuminati, p.188 von Robert Anton Wilson.

1776 – Freimaurerei und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung

Viel ist über die Freimaurer und ihre Rolle bei der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika geschrieben und spekuliert worden. Falls Sie diese Artikelreihe über die Geheimgesellschaften aufmerksam verfolgt haben, dürfte Ihnen ebenso wie mir klargeworden sein, dass Weishaupt in keiner Weise etwas damit zu tun haben kann, und dass somit mitnichten eine Verschwörung der Illuminaten zur Übernahme der Vereinigten Staaten stattgefunden haben kann. Und auch die Rothschilds sind im ausgehenden 18. Jahrhundert noch so unschuldig, wie man es im Bankgeschäft sein kann.

Unbestreitbar ist, dass unter den 56 amerikanischen Rebellen, welche die Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten, viele Freimaurer waren, manche Quellen sprechen sogar davon, dass nur 6 Personen keiner Loge angehörten. Welche Rolle die Freimaurerei in den USA spielt, wird jedoch Thema eines anderen, zukünftigen Artikels werden. Mehr dazu finden Sie auch im Artikel Pyramide und Freimaurerei.

Billington drückt die allgemeine Aufbruchstimmung, aber auch Verwirrung im Zeitgeist ungefähr in folgenden Worten aus:

Die europäischen Aristokraten trugen ihre angezündeten Kerzen von den christlichen Altaren zu denen der Freimaurerlogen. Die Flamme der okkulten Alchemisten, die versprochen hatten, Müll in Gold zu verwandeln, flammte wieder auf im Zentrum der neuen „Zirkel“, die das Ziel hatten, ein neues goldenes Zeitalter wiederaufleben zu lassen: Bayerische Illuminatisten, die sich gegen die Jesuiten verschwören, französische Philaleten gegen Napoleon, italienische Köhler gegen die Habsburger. [Billington, Fire in the Minds of Men: Origins of the Revolutionary Faith, p. 6]

1777/78

Nachdem wir nun viele Stunden lang schier endlose Varianten der Definition der Freimaurerei folgen konnten – was genau unterschied Weishaupts Illuminaten von anderen und was genau verholf seiner Organisation zu einer solchen Prominenz innerhalb der geheimen Gesellschaften und Orden im Lauf der Geschichte?

Weishaupt selbst wurde erst 1777 Freimaurer in der Loge „Zur Behutsamkeit“ in München und trug hier den Namen ‚Sanchoniaton‘.[5] Seine ablehnende Haltung gegenüber den Jesuiten ist unverändert und wird sich wohl auch bis an sein Lebensende nicht ändern.

Bild: Wiki – 1799 Portrait von Weishaupt

Als Beleg dafür mag ein Brief dienen, den Weishaupt am 13. März 1778 an Maximilian Balthasar Ludwig Edler von Merz (Tiberius) schrieb, einer der fünf ursprünglichen Gründer der Illuminaten und seines Areopagite.

In einem Abschnitt des Briefes heißt es: “Wir haben… in München unseren eigenen Drucker. Von dort wirst du es bald erhalten, gedruckt auf unsere Kosten, die Relatio de strategmatis et sophismatis Polchis S. I. by Alphonsus de Vargas” (Einige Originalschriften des Illuminatenordens, p. 221). Die Relatio ad Reges et Principes Christianos De Stratagematis et Sophismatis politicis Societatis Jesu ad Monarchiam orbis terrarum sibi confirmandam ist eine Streitschrift wider die Jesuiten, welche erstmals 1636 erschienen war (s. The History of the Inquisition of Spain, from the Time of Its Establishment to the Reign of Ferdinand VII, London: G. B. Whittaker, 1826, p. 280).

Indem Weishaupt auf Kosten der Illuminati eine neue Ausgabe des Anti-Jesuiten Klassikers herausbrachte, bewies er erneut seinen tiefsitzenden Groll gegen die Jesuiten [50]

Reorganisation der Illuminati

Es würde an dieser Stelle tatsächlich zu weit führen, die vorhandenen Dokumente der Illuminati, in denen ihre Statuten und Satzungen dargelegt werden zu zitieren, aber im Verlauf dieser Artikelreihe werden Leserinnen und Leser genügend Quellenverweise finden, um sich selbst auf die Entdeckungsreise zu begeben, und zu versuchen, herauszufinden, was das eigentliche Ziel von Weishaupt war. Die Übrigen mögen für den Moment darauf vertrauen, dass ich bei der Durchsicht von etlichen zeitgenössischen Dokumenten, von denen es einige gibt, auf nichts gestossen bin, das auf einen umstürzlerischen Zweck der Illuminati hinweist, wobei umstürzlerisch im Sinne von gewalttätig umstürzen gemeint ist.

