Die East India Company und das Empire

Die East India Company und der Opiumhandel

Wie die ersten Börsen entstanden

In London wurde im Jahr 1599 die East India Company gegründet; in Amsterdam 1602 die Ostindische Kompanie. Beide wollten am lukrativen Gewürzhandel mitverdienen. Die Ostindische Kompanie bestand aus Kapitalgebern, die den “Mitreedern” (um der Gesellschaft anzugehören, musste man Eigentumsanteile an einem Schiff nachweisen) Geld für ihre Geschäfte überließen, die Gewinne sollten geteilt werden.

Damit war sie ein Vorläufer der heutigen Kommanditgesellschaft. Es gelang ihr, die Portugiesen von den Molukken zu vertreiben und den Nelkenhandel zu übernehmen. Am 31. Dezember 1600 erhielt die Gesellschaft die alleinigen Privilegien für den Handel mit Ostindien.

Die Company war sehr erfolgreich (1610 schüttete sie 75 Prozent Dividende aus), und so wurde 1621 ihre Schwester, die West India Company für den Handel mit der Karibik und der Neuen Welt gegründet – sie machte ihre Gewinne mit Gold und Sklaven.

Auch Schweden, Frankreich und andere Länder gründeten eigene Handelskompanien. Für den Handel mit Anteilen an diesen Gesellschaften entstanden 1531 in Antwerpen, 1611/12 in Amsterdam und 1698 in London die ersten Börsen. [1]

Am 27. Juli 1694 wurde die „Bank of England“ gegründet. Bald darauf musste eine Einkommenssteuer eingeführt werden. London entwickelte sich zum bedeutendsten Finanzplatz in Europa und beendete damit die Vorrangstellung der Amsterdamer Börse.

Die britische East India Company

Bild Wiki: Seeschlacht während des zweiten Niederländisch-britischen Krieges 1667.

1670 wurde die East India Company mit dem Kriegs- und Gerichtsrecht ausgestattet; Ende des 17. Jahrhunderts liefen bereits 13 Prozent der englischen Importe über die Firma. 1765 wurde sie zur Territorialmacht, als der Nawab von Bengalen ihr die Verwaltung Bengalens antrug.

Indische Waren, Porzellan, Seide, Gewürze und Tee aus Kanton wurden nach Europa und sogar bis nach Amerika verbracht.[2] Chinesische Kulis haben viele tausend Kilometer Eisenbahngleise (bei düftigem Lohn und harten Arbeitsbedingungen) in den Vereinigten Staaten verlegt. Auch sie waren einmal exportiert worden.

Das Geschäft mit den Sklaven

Seit John Hawkins 1562 Sklaven von Westafrika in die Karibik verschleppt hatte, mischte England auch im atlantischen Dreieckshandel mit. Sklaven, Gewürze, Baumwolle, Tabak und Rum waren die Handelswaren, die geschäftstüchtige Reeder zwischen Europa, Afrika und den USA hin- und hertransportierten.

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Bild Wiki: Sklavenjäger in Aktion

Gesellschaften wie die vom Haus Stuart und Londoner „Geschäftsleuten“ gegründete Royal African Company, die ein Monopol für den Handel mit West-Afrika besaß und allein zwischen 1672 und 1689 zwischen 90.000 und 100.000 Sklaven transportiert haben soll, verdienten Vermögen.[3]

Geschäftsleute der ganzen „zivilisierten“ Welt beteiligten sich am einträglichen Handel. Sogar Schweizer wie der Neuenburger David de Pury. In den 1730ern ging er nach London, wo er im Sklavenhandel tätig war. 1736 läßt er sich in Lissabon nieder und betreibt Geschäfte mit Brasilholz und Diamanten aus Brasilien, und betätigt sich als Kaufmann und Banker für das portugiesische Königshaus.

