Die Geburt des internationalen Terrorismus im Namen des Islam

 Afghanistan/Kabul 1978

Schon seit dem frühen Morgen ratterte der Bus über eine schier endlose Schotter- und Sandpiste. Für die rund 1100 km lange Strecke zwischen Herat, der Stadt nahe Persien, und Kabul war eine Fahrzeit von etwa 17 oder 18 Stunden angesetzt. In meiner Erinnerung liegt dazwischen kaum etwas, außer eine in der Hitze flimmernde, unwirtliche Steinwüste auf der einen, und eine kahle, abweisende Bergkette in einiger Entfernung auf der anderen Seite.

Mitten im Nirgendwo verlangsamt der Bus das Tempo, bricht die Monotonie des Dieselmotorengeräuschs. Ein Mann und eine Frau in traditioneller afghanischer Tracht steigen aus, jeder von beiden mit einem dicken Sack bepackt und machen sich auf in Richtung der Berge, auf denen kein Grün zu sehen, kein Wasser zu erahnen war.

Als die Nacht hereinbrach, hüllte sich die Landschaft in einen Umhang aus vollkommener Schwärze, unmöglich zu erkennen, ob da wirklich nichts war oder ob die Leute einfach keinen Strom hatten. Deshalb konnte ich nicht erkennen, was der Grund für den letzten Stopp dieses langen Tages war.

Der Busfahrer stieg aus und kam nach einer schier endlos dauernden Weile wieder zurück. Einige afghanischen Mitpassagiere vertraten sich unterdessen die Beine, während sich im Bus eine lebhafte bis erregte Debatte entspann. Ich konnte natürlich kein Wort verstehen.

Der Busfahrer erzählte etwas, das ich auch nicht verstehen konnte, eine weitere, noch erregtere Debatte schloß sich an, während er den Bus mühsam zurücksetzte und wendete. Schließlich gelang es mir eines Mannes habhaft zu werden, der wenigstens ein paar Bröckchen Englisch sprach. Die Straße sei vom Militär gesperrt, erklärte er. Wir würden jetzt in ein Hostel gehen und morgen ginge es weiter.

Am Tag X + 2

Erst am darauf folgenden Tag verstand ich etwas besser, worum es ging. Als der Bus bei Tageslicht weiterfuhr, stellte sich heraus, dass wir in der vergangenen Nacht schon kurz vor den Toren Kabuls gestanden hatten, bevor wir umkehren mussten.

Die Straßen, nun mit jedem Meter in einem besseren Zustand, waren von einer wogenden Menschenmenge erfült. Und überall war Militär präsent.

Schließlich fuhr der Bus im Schritttempo durch ein Spalier von grimmig aussehenden Soldaten, und es wurde endgültig klar, dass heute kein normaler Tag war. Dies war auch keine Parade oder etwas Ähnliches. Ein Teil des renommierten Hotel Kabuls war von einer Granate getroffen worden und sah einsturzgefährdet aus. Die Leute schienen wie von irgendetwas angetrieben und doch ziellos durch die Straßen zu strömen. Wiederum wusste ich nicht, ob das normal war, aber alles sprach dagegen.

Es war der 28. oder 29. April 1978, der Tag nach der Saur-Revolution. Eine pro-sowjetische Partei hatte den selbst durch einen Putsch an die Macht gekommenen Präsidenten Daoud getötet und das Kommando übernommen! Erst viel später sollte ich Einzelheiten erfahren. Die Zeit schrieb am 5. Mai 1978:

Der Umsturz hat nach Diplomatenberichten am vergangenen Donnerstag mit einer Demonstration gegen eine von Staatschef Daoud verfügte antikommunistische Säuberungswelle in Kabul begonnen. Als die Demonstranten versuchten, den Präsidentenpalast zu stürmen, eröffneten die Wachen das Feuer. Kurz darauf griffen Panzer und Flugzeuge den Palast an. Die Kämpfe breiteten sich schnell über die ganze Stadt aus und hielten bis Freitagabend an. Mehrere Hundert Menschen sollen dabei getötet vorden sein.
Nach Meldungen von Radio Kabul haben die Putschisten zwei Tage nach dem Umsturz führende Mitglieder der bisherigen Regierung und hohe Kommandeure der Streitkräfte hinrichten lassen. Zu den Exekutierten sollen Vizepräsident Abdul Lilian, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Rasoli, Innenminister Abdul Noorastani und Vizeluftmarschall Mohammed Musa zählen. Aber auch jeder andere, so die Rundfunkmeldung, der führende Funktionen in der früheren Regierung oder den Streitkräften wahrgenommen […] müsse mit dem Schlimmsten rechnen. „Die letzten Reste der imperialistischen Tyrannei und des Despotismus der Familie Daoud“ würden endgültig beseitigt werden. [1]

Dabei wollte ich eigentlich nur gechillt Urlaub machen.

Alle westlichen Reisenden, darunter viele Rucksacktouristen wie ich, versuchten umgehend die Stadt wieder zu verlassen, doch es gab kein Entkommen, eine ganze Woche lang. Das Militär hatte alle Straßen blockiert. Nachts wurde (wahrscheinlich) im Regierungsbezirk geschossen, ab und zu flogen Kampfjets ziemlich niedrig über die Stadt. Tagsüber waren die Straßen trügerisch ruhig, über die nächtlichen Straßen Kabuls war eine Ausgangssperre verhängt worden.

Schließlich erklärte die neue Regierung, die Lage unter Kontrolle zu haben und wir konnten endlich weiterziehen und der politisch gespaltenen Stadt den Rücken kehren. Jahrzehntelang würde in Afghanistan keine Ruhe mehr einkehren.

1979

Die neue, kommunistisch bzw. links orientierte Regierung fand in der afghanischen Bevölkerung auf dem Land keinen Rückhalt, vor allem die einflussreichen Clan-Chefs fürchteten um ihre Macht und Imame empfanden die in der Sowjet-Union ausgebildeten Putschisten als gottlose Menschen.

In Kabul sah das hingegen anders aus. Das folgende YT-Video ist auf arabisch, dennoch lohnt es sich allein wegen des Anblicks von Scharen unverschleierter, lachender Frauen in Kabul reinzuschauen.