Klar wurde mir andererseits, dass nach Weishaupts Plänen natürlich irgendwann einmal Verbesserungen und Änderungen im Systems anvisiert waren, das ist schließlich der Sinn und Zweck jeder Gesellschaft, welche die Verbesserung der Umstände der Menschen im Sinne hat. Aus Sicht der damaligen mehrheitlich noch absolutistisch regierenden Herrscher erscheint es allerdings nur zu verständlich, wenn sie jede Vorstellung von tiefgreifenden Veränderungen als Gefährdung ihrer Macht interpretierten. Dies galt für die Freimaurer in geringerem Maße, hauptsächlich wurden aber die Illuminati aufs Korn genommen, weil sie ein gewaltiges gesellschaftsveränderndes Potenzial offenbarten.

Die Unterwanderung der Gesellschaft durch umfassend ausgebildete und intelligente Menschen, welche die entscheidende Positionen einnahmen, die öffentliche Meinung und die politische Gestaltung im Geheimen koordinierten, zum Vorteil der Menschheit – so ungefähr lässt sich meines Wissens nach die Idee Adam Weishaupts beschreiben.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Illuminati anfangs keine Freimaurer-Loge waren und sich auch nicht so bezeichneten. Als der Beschluss gefasst wurde, die Gruppe zu reorganisieren, war Weishaupts anfangs nicht klar, wie sehr das Wachsen der Gruppe die Durchschnittsqualität der Mitglieder senkte. Die Reorganisation der Gruppe zu einer Freimaurerloge lockte eine Menge Träumer und Schwärmer an. Da die konservative Freimaurerei Ende der 70er Jahre in eine Art Sackgasse geraten war, fühlten sich nun viele Mystiker angezogen, für die Weishaupt aus seiner Sicht heraus eigentlich keine Verwendung hatte.

Engel in ‚Geschichten des Illuminaten-Ordens‘[104]fasst die Situation folgendermaßen zusammen:

Diese Verbindung war jedoch in der ersten Zeit eine dem eigentlichen Freimaurertum keineswegs günstige, denn die damaligen Illuminaten beabsichtigten lediglich durch diese ihre eigenen Reihen zu stärken. Ein solches Vorgehen mag verzeihlich erscheinen, wenn man bedenkt, dass in jener Zeit die Freimaurerei auf bedenkliche Abwege geraten war, sodass eine Reformation derselben dringend nötig wurde.

1780 – „Die Asiatischen Brüder“

1780 etablierte sich unterdessen eine neue Loge, die ebenfalls nicht so richtig ins „schottisch-christliche“ Konzept passte, die „Asiatischen Brüder“ …

Ab und zu (Lennhoff/ Posner, 1932, Sp. 756, 387, 550) werden als geistige Vorfahren der Freimaurerei auch arabische „Bruderschaften vom reinen Leben“, wie sie zum Teil noch heute offen oder im Geheimen existieren, wie z. B. die Drusen in Basra, die Futuwwa-Bünde, die Sufis und die Derwischorden, aber auch die Ismaeliten, genannt, eine Sekte, die auch mit den berüchtigten Assassinen des „Alten vom Berg“ in Verbindung gebracht wird, siehe auch Der Einfluss des Islam auf das Christentum (bis 1300)

Der Legende zufolge soll der Orden von Johannes „dem Evangelisten“, dem Gründer und Oberhaupt der „Sieben unsichtbaren Kirchen von Asien“ im Jahre 40 n. Chr. gegründet worden sein. Wahrscheinlich bezieht sich das auf die biblische „Offenbarung“ (1,11), wo von sieben Kirchen in Asien, nämlich Ephesus, Smyrna, Pergamos, Thyatira, Sardis, Philadelphia und Laodicea die Rede ist. Von diesen sollen die mittelalterlichen Rosenkreuzer, die, 1188, nach den Wirren in Palästina nach Europa kamen, abstammen.
Einer anderen Version zufolge sollen um 1150 81 Brüder des seit 1118 bestehenden Orden „Freres Rosecroix d’Orient“ bzw. „Ritter aus Palästina“ unter Leitung Garimont’s, Patriarch von Jerusalem, nach Schweden emigriert sein und sich dem Bischof von Uppsala als Hüter maurerischer Kenntnisse präsentiert haben. Auf diese soll dann die Freimaurerei zurückgegangen sein. Von Johannes dem Täufer, der seit 1136 als Schutzpatron der Steinmetzgilden von England gilt, leitet sich die „Johannis-Maurerei“ (nur 3 Grade) ab. [von Winckelstein]

Der Ursprung der „Asiatischen Brüder“ in der Neuzeit liegt wahrscheinlich um das Jahr 1780 herum, obgleich bis 1788 die Führerschaft des Orden nicht klar war; es wurde allerdings darüber spekuliert, dass Baron Ecker und Eckhofen einer davon war. Er residierte zunächst in Wien, zog aber nach Inkrafttreten des die Freimaurerei regulierenden Dekrets (s. Eine Zeit für Scharlatane) nach Schleswig; er war Schriftsteller wurde vom abergläubischen Volk jedoch für einen schrecklichen Cacomagus (Schwarzmagier) gehalten. (s. auch weiter unten)

Der Orden der Asiatischen Brüder verbreitete sich von Italien nach Russland. Seine Basis war das Rosenkreuzerische, die Sitzungen wurden Melchisedeck-Logen genannt und Juden, Türken, Perser und Armenier sollten als Mitglieder zugelassen werden. Die Meister wurden „die Verehrenden Häupter der Sieben Kirchen Asiens“ genannt.

