Adam Weishaupt und die Illuminati (2)

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1786 – Propagandaschlacht in Bayern gegen die Illuminati

Freimaurer und Illuminaten zu Beginn der französischen Revolution

Zwar schossen die Gerüchte schnell ins Kraut, dass die Illuminaten die französische Revolution angezettelt hätten, und Schüttler tut zwischendirn sein Bestes, um einen Zusammenhang herzustellen. Dann wieder wiegelt er ab.

Für die Propaganda der Gegner der französischen Revolution, die wie Barruel, Robison und Starck selbst der Freimaurerei oder wie Grolmann und Hoffmann den Illuminaten angehört hatten, lag die Sache in ihrer vereinfachenden Sichtweise klar auf der Hand:
Bode hatte den Illuminatismus nach Paris exportiert, die solcherart ‚illuminierten‘ französischen Logen entzündeten dann im Juli 1789 die Revolution. Im Denken der Konterrevolutionäre ging die Gleichung Freimaurerei=Illuminatismus=Jakobinismus problemlos auf, bis hin zur der verstiegenen Behauptung, der Wilhelmsbader Konvent der Strikten Observanz habe bereits 1782 die Beseitigung der Monarchie in Frankreich und die Ermordung des Königs beschlossen. [Schüttler, S. 33]
Dass Illuminaten die französische Revolution hintertrieben hätten, ist nicht beweisbar und, nach Auswertung der Quellen, auch nicht übermäßig wahrscheinlich. Sehr wohl aber ist es zu einer gegenseitigen Befruchtung gekommen, denn wie Schüttler abschließend meint:
Der Konvent des Jahres 1787 und die Gründung der Illuminatenniederlassung in Paris waren dafür verantwortlich, daß sich mit den Amis Réunis eine der wichtigsten Pariser Logen den Ideen der rational begründeten radikalen Aufklärung zuwandten. Und solche Ideen waren es, die zum 14. Juli 1789 führten, und einige ihrer führenden Vertreter waren Freimaurer und Illuminaten.
Und gegen eine solche Annahme spricht zum einen die Tatsache, daß Bode in seinen Aufzeichnungen mit keinem Wort auf die politische Situation Frankreichs einging, zum andern, daß er nach den erhaltenen Quellen nach seiner Rückkehr den Illuminatenorden langsam einschlafen ließ und sich erneut der Reform der Freimaurerei zuwendete – hier aber nun mit deutlichen politischen Implikationen. [Schüttler S.33/34]

1788 – Bund der Deutschen Freimaurer

Bode betreibt die Reorganisation der deutschen Freimaurerei und der Illuminati weiter, jedoch sind Weishaupt und Knigge nicht mehr im inneren Kreis der Führungsmannschaft anzutreffen. Wie Schüttler bemerkt:

Sieht man auf die Zusammensetzung dieser Führungsmannschaft, so wird eine weitere Akzentverschiebung in der Entwicklung des Illuminatenordens deutlich. Keiner dieser Männer gehörte in den engeren Kreis Weishaupts und der ersten Mitglieder in Bayern, keiner von ihnen hatte jemals mit Knigge vertraulicher zusammengearbeitet, keiner gehörte bis zu diesem Zeitpunkt dem inneren Kreis des Ordens auch nach seiner Reorganisation durch Bode und Herzog Ernst an. Gleichwohl zeichnete alle diese Männer eines aus: sie genossen das volle Vertrauen von Reinhold, Hufeland, Helmolt und Bode, die die Fäden dieses neuen Bundes in Händen hatten. [Schüttler, S. 35]
Bodes Bund der Deutschen Freimaurer ging auf Konfrontationskurs mit den altehrwürdigen Logen, denn
Völlige Freiheit und Gleichheit sollte nun nicht nur zwischen den einzelnen Logen oder Systemen herrschen, sondern auch zwischen allen einzelnen Mitgliedern. Dies bedeutete die Einführung des demokratischen Prinzips in die Freimaurerei, verbunden mit allgemeinen, freien und geheimen Wahlen der Funktionäre und somit der radikalen Ablehnung jeglicher Autoritäten, die sich außer auf ihre bisherige Stellung innerhalb des Bundes auf keinerlei Legitimation stützen konnten. Damit waren die Führer aller Systeme direkt angegriffen, und Ferdinand von Braunschweig, der sich nach wie vor als ‚Großmeister aller vereinigten Logen Deutschlands‘ bezeichnete, reagierte als erster hoher freimaurerischer Funktionär sogleich mit einer harschen Ablehnung dieses Ansinnens. [Schüttler, S.36]
Bode starb im Dezember 1793.
Die Ereignisse zwischen 1793 und 1815, mehr als 20 Jahre Krieg in Europa, und der Beginn einer industriellen Revolution brachten eine neue Generation und ein gestärktes Bürgertum hervor, sodass die Freimaurerei in Folge an Bedeutung verlor. [45]