Zudem war de Pury Aktionär der 1759 gegründeten Frachtgesellschaft „Pernambuco e Paraiba“. Diese beteiligte sich am Handel mit schwarzen Sklaven aus den Küstengebieten Angolas in die Plantagen Brasiliens. Allein zwischen 1761 und 1786 deportierte sie mehr als 42’000 gefangene Afrikaner aus Luanda und Benguela. David de Pury wurde vom preussischen König in den Adelsstand erhoben […] [4]
Auf dem Weg von England nach Afrika wurden Stoffe und Textilien transportiert, die in Afrika gewinnbringend losgeschlagen werden konnten, dort nahm man so viele Sklaven wie möglich auf, als eine Art Härtetest, bei dem Hunderttausende umkamen. In der Neuen Welt übergab man die überlebende Fracht den Maklern, die sie auf Sklavenmärkten versteigerten. In der Zwischenzeit wurde erst einmal das Schiff gesäubert, und war dann bereit Tabak, Baumwolle oder Rum zu laden. „Keine Leerfahrten!“ war das höchst einträgliche Geschäftsprinzip. Für die Banken zählte am Schluss sowieso nur der finanzielle Profit bei der Sache.

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Bild Wiki: Im Kongogebiet – Sklavenschiffe gab es noch im Jahr 1900.

Die Sklaverei war nichts Neues, noch im 18. Jahrhundert waren ungefähr ein Viertel aller Menschen Leigeigene oder Sklaven. In Afrika waren Sklavenjagden durch Araber schon lange an der Tagesordnung, afrikanische Stammesführer nutzten die Gelegenheit um Kriegsgefangene oder missliebige Kontrahenten an die Sklavenhändler loszuwerden.

Die Britische Ostindien-Kompanie – eine mächtige Privatarmee

Die Briten weiteten ihre Territorialmacht in Indien, Ägypten, Afrika, und anderswo immer weiter aus und machten daraus das „britische Empire“. Die Britische-Ostindien-Kompanie spielte eine wichtige Rolle dabei.

Ein entscheidender Sieg durch Sir Robert Clive, 1. Baron Clive in der Schlacht bei Plassey 1757 ließ die Britische Ostindien-Kompanie auch zu einem militärischen Machtfaktor werden. Bis zum Jahr 1760 konnten die Franzosen weitgehend aus Indien vertrieben werden. Nur an der Küste verblieben einige französische Handelsniederlassungen, so auch Pondicherry. [4]

1742 stimmte die britische Regierung der Ausweitung des Handelsmonopols der Ostindien-Gesellschaft zu und erhält dafür im Gegenzug einen Kredit von 1 Millionen Pfund.

1750 hatte die BIEC etwa 100.000 Soldaten unter Waffen, und verwaltete Ostindien.

Bild Wiki: Robert Clive – starb 1774 an Suizid und (ausgerechnet) Opiummissbrauch.

1756 -1763 schlägt die Ostindien-Kompanie unter dem Kommando von Robert Clive, Generalgouverneur von Indien den indischen Herrscher Nawal von Bengalen und französische Truppen, was zum Vertrag von Paris (1763) führte, in welchem die Franzosen, mit Ausnahme einiger Enklaven an der Küste, aus Indien verdrängt werden. Die französischen Ambitionen auf indisches Gebiet waren damit faktisch begraben. [5]

Die Company übernimmt das Besteuerungssystem in Bengalen, doch es wird weniger regiert denn ausgeplündert. 1770 kommt es in dem ursprünglich reichen Landesteil zu einer Hungersnot.

Über Opiumhandel, Tabakanbau und Sklaven zum britischen Empire

1783 – Lord Shelbourne erkannte als erster die gewinnbringenden Möglichkeiten des Opiumhandels. Gemeinsam mit schottischen Händlern der East India Company und Mitgliedern des Hauses Windsor begann er einen Opiumschmugglerring aufzubauen.

Indien kommt nicht mehr zur Ruhe. 1813 folgte die britische Eroberung von Delhi. Während der Marathenkriege 1817/18 behielt die BEIC die Oberhand und errang dadurch die Oberhoheit über Teile von Süd- und Zentralindien, weitere Eroberungen folgten bis 1856.

Indiens Mogulreiche waren schon vor der Ankunft der Europäer am Zerfallen, marodierende Banden, die systematische Schutzgelderpressungen betrieben, machten das Land unsicher. Die East India Company übernahm mit ihren Territorien auch diese Landplage.

