Der „Money-Trust“ (1)

Heute: Die Familie Harriman

E.H. Harriman

Eine Familie, die einigen Einfluss unter den mächtigsten amerikanischen Häusern jener Zeit gewann, waren die Harrimans. Der junge McCloy aus Teil 1 lernte irgendwann nach 1924 den Stahlbaron Averell Harriman kennen und wird ihm im Laufe seines Lebens noch einige Male über den Weg laufen. Averell Harriman war beim CFR und ausserdem bei Skull&Bones, er und sein Vater waren Direktoren des Guaranty Trusts, der J.P. Morgans Interessen bündelte.

Sie haben vorher auch noch nie von den Harrimans gehört? Wenn dem so ist, dann werden Sie herausfinden, daß zumindest E.H. Harriman und die beiden Söhne immer wieder Einfluss auf den Verlauf der amerikanischen Geschichte nahmen.

E.H. Harriman (1848-1909) war einer jener „Selfmade-“ Männer und begann seine Karriere relativ bescheiden. 1870 noch verdiente er $ 2000 im Jahr bei einem Broker an der Wall Street. Es gelingt ihm mit $ 3000 Grundkapital der Einstieg in die Börse. 1872, gründete Harriman die E.H. Harriman & Co. Bank.

Bild Wiki: Edward Harriman im Alter von 30 Jahren …als das Ende der Depression in Sicht war.

Der Umstand, dass er 1870, Mary Williamson Averell ehelichte, die Tochter des Direktors der Ogdensburg Bank und der Ogdensburg & Lake Champlain Railroad, einer kleinen New Yorker Eisenbahngesellschaft, mag Harriman auf seinem Weg nach oben geholfen haben.

Harriman war nun Schwager von William Holt Averell, Yale 1872, dessen Neffe, William Holt Averell Jr., sich 1900 ebenfalls auf der Yale-Universität einschreiben würde .

George Redmond schreibt in „Financial Giants of America“:

„He (Harriman) early won the confidence of Kuhn, Loeb Co. and established relations which later became most advantageous to both.“[1]

„Er, Harriman hat schon früh das Vertrauen von Kuhn, Loeb Co. gewonnen und knüpfte Kontakte, welche sich später als höchst vorteilhaft für beide erweisen würden.“

Die Union Pacific Railroad

1893 gerät die Union Pacific Railroad (UPR) in finanzielle Turbulenzen. Wieder war eine Depression schuld. Die UPR unterhält das wichtige Transkontinentale Schienennetz und soll gerettet werden. Jacob Schiff von Kuhn&Loeb. Co. leitet eine Kommission, welche die Reorganisation durchführen soll. Dennoch enden die Schwierigkeiten des renommierten Unternehmens nicht.

Cornelius Vanderbilt war ein weiterer dieser Eisenbahnmagnaten.

Im Laufe des Jahres 1897 führt Jacob Schiff von Kuhn&Loeb, co. für seinen Klienten Harriman etliche Lobby-Gespräche mit dem Schatzamt, mit dem Ziel eine Übernahme von UPR durch Harriman zu erreichen. Ein starker Flügel im Kongress steht der mit einem Verkauf einhergehenden Abgabe der staatlichen Kontrolle über das Eisenbahnnetz kritisch gegenüber. Doch genau das ist die Bedingung.

Denn – die Reorganisation und Sanierung kostet weitere $ 240 Mio Dollar – und ohne die vollständige Kontrolle über die Reorganisation der maroden Eisenbahninfrastruktur gibt es keine Sanierung für die angeschlagene UPR. Schließlich knickt der Kongress ein.[2]

1898: Edward Henry Harriman und Partner, Richter Robert Scott Lovett, kaufen UPR für $110 million, der Deal wurde vermittelt durch das New Yorker Kuhn Loeb Investment Bankhaus, das mit 81 Millionen beteiligt ist. [Partner von Kuhn&Loeb war Felix Warburg, Samuel Prescott Bush war in dieser Zeit Präsident der Buckeye Steel Castings Co]. Im selben Jahr kaufte das Harriman Syndikat die meisten Aktienanteile der „Chicago & Alton Railway“.