1790 Auszug aus ‚Phytagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungskunst‘ von Adam Weishaupt

weishaupt-phytagoras-einband

Bild: Bayerische Staatsbibliothek Digital – Mit dem Untertitel „… über die geheime Welt- und Regierungskunst“ schafft Weishaupt es, sich in die Top-Ten der Verschwörergeschichten, wenn nicht gar auf Platz Nr.1, der letzten zweihundert Jahre zu katapultieren.

1790 – Die Illuminaten sind schon seit ein paar Jahren verboten, einzelne Mitglieder waren verhaftet und Weishaupt ins Abseits gedrängt worden. Dieser nutzt die Zeit, um seine Gedanken zu ordnen und ein Resümee zu ziehen über dieses Experiment, seine Illuminati-Gruppe. Denn es war seine Initiative, sein Kind. Zum Zeitpunkt der Niederlegung seiner Gedanken in „Phytagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungs-Kunst …“ geht er kritisch mit sich zu Werk, erklärt zugleich aber auch sein Handeln und seine Entscheidungen in der Vergangenheit mit Blick auf eine (theoretische) Zukunft, in der seine Erkenntnisse der Menschheit einmal zum Wohl gereichen können.

Lachen Sie nicht, denn es ist wahr: Je mehr ich mich mit dem Menschen Adam Weishaupt zu beschäftigen begann, je mehr ich über seine Geschichte erfuhr  und je tiefer ich in seine Ideen und seine Gedankenwelt eindrang, desto sympathischer wurde mir der Mann. Ich begann so eine Art Seelenverwandtschaft zu empfinden, lernte die Schwächen seines Planes, die Intrigen in seinem Leben, Verfehlungen und Anfeindungen kennen, unter denen er sichtlich gelitten hat.

Sicher, seine Ansichten sind für damalige Zeiten revolutionär, aber was bedeutet das schon in einer Zeit, in der die Monarchen noch scheinbar fest im Sattel saßen, die Kirche ihre Wunden leckte, aber noch keineswegs machtlos war, und vor allem was heißt revolutionär eigentlich mit Blick auf die heutige Zeit, in der es zunehmend schwer fällt, einen freien und unbeschränkten Blick auf die wirklichen Werte zu erhalten? Was würde Weishaupt in unserer komplexen Welt aus seinen Ambitionen machen? Würde er die Aufgabe in Angriff nehmen oder würde er den Kopf einziehen und lieber Wirtschaftsrecht oder Jura lehren? Die erstaunlichste Schlussfolgerung, zu der ich nach und nach kam, war, dass Weishaupt´s Idee einen Kern enthält, der irgendwie selbst heute noch revolutionär wirkt.

Vom Inhalt

Lesen und staunen Sie, was der Häretiker, Teufelsanbeter, Blasphemist, Illuminist, Freimaurer, etc. und Professor für Recht, Adam Weishaupt, für verabscheuungswürdige Pläne hatte.