Zwar wollte die Partei einige gute, am Ende sogar gerechte Reformen durchführen, jedoch wurden die Entscheidungen von der „People´s democratic Party of Afghanistan“ (PDAP) weder demokratisch getroffen noch durchgesetzt, sondern über ein Kommittee gehandhabt.

Die religiösen Mullahs, ebenso wie die Großgrundbesitzer und „Lords“, sahen ihren Einfluss durch die Aktivitäten der pro-sowjetischen Putschisten bedroht.

Geheime Sondierungen der USA in Afghanistan

Als Reaktion auf die neue linksgerichtete pro-sowjetische Regierung in Kabul begann die CIA bereits 1978 mit der Ausbildung von militanten Regierungsgegnern in Pakistan.

Spätestens Mitte 1979 oder vorher begannen geheime Erkundungsmissionen der USA, um herauszufinden, wie sich die Lage in Afghanistan am besten ausnützen ließe, schreibt Nafeez Mosaddeq Ahmed, der ausgezeichnete Recherchearbeiten im Zusammenhang mit den Attentaten vom 11. September 2001 leistete.

„Wir haben den Mujahideen schon vor der sowjetischen Invasion Unterstützung gewährt“

sagte Brzezinski, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Carter, lt. Le Nouvel Observateur. Aus seinen Aussagen kann man schließen, dass die USA gewisse Clan-Chefs gestärkt haben und die Unruhe unter verschiedenen afghanischen Fraktionen schürten. Geld öffnet (nicht nur) in Afghanistan viele Türen und ebnet Wege für neue Bündnisse.

Dies war auch später immer wieder als afghanische Besonderheit zu beobachten, wenn die Kriegstruppen des einen Anführers von einem Tag auf den anderen überliefen und dann bei der neuen Truppe so weitermachten als wäre nichts geschehen, nun vielleicht auf ihre ehemaligen Kameraden schossen.

USA – Pro-Aktiv

Bestätigt wird die Aussage, dass die USA gewissermaßen pro-aktiv in Afghanistan tätig waren, in den Memoiren des früheren CIA-Direktors Robert Gates. In „From the Shadows“ schreibt Gates, dass die USA die afghanischen Mudjahideen schon 6 Monate vor dem sowjetischen Einmarsch unterstützt haben.

Schon 1977, noch in seiner Funktion als Nationaler Sicherheitsberater, bildete Brzezinski die Nationalities Working Group (NWG), eine Gruppe, die sich der Schwächung der Sowjet-Union durch das Anstacheln ethnischer Konflikte zur Aufgabe machte. Im Dezember 1978 scheinen Brzezinkis Vorstellungen Fortschritte gemacht zu haben. Seine Strategie will nun den gesamten Mittleren Osten in Religionskriege stürzen, weil die Unruhen, so die Kalkulation, früher oder später auf die Sowjet-Union übergreifen und zu einer Schwächung der KP führen würde.[Scott, 2007, pp. 67]

Als die Sowjet-Union sich Anfang der 90er Jahre sang- und klanglos verabschiedete, war die Destabilisierung des Mittleren Ostens durch religiöse Konflikte schon weit vorangeschritten. Ob die Strategie tatsächlich zum Zusammenbruch der Sowjet-Union geführt hat, scheint fraglich zu sein.

Die „Jerusalem Conference on International Terrorism“

In diesem Sommer, 1979, während sich die Lage in Afghanistan zuzuspitzen beginnt, versammelte sich eine Gruppe einflussreicher westlicher Militärs, Politiker und „Experten“ in Jerusalem um die ideologischen Fundamente des Krieges gegen den Terrorismus festzulegen und folgten damit Zbignew Brzezinskis Vorgaben, der einen weiteren Keil setzen wollte, um den Umsturz der KPDSU voranzutreiben.

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Die „Jerusalem Conference on International Terrorism“ (JCIT) wurde im Auftrag der Jonathan Stiftung vom damaligen israelischen Finanzminister Benjamin Netanyahu organisiert. Jonathan Netanyahu, Bruder des späteren Ministerpräsidenten, war Mitglied einer israelischen Elite-Einheit und starb 1976 im Verlauf der „Operation Entebbe“ bei der Befreiung israelischer Geiseln aus der Gewalt palästinensischer Hijacker der „Popular Front for the Liberation of Palestine“ in Uganda.

Der israelische Präsident Epphraim Katzir schrieb über das Institut, das Ziel sei „unsere Leute mit den grundlegenden Werten des Zionismus zu inspirieren„.

Ziele des JCIT

Als weitere Ziele des Institutes nannte er drei Punkte von herausragender Bedeutung:

  • Der israelischen Armee und der Jugend die essentiellen Fakten des Welt-Judenproblems, die klassische zionistische Lösung und die Unverzichtbarkeit des israelischen Staates für das Überleben des jüdischen Volkes zu verdeutlichen.
  • Das Institut wird die Idee fördern …, dass Israels Überleben, Stärke und Sicherheit ausschlaggebend für das Überleben der freien Welt ist.
  • Das Institut wird sich der Aufgabe widmen, die Wurzeln des Terrorismus zu erfassen, welcher die Welt heute verschlingt …Es werden die Mittel und Wege erforscht, wie dieser Gefahr begegnet werden kann. [3]

Die These, welche im Sommer 1979 einem einflussreichen internationalen Publikum vorgetragen wurde, war, dass der Internationale Terrorismus eine organisierte politische Bewegung darstellte, dessen Urheber in der Sowjet-Union zu suchen seien. Alle terroristischen Gruppen waren -laut JCIT- letztendlich auf einen einzigen Ursprung zurückzuführen, die Sowjet-Union, welche die verschiedensten terroristischen Bewegungen in der ganzen Welt, militärisch, finanziell und logistisch unterstütze.

Die „Gefahr“ für die Demokratie

Diese tödliche Gefahr für die Sicherheit und die Demokratie des Westens durch die weltweite (von der Sowjet-Union gesteuerte) Ausbreitung des internationalen Terrorismus würde nach einer entsprechenden weltweiten Anti-Terrorismus Offensive verlangen, welche durch die Koordination der westlichen Geheimdienste erreicht werden könne.