Das „Vertrauen“, das sich Harriman in jungen Jahren erworben hatte, zahlte sich nun also aus, als E.H. Harriman mit der Übernahme der Union Pacific seinen großen Coup landete. Es kommt zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit Jacob Schiff von Kuhn&Loeb beim Umbau von etlichen Strecken, auch dann noch als Harriman öffentlich bekennt, die Pläne von Schiff in Bezug auf die geplante Reorganisation des Eisenbahnnetzes nicht mehr zu unterstützen, sondern die Sache lieber selbst in die Hand nehmen zu wollen.

Der Kampf der Titanen

Der Aufbau seines Imperiums ist in den folgenden Jahren kaum noch zu stoppen.

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Harriman wird in zeitgenössischen Kartoons als Spinne dargestellt. Das Netzwerk seiner Gesellschaften wächst wie ein Spinnennetz.

Um das Jahr 1900 herum entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen zwei der Eisenbahn-Magnaten, mit Harriman auf der einen Seite und James J. Hill von der Great Northern Railroad auf der anderen. Hinter ihnen standen die Banken, Morgan auf der Seite Hill´s, Kuhn&Loeb auf der anderen. Die ungelösten Probleme der beiden Kontrahenten führten 1901 sogar zu einem Börsenabsturz.[3] 

Die öffentliche Stimmung bezüglich des Umgangs mit der Monopolstellung großer Gesellschaften beginnt zu kippen, Harriman gerät wiederholt in die Kritik.

Der Sherman-Anti-Trust-Act

Schon 1890 erging der Sherman-Anti-Trust-Act, mit dem die Bildung von Kartellen verhindert werden sollte. Darin heißt es unmissverständlich:

„Every person who shall monopolize, or attempt to monopolize, or combine or conspire with any other person or persons, to monopolize any part of the trade or commerce among the several States, or with foreign nations, shall be deemed guilty of a felony, and, on conviction thereof, shall be punished by fine not exceeding $10,000,000 if a corporation, or, if any other person, $350,000, or by imprisonment not exceeding three years, or by both said punishments, in the discretion of the court.“
Jede Person, die den Handel zwischen den verschiedenen Staaten monopolisiert, oder dies versucht, wer sich zusammentut oder mit einer oder mehreren Personen konspiriert, um den Handel oder das Geschäft zwischen den verschiedenen Staaten oder mit ausländischen Nationen zu monopolisieren, soll wegen eines Kapitalverbrechens schuldig gesprochen und […]  mit einer Geldstrafe von bis zu $10.000.000 für Gesellschaften oder […] $ 3500.00, wenn es sich um Personen handelt, oder durch Haftstrafen bis zu 3 Jahren. […] bestraft werden. 

Den großen Gesellschaften und ihren Chefs mit dem amerikanischem Traum gefiel diese Entwicklung natürlich überhaupt nicht, doch das Gesetz hatte Lücken, welche die Gesellschaften immer wieder auszunutzen verstanden.

Zunächst einmal wurde 10 Jahre darüber gestritten, welche Bedeutung bestimmten Wörter des Gesetzestextes beizumessen wäre, wie z.B. „Trust“, „Kombination“, oder „Einschränkung des Handels“. [4]

Wenn es zu einer Anhörung vor dem ICC (eine Art Schiedskommitee in Eisenbahnangelegenheiten) kam, riet z.B. ein Anwalt, Robert Scott Lovett, seinen Klienten Harriman und Otto Kahn einfach jegliche Aussage betreffend ihrer Aktienoperationen zu verweigern. So einfach ist das.