1820 verabschiedete das britische Parlament eine folgenschwere Grundsatzerklärung. Eine Gruppe mächtiger Finanziers und Seehändler unter der Führung von Alexander Baring legte dem britischen Parlament eine neue Wirtschaftsdoktrin vor. Sie hieß „Freihandel“. [Bis 1810 war das Bankhaus Baring unbestritten das erste Haus in ganz Europa.[5]]

Zur gleichen Zeit zwischen Indien und China …

[…] verstärkte die britische East India Company den Export bengalischen Opiums nach China systematisch. Allein zwischen 1821 und 1837 verfünffachte sich die umgeschlagene Menge. [5]

Der „Freihandel“

Die ursprüngliche Idee stammte von Adam Smith, der gut 50 Jahre zuvor den „absolut freien Handel“ und die Unterwerfung der Gesellschaft unter den Automatismus der Marktmechanismen gefordert hatte, der allerdings in seinem Werk An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations harsche Kritik an den übermächtigen Korporationen übt.

Bild Wiki: Adam Smith – bezweifelte den volkswirtschaftlichen Nutzen der Sklaverei

Ein besonders drastisches Beispiel der angestrebten Freiheit ist im „Freihandel“ von Opium durch britische Geschäftsbanken nach 1840 zu sehen – beim Dreiecksgeschäft zwischen China, Indien und der Türkei fielen gigantische Gewinne ab. Das britische Außenministerium stellte sich auf die Seite der Finanzinteressen und zwang China in mehreren Kriegen seine Häfen für den Freihandel, also das Opiumgeschäft zu öffen. [Engdahl]

1839 – Der chinesische Kaiser Daoguang reagiert bestürzt über den Abfluss von Silber, das im Tausch für das – in Indien durch die Ost-Indien Company produzierte und auf Auktionen versteigerte – Opium das Land in den Taschen der Opiumhändler verlässt. Den Vorschlag, Opium zu legalisieren und zu besteuern, lehnt der Kaiser ab und konfisziert stattdessen 20.000 Kisten Opium (mehr als 1.200 Tonnen) im Hafen. Mit der sogenannten „Kanonenboot-Diplomatie“ sorgte London alsdann für „freien“ Handel, was 1842 zum Abkommen von Nanking führte. Und den Briten Hong Kong bescherte.

Bild Wiki: Sir Robert Peel – Vorkämpfer des Freihandels

1846 gelang es dieser Gruppe unter Führung von Sir Robert Peel, mit Hilfe ihrer Freihandelsgrundsätze die berühmten „Corn Laws“ in England zu kippen. Die Korngesetze waren ungefähr 100 Jahre zuvor in der ausdrücklichen Absicht geschaffen worden, die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Nahrung sicherzustellen. Insbesondere sollte die heimische Landwirtschaft vor ausländischer Konkurrenz und das Land vor Erpressungen durch die „Nahrungsmittelwaffe“ anderer Mächte schützen. [Engdahl]

Billige landwirtschaftliche Importe begannen in der Folge England zu überfluten, was zwar anfänglich ganz gut für die Engländer war, mit denen die Iren aber nicht mithalten konnten. Als dann ein Kartoffelpilz die Kartoffelernte über mehrere Jahre lang vernichtete, hatte das verheerende Folgen für Irland.

Der Sepoy-Aufstand 1856

1856 kommt es zu einem Aufstand der britischen Hilfstruppen, dem sogenannten „Sepoy-Aufstand“, der jedoch mißlingt. Die Britische Ostindien Kompanie schlägt mit Hilfe frischer Truppen die im ganzen Land aufflammenden Rebellionen brutal nieder. Ironischerweise waren nicht etwa die schlechten Löhne und Bedingungen der Sepoys der Grund für den Aufstand, sondern die völlige Unwissenheit der britischen Besatzer bezüglich der indischen Kultur und Religion(en) sowie die Angst der Inder, ihre Religion abgeben zu müssen.

Bild Wiki: Der Sepoy-Aufstand 1856 war der erste Aufstand gegen die Ostindien-Kompanie

Als ein neues Gewehr bei der Sepoy-Truppe eingeführt wurde, gehörte zur Bedienprozedur auch das Abbeissen, bzw. Aufreissen (mit den Zähnen) einer Papierkapsel. Diese Kapseln waren zu dieser Zeit mit einer Mischung aus Schweinefett und Kuhfett präpariert worden, ein Umstand, welcher den Truppen bald bekannt wurde. Da die Schutztruppe der Ostindien-Kompanie sowohl aus Hindus wie aus Moslems bestand, war die Prozedur für keine der beiden Religionsgruppen tragbar, was letztendlich zu einem ersten Aufstand Indiens führt, der sich auf das gesamte Land auszudehnen begann.