Gemäß einer Studie von Philipp Paul für seine Master Arbeit an der San Francisco State Universität waren die Quellen, die zu dieser Einschätzung führten, nicht seriös und die Einschätzung selbst tendenziös. Während Unterlagen der CIA eher auf einen Rückgang des Terrorismus weltweit hindeuteten, führte die JCIT Statistiken an, welche einen zehnfachen Anstieg von Anschlägen mit terroristischem Hintergrund belegen sollten. Paul kommt zu dem vernichtenden Schluss, dass das JCIT

… eine erfolgreiche Propaganda-Operation war … die Auffassung von internationalem Terrorismus, wie vom JCIT dargestellt, auf fehlerhaften, unehrlichen und letztendlich einer korrupten Informations-Basis beruhte. [Paul Philipp, „International Terrorism“ Propaganda War, San Francisco State University, Juni 1982].

Die neue Ideologie des „Internationalen Terrorismus“

Die neue Ideologie des „Internationalen Terrorismus“ ermöglichte es der Reagan Administration auf eine neuerliche Interventions-Politk umzuschwenken. Immer mit dabei – in Reagan´s Regierung, während Ford´s Präsidentschaft und als George W. Bush Jr. das höchste Amt innehatte  – sind zwei Männer: Dick Cheney and Donald Rumsfeld, deren Rolle bei den Verbrechen am 11. September dringend einer Aufklärung bedarf.

[Quelle: David Hume Kennerly / Gerald R. Ford Library]Donald Rumsfeld und Dick Cheney, mit President Gerald Ford, am 28. April 1975. Haben Sie damals schon am Plan für 9/11 gefeilt? Die Attentate vom 11. September 2001 müssen von langer Hand geplant gewesen sein.

Mit der JCIT-Doktrin konnte die Politik des Staatsterrorismus und von Repressionen legitimiert werden, gleichzeitig wurde eine Reform der internationalen Geheimdienst-Community in die Wege geleitet, um diesen „internationalen Terrorismus“ zu bekämpfen.

Das Interesse Israels in dieser Angelegenheit ist offensichtlich. Denn nicht wenige der Flugzeugentführungen und Anschläge der damaligen Zeit richteten sich gegen Israel. Über die neue Politik und den Einfluss des amerikanischen Partners bekam Israel nun nicht nur Zugriff auf Erkenntnisse westlicher Geheimdienste und Unterstützung vom westlichen Geheimdienstapparat, sondern zugleich einen großen Hebel, mit dem es die arabische Welt umgestalten und dirigieren konnte.

Erinnern wir uns. Wenn in den 1950er bis 1980er Jahren eine Regierung nur in den Verdacht kam, kommunistisch zu sein, dann war ihr Urteil bereits gefällt und die verdächtige Regierung konnte mit Scharen von CIA-Beratern, auch „Hit-Men“ genannt, rechnen, die am „Regime-Change“ feilten.

Confessions of an Economic Hitman, John Perkins (englisch) – sehr informativer Bericht eines Insiders

Nun kam auch noch das Schwert der Ideologie des „Internationalen Terrorismus“ hinzu, das mißliebigen Staaten jederzeit an den Hals gesetzt werden konnte und geheimdienstliche oder militärische Maßnahmen der USA gegen ein anderes Land rechtfertigte.

Die Architekten des JCIT

Mit am Konferenztisch saßen gestandene amerikanische und britische kalte Krieger, rechtsliberale Politiker und Publizisten, sowie natürlich die Zionisten. Z.B.

  • Menachmen Begin, damals israelischer Premier Minister und ehemaliger Irgun „Terrorist“
  • Benzion Netanyahu, Professor Emeritus an der Cornell Universität
  • Shimon Peres, Führer der Israelischen Arbeiter Partei
  • Gen. Chaim Herzog, ehemaliger israelischer Geheimdienst Chef
  • Maj. Gen. Meir Amit, ehemaliger israelischer Geheimdienst Chef
  • Lt. Gen. Aharon Yariv, ehemaliger israelischer Geheimdienst Chef
  • Maj. Gen. Schlomo Gazit, ehemaliger israelischer Geheimdienst Chef
  • Honourable Sir Hugh Fraser, Konservativer MP und ehemaliger British Underseretary of State for Colonies
  • Henry M. Jackson, einflussreicher Senator vom rechten Flügel des Staates Washington
  • Richard Pipes, Professor und Russland-Experte in Präsident Reagans nationalem Sicherheitsrat
  • Ray S. Cline, ehemaliger stellvertretender Direktor der CIA
  • Maj. Gen. George J. Keegan, ehemaliger US Air Force Geheimdienst Chef
  • George Bush Sr., ehemaliger CIA Direktor und dazumal Präsidentschaftskandidat, der später der erste Präsident Bush wurde.

Ein zentraler Bestandteil von George W. Bush Jr´s Politik wird das Thema „Internationaler Terrorismus“ sein. Keine Gelegenheit wird ausgelassen vor Al-Quaeda zu warnen.

George Bush Sr. zeigte zuvor im 1. Irak-Krieg der Welt unmissverständlich, wer im post-sowjetischen Zeitalter die Nr. 1 ist und wie mühelos sie, die Amerikaner, die militärische Oberhand im Irak gewinnen konnten. Was es leichter für die amerikansche und internationale „Öffentlichkeit“ machte, die Pille zu schlucken und es den Medien erlaubte, von einer Art sauberem Krieg zu berichten.

Die Öffentlichkeit wurde nach und nach mit dem Begriff des Terrors bekannt gemacht, der sich ausbreiten konnte und zu einer „internationalen“ Gefahr wurde.

Afghanistan – Zerreißprobe zwischen Ost und West

Unterdessen wurde das kleine Land am Hindukusch zum Zankapfel der beiden Großmächte. Und – es herrschte bitterkalter Krieg.

Kalter Krieg in Afghanistan

Schon vor dem Einmarsch der Sowjet-Union hatte die neue pro-sowjetische Regierung mit ständigen Provokationen und Reibereien seitens der Koalition der von der CIA unterstüzten Rebellen, Clan-Chefs und Mullahs zu kämpfen, was zu harschen Gegenreaktionen der Regierung führte. Die Lage in Afghanistan destabilisierte sich zusehends.

