Das amerikanische Ostküsten-Establishment

Der „Greenback“

Während des amerikanischen Bürgerkrieges nutzte Abraham Lincoln (1809- 1865) den Greenback; Geld, das von den Nordstaaten gedruckt wurde, um die Truppen zu bezahlen. Das Geld hatte einen durchweg positiven Effekt auf die Wirtschaft, während gleichzeitig die Kontrolle des Geldes in den ehemaligen nordamerikanischen Kolonien den Händen der Londoner Finanziers zu entgleiten drohte.

Die Besonderheit des „Greenbacks“ von Lincoln? Es brauchte keine Bank dazu, das Geld wurde direkt und unmittelbar durch den Staat ausgegeben. Er kostete keinen Cent mehr als das Papier und die Druckerschwärze und konnte Dinge kaufen.

Bild Wiki: Der Greenback – Abraham Lincoln´s erfolgreiches Zahlungsmittel

Die Times in London schrieb damals empört,

If that mischievous financial policy, which had its origin in the North American Republic, should become indurated down to a fixture, then that government will furnish its own money without cost. It will pay off debts and be without a debt. It will have all the money necessary to carry on its commerce. It will become prosperous beyond precedent in the history of civilized governments of the world. The brains and the wealth of all countries will go to North America. That government must be destroyed or it will destroy every monarchy on the globe.[1]
„Wenn diese schädliche Finanzpolitik, welche ihren Ursprung in der Nordamerikanischen Republik hat, sich etablieren sollte, dann wird die Regierung ihr eigenes Geld ohne Kosten herstellen. Sie wird die Schulden abzahlen und ohne Schulden dastehen. Sie werden all das Geld haben, das notwendig ist um die notwendigen Geschäfte zu tätigen. Sie wird so wohlhabend werden, wie es in der Geschichte der zivilisierten Regierungen der Welt ohne Präzedenz ist. Die Köpfe und der Reichtum aller Länder werden nach Nordamerika gehen. Jene Regierung muss zerstört werden oder es wird jede Monarchie auf dem gesamten Globus zerstören.“

Bild Wiki: 1865, Abraham Lincoln´s Ermordung durch Booth

Caroll Quigley, der zwei Jahre lang die Archive des CFR durchforsten durfte, erwähnt in seinem Monumentalwerk über die amerikanischen Eliten ein Memo, das unter Englands wohlhabendsten Bankern und Aristokraten zirkulierte, in dem es sinngemäß hieß:

Die Sklaverei wird durch die Kräfte des Krieges ausgelöscht und jede Leigeigenschaft abgeschafft werden. Meine Freunde und ich befürworten diese Entwicklung, da Sklaverei es mit sich bringt, dass einem die Arbeit gehört und man sich um die Arbeiter kümmern muss, während der europäische Plan, angeführt von England, es sei, dass das Kapital die Arbeit durch die Kontrolle der Löhne beaufsichtigen würde. … Dem Greenback kann nicht gestattet werden, weiterhin als Geld zu zirkulieren, da wir diesen nicht kontrollieren können. Aber wir können die Bonds (Aktienpapiere) kontrollieren und über diese die Banken.

Abraham Lincoln wurde nur wenige Tage nach der Kapitulation der Südstaaten ermordet, eine Verbindung des Mörders zu britischen Urhebern wird nicht ausgeschlossen.

Hartnäckige Gerüchte behaupten, dass Präsident Kennedy ebenfalls ermordet wurde, weil er das kleine schmutzige Spiel der Banken nicht mehr mitmachen wollte und seinen eigenen Greenback in Auftrag gab. Doch dies scheint in dieser Form nicht zutreffend zu sein.[2]

Die Executive Order No. 11,110, die vielfach in diesem Zusammenhang zitiert wird, bezieht sich indes auf die Aufhebung von Sonderrechten des Finanzministeriums, ohne die Zustimmung des Präsidenten Silber zu verkaufen. Ob das schon als Grund für einen Mord ausreicht?

Die große Depression von 1873

Die Zeit nach Beendigung des „Civil War“ war geprägt von einer Stimmung des Aufbaus: Häuser, Straßen, Brücken, Eisenbahnen – überall wurde gebaut; Industrie, Handel und Baugesellschaften blickten auf volle Auftragsbücher.