Das Aus für die Ostindien-Kompanie

Mit dem  Government of India Act 1858, den das britische Parlament am 2. August 1858 unter dem Einfluss Palmerstons verabschiedete übernahm daraufhin Königin Victoria Vermögen, Territorien, Besitzungen der East India Company. Einfach alles. Das Gesetz legte fest

  • die Übernahme aller Territorien in Indien von der Ostindien-Kompanie, die zugleich die ihr bisher übertragenen Macht- und Kontrollbefugnisse verlor.
  • die Regierung der Besitzungen im Namen der Königin Victoria als Kronkolonie. Es wurde ein Secretary of State for India an die Spitze der behördlichen Verwaltung gestellt.
  • die Übernahme allen Vermögens der Gesellschaft und das Eintreten der Krone in alle zuvor geschlossenen Verträge und Abmachungen. [Wiki]

Das Britische Empire Ende des 19. Jahrhunderts

1815 – 1890 England steht auf dem Höhepunkt seiner militärischen, politischen und finanziellen Macht. Über die riesigen Kolonien des Empire versorgte sich England mit Rohstoffen und billigen Arbeitskräften und – Gold. Spätestens 1902 war der Vorrat an Letzterem durch die Niederschlagung der Buren, also Kontrolle über die reichen Minen in Südafrika, gesichert.

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Die britische Flotte beherrschte etwa ab 1815 die Sieben Meere, welche die Kolonien Großbritanniens schützte und nebenher gegen allerlei Piratentum vorging. Darüber hinaus zeichnete jedoch noch etwas anderes die Vormachtstellung der Briten aus. Es war ihre beherrschende Stellung auf dem Finanzmarkt.

Die britische Finanzmacht

Die Industrialisierung begünstigte England sehr, sie kam zur rechten Zeit, Kapital war aufgrund der reichen Kolonien verfügbar. Der Bau von Eisenbahnlinien forderte aufgrund der Größe der Projekte erstmals die Koordination und Kooperation von Geschäftsbanken und Stahlindustrie, bald kamen auch die Minen dazu. Einige englische Geschäftshäuser und Banken spezialisierten sich auf Vertragsarbeiten und Versicherungsleistungen und werden damit reich.

Ende der 1850er-Jahre begann der Eisenbahnbau der Briten in Indien (in England ab ca. 1830). Den Investoren wurden fünf Prozent Verzinsung garantiert. Nach 1865 floss britisches Kapital zum Eisenbahnbau nach Argentinien, nachdem dort eine zuverlässige Regierung im Amt war, die die Sicherheit der Investitionen garantieren konnte.

Bis 1875 waren 23 Millionen Pfund Sterling in Argentinien investiert worden, bis 1890 175 Millionen. 1874 wurde mithilfe einer britischen Anleihe die erste japanische Eisenbahn zwischen Tokio und seinem Hafen Yokohama eröffnet. In Indien, China und Südamerika bewirkten britische Anleihen für den Eisenbahnbau, dass das gesamte ruhende und rollende Material in Großbritannien geordert wurde. [6]

Die britischen Handelshäuser konnten dank dem Schutz der Flotte ihre Macht in aller Welt aufbauen. Mit Krediten von Londoner Banken wurden Eisenbahnen in Argentinien, den USA und Russland finanziert.

Wer im Auftrag der Krone auf den Meeren unterwegs war, erhielt quasi freies Geleit, denn für britische Schiffe war die Versicherung des Londoner Schiff- und Seehandelsversicherers Lloyds kostenlos, während hingegen die Konkurrenz astronomische Summen an Londons größtes Versicherungskartell zahlen musste, um gegen Piraterie, Katastrophen und kriegerische Einwirkungen versichert zu sein.