  1. Wenn die Glückseligkeit des Menschen großen Theils von der Mitwirkung seines Mitmenschen, von einem gewissen Grad der Geselligkeit und Liebe, von der engsten Vereinigung ihrer Kräfte(n) abhängt, so ist alles, was auf diese Vereinigungen einigen Bezug hat, was die Mittel und Hindernißße eines näheren Bundes unter Menschen, was die Mängel ihrer gegenwärtigen Verbindungen den Menschen anschaulich darstellt, von der größten Wichtigkeit und Wert. [Weishaupt steckt den Rahmen ab. Er wünscht: Glückseligkeit des Menschen. Rahmenbedingungen: Menschen hängen von anderen Menschen ab. Frage: Was sind Hindernisse? Forderung nach freier Untersuchung der besten Bedingungen.] Geheime Verbindungen sind unleugbar eine Art Menschenvereinigung; sie sind ein Versuch, ein Bestreben, das bisherige Band enger zu schließen, die Geselligkeit zu erhöhen und zu erweitern; sie sind die Folge eines Bedürfnisses,welches die älteren Verbindungen veranlassen. Wenn es auch ausgemacht sein sollte, dass die bürgerliche Gesellschaft die höchste menschliche Erfindung ist, so ist es nicht minder ausgeschlossen, daß diese bürgerliche Vereinigung einer noch weiteren Vervollkommnung fähig ist. […]

Die vollkommenste Regierung ist noch zur Stunde nichts weiter als ein Wunsch, und die Kunst, den Menschen den möglichsten Grad von Wohlstand und Glückseligkeit zu verschaffen, bleibt ein Problem, an dessen Auflösung schon Jahrtausende vergeblich gearbeitet haben.  […]

Die Vorstellungen der Menschen über geheime Gesellschaften sind noch zur Stunde sonderbar. […] Niemand will bedenken, und den Grund aller Gründe gelten lassen, daß diese Gesellschaften ein ganz neues Geschäft sind, wo erst jeder lernen muß, worin selbst der erste Staatskluge ein Anfänger ist. […]

Adam Weishaupt – das Opfer von Verschwörungstheorien?

[Weishaupt weist auf die Absurdität so mancher Verschwörungstheorie der damaligen Zeit hin, welche die Illuminati zum Thema hat.]

[…] Man steht sogar in dem Wahn, man brauche nichts weiter, als was immer für einen Einfall aushecken, das nächste beste leidenschaftliche Komplot zu entwerfen, dies anderen mitzuteilen, sich sodann nach allen Richtungen auszubreiten -; so sei nichts leichter, als jede Absicht geltend zu machen, Thronen nach Gefallen zu erschüttern, und den Erdboden unter seine Anhänger zu verteilen.

Man glaubt, wäre einmal eine Anzahl Menschen zusammengerafft, so brauche man diesen nichts weiter als zu befehlen, um sie zu jeder Absicht mit Kopf und mit Händen nach Willkür zu benutzen. Man bedenkt nicht, dass unter jedem dieser Haufen Menschen sind, welche selbst denken, daß denkende Menschen keine Maschinen sind, welche jede Impulsion in Bewegung setzt, und jede Vorspiegelung täuscht. […]

Was ist größer als die Kunst, Selbstdenkende Menschen aus allen Weltteilen, von allen Ständen und Religionen, unbeschadet iher Denkfreiheit, trotz aler so verschiedenen Meinungen und Leidenschaften durch ein gegebenes höheres Interesse, in ein einziges Band dauerhaft zu vereinigen; sie dafür glühend und auf den Grad empfänglich zu machen, daß´sie in der größten Entfernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als Gleiche, daß viele wie ein einziger handeln und begehren, und aus eigenem Antrieb, aus wahrer Überzeugung von selbst tun, was kein öffentlicher Zwang, seit Welt und Menschen sind, bewirken konnte? –