Getreu der Maxime des Kalten Krieges bot die „kommunistisch“ geprägte neue Regierung der anti-kommunistischen Fraktion der CIA einen willkommenen Grund, um Rebellen allerlei Coleur in Afghanistan zu unterstützen, Hauptsache sie waren keine Kommunisten.

Eine kommunistische Regierung konnte an dieser (auch für Ölkonzerne wie Unocal) strategisch bedeutsamen Stelle Asiens nicht geduldet werden, und was das angeht, am Besten auch sonst nirgendwo.

Anti-kommunistische Propaganda und Koran

Die Strategie seitens der CIA war, den Islam zur politischen Ideologie zu transformieren, und damit eine Waffe gegen den Feind (Kommunismus) zu schmieden. Ermöglicht wurde dies mit der Behauptung, dass der Islam – erst durch die kommunistisch, sowjetisch geprägte Regierung der PDPA, dann durch den sowjetischen Einmarsch mit anschließender Besetzung Afghanistans – bedroht würde. Tatsächlich betrieb die neue Regierung keine, wahrscheinlich sogar zu wenig Einmischung in religöse Fragen.

Die afghanischen Feudalherren und die Riege der Mullahs wurden mittels des sanften Drucks von harten Dollars dazu bewegt, zusammen gegen die PDPA zu arbeiten oder wenigstens in dasselbe Horn zu stoßen. Eine Allianz aus Clan-Chefs entstand, die später auch unter dem Namen die „Peshawar Sieben“ bekannt wurden, die zunehmend religiöse Gründe als Rechtfertigung für den Kampf gegen die Regierung benutzten, obwohl es wohl in erster Linie um ihre eigene Stellung im Feudalsystem Afghanistans ging.

Ziel der westlichen Strategie war, die Afghanen zu radikalisieren und sie dazu anzustacheln, die Sowjets kostengünstig (für die USA) aus dem Land zu vertreiben, um wieder eine USA-freundliche Truppe zu installieren. So jemanden wie Vorgängerpräsident Daoud, der das genaue Gegenteil von dem vertrat, für das die an die Macht gekommene kommunistischen Partei stand – er war ein klarer Verbündeter der USA. Der afghanische Krieg wurde mit dem Gold Saudi-Arabiens und der USA und mit dem Blut der Afghanen bezahlt.

Der Plan, besser gesagt die Hoffnung Brzezinskis war, dass der extrem-religiöse Polit-Islam in die Sowjet-Union überschwappen würde und Zentralasien infizieren würde. Wörtlich hat er das natürlich nicht gesagt – aber so ähnlich.

Ein Experiment in Radikalisierung

Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Afghanen dazu gebracht werden, extreme Positionen zu vertreten. Sie sollten in der Lage sein, das Extreme zu tun, das man eigentlich nur tut, wenn man sich existentiell bedroht fühlt.

                                                  Menschen töten.

Deshalb war eine der vielen, die Lage im Land destabilisierenden Maßnahmen der USA, Schulbücher für Grundschüler zu sponsoren, in denen der Jihad gepriesen wird, schrieb die Washington Post im März 2003.

Eine Million Dollar ließ man für so ein Projekt anscheinend schon mal springen, in denen den Erstklässlern Bücher mit Abbildungen von Waffen, Munition, Panzern und Minen pädagogisch sinnvoll nahegebracht wurden. Was den Sowjets glatt entgangen sein muss. Seltsam, wenn man es bedenkt. Aber richtig, sie mischten sich ja nicht in die Religion ein. War das  vielleicht doch ein Fehler im Nachhinein betrachet?

Dezember 1979 – Einmarsch der Sowjet-Union

Im Juli 1979 bestätigt Präsident Carter formell die verdeckte Hilfe für die regierungsfeindlichen Kräfte in Afghanistan, was die sowjetische Regierung in Alarmstimmung versetzen musste.  Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Sowjet-Union dazu provoziert werden sollte, sich auf ein militärisches Engagement in Afghanistan einzulassen.

Am 8. Dezember 1979 entschloss sich die Sowjet-Union zum Einmarsch in Afghanistan. Gleich zwei Fehler. Welcher Idiot greift Afghanistan im Winter an? Tatsächlich kamen die sowjetischen Truppen jedoch auf Einladung der Regierung, um bei der Stabilisierung des Landes zu helfen. Wie es dann zu der Zwangsokkupation des Landes kam, ist eine eigene blutige Geschichte.

Der Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski empfahl Präsident Jimmy Carter daraufhin die Hilfe für die Mujahideen fortzusetzen (welche die Sowjet-Union überhaupt erst zum Einmarsch motiviert hatte).

Quelle: Wally McNamee / Corbis – Carter (rechts), der pakistanische Präsident Muhammad Zia ul-Haq (links),  Zbigniew Brzezinski (in der Mitte, hinten)

Eine Reihe von Offizieren, die der gegnerischen Fraktion des Kurses der PDAP angehörten, sahen sich spätestens nach der Besetzung des Landes durch die Sowjets 1979 zur Flucht ins Ausland gezwungen, wo sie im nahen Pakistan nach Arbeit suchten. Viele von ihnen landeten in Ausbildungslagern der CIA, auch in den USA, welche die angehenden Kämpfer weiter mit islam-politischer Doktrin impften und im Guerilla-Kampf ausbildeten. Andere wurden willige Zuträger des pakistanischen Geheimdienstes ISI. Der pakistanische Präsident Zia al-Haq war pro-islamisch und führte Gesetze zur strengeren Einhaltung des Islams ein.

Osama Bin Laden – Bindeglied zur CIA

Osama Bin Laden -der bekannteste Terrorist der Welt war das Mündel des saudischen Geheimdienstchefs Turki Al Faisal.

In dieser Situation – mit den sowjetischen Truppen im Land – kommt dem Milliardärssohn, Osama (Usama) bin (ben) Laden (Ladin), als Sohn einer strenggläubigen, saudischen Wahabitenfamilie eine wichtige Rolle zu. 1980 reiste Bin Laden nach Peshawar, wo er Kontakt zum anti-sowjetischen Jihad knüpfte.