[Otto Kahn (1867 – 1934), Sohn des deutschen Bankiers Bernhard Kahn. Kahn, heiratete die Tochter des Bankers Abraham Wolff, der ihm den Eintritt bei Kuhn, Loeb & Co. ermöglichte. Dort war er 40 Jahre lang tätig. Kahn hat tatkräftig an der  Reorganisation der sechs größten Eisenbahngesellschaften, inklusive der Pacific Union, mitgewirkt.] [6]

Harrimans Trust gerät unter Beschuss

Die öffentliche Diskussion um die Wirksamkeit des Gesetzes, dem „Sherman-Act“, lebte wieder auf. Die Zeit von 1890 – 1915 wird von den Gelehrten gelegentlich als das progressive Zeitalter bezeichnet. Gemeint ist damit, dass in dieser Zeit einige Versuche unternommen wurden, um die Macht der Kartelle zu begrenzen.

Es wurden beispielsweise Untersuchungskommitees und Anhörungen eingerichet und das eine oder andere Gesetz, wie der Sherman-Anti-Trust-Act, erlassen, doch hinkte die Gesetzgebung ihren einflussreichen Gegnern in aller Regel zwei Schritte hinterher und erwies sich in mehr als einem Fall als zahnloser Papiertiger. Nur gelegentlich und nach langem juristischem Ringen werden Firmen wegen Verstößen gegen den Sherman-Act verurteilt.

1904 wird jedoch ein Gerichtsurteil gefällt, das Theodore Roosevelt den Rücken stärkt, in seinem (gelegentlich) entschiedenen Kampf gegen die Macht der Öl- und Eisenbahnmagnate. Roosevelt scheint es nun ernst zu meinen mit seinem Kampf gegen die Macht der Kartelle.

1907 erregte die Union Pacific und E.H. Harriman den Zorn Theodore Roosevelts, auch durch seine harte Haltung gegenüber jeglicher Einmischung der Regierung in seine Angelegenheiten. Der Sherman-Anti-Trust-Act konnte auf ihn sicherlich nicht zutreffen [schließlich gab es noch so viel zu diskutieren, über die Auslegung einzelner Passagen des zahnlosen Gesetzes].

Ziemlich respektlos verkündet Harriman zudem öffentlich, dass er in einer anderen Sache mit Roosevelt ins Einvernehmen gelangt sei, indem er anlässlich der Wahlen 1904 das Säckel der Republikaner unterstützt hätte. Als Harriman dem Präsidenten dann auch noch zu Lasten legte, dass dieser sich nicht an die Vereinbarung gehalten hatte, war es mit der zarten Freundschaft vorbei, sofern vorhanden. Der feindselig gestimmte Präsident bezeichnete Harriman  fortan als „unerwünschten Bürger“.

Eine Untersuchung der Geschäfte von Harriman´s Railroads in der möglichen Absicht, den Harriman Trust zu zerschlagen, wurde eingeleitet, führte aber nicht weiter. Roosevelt beruhigte sich wieder, ruderte ein klein wenig zurück und Schiff konnte seinen europäischen Finanziers berichten, dass er eine Zusicherung des Präsidenten erhalten habe: es würde keine Zerschlagung des Harriman Trusts geben.

Harriman´s Kontrahent, James Jerome Hill, hatte nicht so viel Glück. Er verlor vor dem Obersten Gerichtshof in einer knappen Abstimmung von 5-4 Stimmen. Die Northern Securities Corporation habe sich, lt. dem Urteil, Vergehen gegen das Sherman-Anti-Trust- Gesetz zu Schulden gekommen lassen. [5]

Schließlich kommt es zu einem Vergleich, der Harriman Einfluss bei der Great Northern Railroad, mehrere Direktorenposten, sowie sonstige Vorteile verschafft und seine Wettbewerbsposition weiter stärkt.

Vom Ende des Isolationismus …

Anfang der 1890er Jahre beenden die USA ihre bisherige Politik des „Isolationismus“. Es galt neue Märkte zu „erobern“, der heimische Markt wurde nach dem Erlass des Sherman-Anti-Trust-Act allmählich zu eng.

Nun wurden die ausländischen Märkte zunehmend Ziel der Ambitionen der „Sieben Männer“, vorzugsweise in Süd- und Mittelamerika und zunehmend auch in Asien. Es begann eine Zeit des Finanzkolonialismus.