Die höchste Vollkommenheit der Regierungskunst

Die Gesellschaft, die dies leistet und diese ganz allein ist das Meisterstück der menschlichen Vernunft. In ihr und durch sie hat die Regierungskunst ihre höchste Vollkommenheit erreicht; sie ist das Ideal, nach welchem der Wert oder Unwert unserer gegenwärtigen politischen Verfassung zuverlässig beurteilt werden kann; sie ist das Ideal, welches zu erreichen die Menschen seit Jahrtausenden geschäftig sind, ohne es zu wissen. Dies ist´s, was jeder will, worauf alle Revolutionen abzwecken. Dahin führen alle bisherigen Versuche und Umwege, durch häufigere  mehr geläuterte Erfahrungen. Diese große, Menschen beglückende Aufgabe hat noch keine Politik ausgelöst; die Trägheit und Bequemlichkeit der Menschen hat sich sogar die Mühe erspart, sie aufzulösen, indem sie diesen Gedanken  als einen utopischen Einfall verlacht.  […]

Zerstörtes Vertrauen

Nicht mich allein hat dieses Unheil getroffen. – Mehr als zweitausend edle Männer waren mit in dieser Sache verwickelt [den Illuminati-Orden]. Diesen will man beweisen, daß ich sie hintergangen habe, indessen man von einer anderen Seite her nichts unterläßt, sie eben so verdächtig zu machen. Die Ehre dieser Männer leidet durch mich; es ist Pflicht, daß ich sie vertrete, so gut ich es vermag. –

Noch mehr, das Vertrauen auf gute Menschen, auf gemeinnützige Anstalten, ist durch diesen Weg geschwächt worden, gute Menschen sind mutlos geworden, und verzweifeln aller möglichen Vervollkommnung der Menschen, an der Aufnahme und größeren Verbreitung der Sittlichkeit und Tugend; der schädlichste Unglaube greift triumphierend um sich; alles Gute ist verdächtig geworden, der Eigennutz nimmt über Hand, und der Gemeinnutz verliert sich. […]

Wir haben hinreichend Interesse gut zu handeln, aber es fehlt an Interesse, Gutes aus den besten Absichten zu tun.

[…] ich hoffe, indem ich vor zukünftigen Betrug und Mißbrauch sichere, indem ich die Quellen unseres heutigen Betragens erforschen, indem ich zeige, daß dies alles eine Folge der Umstände ist, in den wir leben; daß sich diese Umstände ändern werden, daß es nur von uns abhängt, den Grund dazu zu legen, um die Hindernisse zu entfernen;

Innere und Äußere Politik

[Weishaupt unterteilt sein Werk in zwei Teile:]

In dem ersten untersuche ich die innere Einrichtung dieser Gesellschaften, ohne Beziehung auf irgend eine andere öffentliche oder geheime Verbindung. Diese nenne ich innere Politik.

Im dem zweiten, welchen ich später behandeln werde,  betrachte ich die Verhältnisse, in welchen jede geheime Verbindung mit einzelnen Menschen sowohl, als anderen, geheimen und öffentlichen Verbindungen steht. Ich untersuche das Betragen, welches diese Verhältnisse notwendig machen. Daraus entsteht, was ich äußere Klugheit nenne.

[Beim Weiterlesen fällt ein weiteres Puzzleteil in meinem Kopf an seinen Platz und mir wird klar, was mit einigen Aussagen aus Weishaupts Buch passiert sein muss. Weishaupt analysiert in diesem ersten Teil, wie eine geheime Gesellschaft beschaffen sein müsste (!), wenn sie funktionieren soll.