Der volle Name des Ordens lautete „Orden der Ritter und Brüder vom Heiligen Johannes, dem Evangelisten von Asien und Europa“. Anhänger dieses Ordens waren anscheind auch von den Lehren des Rabbi Jacob Falk beeindruckt. Führende Illuminaten wie St. Martin, Swedenborg und Cagliostro waren Mitglieder der „Asisatischen Bruderschaft“.

Baal Shem von London

Bild: Wiki – Rabbi Dr Hayyim Samuel Jacob Falk (Hebrew: חיים שמואל יעקב פאלק‎‎; auch bekannt als Baal Shem von London und Doktor Falckon; 1708 – 17 April 1782) war Rabbi, praktischer Kabbalist und auch noch Alchemist und stammte eigentlich aus Fürth, von wo er wegen der Judenverfolgung fliehen musste.

Der berühmte Mystiker Emmanuel Swedenborg entdeckte sein Interesse an den Lehren des Dr. Samuel Jacob Falk, bekannt als “Baal Shem” von London, von dem gesagt wurde, dass er durch die angebliche oder angenommenen Beherrschung der magischen Namen Gottes mystische Kräfte ausüben könne.

Bild: Wiki – Jacob Emden

Ein gewisser Rabbi Jacob Emden klagte Falk einmal an, ein Sabbateaner zu sein, einer der Sabbatai Zevi (s. auch Geschichte ab 1600) unterstützt, da er Moses David von Podhayce, einen bekannten Sabbateaner mit Verbindungen zu Jonathan Eibeschutz (1690-1764), zu sich nach Hause eingeladen hatte.

Bild: Wiki – Jonathan Eybeschütz

Man kann die konservative jüdische Haltung des hamburgerischen Kabbalah-Gelehrten Emden (1697-1776) besser einschätzen, wenn man weiß, dass sich Rabbi Emden zwar gerne mit dem Erlernen anderer Sprachen wie Latein und Holländisch befasst hätte, dabei aber mit einem gewissen Handicap zu kämpfen hatte. Gemäß seiner Ansicht durfte er sich nämlich nur während der Dämmerung mit Dingen befassen, die nichts mit der Tora zu tun hatten. Denn es stand geschrieben: Mit der Tora beschäftige dich Tag und Nacht … Und Eybeschütz missfiel ihm sowieso schon lange.

Orakel und Eingeweihter

Falk war, nach Nesta Webster, ein Krypto-Shabbateaner, der mit einem Netzwerk von Frankisten (was in diesem Fall für ein Mischung aus Kabbala, anderen jüdischen Elementen stand aber auch christliche Zeremonien beinhaltete) in England, Holland, Polen und Deutschland zusammenarbeitete. Die Lehren des Ordens waren teilweise moralischer Art, d.h. er gab spirituelle Anweisungen, welche durch das Brechen der sieben Siegel erreicht wurde; andererseits ging es auch um die Einweihung in die Zubereitung wundersamer medizinische Präparate und die Erschaffung von Gold.

Die Namen der Grade kamen aus dem Hebräischen, doch im 3. Grad waren die Mitglieder wie Rosenkreuzer gekleidet.Die Ergebnisse der Forschungen der Meister wurden nicht kommuniziert, die Aspiranten mussten den Geheimnissen selbst auf die Spur kommen. Möglicherweise hatten die Meister aber auch gar kein Geheimnis zu kommunizieren, außer dem, dass es kein Geheimnis gab.

In Secret Societies and Subversive Movements, erklärt Webster “Falk war in der Tat weit mehr als ein Freimaurer, er war ein Höchstgrad-Eingeweihter – das höchst respektierte Orakel, das die geheimen Gesellschaften in Fragen der geistigen Führung konsultierten“. ”Savallete de Langes behauptet, “dass einige Leute ihn für das Oberhaupt aller Juden halten und dass politische Manöver sein Leben bestimmen würden“.