Zuerst wurde die Finanz-Bazooka in Form von Krediten gezückt, bis ein Land sturmreif geschossen war, dann hatte man die Regierung in der Hand – und wenn einer aufmuckte, die Last der Kredite nicht mehr zu stemmen vermochte, dann war er bereit für den Einmarsch der US-Truppen, welche die Interessen der amerikanischen Finanziers wahrten.

… zu Neuen Märkten

Der langjährige Geschäftsfreund von J.P. Morgan, Richard Olney (Secretary of State (1895-1897) nach seinem Abschied vom Aussenministerium :

Der alte, von George Washington´s Abschiedsrede getragene Isolationalismus sei vorüber. Die Zeit sei gekommen, so Olney, in der es uns zukommt, das Kommando zu übernehmen. Das dringendste Anliegen,  die kommerziellen Interessen, würde neue und größere Märkte fordern. Besonders in Lateinamerika. [7]

Wie seltsam vertraut diese Töne klingen …

Harriman erkannte die Schrift an der Wand und begann in Kredite an südamerikanische Inseln und Staaten zu investieren. In diesem Zusammenhang ist Smedley D. Butlers Klage zu verstehen, der sagte:

„I helped make Mexico and especially Tampico safe for American oil interests in 1914. I helped make Haiti and Cuba a decent place for the National City Bank boys to collect revenues in…. I helped purify Nicaragua for the international banking house of Brown Bros“ … „

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Bild Wiki: Butler in Mexiko, 2. v. r., wo er die Interessen der amerikanischen Ölkonzerne verteidigte …“Ich half Nicaragua für das internationale Bankhaus Brown Bros zu säubern.“

Zwischen dem erwähnten Bankhaus Brown bros. und der Familie Harriman bestanden seit langer Zeit gute, teils familiäre Beziehungen.

[Im Jahre 1801 gründete Alexander Brown, ein Tuchhändler aus Belfast, das Bankhaus Alexander Brown & Co in Baltimore. Auf europäischer Seite war Lord Montague Norman, Gouverneur der Bank von England von 1907 -1944, im Direktorium der einflussreichen Brown Shipley (Bank) mit im Boot.]

1908 schmiedet Harriman Pläne für die südmandschurische Eisenbahnlinie (in China), Jacob Schiff mit seinen guten Beziehungen zu Japan, klärt ab, ob das Projekt Japan genehm ist.

Von 1902 – 1909 hatte E.H. Harriman etliche Direktorenposten inne, z.B. bei der „National City Bank“, von  1899 – 1907 bei der „Chicago & Alton Railway“, von 1902 – 1904 beim Versicherer „Equitable Life Assurance Society“, bei der „International Banking Corporation“.

1898/1903 wird E.H. Harriman einer der Gründer und Vorstände des Guaranty-Trusts.

Averell Harriman

Averell Harrimans (1891-1986) Einfluss reichte wesentlich weiter als der seines Bruders, jedenfalls trat er häufiger in der Öffentlichkeit auf. Beginnen wir die Geschichte wieder mal in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts.

Bild Wiki: W. Averell Harriman war im Aufsichtsrat von 54 Gesellschaften!

Als Sohn von Eisenbahn- und Schiffahrtsbaron E.H. Harriman war er im Schicksalsjahr 1913 an der elitären Yale Universität in die Skull & Bones Geheimnisse eingeweiht worden. Der Reichtum seines Vaters gründete sich auf Investitionen in Eisenbahnaktien, womit es ihm schließlich gelang, die Kontrolle über die Union Pacific Eisenbahnstrecke zu gewinnen.

1919-1933

Im November 1919 entsteht die W.A.Harriman Bank. Gründungsmitglieder sind: George Herbert Walker Snr (Pres./CEO, Schwiegervater von Prescot Bush); Averell Harriman (Chairman); E.Roland (‘Bunny”) Harriman (die beiden Söhne von E.H.Harriman, beide Skull&Bones); & Percy Rockefeller (Skull&Bones).