Geheimhaltung funktioniert in einer beliebigen und typischen Anzahl der bürgerlichen Gesellschaft entstammenden Individuuen eher nicht. Daher kommt Weishaupt zu dem Schluss, dass die einzige Möglichkeit, wie eine geheime Gesellschaft wirklich funktionieren kann, die Beschränkung des innersten Kreises auf einige wenige, dafür aber um so einflussreichere Mitglieder zu beschränken ist, jeder von ihnen mit einer Anhängerschar, wie im weiteren Text deutlich wird]

Nur der Fall wäre möglich, daß einige sehr wenige das große Geheimnis verstünden, viele zu vereinigen, in einem Körper zusammen zu halten, ohne daß diese es wüßten, daß sie in einer Vereinigung leben. Dies kann durch niemand geschehen, als durch einige sehr kluge Personen, deren jeder einen großen Anhang hat. Diese müßten sich bereden, jeder mit den Seinigen auf einen gemeinschaftlichen Zweck  zu arbeiten, die Kräfte ihrer Anhänger unbemerkt dahin zu leiten.

Von „Bösewichtern“ und Geheimhaltung

Auf diese Art würden viele in Verbindung stehen, weil nur einige, die Häupter, dieser Parthenen, untereinander verbunden sind.  Man träumt etwas ähnliches in unseren Tagen; man vermutet, daß alle geheimen Gesellschaften, durch eine dritte zusammenhängen, welche im Verborgenen allen übrigen die ihren Pänen notwendige Richtung gibt.  Mir will dieser Gedanke nicht einleuchten, weil er 1) zu fein, weil er 2) leichter gedacht als zur Auführung gebracht wird.

[Weishaupt vertritt den Standpunkt, dass nur eine moralisch hochstehende Gruppe in der Lage ist, eine solche geheime Organisation über einen längeren Zeitraum zu führen, denn:]

Was unter besten Menschen kaum möglich ist, kann noch weniger unter Bösewichtern zu Stande kommen.

Anleitung zur Verschwörung

Sicherlich werde ich mich weiter mit Weishaupt und seinen Ansichten beschäftigen, doch für´s Erste mag dieser Eindruck genügen, um folgenden Punkt klarzustellen, ohne noch weitere Text in mühsamen Altdeutsch zu zitieren. Denn ich wusste nun, wie es passieren konnte, dass Weishaupt auch zweihundert Jahre nach seinem Tod noch als Initiator einer weltumspannenden Intrige, die natürlich in den Inbegriff des Bösen darstellte, werden konnte.

Als äußere Faktoren sind vor allem anzuführen:

Ein reaktionäres Umfeld, Verleumdung, die nicht zu bestreitende Existenz einer Geheimgesellschaft, Desinformation und Weishaupt´s Buch „über die Kunst …“, in dem er auf einer theoretischen Grundlage, die Fehler analysiert, die zu einem Scheitern seines Illuminati-Experimentes geführt hatten.

Ziemlich zu Beginn schrieb ich unter der Überschrift:

Die Geschichte beginnt mit einem Blitzschlag

Z.B. die Geschichte mit dem Boten des Illuminaten-Führeres Adam Weishaupt, welcher 1785 mit einer Botschaft unterwegs von Frankfurt nach Paris auf seinem Pferde vom Blitz getroffen wurde. Infogedessen fand man verschwörerisches Material, mit Anweisungen die Kirche und die Regierung zu stürzen. Das Material sei an die bayerischen Behörden übergeben worden, woraufhin die Illuminati verboten wurden. Von da an sollen sie im Geheimen weitergearbeitet haben, die Regierungen weltweit unterwandert, und bis heute einem geheimen Plan folgend die Weltherrschaft anstreben. Alternativ soll Rothschild Weishaupt überhaupt erst den Auftrag gegeben haben, den Plan zur Beherrschung der Welt auszuarbeiten.

Der wahre Kern

Was bleibt nun also übrig von der Geschichte? Gibt es einen wahren Kern? Ja sicher doch. Lassen Sie uns einmal aufzählen, welche Elemente dieser Geschichte auf einem wahren Kern beruhen.