Für den Ausbau des nationalen Streckennetzes wurden Geschäftsbanken benötigt, welche die riesigen Summen stemmen konnten, und die fanden sich unter anderem durch die Beteiligung englischer Investoren an den größten Banken der USA . Die Größe des Eisenbahnstreckenbau-Projekts, möglich gemacht durch die bereitgestellten staatlichen Mittel, war Garant einer brummenden Wirtschaft in den Jahren nach dem Krieg.

Im Oktober 1873 kam es dennoch zu einer großen wirtschaftlichen Depression, welche bis 1879 anhielt. Die nackten Zahlen dieser Depression können das ganze Ausmaß dieses Einbruchs nicht ausreichend darstellen.

Die Durchschnittslöhne fielen um knapp ein Viertel. Tausende amerikanische Firmen gingen mit über einer Milliarde Dollar in Konkurs, neun von zehn U.S. Eisenbahnkonzernen waren betroffen, die Arbeitslosenzahlen steigen für über ein Jahrzehnt in den zweistelligen Bereich, die Zahlen der Obdachlosen stiegen parallel dazu. [2]

Die Einführung des Goldstandards

Die Gründe für diese Depression scheinen kurioserweise ausgerechnet (u.a.) in Deutschland zu finden sein, das 1871 den Goldstandard einführte, was das Greenback-System zusätzlich unter Druck setzte. Die Bank of England hatte diesen Standard schon 1866 eingeführt.

1875 wurde der Greenback abgeschafft. Zufall oder war das Timing der geheimen Hand des Hauses Rothschild zu verdanken, wie böse Zungen sicherlich behaupten werden?

Die Frage ist leider nicht in der gewünschten Eindeutigkeit zu beantworten. Wenn man von der Theorie ausgeht, dass derjenige, der über die meisten finanziellen Mittel verfügt, auch die größte Macht hat – dass Kapital ab einer gewissen Größe sozusagen ein Eigenleben hat -, dann kan man die Frage bejahen. Die Familie Rothschild war Anfang des 19. Jahrhunderts bereits mit Abstand die reichste Familie der Welt.

In diesen Zeiten der wirtschaftlichen Depression begannen sich sich die größeren amerikanischen Unternehmen und Gesellschaften um die beiden finanzstärksten Gruppen zu versammeln, Rockefeller und J.P. Morgan, um zu Vorläufern der späteren riesigen Konzerne und Kartelle zu verschmelzen. Als der Staub sich legte und es wieder aufwärts ging, hatten sich zwei Pole im Pool gebildet; zwei Haifische sind sozusagen übrig geblieben. Den flotten Wechsel der Metaphern möge man mir nachsehen.

Die von der Depression in die Pleite getriebenen Unternehmen waren natürlich von den finanzstärksten Parteien am Platz aufgekauft worden- J.P. Morgan und Rockefeller. Ähnliches war nach der „Panik“ von 1893 zu beobachten, schreibt William F. Engdahl.

Die mächtigsten Gewinner dieser von den Bankern selbst erzeugten Krise aufgrund eines Runs auf Gold seien J.P. Morgan, James Stillmann von der National City Bank – die Bank von Rockefellers Standard Oil Trust, und eine Handvoll Makler, angeführt von [August] Belmont und Kuhn Loeb & co gewesen.

Das Geld lag in jener Zeit auf der Straße, genauer gesagt auf der „Railroad“ – wenn man nur genügend davon hatte.

Die Eisenbahn-Gesellschaften

Es ging um den Bau von Straßen, aber auch um die Eisenbahn und immer wieder um die Eisenbahn; um den Bau und Betrieb der Strecken, um eine direkte Linie zwischen Chicago und der Westküste – um Versicherungen, Kredite, Fracht und die jeweilige Monopolstellung auf dem Markt.

Bild Wiki: Das Zusammentreffen der Central Pacific und der Union Pacific wird am 10. Mai 1869 gefeiert

Beginnend in den 1830ern hatte eine Idee Gestalt angenommen: Ein transkontinentales Eisenbahnnetz, das die beiden Küsten miteinander verband, das „Heartland“ eroberte und Amerika solcherart als Nation erst regierbar machte. Die transkontinentale Eisenbahnlinie wurde zum nationalen Projekt. Ab 1875 beginnt Kuhn Loeb &co sich verstärkt in die Entwicklung und den Ausbau von Eisenbahnprojekten einzubringen.