Engel über die mystische Schwärmerei in der Maurerei

Engel in ‚Geschichten des Illuminaten-Ordens‘[104] sieht eher auf die negative Seite der Mystiker und Schwärmer, die von den Freimaurerei angelockt wurden. In diesem Zusammenhang beschreibt er nebenbei, wie der Illuminaten-Orden versuchte, überhöhte Erwartungen der neuen Mitglieder zu dämpfen. Er schreibt:

Der durch die Zeitstimmung begünstigte Hang nach mystischer Schwärmerei, die Tätigkeit der Goldsuchenden und Geisterbeschwörenden neuen Rosenkreuzer, liess es nur zu begreiflich erscheinen, dass ein Cagliostro mit seiner neugebackenen egyptischen Maurerei, ein Schrepfer und St. Germain mit ihren Schwindeleien Erfolge haben konnten. Die metaphysischen Lehren des in seiner Person und Charakter zwar unanfechtbaren Swedenborg hatten viele Gemüter hochgradig erregt und auf das Übersinnliche hingeleitet, sodass eine Sehnsucht, die Geheimnisse des Lebens und des Jenseits zu ergründen, viele Männer ergriff, die in den geheimen Gesellschaften zu befriedigen von Vielen erhofft wurde. Jeder einigermassen Gebildete gehörte irgend einem Bunde an.

Die Freimaurerei als der älteste und bekannteste Geheimbund empfing infolge dieser Geistesströmung viele fragwürdige Elemente, die den eigentlichen Kern des Bundes nicht erfassten, sondern nur verwischten. Es kamen schädliche Prinzipien, ein Hochgradunwesen und selbst Schwindeleien in das Logenwesen jener Zeit, wodurch viele abgestossen, enttäuscht und geschädigt wurden. Diese Tatsachen sich zu Nutze zu machen, verstanden die damaligen Illuminaten und brachten deswegen bereits im Vorbereitungskursus dem zukünftigen Ordensmitgliede bei, dass die Freimaurerei allein kein günstiger Boden für ihn wäre. Während der Vorbereitung, die lediglich den Zweck hatte, den Candidaten nach Möglichkeit für den Orden einzunehmen, wurde er z. B. auf Folgendes hingewiesen.

„Wenn sich die besseren Menschen verbinden, der Corruption zu steuern, und die Hindernisse hinwegzuräumen, welche der Weisheit und Tugend im Wege stehen, so müssen diese Menschen nicht nur alle die Hindernisse kennen, sondern auch die kräftigsten Mittel haben, dieselben zu heben. Das findet man aber in solchen geheimen Verbindungen, und namentlich in der heutigen Freymaurerei nicht. — — —[Vergleiche: Der ächte Illuminat, oder die wahren, unverbesserten Rituale der Illuminaten. Edessa 1788.]

Nicht nur ist beinahe kein festes System in der Maurerei über die gemeinsten Wahrheiten, sondern von höheren Kenntnissen wird gar nichts gelehrt. Wie sollten auch so verschieden gestimmte und zu den gewöhnlichsten Kenntnissen nicht einmal [105] angeführte Leute in dem Besitze übernatürlicher Weisheit sein können. Ja die Geschichte der Freimaurerei und ihr eigentlicher Endzweck ist nicht einmal unter ihnen bekannt. Die heutige Freimaurerei bekümmert sich nicht um die Hindernisse, welche der Weisheit und Tugend entgegenstehen, also wird sie nie auf diese Art etwas für die Welt leisten.“ — — [Leopold Engel: Geschichte des Illuminaten-Ordens. Berlin: Hugo Bermühler Verlag, 1906, Seite 90.] [38]

Viele Unzufriedene , die in der Hoffnung kamen, endlich das zu finden, was sie suchten, konnten in den ersten Jahren für die Illuminati gewonnen werden.

Freiherr von Knigge

1780 wurde Freiher Adolf von Knigge, eben jener, den Sie vielleicht noch aufgrund seiner Benimmregeln kennen, Mitglied der Illuminati und brachte damit neuen Schwung in die Bude. Sein Hobby sollte es werden, die Illuminati in ein Hochgradfreimaurersystem umzugestalten.

Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge (* 16. Oktober 1752 in Bredenbeck bei Hannover; † 6. Mai 1796 in Bremen) war ein deutscher Schriftsteller und Aufklärer. [34] Und Freimaurer. 1771 wurde Knigge vom Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel zum Hofjunker und Assessor der Kriegs- und Domänenkammer zu Kassel ernannt. Dieses Amt bekleidete er nur kurz, weil er sich „durch amtliche und gesellige Misshelligkeiten unmöglich machte“.

Bild Wiki: Adolf, Freiherr v. Knigge, Freimaurer. Distanzierte sich später von dem Versuch, die Menschheit mittels geheimer Gesellschaften verbessern zu wollen. Knigge war 1778/79 allerdings ziemlich versessen darauf, hinter das Geheimnis der alchemistischen Kunst des Goldmachens zu kommen

Als 28jähriger junger Mann war Knigge im Juli 1780 von Constanzo geworben und in den Orden eingeführt worden. Ab 1780 lebte Knigge daher in Frankfurt am Main, um sich seinen schriftstellerischen Projekten und der Arbeit in verschiedenen Logen und Geheimbünden zu widmen.[37]

Aus Sicht der konservativen Freimaurer, von deren Vertretern wir inzwischen schon zur Genüge gehört haben, wurde die Entwicklung von Weishaupts Illuminati-Gruppe hin zu freimaurerischen Riten kritisch beäugt. Nicht zuletzt wahrscheinlich, weil die Freimaurerei von Beginn an, von einer Krise in die nächste taumelte und Konkurrenz und noch mehr Vielfalt nicht unbedingt mit offenen Armen in ihre Runde aufnahm.