Mit dem Segen des Hauses Bin Laden, dem Wohlwollen des saudischen Geheimdienstes und der CIA, und der Unterstützung durch den pakistanischen Geheimdienst ISI geht er nach Afghanistan, um am Kampf gegen die sowjetische Besatzung teilzunehmen. Er sammelt Kämpfer um sich, bringt die Nicht-Mujahideen mit den Mujahideen zusammen, er knüpft ein ausgeklügeltes internationales Finanznetzwerk, mit Hilfe dessen radikale Moslems in aller Welt rekrutiert, nach Afghanistan verbracht und bezahlt werden können.

Und nebenbei, zwischen 1982 und 1986, soll er auch noch Tora-Bora, das ausgeklügelte Tunnelsystem in den Bergen Afghanistans, gebaut haben. All das soll mit Hilfe, Duldung von und in Zusammenarbeit mit der CIA und dem pakistanischen Geheimdienst geschehen sein.

Al-Quaeda – Die Basis wurde von Saudi-Arabien finanziert

1984 eröffnete Bin Laden ein Büro in Peshawar, in Pakistan, als Anlaufstelle für Rekruten und um Geld für die afghanischen Mudjahideen zu sammeln. Laut Cooley soll Bin Laden in dieser Rolle bis 1985 genügend Geld gesammelt haben, um ´Al Quaida` zu gründen, was übrigens „Die Basis“ bedeutet und mit OBL´s Computerdatei zu tun haben soll, die er in seiner Zeit als Verbindungsmann zur CIA benutzte. Die CIA soll laut Robert Gates erst zwischen 1984 und 1985 bemerkt haben, dass Araber die afghanischen Mujahideen unterstützten und mit ihnen kämpften.

Bild Wiki: Islamistische Kämpfer in einem zerstörten afghanischen Dorf im Jahr 1986

Doch Osama will nicht nur Geld sammeln, sondern kämpfen, heißt es. 1986 gründet er eine eigene Kampfeinheit. Schon damals schwebte ihm eine Art internationale moslemische Eingreiftruppe vor. Osama trifft Alman al-Sawahiri, den in agyptischen Gefängnissen gefolterten Islamisten, der eine extremere Form des Islam mitbrachte. In seiner Vorstellung durften nun auch Moslems getötet werden, wenn sie seiner Vorstellung vom Islam zuwiderliefen. Diese extremere Haltung wird OBL Anfang der 90er Jahre in Konflikt mit den saudischen Authoritäten bringen, die ihn des Landes verweisen.

Zwischen 1980 und 1989 flossen bis zu 600 Mio Dollar durch die Kanäle von Bin Ladens Netzwerk, zu dem auch Wohltätigkeitsorganisationen wie Maktab al-Khidamat (MAK) gehörten. Das Geld kam von wohlhabenden Spendern aus Saudi-Arabien und dem persischen Golf und wurde dazu verwendet, die in Afghanistan kämpfenden Mujahideen und die Ausbildung des Nachwuchses in den Koranschulen in Pakistan zu unterstützen.

Die aus Ägypten, Palästina, Indonesien, Tschetschenien und anderen Ländern rekrutierten moslemischen Söldner sollen für einen recht hohen Monatslohn von $ 1500 Dollar angeworben worden sein, was bei 50.000 Kämpfern schnell mal auf $ 7,5 Mio Dollar kommt. Pro Monat.

Mohammad Yousaf, ein hochrangiger ISI-Offizier sollte später erklären:

“ Es war hauptsächlich arabisches Geld, welches das System rettete.“[4]

Der Titel des Videos ist irreführend, es enthält aber einige gute Dokumentaraufnahmen von OBL

Der pakistanische Geheimdienst ISI

Nach Aussage des früheren Stations-Chefs der CIA in Pakistan gelang es Bin Laden zwischen 1986 und 1989 monatlich zwischen 20 und 25 Millionen Dollar zur Finanzierung des Krieges zu beschaffen. Das wären zwischen 250 Mio und 300 Mio pro Jahr – eine Menge Geld, von dem einiges in den klebrigen Fingern des pakistanischen Geheimdienstes und von Zia al-Haq als Mittelsmann der CIA hängen geblieben sein dürfte.

In einem von einem pro-islamisch Staatspräsidenten regierten Land, in dem der Geheimdienst extrem-religiöse Moslems im Nachbarland beim Kampf unterstützt, ist es wenig verwunderlich, wenn es zu einer Verbrüderung der Interessen der beiden Fraktionen kommt. Peshawar und die „Tribal Area“ im Nordwesten Pakistans war Rückzugsgebiet und Sammelpunkt zehntausender schwer bewaffneter Kämpfer und eine Zeit lang ein No-Go-Areal, in das sich das pakistanische Militär nur widerstrebend und bis an die Zähne bewaffnet hineinwagte. 2007 – 2009 nahmen Taliban das Gebiet in Beschlag und lieferten sich heftige Gefechte mit pakistanischen Regierungseinheiten.

Quelle: Wiki – Blick vom Khaiber-Pass Richtung Pakistan. Die teilweise unwegsamen Bergregionen nördlich und westlich von Peshawar waren No-Go-Areas

Wie hätte der pakistanische Geheimdienst ISI da nicht ein vitales Interesse an allem haben müssen, was da nicht nur vor der Haustür,  sondern quasi im Wohnzimmer stattfand, und direkt das nationale Interesse betraf?

OBL – der neue Star

Für diese Fakten gibt es unverdächtige Quellen. Dem US-amerikanische Nahost-Experten John K. Cooley zufolge galt OBL (vor 1999) beim Saudischen Geheimdienst wie auch bei der CIA als Idelabesetzung. Derselben Quelle zufolge soll OBL 1986 am Bau eines von der CIA finanzierten Tunnelkomplexes beteiligt gewesen sein. „Diese tief in den Berg hineingetriebene Anlage, die in der Nähe der pakistanischen Grenze lag, sollte als geräumiges Waffenlager dienen, außerdem als Ausbidlungslager und medizinisches Zentrum für die Mudschahideen.[John K. Cooley, Unholy Wars:Afghanistan, American and International Terrorism].