Bis in die 1880er Jahre und länger herrschte ein wahrer Boom im Eisenbahnbau und bei allem, was mit der Railroad zu tun hatte, war eine Menge Geld zu verdienen.

Alle großen Bankhäuser und Finanziers jener Zeit, angefangen mit den Rockefellers über J.P. Morgan zu Kuhn&Loeb, Co., hatten ihre Anteile an Eisenbahngesellschaften, strategische Investitionen wurden getätigt und Liaisionen eingegangen oder verworfen; Übernahmeversuche von gegnerischen Gesellschaften waren an der Tagesordnung.

Bild Wiki: Eröffnung der Transkontinentalen Bahnstrecke 1869. Der Lückenschluss zum restlichen Schienennetz der Vereinigten Staaten wurde mit der Fertigstellung der Union Pacific Missouri River Bridge 1873 ermöglicht. [1]

Mehrmals geriet die amerikanische Börse zwischen 1870 und 1901 in heftige Turbulenzen, nicht zuletzt aufgrund der Wetten auf die „Railroad“-Companies durch die dahinter stehenden Finanzgiganten. Aufgrund von Aktienkäufen und -spekulationen begannen die Preise der Northern Pacific Anteile im Mai 1901 auf einmal auf bis zu $ 1000 Dollar steigen, was zur „Panik vom 9.Mai“ führte.

Harriman und sein Kontrahent von der Northern Pacific einigen sich schließlich auf einen Waffenstillstand, der Harriman aber Vorteile verschafft, unter anderem durch einen (weiteren seiner zahlreichen) Direktorenposten bei Northern Pacific. Wieder sehen Kritiker die negativen Aspekte einer Vereinbarung zwischen den beiden Eisenbahnmagnaten und fürchten eine weitere Monopolisierung des Transportwesens.

Anfangs des neuen Jahrhunderts vereinen sich auch die ehemaligen erbitterten Rivalen, Rockefeller und Morgan, aus praktischen Gründen zu einer Allianz, die von Kritikern im Kongress „Der Money-Trust“ genannt wurde.

Das „Ostküsten-Establishment“

In seinem 1935 veröffentlichten Buch „Lords of Creation“ in der Neuauflage mit dem Untertitel „The History of America´s 1 percent)“ ermöglicht Frederick Lewis Allen (1890-1954) einen umfassenden Blick auf die wohlhabendsten Männern Amerikas Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.  Gemeinsam war diesen Männern,  unter ihnen Jacob Schiff von Kuhn&Loeb und natürlich J.P. Morgan,  z.B., dass keiner von ihnen einen College-Abschluss besass, und dass alle sogenannte „Self-Made“ Männer waren, welche „um den Verdienst von Genügsamkeit“ wussten. Sie waren eine fromme Gruppe, die ihr Christentum mit Puritanismus mischten und einem Glauben an eine Laissez-Faire Ökonomie, schreibt Allen.

Dass ihnen aber auch eine gewisse Kaltschnäuzigkeit im Geschäft zu eigen war, dass sie allesamt in ihrer Arbeit aufgingen – heute würde man sie als „Workoholics“ bezeichnen. Des Weiteren hätten sie im ständigen Widerstreit mit den Regulierungsversuchen der US-Regierung gestanden.

Eine spätere Studie des „Eastern Establishment“ umschreibt die gemeinsame Eigenschaft dieser exklusiven Männergruppe mit dem Glauben an den Puritanismus und an den „amerikanischen Traum“.

„All Honourable Men“

Zusammenfassend könnte man sagen: Sie waren in der Regel strenggläubige Puritaner, folgten in ihren Geschäften meistens einer Art Kodex, wenigstens innerhalb ihres Kreises. Sie hielten sich selbst für rechtschaffene Männer, die hart gearbeitet hatten, und nun verdienten, was sie hatten, weil sie die Besten waren, auch wenn sie dabei gelegentlich die Ellenbogen ausfahren und mit harten Bandagen kämpfen mussten. Der amerikanische Traum eben.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich ein Netzwerk aus ungefähr 60 ultrareichen Familien herangebildet, verstärkt durch Heirat zwischen den Dynastien, sowie gemeinsame Anteile an Banken, Gesellschaften und Aktienpaketen. Dieses Netzwerk wurde auch als der „Money-Trust“ bezeichnet.