Paradoxerweise war Weishaupt selbst über den Zulauf, den seine Organisation aufgrund der Umstrukturierung der Gruppe und die weiteren Anstrengungen Knigges erhielt, nicht uneingeschränkt glücklich. Doch das war nachdem er zunächst zusammen mit Knigge an einer entsprechenden Konstitution der Gruppe gebastelt hatte, welche ein freimaurerisches Gradsystem beinhaltete, wenn er neben seinen vielen anderen Aktivitäten noch Zeit dafür fand. Eine davon war das Verfassen von Texten gegen Jesuiten.

1781 – Intrigen an der Ingolstädter Universität

Im März 1781 veröffentlichte Freiher Adolf von Knigge (s.o.), wahrscheinlich mit dem Wohlwollen und der Unterstützung, wenn nicht im Auftrag Weishaupts drei Artikel über die Intrigen der Jesuiten. Diese wurden im Journal des respektierten Göttinger Professors August Ludwig Schlözer (1735-1809) in A.L. Schlözer’s Briefwechsel meist historischen und politischen Inhalts veröffentlicht. In einem der Artikel, Tentatives des ex-Jésuites pour rétablir en Bavière la barbarie et l’Ordre des Jésuites, wurde Karl Theodore von Bayern ermahnt, seine Augen nicht vor dem Treiben der Jesuiten zu verschließen, speziell an der Universität von Ingolstadt. Drei umfassende Dokumente wurden als Beweise beigelegt.

Der Titel eines anderen Schreibens lautete Ueber Jesuiten, Freymaurer und deutsche Rosencreutzer. Einer Beschwerde von vier Professoren der theologischen Fakultät der Universität Ingolstadt, welche zur Bekräftigung der Vorwürfe beigefügt waren, war zu entnehmen, dass z.B. Stattler, der nach dem Verbot des Jesuiten-Ordens 1773 hinausgeworfen gehört hätte, schon nach kurzer Zeit wieder die Zügel in der Hand hielt und dass die Jesuiten nun zusammen sieben Professorenposten an der Ingolstädter Fakultät innehatten, während es vor dem Verbot nur drei waren. Im nächsten Schreiben wurden die Auseinandersetzungen Weishaupts und seiner Kollegen mit Stattler beschrieben. Weitere Dokumente beinhalteten z.B. auch den Bericht von Louis-René de Caradeuc de La Chalotais’ an das Parlament in Rennes, welches der Katalysator für die 1764 erfolgte Ausweisung des Ordens aus Frankreich war. (Le Forestier, p. 222-3).

Für die Publikation von über Jesuiten, Freymaurer und deutsche Rosencreutzer verwendete Knigge das Pseudonym Joseph Aloys Maier, eines angeblichen Ex-Jesuiten, wahrscheinlich um seinen Anschuldigungen mehr Gewicht zu verleihen.  [51]

1781 – München

Mitte 1781, also nach mehr als fünfjährigem Bestehen der bayerischen Illuminaten, wurde nochmals klar festgelegt, welche Ziele der Orden zu verfolgen habe, wahrscheinlich auch um zunehmenden Resentiments in der Öffentlichkeit zu begegnen. In diesem anschließend zitierten Beschluss wird von „Vorschriften zur Beobachtung“ gesprochen. Dabei geht es um eine Besonderheit von Weishaupts System, das es in den Augen verschiedener Kritiker erst so gefährlich macht. Zunächst der Beschluss:

Gemeinschaftlicher Schluss des Areopagus [ein oberster Rat der Illuminaten] über den Zweck, die Mittel und Einrichtung der Gesellschaft.

Man ist mit Spartacus [Weishaupt] verstanden, dass Menschen Kenntniss eines der besten Mittel seye, um den vorgesetzten Hauptzweck zu erreichen, auch dass sich davon die Erhaltung einer geheimen Gesellschaft am sichersten versprechen lasse, dahero sollen dazu eigens einige Grade bestimmt bleiben, die jedoch von den gar zu übertriebenen Vorschriften zur Beobachtung gereinigt werden müssen, denn wir wollen die Karactere der Menschen, und nicht die Familien-Geheimnisse erfahren, indessen können die vorgeschlagenen neuen Tabellen und Anleitungen zu karakteristischen Schilderungen unter den Mitgliedern bekannt gemacht, und auf ihre Verfassung strenger gehalten werden. […]

Das Besondere an Weishaupts System war folgendes: Adepten des Ordens hatten die Auflage, eine Art Tagebuch zu führen, in welchem sie Beobachtungen über ihre Mitmenschen festhalten sollten. Die Berichte wurden in Form monatlicher Rapporte an die Oberen weitergeleitet. Wie man sich vorstellen kann, birgt so eine Praxis Risiken und Nachteile, welche der Aeropagus berichtigt sehen wollte. Im nächsten Abschnitt wird die Betonung auf die nicht-politische und nicht-religiöse Ausrichtung der Gruppe gelegt. Bestimmt erschien so eine Ansage opportun zu sein, angesichts der zunehmenden Tendenz zur Regulierung und dem Verbot der Freimaurerei, und der ohnehin feindseligen Haltung von Karl Theodor und anderen Fürsten gegenüber Weishaupt und seiner Vereinigung. Ganz klar versuchte man sich in dieser Schrift vom Vorwurf der Häresie und der Umsturzbestrebungen distanzieren, um den in anonymen Schriften geäußersten Denunzierungen von Illuminaten und Freimaurerei entgegenzutreten.