Einige Zweifel an seiner Beschreibung sind Stoff für ein späteres Thema. Denn es gibt ein Problem mit der Darstellung Cooleys, die sich wahrscheinlich ebenso wie die Berichte der NY Times, auf nur eine einzige Aussage stützen.

Noch etwas ist seltsam in Zusammenhang mit Bin Ladens Biografie. So richtig berühmt wird er eigentlich erst 1998, durch die Veröffentlichung eines Briefes in einer arabisch sprachigen Zeitung in London, in dem er zum Krieg gegen die Amerikaner aufruft, bei dem auch Unschuldige getötet werden dürfen.

Die wohltätigen islamischen Stiftungen

Der investigative Reporter Joe Trento fand heraus, dass auch CIA-Gelder in die Kassen von MAK (auch Al-Kifah) flossen. Über diese Wohltätigkeitsstiftung wurden junge Männer für den Jihad in Afghanistan rekrutiert.

Quelle: Ronald Reagan Presidential Library – Der absolut anti-kommunistisch eingestellte Ronald Reagan 1985 mit Mudjahideen im Wohnzimmer. Der Präsident preist seine Gäste als „tapfere Freiheitskämpfer“, die das „böse Empire“ herausfordern  (zum Vergrößern draufklicken)

Ab 1985 beginnt sich bei der CIA Unzufriedenheit über die Effektivität der afghanischen Fraktionen durchzusetzen, welche eher miteinander im Streit lagen als die Sowjets zu bekämpfen. Aus diesem Grund wurden ab 1985 verstärkt ausländische Kämpfer angeworben und ausgebildet. Wussten Sie, dass die Mudschahideen teilweise $ 1500 Dollar Lohn pro Monat erhielten? Ein ordentliches Sümmchen Geld im Afghanistan jener Zeit.

Etwa zur selben Zeit  nimmt jedenfalls die geheime Unterstützung der Rebellen mit Waffen dramatisch zu. Alleine 1987 waren es 65.000 Tonnen Waffen und Munition, die über den pakistanischen Geheimdienst an die Rebellen geliefert wurden. Die Aktionäre britischer und amerikanischer Waffenhersteller dürfte es gefreut haben.

Bezahlt wurden die Waffen zunehmend über den Opium- und Heroinhandel, den die Mujahideen unter Kontrolle brachten. Wiederum soll dem pakistanischen Geheimdienst eine aktive Rolle bei der Verteilung der Drogen und Gelder zukommen.

Abdullah Azzam

Eine wichtige Person in Osamas Leben in Afghanistan ist Sheikh Abdullah Azzam, der als eine Art Mentor OBL´s beschrieben wird. In den 1990er Jahren reiste Azzam unermüdlich um die Welt, um Vorträge zu halten, Spenden zu organisieren und Kämpfer zu rekrutieren. Als er 1989 starb soll er zwischen 16.000 und 20.000 Mujahideen aus 20 Ländern für den Kampf in Afghanistan angeworben haben. Manche nennen ihn „den Lenin des Internationalen Jihad“. 

Barnett Rubin, Mitglied des Council on Foreign Relations (CFR) erklärt 1995, dass er aus vertraulicher Quelle erfahren haben will, dass Azzam auf der Gehaltsliste der CIA stand, um die zersplitterten afghanischen  Rebellengruppen zu vereinigen.

Quelle: CNN Abdullah Azzam hält 1988 eine Rede in den USA

Azzam bereiste bis zu seinem Tod im Jahre 1989 50 amerikanische Städte und verkündete seine Botschaft. 1988 bei einer Veranstaltung in New Jersey behauptete er z.B, nur mit „Blut und Märtyrertum“ könnte eine moslemische Gesellschaft erschaffen werden. Lt. Rubin soll er wegen seiner Verbindungen zur Muslim Brotherhood, dem saudischen Geheimdienst, und der Muslim World League von der CIA als besonders wichtig eingeschätzt worden sein.

Spätestens hier wird ein Merkmal der amerikanischen Außenpolitik sichtbar, das alle Merkmale der Hypokrasie (Fremdwort, das „scheinheilig“ bedeutet) trägt. Die Indianer hätten wahrscheinlich gesagt „Der weisse Mann und der Jude sprechen mit gespaltener Zunge“.

Technisch ausgedrückt wurde während der JCIT-Konferenz in Jerusalem eine Begrifflichkeit geschaffen- der vom „Feind“ hintertriebene „internationale Terrorismus“ – mit dem der Grundstein für eine neue Doktrin mit weitreichenden geopolitischen Konsequenzen erschaffen wurde – gleichzeitig wurde aber an der Schöpfung einer religiösen Extremistengruppe gearbeitet, die so brutal und menschenverachtend vorging, dass der Begriff Terrorist fast schon verharmlosend klingt.

Der Al Qaida Konzern

Und die Medien spielen mit. Was CNN bei der amerikanischen Desinformationskampagne leistet, vollbringt der vom Scheichtum Katar finanzierte arabische Sender Al Dschasira für die arabische Welt.

Einer seiner Journalisten, Yosri Fouda, übertrieb es mit der Schilderung von Al Qaida´s Organisation in seinem 2003 erschienen Buch „Masterminds of Terror. Die Drahtzieher des 11. September 2001 berichten“ allerdings ein wenig. Der Reporter behauptet, Bin Laden in der ersten Hälfte des Jahres 2002 in Karatschi getroffen zu haben, bleibt den Beweis dafür jedoch schuldig. Er schrieb:

„Al Qaida wird wie ein internationaler Konzern geführt. Osama Bin Laden ist der Präsident, Khalid Scheich Mohammed war der Vorstandsvorsitzende, der Mann der Tat und Ramsi Bin al Shibh war der gute Geist der Firma, derjenige, der am Morgen als erster da ist und am Abend als letzter geht. Al Qaida betreibt Terror als Business“ .

Der Konzern, der da so optimistisch beschrieben wird, hatte indes einige Mängel, z.B. in den Sachen Logistik und Kommunikation. Denn die Kommunikation per Handy war stark eingeschränkt, man wollte ja nicht geortet werden von den Amerikanern. Man sagt, Bin Laden hätte ein $ 10.000 Dollar teures Satellitentelefon besessen. Falls das stimmt, mit wem hätte er telefonieren sollen, während er von Versteck zu Versteck und in die Höhle zog? Mit Papa? Der CIA? ISI?