Gold verlieh dem Sterling die Macht, die Welt zu regieren und aller Welt Kredit einzuräumen. Und Kredit war die Hauptquelle britischen Ansehens in der Welt. [Engdahl, Mit der Ölwaffe zur Macht, Kopp Verlag 2014, S.21]

Der Goldstandard und das Scheitern des „Greenback“

Ein Gesetz vom 22. Juni 1866 erklärte Gold zum einzigen Wertmaß im Britischen Empire. Kaum war also der amerikanische Bürgerkrieg vorüber, und während in den USA dank des „Greenbacks“ Aufbaustimmung herrschte, beschloss das britische Parlament Gold zum einzigen Standard zu erheben.

In der Folge sahen sich andere europäische Länder, z.B. Deutschland 1871 gezwungen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, da ihrer Währung sonst eine Abwertung gedroht hätte.

Mit dem Greenback (der nicht durch Gold gedeckt war) geschah Folgendes. Er fiel praktisch, in einer Art Nebeneffekt, dem Kampf um die Frage ob der Silberdollar gesetzliches Zahlungsmittel sei, oder ob der reine Goldstandard zur Anwendung kommen sollte, zum Opfer. Um zum Goldstandard zu gelangen, musste erst der Silberstandard beseitigt werden.

Als die Silberpreise aufgrund neuer Funde, und auch aufgrund der Konkurrenz des Goldstandards in wichtigen europäischen Ländern, zu fallen begannen, verstärkte dies die einsetzende Deflation und bremste so die amerikanische Wirtschaft. Als Ursache der großen Depression von 1873 werden fallende Preise genannt. [7]

Die Panik von 1873 und die nachfolgende Depression polarisierte die Amerikaner in der Währungsfrage. 1875 kam das Aus für den „Greenback“ durch die Verabschiedung des „Resumption Act“, in dem u.a. Maßnahmen zur Reduzierung der im Umlauf befindlichen „Greenbacks“ beschrieben wurden. [8] 1879 wurde er endgültig aus dem Verkehr gezogen.

Bild Harpweek: 1875 -Harper´s Weekly feierte die Wiedereinführung des Goldstandards

Auf dem Bild – Präsident Ulysses S. Grant als Noah, der die Friedenstaube in der Staatsarche empfängt, „The Ark of State,“ eine große amerikanische Flagge am Heck. Um das Boot herum treiben die Körper der „soft-money“ Republikaner. Die  Männer, die in den Augen Gottes keine Gnade finden, treiben in der großen Flut der Inflation um die Arche herum- im Uhrzeigersinn von oben: Senator Matthew Carpenter (Wisconsin); Senator Simon Cameron  (Pennsylvania); Congressman William „Pig Iron“ Kelly (Pennsylvania); Senator Oliver Morton (Indiana); Congressman Benjamin Butler ( Massachusetts); and Senator John Logan (Illinois). [9]

Was ist Geld – Kampf um die Bedeutungshoheit

Sieht man die Geschehnisse im Zusammenhang, könnte man die Einführung des Gesetzes von 1866, auch ohne sich die ablehnende Haltung einer mächtigen Londoner Finanzelite gegenüber Lincoln´s „Greenback“ genauer vorzustellen, als Kriegserklärung Londons an die USA verstehen.

Zwar ist die Sache komplizierter, dennoch: Âuf einer unterschwelligen Ebene wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutsamer Kampf ausgetragen, der nichts mit der Macht der Kanonen zu tun hatte und auch nicht direkt darum ging, wer mehr Geld hat. Es ging um die folgenden drei Fragen:

Was ist Geld? Wer definiert, was Geld ist? Wer kontrolliert das Geld?

1873, während die USA gerade in die Depression schlitterten, wurde die Britische Ostindien Kompanie aufgelöst und 1877 erklärte sich die britische Königin Victoria I. zur Kaiserin von Indien.

Dies scheint ein seltsames Ende für die Geschichte von der britischen Ostindien-Kompanie zu sein. Hatte die Queen sich echt einfach so das Vermögen der Banker unter den Nagel gerissen? Irgendetwas ist faul an der Sache, ich halte Sie auf dem Laufenden.

Der hart umkämpfte Goldstandard der Bank of England sollte bis 1931 Bestand haben und das Pfund Sterling stützen. Gold als Standard brachte aus Sicht der Banken den Vorteil mit sich, dass es sich im Besitz von wesentlich weniger Marktteilnehmern befand als Silber.

Vom „Freihandel“ zur Elite

Der Freihandel, ein Begriff, der erst vor kurzem mit CETA wieder in die Schlagzeilen geriet, blickt auf eine lange und unrühmliche Tradition zurück.