1920 kaufen sich G.H. Walker und Averell Harriman bei der Hamburg-Amerika-Linie ein, die in Folge Teil der „American Ship & Commerce Line“ wird. In den 1920ern gründeten Averell Harriman und Robert Lehmann (Skull&Bones, Lehman Brothers) Pan American Airlines, Averell Harriman sass im Aufsichtsrat von 54 Gesellschaften, incl. Mobil Oil. 1922 eröffnet W.A.Harriman eine Zweigstelle in Berlin.

Zu den bedeutendsten Finanzdynastien in Amerika nach dem 1. Weltkrieg zählten – abgesehen von Morgan – die Rockefellers, Kuehn-Loeb&Cie., Dillon Read and Company sowie Brown bros. Harriman. Sie alle waren über Firmenkonglomerate, Aktienbeteiligungen und familiäre Beziehungen bestens miteinander vernetzt.

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Bild Wiki Commons: Eine Boing 377 Pan American Airline über San Francisco

1924 gründet Harriman zusammen mit Fritz Thyssen die Union Banking Corporation (UBC). Harriman traf sich 1927 auch mit Benito Mussolini. Im Jahr darauf (1928) kauft W.A. Harriman Dresser Industries. Im Mai 1928 berichtete die New York Times, dass Brown Bros. der Stadt Berlin einen Kredit über $ 15 Millionen Dollar gewährt hatte; zu 6% Zinsen jährlich mit einer 30-jährigen Laufzeit. [8]

Die Fusion zu Brown Brothers Harriman, der nun größten und politisch einflussreichsten Privatbank der USA, erfolgte 1931, und eröffnete über Thatcher Brown die Beziehungen zum Direktor der Bank of England, Montague Collet Norman, einer der wichtigsten Hitler-Unterstützer im englischen Filz.

[Auch Sir Henri Deterding, Vorsitzender der weitgehend der britischen Königsfamilie gehörenden Royal Dutch finanzierte Hitler].

Als Dank für die Dienste werden ab 1933 alle deutschen Exporte in die USA exklusiv über Harriman International Co. mit  Cousin Oliver Harriman im Vorstand abgehandelt. Das Syndikat bestand aus etwa 150 Firmen und Individuen, welche den Export aller Waren von Deutschland in die Vereinigten Staaten exklusiv unter sich aufteilten. [9]

Ohne die Gelder von Thyssen (über seine Bank voor Handel en Scheepvaart [in der Allen Dulles im Vorstand saß]) und von Harrimans Hamburg-Amerika Line (als Teil der American Ship and Commerce Corp.) wäre Hitler 1933 nicht an die Macht gekommen.

Die Thyssen-Verbindung

Prescott Bush, der Vater des späteren ersten Präsidenten Bush, arbeitete für Brown Brothers Harriman´s Kanzlei, die wiederum Fritz Thyssen als Amerikabasis dienten. Thyssen half bis gegen Ende der 1930er kräftig mit, Hitler zu finanzieren.

Prescott Bush war weiterhin Direktor der Union Bank Corporation (UBC), die Thyssens Interessen (u.a.) in den USA vertraten und hatte diesen Posten auch nach dem Ende des Krieges inne. Die Gesellschaften Thyssens bildeten ein Netzwerk und halfen dabei, Thyssen´s Anlagen zu transferieren und Hitler an die Macht zu bringen.

Sowohl Harriman als auch Thyssen waren Giganten im Stahlgeschäft und ihrer Beziehungen und ihres Geldes wegen schon fast unantastbar. Weder Rockefeller noch Harriman wurden nach dem Krieg irgendwelche Unregelmäßigkeiten angelastet oder ihre guten Beziehung zu den Nazis vor dem Krieg kritisch unter die Lupe genommen.

Dass dieses Thema in den amerikanischen Medien nicht vertieft wurde, dafür haben sicherlich die mittlerweile überall stationierten CFR-Gatekeeper Kollegen gesorgt.

Harriman und der Kalte Krieg

Schließlich ging Harriman in die Politik und wurde im diplomatischen Dienst tätig, um seinen Einfluss auf dem internationalen politischen Parkett besser zur Geltung zu bringen.