Es bleibt einer weiteren Überlegung und allgemeinem Schluss überlassen, ob in diesen grösseren Mysterien Unterricht und Bemerkungen von Religion und Staats-Verfassungen sollen gegeben werden. Soviel wird aber schon dermalen als ein immerwährendes Gesätze bestimmt, dass sich der Orden weder mit Religion, noch Staats-Sachen beschäftigt. Insofern der [111] Hauptzweck und die oben angezeigte Mittel von selbst einen Einfluss auf Aberglauben, Despotismus und Tyranney haben, gegen welche unser Jahrhundert bereits Riessen-Schritte gegangen ist, überlässt man dem Genius, und der Beschäftigung künftiger generationen.

Die öffentlichen Ausbrüche des Unglaubens sind eine Wirkung von Sitten-Verderbniss und eine Ursache derselben, wir müssen uns also diesen eben so wie den grausamen schwärmerischen, die Verfassung der Staaten, die Ruhe der Bürger und Fürsten zerstörenden Handlungen widersetzen. […]

Beschluss zur Umgestaltung der Gruppe in eine Loge

Im selben Schriftstück wird die Vereinigung mit der Maurerei festgehalten, nämlich

Dass der Illuminaten Orden sich mit dem Unionisten Maurer-System vereinige, und in jedem Lande eigene Logen darnach errichte, wird aus den beygebrachten verschiedenen Gutachten genehmigt.

Athen, d. 9. Thirmeh 1151.

1. Spartacus. 5. Hannibal. 9. Celsus.
2. Alcibiades. 6. Arrian. 10. Marius.
3. Solon. 7. Mahomed. 11. Scipio.
4. Tiberius. 8. Cato.

Um die Unterschriften zu verstehen muss darauf hingewiesen werden, dass nicht nur jeder Ordensangehörige einen besondern Ordensnamen erhielt, sondern auch die Länder und Städte. Ebenso besassen die Monate andere Namen. In unserm Manuskript hat Zwackh (s.u.) im Jahre 1786 die Namen und Titel der Betreffenden selbst angegeben, es bedeuten daher die Unterschriften übersetzt:

München, d. 9. Juli 1781.

1. Prof. Weishaupt.
2. von Hoheneiger, Fürstl. Hofrath zu Freysingen.
3. Priester Michel.
4. von Merz, dermalen Kais. Gesandschafts Secretair zu Kopenhagen.
5. Freyherr von Bassus.
6. Graf v. Koblenzl, Domprobst zu Eichstatt.
7. Freyherr v. Schreckenstein, Regierungs Rath zu Eichstatt.
8. Bayrischer Hofrath Zwackh.
9. Professor Bader in München.
10. Canonicus v. Hertel in München.
11. Revisions Rath von Berger in München.


Aus diesem Vertrag lässt sich leicht ersehen, wie mühsam die Entwicklung der Illuminaten und die Umwandlung einer bestehenden Vereinigung in ein Hochgradsystem war. Weishaupt war zu dieser Zeit wohl stets der Mittelpunkt, musste sich jedoch den allgemeinen Beschlüssen unterwerfen. Weishaupt war also keinesfalls Alleinherrscher mit willkürlichem Regimente, wie oftmals behauptet worden ist. Im Gegenteil, die Kontrolle wurde ihm nur wenige Jahre später sogar weitgehendst entzogen.

110[39]

Zwacks Dokumente

Bild: Wiki – Franz Xaver von Zwackh. Sein überlieferter Schriftwechsel während seiner Zeit bei den Illuminaten gehört zu den wichtigsten Zeitzeugnissen für die Tätigkeit Weishaupts und seiner Mit-Illuminaten.

Franz Xaver von Zwackh (auch Zwack) auf Holzhausen (1756-1843), einer der Unterzeichner des obigen Textes, war königlich-bayerischer Staatsrat und erster Regierungspräsident des bayerischen Rheinkreises in Speyer und Illuminat. Zwackh schreibt in seinen Manuskripten über den Freihern von Knigge, der eine wichtige Rolle bei Reorganisation der Gruppe und bei der Anwerbung neuer Adepten spielte:

Kaum hatte dieser neue Mitstifter den Plan, die vorhandenen Minerval und kleinen Illuminaten Grade, die Materialien [115] zu den künftigen und die unter den areopagiten geführten Correspondenzen eingesehen, als er darüber seine Bemerkungen und neue Vorschläge das ganze zu ordnen seinen übrigen Kollegen zusandte, welche damit so zufrieden gewesen, dass sie ihm und W. ganz allein die Verfassung der weiteren Grade überliessen, und sich nur ihre Erinnerungen vorbehielten, wenn wider Verhoffen darin etwas gegen den allgemeinen Zweck vorkommen sollte.