  • 1785 wurde ein Kurier Weishaupts von einem Blitz getroffen – stimmt so nicht. Was aber wohl stimmt ist, dass ein Vertrauter Weishaupts bei einem Spaziergang vor den Toren Regensburgs von einem Blitz getroffen worden sein soll.
  • Die Behörden fanden Hinweise auf die Mitgliedschaft in einer geheimen Gesellschaft – das ist richtig. Es ging um Papiere des Illuminaten-Orden, welche später von der bayerischen Regierung veröffentlich wurden.
  • Die Illuminati wurden verboten – stimmt.
  • Die Illuminati waren eine Geheimgesellschaft – stimmt.
  • Die Illuminati hatten einen höheren Plan – stimmt.
  • Die Illuminati haben im Geheimen weitergearbeitet – unwahrscheinlich.
  • Sie sollen die Weltherrschaft anstreben oder angestrebt haben – stimmt nicht, jedenfalls nicht nach heutiger Auslegung der Causa, es gibt noch andere Interpretationen.

Der Auftrag für den perfiden Plan soll von Rothschild bezahlt und in Auftrag gegeben worden sein – darüber konnte ich keine belastbaren Informationen finden und halte diese Aussage momentan für ein absolutes Gerücht. Der Grund dafür ist, dass die Firma Rothschild auch mal klein angefangen hat. Um 1773 herum, wenn man eine vernünftige Vorlaufzeit für die Erarbeitung des teuflischen Plans annimmt, hatte sich Mayer Amschel Rothschild gerade erst am Hof von William etabliert. 1769 ist M. A. Rothschild „Hoflieferant Seiner Erlauchten Hoheit, Erbprinz Wilhelm von Hessen, Graf von Hanau“ geworden.

Keine Verbindung zu Rothschild

Weishaupt wird erst 1772, im Alter von 24 Jahren, Professor des Rechts an der Universität Ingolstadt. 1773, nachdem die Jesuiten verboten worden waren, wird er auch Professor für kanonisches Recht. Rothschild, der Kaufmann und Hofjude in Frankfurt und Weishaupt der Professor in Ingolstadt haben zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine Schnittstellen. Rothschild als traditionell auftretender Jude war zu dieser Zeit trotz eines wachsenden Wohlstands kein Kandidat für eine der angesehenen Logen und nirgends wird etwas derartiges verzeichnet. Zu dieser Zeit lebten die Juden in Frankfurt eingepfercht in einem Ghetto, das nachts geschlossen wurde. Auch an christlichen Feiertagen durften sie das Ghetto nicht verlassen.

Bis zur Französischen Revolution 1789 durften Juden die Stadt Frankfurt nur zu geschäftlichen Zwecken betreten und auch dann nie mehr als zwei nebeneinander. Sie durften keine Schenken oder Kaffeehäuser besuchen, keine der Frankfurter Parks betreten oder auf den Promenaden spazieren gehen. Ihnen war es auch untersagt, christliche Bedienstete einzustellen.[5] Die Sprache im Ghetto war nicht Jiddisch, sondern Judendeutsch, eine Mischung aus Hebräisch und Frankfurter Dialekt, das viele der Ghettobewohner in hebräischen Buchstaben von rechts nach links schrieben. Es war ihnen verboten, bestimmte Berufe auszuüben, sie durften den Markt erst kurz vor der Schließung besuchen, die Waren aber nicht berühren, usw.

Es gibt immer eine neue Verschwörung zu entdecken

Natürlich ist damit noch lange nicht jede Verschwörung aus der Welt geschafft, denn es könnte sich genau andersherum abgespielt haben. Als Weishaupt 1790 sein Buch veröffentlichte, dauert es mit Bestimmtheit noch einige Jahre bis dessen Inhalt die Runde gemacht hatte und interessierten Kreisen zugänglich geworden war. Aber dann – hat dann vielleicht jemand die in Weishaupts Buch theoretisch dargestellten Möglichkeiten und Kritikpunkte aufgenommen, diese als Anleitung verwendet, selbst mit dieser Idee herumgespielt und sich beispielsweise die geheimnisvollen und verrufenen Protokolle der Weisen von Zion aus den Fingern gesogen? Vorzugsweise jemand mit richtig viel Geld, wie eben jemand aus der Rothschild-Familie?