Bild Wiki: Harriman links hinten -die Repräsentanten der Siegermächte beim Abkommen von Yalta

Während des (2.) Krieges war Harriman Sonderabgesandter (1942-1944)der USA in Moskau und als solcher auch am Yalta-Abkommen beteiligt. Gewiss war er kein einfacher Wasserträger. Wenn man dem gewöhnlich gutinformierten Author Eustace Mullins Glauben schenken will, dann wurde der Krieg der Sowjet-Union gegen Hitler von Harriman gewonnen!

Stalin soll angesichts des Angriffs von Hitler einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Die USA schickten Harriman nach Moskau, um die Sache durchzuboxen.

Welchen Einfluss er, wenn ihm etwas wichtig war, auf die angespannte Situation zwischen Amerikanern und Russen kurz vor Kriegsende nahm, wird beispielhaft aus folgender Episode deutlich. Dass es zu einem Kalten Krieg kam, ist nicht weiter verwunderlich, wenn man die folgende Geschichte gelesen hat.

Das kleine Missverständnis und der Tod Roosevelt´s

Noch am Tag seines Todes übermittelte Roosevelt eine Kabeldepesche an Stalin, in der er von einem Missverständnis bezüglich des separaten Friedensabkommen sprach. Im April 1945 hatte SS General Karl Wolff versucht, ein separates Friedensabkommen für die in Italien kämpfenden deutschen Truppen auszuhandeln.

Bild Wiki: SS-General Karl Wolf will 1945 ein Separat-Abkommen aushandeln

Harriman weigerte sich die Depesche weiterzuleiten und sandte anstattdessen eine gewunden formulierte Botschaft an Roosevelt, in dem er ihn aufforderte das Wort „klein“ in „kleinerem Missverständnis“ wegzulassen, da eben dieses Wort zu noch größeren Missverständnissen führen würde.

Bevor Roosevelt seine versöhnliche Botschaft an Stalin losbekam, musste er sich erst noch mit Harriman auseinandersetzen und ihm in deutlichen Worten klarmachen, daß er genau das gemeint hätte, was er geschrieben habe. Er sollte seinen Widerspruch nicht lange überleben .

Daß das Missverständnis erst durch Harriman provoziert worden war, der die Information über das separate Friedensabkommen an Stalin weitergegeben hatte, sollte nicht verschwiegen werden.

Harriman als Sonderbotschafter versagt in Moskau

Stalin reagierte sehr empfindlich auf die Möglichkeit eines separaten Friedensabkommens zwischen den westlichen Alliierten und Deutschland, da er befürchten musste, umgehend von den neuen Verbündeten überfallen zu werden, und forderte eine Beteiligung an den Gesprächen in Bern (an denen natürlich Allen Dulles, der „Held“ eines späteren Kapitels beteiligt war) oder eine Beendigung dieser Gespräche, was zu einem Austausch einer Reihe von erregten Depeschen führte.

Diese voraussehbare Reaktion Stalins nutzte Harriman, um Gen. George C. Marshall, Army Chief of Staff, zu kabeln, daß Russland nun, ganz wie befürchtet, eine dominante Haltung gegenüber den USA einnehmen würde. Und daß er es im Gefühl hatte, „daß diese Haltung früher oder später zu einer Situation führen musste, die intolerabel für uns ist“.

Bild Wiki: Franklin D. Roosevelt 1938 … hat einen schwierigen Sonderbotschafter in Moskau

Vom Standpunkt Roosevelts aus war Harriman eine totale Fehlbesetzung, wie konnte das passieren? Und wie konnten solche Fehlbesetzungen auch in den folgenden amerikanischen Regierungen immer wieder vorkommen?

Das Heer der Berater aus der Elite – schreckt ab

Sofort nach Roosevelts Beisetzung unternahmen die britische Oligarchie und das Wallstreet-Establishment alles, um dessen Vorhaben und Programme zu zerstören., … Stalins Paranoia wurde systematisch ausgenutzt und so die Bedingungen für den Kalten Krieg geschaffen. Andererseits betrieb Ex-Nazi General Gehlen mit seinen Informationen auch ein (geduldetes?) Doppelspiel. Truman, ein weiterer Freimaurer übrigens, wurde überredet, die beiden Atombomben auf Japan abzuwerfen, um jeden möglichen Gegner der neuen Weltordnung abzuschrecken.