Bereits 1810 – 1850 standen den Londoner Geschäftsbankiers die Londoner Börse, die Bank von England und der reiche Londoner Geldmarkt zur Verfügung. Sie waren somit in der Lage auf die Forderungen der Industrialisierung einzugehen. Größere Projekte erforderten teilweise mehrere Geldgeber, und so entstand schrittweise ein Finanznetzwerk, dem Geschäftsbanken und Sparkassen ebenso angehörten wie Versicherungsunternehmen, welches auch in der Lage war, international zu agieren.

Bild Wiki: Nathan Rothschild gründete 1808  N M Rothschild & Sons in London

Es bildeten sich Finanzdynastien, deren erfolgreichste selbstverständlich die Nachkommen des Meyer Amschel Rothschild (1743-1812) war. Rothschilds fünf Söhne gründeten Zweigstellen in wichtigen Städten. Wien, London, Neapel, Paris und Frankfurt. Die Zusammenarbeit dieser Bankhäuser wird von Carrol Quigley in Tragödie und Hoffnung folgendermaßen beschrieben:

„[Sie] arbeiteten auf eine Weise zusammen, die andere internationale Bankiersdynastien zwar kopierten, aber nur selten übertrafen.“

Die Namen einiger anderer mächtiger Londoner Finanziersfamilien dieser Zeit sind:

Baring, Lazard, Erlanger, Schröder, Seligman, die Speyers, Mirabaud, Mallet, Fould und natürlich Morgan.

Die Ursprünge des Finanzkapitalismus

Endlich haben wir den Grund des trüben Gewässers erreicht. Hier ist eine Häfte dessen zu sehen, das einmal zu den „Sieben Männern“ werden wird, welche die USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominieren werden – der Ursprung des Ostküsten-Establishments und der amerikanischen Elite des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts.

Einige der genannten Männer waren Besitzer der Bank von England, wie z. B. Alexander Baring, der 1803 den Kauf Louisianas ermöglicht, indem er amerikanische Staatsanleihen akzeptiert und das Gold an Frankreich übergibt, und Rothschild. Das Bankhaus Schröder wird mit Warburg (Mitbegründer der Federal Reserve Bank) zusammengehen und im Zusammenhang mit der Finanzierung der Nazis eine Rolle spielen. Einige Mitglieder der Familie Seligman investierten in Eisenbahnen und steigen zu einem der führenden internationalen Bankhäuser auf.

Schon 1805 gibt es eine Bank in Genf mit Namen Banque De Candolle Mallet & Cie., auch heute noch ist dieser Name in Finanzkreisen ein Begriff. Lazard ist eine der Gründungsbanken der Federal Reserve Bank und Morgan – wird zum Finanzgiganten schlechthin.

Zusammenfassung

Fortschritte im Schiffsbau ermöglichten im 16. Jahrhundert die Eroberung weit entfernter Kontinente. Gesellschaften formierten sich in den verschiedensten Ländern, welche diese Eroberungs- und Handelsunternehmen der Schiffsexpeditionen finanzierten. Als Folge davon entsanden die ersten Börsen in Holland und London.

Bild Wiki: 22. Juli 1805 – Kampf vor dem Kap Finistere. Die französische-spanische Flotte gegen die britische.

Die Kriege in Ostasien, an denen Holland, Frankreich und England beteiligt waren, waren auch ein Kampf zwischen den Interessen jener Kommanditgesellschaften, welche sich zum „Zwecke der Gewinnnmaximierung“ zusammengeschlossen hatten.

Die „British East India Company“ nahm insofern eine Sonderstellung ein, als erstmals in der modernen Geschichte eine klar wirtschaftlich orientierte Interessengruppe territoriale Rechte erhielt. Einzigartig war auch, dass eine Gruppe vom Privatleuten ein stehendes Heer von 100.000 Soldaten unterhielt und der vorindustrielle Maßstab, in dem die Ausbeutung des besetzten Landes vor sich ging.

Opium als Waffe?