Nichts davon ist zu beweisen, aber ebenso wenig ist es bei sachlicher Betrachtung des Archivmaterials möglich, Weishaupt böswillige oder unlautere Absichten zu unterstellen.

Weishaupt´s Sittenregiment wurde zur ultimativen Verschwörung

Vielmehr scheinen seine theoretischen Überlegungen aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden sein. Ein nicht unerheblicher Anteil der Illuminati-Verschwörungsanhänger-Literatur wurde im Ausland publiziert. Vielleicht gingen bei der Übersetzung Weishaupts aus der altdeutschen Schrift und Wortwahl ins Englische auch einige Feinheiten der Sprache verloren? Wie auch immer. EZW-Berlin kommt zu folgendem Fazit:

Illuminaten-Gründer Weishaupt schwärmte zeitlebens von einem „Sittenregiment“, also von der sittlichen Erziehung seiner Auserwählten und dann der ganzen Menschheit. Das indes bedeutet: Der Kirchenrechtler und Aufklärer strebte keineswegs harte politische Reformen an, sondern allein „die Moral“ (ein von den Illuminaten initiierter moralischer Erziehungsprozess) sollte den gewünschten Wandel herbeiführen und den „durch weltlichen und geistlichen Despotismus depravierten Naturzustand von Freiheit und Gleichheit in der menschlichen Gesellschaft wieder herstellen“ – was „viel illusionärer ist als die Marx’sche Vision“, kommentiert W. Daniel Wilson.14 Das abstrakt-utopische Ziel der Illuminaten war nicht die Revolution, sondern die Perfektion des bestehenden Systems. Weishaupt träumte von einer sittlich, philosophisch und moralisch ausgebildeten, in strenger Disziplin erzogenen Elite, die zum Besten der Menschen eine legitime Herrschaft ausüben sollte.15

Weishaupt muss als entlastet gelten, wenn es um den Urheber einer perfiden Weltverschwörung geht, die letztendliche Aufarbeitung seiner Schriften muss an anderer Stelle erfolgen.

Doch wie sieht es nun mit der Theorie aus, Freimaurer hätten die französische Revolution angezettelt. Auch hier scheint wieder ein klar Fall von Ja und Nein vorzuliegen, wie im nächsten Teil dargestellt wird.

Zurück    Zum Hauptteil    Weiter … in Arbeit, allerdings etwas halbherzig. Deswegen ein vorläufiges Resümee.

Das von Weishaupt adaptierte Freimaurertum hatte sicherlich ein progressives Element. Indirekt gilt das auch für einige andere Gesellschaften, welche im 18. und 19. Jahrhundert gegründet wurden. Allerdings halte ich die Aussage, dass Illuminati oder Freimaurer die Weltherrschaft anstreben, für eine glatte Verdrehung der Tatsachen.

Was ich aber nicht ausschließe ist, dass Ende des 19. Jahrhunderts Gesellschaften gegründet wurden, welche sich die Struktur von Freimaurerzellen bedienten, und die tatsächlich politische Ziele hatten. Und das führt zu Cecil Rhodes, dem Royal Institute of International Affairs (RIIA) und dem CFR. Über diesen Komplex wird in

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges

und anderen Artikeln berichtet. Die moderne Geheimgesellschaft tagt in Hotels und gibt öffentliche Statements. Wie z.B. die Bilderberger-Gruppe, welche Bundeskanzler auszuwählen scheint, und hin und wieder den Ölpreis und andere Entwicklungen beeinflusst. Siehe hierzu auch

Die Fälschung der Welt oder – Der Tag an dem unser Bewusstsein entführt wurde

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