Ramsi Bin al Shibh, der „gute“ Geist

In den Jahren zwischen 1996 und 2001 war OBL schon ein international gesuchter Mann. Die Kommunikation zwischen ihm und seinen Leutnants wurde also über Boten abgewickelt. Je nachdem konnte zwischen einer Nachricht und der Antwort mehrere Wochen vergehen, in denen Bin Laden wieder mal sein Quartier wechselte.

Der angebliche „Vorsitzende“ Khalid Scheich Mohammed wurde später ebenso wie der „gute Geist“ Ramsi Bin al Shibh verhaftet, verhört, gefoltert und schuldig gesprochen. Jedoch bleibt der gute Geist der Geschichte auch nach seiner Verhaftung eher nebulös.

Ramsi Bin al Shibh saß (angeblich) in amerikanischer Haft und wurde als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September gehandelt, trat jedoch nie in einer öffentlichen Verhandlung auf. Als in Hamburg der Motassadeq-Prozess wegen Beihilfe zu 9/11 verhandelt wurde, forderte die Verteidigung, Ramsi Bin al Shibh als gewichtigen Entlastungszeugen für ihren Mandanten zu vernehmen. Doch die USA blockierten dieses Ansinnen.

Beispiel für „Internationalen Terrorismus“ Motassadeq

Der Verteidigung wurde auch keine Einsicht in die Vernehmungsprotokolle gewährt, ebenso wenig war es möglich, ihn im Gefängnis zu besuchen oder eine Videoaufzeichnung zu erhalten. Anfang 2003 wurde Motassadeq zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ironischerweise hob 2004 eine Revisionsverhandlung aber eben wegen des von der amerikanischen Justiz nicht zur Verfügung gestellten Ramsi Bin al Shibh das Urteil wieder auf. RP-Online schrieb dazu:

In dem weltweit ersten Prozess um die Terroranschläge in den USA hatte das OLG Motassadeq im Februar 2003 wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der BGH hob die Entscheidung im März 2004 auf. Danach folgten mehrere weitere Prozesse, bis El Motassadeq 2007 schließlich doch 15 Jahre Haft bekam.

Zu den Prozessen schrieb Spiegel Online am 08.01. 2007:

Beckmann hatte Recht, überraschend war das Urteil nicht. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte die Schuld des Marokkaners, der die Attentäter durch Verschleierung ihrer Pilotenausbildung und Geldüberweisungen unterstützte, schon festgestellt.[…]
Zum ersten Mal reagierte Motassadeq persönlich auf das 9/11-Opfer. „Herr Puopolo, ich verstehe Ihr Leid, ich spüre dasselbe“, sagte er. „Mir wurde dasselbe Leid zugefügt, meine Zukunft ist ruiniert“, stammelte er mit brechender Stimme.[…]
Wie zuvor aber vermied es Motassadeq, sich für das Geschehen am 11. September zu entschuldigen. Stattdessen beteuerte er seine Unschuld. Weder sei er „Statthalter“ der Hamburger Zelle noch Gehilfe von Atta und Co. gewesen. Was er getan habe, sei für ihn „normal“ gewesen. Nie habe er gewusst, was seine Freunde vorhatten oder planten. „Ich habe nie zu einer Gruppe gehört“, sagte er, „auch wenn sich nun vieles logisch anhört.“ […]
Seine Verteidiger beließen es schließlich dabei, gegen das bevorstehende Urteil zu protestieren. Forderungen stellten sie erst gar nicht mehr. „Für die Wahrheitsfindung“, so Anwalt Udo Jacob, „interessiert sich hier ja eh niemand mehr“.  [5]

Ich weiß nicht, ob Herr Motassadeq schuldig ist an der Beihilfe zu einer terroristischen Vereinigung. Wenn es aber so war, wie er sagt, dass er praktisch ein paar Kumpeln geholfen hat, die irgendein Ding in den USA drehen wollten, dann hätte er größte Schwierigkeiten diesen Punkt zu seinen Gunsten darzulegen, und so sah das auch das Gericht.

Möglich wurde dieses Urteil über die harsche Auslegung jenes „schweizer Taschenmesser-Argumentes“, das die Zugehörigkeit zu einer „internationalen terroristischen Gruppe“ regelt. Der Eiertanz, der um Motassadeqs Prozess und Verurteilung geführt wurde, war auch ein Eiertanz darum, ob es sich bei den angelasteten Verbrechen um eine nationale oder um eine internationale Straftat handelte, unabhängig davon, ob er nun mitschuldig war oder nicht.

Abu Zubaydah

Beginnend in 2002 gibt es noch weitere Erfolge im Kampf gegen Al Qaida zu vermelden. Abu Zubaydah soll als „chief of operations“ einer der dicksten Fische bei al Qaida gewesen sein. Schon Anfang des Jahres 2002 wird er gefangen genommen und verhört. Auf seinen Aussagen beruht ein großer Teil der offiziellen Version der 9/11 Geschichte.

Im 9/11 (C-)Ommission Report wird Abu al Zubaydah als „al Qaeda-Leutnant“ bezeichnet. Er soll dabei geholfen haben, in der Nähe der pakistanischen Grenze ein gut gehendes Terroristen Trainingscamp unterhalten zu haben.

Im Zusammenhang mit der Inhaftierung von Zubaydah gestand die US-Regierung 2009 allerdings ein, dass Abu Zubaydah al Qaida nicht einmal angehört hatte, ebenso wenig wie er über Vorwissen von Anschlägen verfügte.Die komplette Geschichte ist ein einziger Mythos, schreibt selbst der Guardian am 30. März 2009. [6]

Seine Geständnisse, die so wertvolle Einblicke in die Struktur der so effektiven al Qaida-Organisation gewährt hatten, sind somit mehr oder weniger wertlos. Alles, was er zu sagen hatte, gehört in das Reich unrechtmäßiger und unmenschlicher Folter.