Die verderblichen Auswirkungen von Opium wurden von den Händlern nicht etwa aus Unwissenheit in Kauf genommen. Wie am Beispiel von Sir Robert Peel zu sehen ist, der öffentlich bekannt Opiummissbrauch betrieb, war der Elite der damaligen Zeit durchaus bewusst, mit welchem Teufelszeug sie ihren Handel zu treiben gedachte.

Insofern kann die Initiative Lord Shelbournes, Gewinn aus dem Opiumhandel ziehen zu wollen, nur als kaltschnäuzige, Chinesen als minderwertig abtuende und rein Profit orientierte Geisteshaltung eingeordnet werden.

Dieselbe Geisteshaltung wird auch in der „Kanonenboot-Politk“ der britischen Regierung deutlich. Wenn überdies bedeutende Kreise in der englischen Regierung „berechtigte Interessen“ geltend machen konnten, dann ist der Einsatz von regulären britischen Truppen zur Durchsetzung dieser Interessen kein Mysterium. Die britische Regierung hatte offensichtlich kein Problem damit, dass China mit der vorgeschlagenen Legalisierung von Opium sich nicht unbedingt einen Gefallen getan hätte.

Wie kaltschnäuzig sind unsere Regierungen heute, wenn es um die Produktion von Opium geht? Seit dem Vietnamkrieg ist bekannt, dass die CIA den Drogenhandel zur Geldwäsche und zur Finanzierung geheimer Operationen verwendet. Afghanistans Opiumproduktion nahm erst nach der Besetzung der USA wieder zu und katapultierte das kleine Land an die Spitze der Weltproduktion von Opium.

Machtkampf hinter den Kulissen

Dieser Verflechtung von Kapital, Industrie und Politik unterlagen auch die amerikanischen Regierungen Ende des 19. Jahrhunderts, als eine aggressivere Politik der USA eingeläutet wurde. Gleichzeitig wird diese Phase der amerikanischen Geschichte als revolutionäre Phase beschrieben, da einige Gesetze zur Niederschlagung Macht der Kartelle vorangetrieben , und die Gesetzgeber hierbei auch von großen Teilen der Öffentlichkeit unterstützt wurden.

Allerdings fällt auf, dass die Phase der imperialen Bestrebungen der USA mit dem (versuchten) Vorgehen der USA gegen die Monopole und Kartelle zusammenfällt, was irgendwie nicht so recht zusammenzupassen scheint. Als nächstes fällt auf, dass der Sherman-Act zunächst nur auf die Industriellen (z.B. Harriman) angewandt wurde, während die Banken gar nicht erst unter Verdacht gerieten. Erst unter dem neuen Präsidenten Taft wurde auch das Bankhaus Morgan Gegenstand einer offiziellen Untersuchung im Zusammenhang mit dem Anti-Trust-Gesetz.

Durch die gewaltige Finanzmacht, welche die Kartelle wie Rockefeller/Harriman an sich gerissen hatten, waren sie Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr unabhängig von den traditionellen Geschäfts- und Investmentbanken geworden und finanzierten große Projekte nun teilweise selbst.

Gab es im Hintergrund gar einen Machtkampf zwischen den Banken und den angehenden Monopolkapitalisten, wie manche vermuten? Rockefeller kam bei der Suche und Ausbeutung von Ölquellen British Petroleum (BP), in das die Rothschilds investiert hatten, immer häufiger auf der internationalen Bühne ins Gehege und Morgan wahrte die Interessen Rothschilds in den USA.

Der weitere Ausblick

Neben Englands Vorherrschaft zur See, der Vormachtstellung auf dem Finanzmarkt gab es (außer der Geheimdiplomatie) noch eine weitere Säule der Macht Englands nach 1815:

Die geopolitische Beherrschung der Rohstoffreserven der Welt – Kohle und Erz, Baumwolle und Kaffe und, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, das „schwarze Gold“ – Öl.

Darum geht es im nächsten Teil.

Die nachfolgend aufgeführten Links stehen in einem losen Zusammenhang und wurden in der folgenden Reihenfolge geschrieben, jedoch ist der vorliegende Artikel ein ebenso guter Einstieg in die Materie wie jeder der Anderen.

[I.G. Farben und das amerikanische Establishment] [Industriebarone, Banken und Elite] [Der “Ausbruch” des 1. Weltkriegs] [Das amerikanische Ostküsten-Establishment (4)] [Der “Money-Trust” (1)]

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