Knigge, wie schon erinnert worden, war ganz in allen Fächern der Massonerie bewandert, der Wilhelmsbader Kongress [s. Freimaurer-Konvente] war eben ausgeschrieben, wo er zu erscheinen und eine der ersten Rollen zu bestellen hatte; er wusste, dass sich Tempelritter und Klerici mit ihren Ordensbeförderungen und Geheimnissen nicht mehr begnügten, dass die reforme einen andern Zweck und Gestalt erhalten sollte, dass viele Maurer mit andern unbekannten Verbrüderungen, die Neugierde erwecken und Anhänger finden würden, und dass diese Gelegenheit wohl am besten zu benützen wäre, wenn er aus dem bisshero unbedeutenden Minerval Orden ein neues Maurerisches System herzustellen trachten würde.

Knigge war also, laut Zwacks Zeugnis, eine treibende Kraft hinter der Reorganisation der Illuminati hin zu einer Freimaurerloge, obgleich er später vorgeblich Abstand von der Gruppe nahm. Zwack resümiert:

Er brachte also diese Umschaffung des Ordens in Vorschlag und da die andern areopagiten sich wegen der daraus erscheinenden Vortheile leicht zu diesem Entschluss bereden liessen, so entwarf er mit W. den grösseren und den dirigirenden Illuminaten oder schottischen Rittergrad. Diesem letzteren gaben sie deswegen nun maurerische Zeremonien, um desto leichter damit Eingang zu finden. [41]

Ringen um Führung und Gestaltung der Illuminaten

Zwack, schreibt er selbst, hat keinen Einfluss auf die Gestaltung der Ordensregeln gehabt, aber er war Vertrauter Weishaupts.Über einen Briefwechsel mit Knigge schrieb Zwack an Weishaupt einen Brief, aus dem hervorgeht, dass sich alle Beteiligten über die Konsequenzen, die es mit sich brachte, wenn das Illuminaten-System in die Freimaurerei eingeführt würde, im Klaren waren.

Aus den Statuten der Illuminaten ging, wie weiter oben beschrieben hervor, dass jeder Adept erst einmal eine Anwärterschaftszeit zu leisten hatte, in welcher er die erwähnten Protokolle über seine Mitmenschen anlegen sollte. Diese Regel galt für Adlige und Gemeine gleichermaßen.

Welch Quell der Information für die unbekannten Oberen des Ordens. Und was könnten die „Oberen“ mit diesem Wissen, das sie aus vielerlei Quellen speisten, alles anfangen? Das jedenfalls waren die Spekulationen und nicht unberechtigte Befürchtung der Gegner der Illuminaten.

Philo (Knigge) schreibt mir auch unter andern:

Nun habe ich in Cassel den besten Mann gefunden, zu dem ich uns nicht genug Glück wünschen kann: es ist Mauvillon, Meister vom Stuhl einer von Royal York aus constituirten Loge. Also haben wir mit ihm auch gewiss die ganze Loge in unsern Händen. Er hat auch von dort aus alle ihre elenden Grade.  Spartacus.

Knigge scheint es, wollte mit typisch deutscher Gründlichkeit, Nägel mit Köpfen machen, und machte sich später den Vorschlag Bodes zu eigen, der die Nationaldirektion des Ordens forderte (und somit Weishaupt quasi entmachten würde), worüber es zu seinem Bruch mit Weishaupt kam. Weishaupts Führungsanspruch war seit den Auseinandersetzungen um die Einrichtung des’Areopags‘ 1779 noch nie so stark angegriffen worden. Klar ist, dass es nicht ganz so verläuft, wie Weishaupt sich das ursprünglich einmal vorgestellt hatte. Schüttlers Einschätzung nach war Weishaupts Konzept auf eine nur gar zu eifrige Mannschaft gestoßen.

Auch Stolberg-Rossla, Nationaloberer der Illuminaten, mit dem Bode Fühlung aufgenommen hatte, und der Gothaer Herzog Ernst unterstützten diesen Weg. Herzog Ernst betrachtete den Illuminatenorden, dem er 1783 beigetreten war, geradezu als Vehikel, die jedem Menschen angeborenen Freiheitsrechte nun in der Gesellschaft durchzusetzen. Weishaupts Konzept war auf eine Mannschaft gestoßen, die mit der Theorie Ernst machen und damit sogleich in der eigenen Verbindung anfangen wollte. [Schüttler, s. 12]

Knigge wollte ein formalistisches, aber auch demokratisches System einführen und überwarf sich deswegen mit Weishaupt, der Grade nach einer Notwendigkeit eingeführt haben wollte.