Die Abschreckungsdoktrin wurde einer verängstigten Bevölkerung aufgezwungen, und die britischen, französischen, holländischen und portugiesischen Kolonien wurden nicht befreit. Statt dessen wurden wieder die Fahnen des britischen Imperialismus hochgezogen.

Bild Wiki: Stalin, 1943, wurde auch er von den Briten hinter´s Licht geführt?

Der Marshallplan wurde darauf reduziert, Westeuropa als Puffer gegen die Sowjetunion aufzubauen, und sollte keinesfalls auf die Südhalbkugel ausgedehnt werden. Was auch immer Roosevelt sich für eine Welt nach dem 2. Weltkrieg vorgestellt hat, es wurde zum Kalten Krieg und zum Eisernen Vorhang.

Brown bros. Harriman

In den Zeiten Roosevelts und in den folgenden Jahren hatte die Brown bros. Harriman Investmentbank enormen Einfluss und ihre Strohmänner an allen politischen Schalthebeln. Unter diesen (Strohmännern) waren Secretary of War Henry Stimson, Secretary of War for Air Robert Lovett, natürlich Sonderbeauftragter W. Averell Harriman und sogar Präsident Roosevelt´s Vertrauter … , Harry Hopkins. Woran starb Roosevelt noch mal? Alle diese Männer waren auch beim CFR!

In einer beinahe amüsanten Nebengeschichte bekam Averell Harriman 1950 den Zorn der DDR zu spüren. In einem Spiegelartikel, der über einen Prozes vor der Volkskammer wegen Diebstahls von Volkseigentum berichtet, wird Harriman als Profiteur benannt. Die Angeklagten hatten noch schnell vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Aktien und Wertpapiere der Firma DCGG nach Westdeutschland verbracht. Es ist nicht überliefert, ob Harriman einen Lachanfall bekommen hat, als er den folgenden Artikel des Spiegels zu Gesicht bekam, aber es ist davon auszugehen.

04.05.1950 (Spiegel) [8]

SCHAUPROZESS Harriman soll sterben

Die Bühne des Dessauer Landestheaters wurde im ersten großen Schauprozeß des ostzonalen Volksgerichtshofes buchstäblich zum Tribunal für die neun Angeklagten, denen vorgeworfen wird, „für 50 Millionen DM Aktien und Forderungen der in Dessau liquidierten Deutschen Conti-Gas-Gesellschaft (DCGG) nach Westdeutschland verbracht zu haben.“ .

… Melsheimer ließ nun seine politischen Elogen vom Stapel: „Die Hintermänner der Verurteilten sind der USA-Sonderbotschafter B. Averell Harriman, Beauftragter für den Marshallplan und Staatssekretär Schalfejew vom westdeutschen Bundeswirtschaftsministerium. Sie haben die Herwegen, Brundert, Müller Kaatz und Genossen zu diesem infamen Verbrechen gegen die volkseigene Industrie angestiftet.“

Die ostzonalen Volksjuristen konstruierten ihren roten Faden von Harriman bis Herwegen aus früheren Konzernverflechtungen. Der heute 59jährige Sohn des US-Eisenbahnkönigs Edward Henry Harriman war in den Endzwanziger Jahren sehr stark am Oberschlesischen Bergbau interessiert und knüpfte damals enge Verbindungen zu Giesches Erben in Magdeburg.

Diese Firma, die wie alle Großbetriebe in der Ostzone in die Hand des Volkes überführt worden ist, beteiligte Harriman finanziell an ihrem Zinkhütten – Geschäft und indirekt auch an der Magdeburger Großgaserei (Mikramag), an der die DCGG in Dessau Anteile besaß.