Etliche der nachfolgend aufgeführten Namen sind ebenfalls an der Gründung des Guaranty-Trust beteiligt, über den im Zusammenhang mit der Finanzierung der russischen Revolution schon berichtet wurde.

Ungefähr 60 Familien – Namen wie Rockefeller, Morgan, Dodge, Mellon, Pratt, Harkness, Whitney, Duke, Harriman, Carnegie, Vanderbilt, DuPont, Guggenheim, Astor, Lehman, Warburg, Taft, Huntington, Baruch und Rosenwald… [W.F. Engdahl, Wall Street and the Death of the American Century, S.28]
 

Bild Wiki: Benjamin Guggenheim war ein Opfer des Titanic-Unglücks, er stand im Konflikt mit J.P. Morgan, der selbst an diesem Tag verhindert war.

… genießen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihren amerikanischen Traum in Vollendung.

Die „Gesellschaft“

Sie sind praktisch auserwählt, eine Elite. Prof. Carrol Quigley schreibt über die Zeit des Finanzkapitalismus (1884 – 1933):

Damals übernahmen die Investmentbankiers einerseits Geschäftsbanken und Versicherungen und andererseits das Eisenbahnwesen, sowie die Schwerindustrie. Sie konnten gewaltige Vermögen mobilisieren und enorme wirtschaftliche, politische und soziale Macht ausüben. Vom Volksmund „Die Gesellschaft“ oder „Die Vierhundert“ genannt, führten sie ein Leben in strahlender Pracht. Sie befuhren die Ozeane in großartigen Privatjachten oder reisten zu Land in privaten Zügen. Auf eine zeremonielle Art zogen sie zwischen ihren spektakulären Landsitzen und ihren Stadthäusern in Palm Beach, Long Island, auf den Berkshires, in Newport und Bar Harbour um. Sie kamen unter den kritischen Augen von Frau Astor aus ihren festungsartigen New Yorker Residenzen zum Besuch der Metropolitan Opera oder trafen sich zu Geschäftssitzungen auf höchster strategischer Ebene in ehrfurchtgebietender Anwesenheit von J.P. Morgan höchstpersönlich. (Tragedy and Hope, Kopp Verlag, 2016, dt. S. 66)

Bild Wiki: Madeleine Astor – Die Schönen und die Reichen … im Privatzug zur Party.

Insbesondere die Söhne jener Selfmade-Männer werden studieren und z.B. in Harvard oder Yale in Geheimbünde wie die Skull&Bones initiiert werden; Bünde, die Beziehungen untereinander pflegen und wo die älteren Elite-Brüder die Jüngeren unter ihre Fittiche nehmen.

Die Verflechtung von Gesellschaften, Banken, Konzernen und Wirschaftskanzleien nahm Anfang des 20. Jahrhunderts weiter an Fahrt auf. 1909  ist die von Morgan kontrollierte „United States Steel“ das erste Milliarden schwere Unternehmen in den USA. Im Jahr 1930 waren es 15. In diesem Zeitraum steigt auch der  Anteil an allen Firmen in der Hand der 200 größten Unternehmen von 32% auf 49% und erreichte 1939 sogar 57%. 1930 hielt die American Telephone and Telegraph Aktiengesellschaft ein größeres Vermögen als 21 Staaten der Union zusammen. [Carroll Quigley, Tragödie und Hoffnung]

Einige Stationen des Lebens und Wirkens von Edward Harriman stehen beispielhaft für diese Entwicklung vom amerikanischen Selfmade-Mann während der Railroad-Zeiten zum Oligarchen eines Finanzimperiums.

Ihm und seinem Sohn, Sohn Averell, widmen wir im nächsten Teil ,“Der Money-Trust (1)„, unsere besondere Aufmerksamkeit, um dem Mangel an Farbe, mit dem die Beschreibung der amerikanischen Elite jener Zeit sich bisher behelfen musste, abzumildern und mit weiteren Details aufzufrischen.

Im weiteren Verlauf meiner Recherchen, gewann ich neue Erkenntnisse über die Ursprünge unserer Eliten durch die Geschichte der britischen East India Company.

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