Ich will mein System auf die Natur der Menschen bauen. Lassen Sie mich also erst beobachten, was gut thut, was nicht, wo man zu helfen braucht, und wo sie von selbst thuen, was man haben will.“

Weishaupt sieht den Sinn und Zweck des Gradsystems eindeutig anders als von Knigge, wie aus folgendem Zitat von Engel hervorgeht.

Phantastische Grade entwerfen, ohne eine Spur der Notwendigkeit, dass durch diese der Zweck der Vereinigung [124] sicherer erreicht werde, dann die Mitglieder in die Äusserlichkeit dieser Form einpressen und einschnüren, ist leider ein vielfach noch jetzt angewandtes, unbrauchbares Rezept, dem auch Knigge huldigte. Letzterem war es ebenso wie vielen Areopagiten nur darum zu tun, viele Mitglieder zu haben, um dadurch [125] Eindruck zu erzielen, die geistige Qualität stand in zweiter Linie. Weishaupt hatte allerdings auch manche Missgriffe in der Wahl der Ordensangehörigen getan, war jedoch gewitzigt und vorsichtiger geworden, wollte daher frühere Fehler nicht wiederholen und predigte stets, diese zu vermeiden. Zum Beweise nachfolgende Stellen aus seinem Briefwechsel an Zwackh:

Philo[8] [Knigge] sagt freylich, dass er mir 500 Menschen geliefert: aber 1.) sind es nicht so viele, 2.) sind seine Provinzen in einer Verwirrung, dass ich mir nicht zu helfen weiss. Nachdem er sich mit allen Leuten abgeworfen, sein Credit und Vertrauen verlohren, so soll ich nun wieder so die Sache in Gang bringen. Philo ist gut zum Anwerben, aber er hat die Geduld nicht, um Leute zu erhalten, prüft sie nicht genau: daher muss ich von all den Leuten wohl die Hälfte laufen lassen, und zum grössten Unglücke sind die Obern sehr partheisch, ohne alle Menschenkenntniss gewählt: das allein macht mir Mühe und Denken. [40]

1783

1783 schrieb Adam Weishaupt folgende Zeilen an Zwack, in der er sich genötigt sah, auf die neutrale Position des Ordens in Religionsfragen und zu politischen Themen hinzuweisen, woraus sich schließen lässt, dass er seine Zweigstellen nicht wirklich im Griff hatte:

»Überhaupt werden wir die Versammlungen nachdrücklich auf eins der ersten Ordensgesetze verweisen, nämlich sich in Religion und Staaten-Verfassungen gar nicht einzumischen, wir wollen zwar hierin keinem seine Freiheit zu denken benehmen, aber die Nothwendigkeit zeigen, warum man darauf mit aller Schärfe bestehen muss, dass die Mitglieder unserer Verbindung von jeder und besonders derjenigen Religion, welche in ihrem Lande die herrschende ist, nur mit Ehrfurcht und von der Regierung, unter welcher sie stehen, mit der schuldigen Achtung reden sollen, und dass bey einer weiteren Anzeige derley unvernünftige Spötter und (unleserlich) als gefährliche und untaugliche Glieder von unserem Körper wieder abgesondert werden.« [58]

Nach Weishaupts Flucht 1785  über Regensburg in die dem Aufklärertum offene Residenzstadt Gotha im Jahre 1787, wo er eine ausgesprochen gut organisierte und kompetent geführte Logen- und Minervalkirchentätigkeit vorfand, wurde Weishaupt von den dortigen tonangebenden Illuminaten, Johann Joachim Christoph Bode {Aemilius} und Herzog Ernst {Timoleon}, nicht angeboten, den Vorsitz der Loge zu übernehmen. [Pawlowski, S. 26]

Bild: Wiki – Karl Theodor von der Pfalz in kurfürstlichem Ornat, Anna Dorothea Therbusch, 1763, heute Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
Der Kurfürst von Bayern und der Pfalz, Karl Theodor, auf dessen Veranlassung hin 1785 das Verbot der Illuminaten in Bayern erfolgt war, und das die versuchte Festnahme, Verfolgung und Flucht Weihaupts notwendig machte, hatte es jedenfalls auf Weishaupt abgesehen. Die Angelegenheit ließ Karl Theodor nicht ruhen und bei ausländischen Gesandtschaften gab es schon abfälliges Gerde darüber zu hören, dass dieser sich lieber auf wichtige Regierungsangelegenheiten konzentrieren sollte, als darauf, das Grüppchen Illuminati so gnadenlos zu verfolgen, wie er es tat. Die manische Verfolgung Weishaupts durch den Kurfürsten, lässt schon fast an eine persönliche Angelegenheit denken, denn er wird auch nach der Flucht Weishaupts nicht aufhören auf dessen Auslieferung zu drängen, egal, wo sich dieser auch aufhält.

 

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