Harriman und Bush in Polen

Polens grösstes Industriekonglomerat , die Upper Silesian Coal and Steel Company (an der Harriman lt. Spiegel ein etwas ominös klingendes „starkes Interesse“ hatte), wurde übrigens von Friedrich Flick und der Harriman Fifteen Corporation über die Silesian-American Corporation kontrolliert, bei der auch Prescott Bush im Verwaltungsrat saß.

Die polnische Regierung verlangte 1934, daß Bush, Harriman und ihre Nazipartner wenigstens die normalen Steuern zahlen sollten, anscheinend gab es da „Missverständnisse“ und Probleme mit der Buchhaltung. Bush heuerte den erfahrenen IG-Farben und Thyssen-Anwalt John Foster Dulles an, um die Sache zu bereinigen.

Der Konflikt wurde schliesslich im September 1939 mit dem Überfall Hitlers auf Polen gelöst, wobei ironischerweise die russischen Panzer, die den Osten Polens besetzten, mit dem Öl von Harriman/Walker/Bush-Konzessionen fuhren. In einer der polnischen Minen von Bushs Firma werden Zwangsarbeiter eingesetzt.

Harriman gegen Kennedy

Harriman war in der einen oder anderen Position mindestens 30 Jahre innerhalb der amerikanischen Regierung tätig und selbst als 71 jähriger saß er, unverwüstlich, als Undersecretary for Foreign Affairs in Kennedys Kabinett. Hinter dem Rücken Kennedys befahl er den Umsturz des bisherigen Allierten der USA in Südvietnam, bzw. die Ermordung von Ngo dinh Diem am 2. November 1963. Hierzu gibt es ein Kabel Nr. 243.

Bild Wiki: Für wen wurden die amerikanischen Soldaten in den Tod getrieben?

Seine Haltung im Vietnamkrieg ist sehr umstritten, weil er die Friedensverhandlungen von Paris ablehnte, heißt es bei Wikipedia [9]

Die Motivation für diese eigenmächtige Handlung Harrimans dürfte im Hintergrund dessen zu sehen sein, daß das Establishment der Ostküste der USA (die Nachfolger der Sieben Männer“), sich mit London [Rothschild] darüber einig waren, daß der Krieg in Vietnam fortgesetzt werden müsse.

Vielleicht war Averell Harriman aber auch ein wenig verschnupft, weil Kennedy seinen CFR-Freund und IG-Farben-Kollegen Allan Dulles gerade wegen des vermasselten Schweinebucht-Desasters gefeuert hatte.

Mindestens einer aus diesem Ostküsten-Establishment setzte nach Kennedys Ermordung die Flagge in seinem Garten nicht auf Halbmast: Averell Harriman. Natürlich ging der Krieg in Vietnam nach Kennedy´s Tod erst so richtig los.

Skull&Bones

Außer über seinen regen politischen Einsatz für das Council on Foreign Relations gibt es aber auch ein paar Neuigkeiten über seine Skull&Bones Tätigkeit zu berichten.

Alexandra Robbins recherchierte Folgendes:

Mitglieder von Skull & Bones spielten ebenfalls eine gewisse Rolle in der Welt der Medien. Henry Luce und Briton Haden, beide seit 1920 Mitglieder der Organisation, hätten vor allem die Idee, die Zeitung Time bei einem Treffen im „Grab“ [gemeint ist der Skull&Bones Treffpunkt in Yale] zu kreieren. Averell Harriman gründete seinerseits die Zeitung Today, die sich 1937 mit einer anderen Zeitschrift zusammentat, um Newsweek zu werden. […]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Vermögenswerte der Russel Trust Association [Gründer von Skull&Bones] von John B. Madden Jr. verwaltet, Mitglied von Brown Brothers Harriman, einer Firma, die 1933 aus dem Zusammenschluss von der Brown Brothers & Company und der W.A. Harriman & Company entstand. Madden arbeitete damals unter Prescott Bush, Vater des späteren Präsidenten George H.W. Bush und Großvater des [letzten] Präsidenten der Vereinigten Staaten. Alle diese Personen sind natürlich Mitglieder der Skull & Bones. [10]

Natürlich, was denn sonst?

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