Im September 2009 gab die US-Regierung zu, dass Zubaydah niemals Mitglied von al Qaida war oder in irgendeiner anderen Weise mit al Qaida assoziiert war. Das United States Government gibt weiterhin zu, dass Zubaydah nicht Mitglied von al Qaida war, im Sinne, dass er einen (Unterwerfungs-) Eid geschworen habe, oder andere formale Bedingungen erfüllt habe, welche er oder al Qaida als angemessen angesehen haben, um Mitglied von al Qaida werden zu können.

Der Gefangene wird noch nicht einmal festgehalten, weil er selbst daran glaubt al Qaida Mitglied zu sein, oder weil er sich aus Gewissensgründen, aus ideologischen Gründen oder wegen einer Weltsicht zu al Qaida zugehörig fühlt. Dem Gefangenen wird weiterhin nicht unterstellt, in irgendeiner Weise in die Anschläge verwickelt zu sein, und dass er außerdem weder an der Planung noch an der Ausführung der Anschläge auf die Botschaft 1998 (im Sudan), noch am 11. September 2001 beteiligt gewesen sei. [7]

Der ehemals gefürchtete „chief of operations“ hatte anscheinend doch nichts mit al Qaida zu tun. Je genauer wir hinsehen, desto weniger internationale al Qaida bleibt übrig und desto mehr nationalistische oder religiöse, aber nichtsdestotrotz gelenkte, extremistische Abpaltungsparteien werden im Rückblick sichtbar.

Neue Realitäten

So geht Politik: Indem man einen passenden Begriff schafft und die Deutungshoheit darüber übernimmt. In der Entwicklung des Begriffes „internationaler Terrorismus“, von der Konzeptvorstellung bis zur Anwendung als politische Vernichtungswaffe, sehen wir ein exzellentes Beispiel dafür, wie von einflussreichen Kreisen neue Realitäten erschaffen werden.

Karl Rove, war unter anderem Berater bei Präsident George W. Bush. Am 17. Oktober 2004 erklärte er im Magazin der New York Times:

Wir sind gegenwärtig ein Imperium, und wenn wir handeln, schaffen wir unsere eigene Realität. Und während ihr diese Realität studiert- bis ins Kleinste, sofern euch das gelingt- handeln wir schon wieder und schaffen weitere neue Realitäten, die ihr wiederum studieren könnt, und das ist die Art und Weise, in der die Dinge ablaufen. Wir sind die Akteure der Geschichte … und ihr, ihr alle, werdet immer bloß dabei stehenbleiben, zu studieren, was wir tun.

Hippokrasie vom Feinsten

Die in den USA ausgebildeten Guerilla-Kämpfer und mit einer Art Extrem-Religiösitat geimpfte, impotente, sadistische Männergruppe, die sich in den 90er Jahren als Massenmörder auszeichnen würden, wurden als „Rebellen“ und „Freiheitskämpfer“ bezeichnet.

Osama Bin Laden war zu Beginn seines Auftrittes in Afghanistan nicht besonders einflussreich oder bedeutend. Al Quaeda hat zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Mythos, gar nicht existiert, Osama wurde publizistisch zum Super-Terroristen aufgebaut. (Englisch)

Wie anders hätte man die Finanzierung von offensichtlichen Terroristen rechtfertigen können, wenn man doch gleichzeitig darauf bedacht war, den Kampf gegen den „internationalen Terrorismus“ voranzutreiben? Hypokrasie …

Die Sage von Tora Bora

Nach einer Version der Geschichte soll Bin Laden Baugerät der Firma seines Vaters ins Land geholt haben, um damit die bereits vorhandenen gigantischen Tunnelanlagen weiter auszubauen. Ab ca. 1982 soll OBL Straßen und Lagerhäuser in dem Multi-Milliarden-Höhlensystem gebaut haben, bekannt als der Tora Bora Komplex.

Mit Hilfe von CIA-Geldern erbaut sollte die Anlage als Lebensmittel- und Waffendepot und als medizinisches Versorgungszentrum dienen. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, wie die CIA, Bin Laden und die Mudschahideen unter den Augen der sowjetischen Besatzung dieses milliardenschwere Projekt überhaupt bewerkstelligt haben wollen.

Hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen …

Tief unter den Bergen nahe der pakistanischen Grenze gelegen und wenn man der damaligen Presse Glauben schenken wollte, uneinnehmbar, lag die Höhlenfestung Tora Bora. Allenfalls Gift oder eine Atombombe könnte Osama mit seinen hunderten, wenn nicht tausenden von zum Selbstmord bereiten Kämpfern aus den Höhlen herausholen. Usw… Glauben Sie es?

Times of London – November 29th, 2001

Im November 2001 erschien in der Times of London folgende Darstellung des Tora Bora Höhlenkomplexes.

Die Story beruht einzig auf den Angaben eines russischen Ex-Soldaten, der während seiner Dienstzeit in Afghanistan einen ausgeklügelten Höhlenkomplex in Zawar gesehen haben will. Dieser Komplex beinhaltete seinen Angaben zufolge: ein Hotel, eine Moschee, ein Krankenhaus mit einem Ultraschallgerät, eine Bücherei, Waffen, eine Abteilung mit einem voll funktionsfähigen Panzer …Alles tip-top in Ordnung. Diese Geschichte wurde zuerst in der New York Times ausgegraben.

Die Festung

Am 29. November 2001 stand darin außerdem zu lesen, dass Osama Bin Laden diese erstaunliche Anlage noch zusätzlich ausgebaut haben soll. Die Geschichte wurde in Folge in den verschiedensten Blättern immer weiter aufgebauscht, bis schließlich nur noch ein Atomschlag Osama und seine Mannen aus den Höhlen hätte herausholen können. Der kleine Fehler: In der urspünglichen Geschichte geht es um einen ganz anderen Berg.

In einem Interview auf NBC´s Meet the Press setzte Donald Rumsfeld (nach einem Blick auf die Zeichnung oben) dem Ganzen am 2. Dezember noch die Krone auf, indem er verkündete, dass es gleich mehrere dieser Systeme gäbe, ja in der ganzen Welt wäre das nun gang und gäbe, Tunnel zu bauen. Das Equipment für Tunnelbau wäre heutzutage sehr effektiv, fügte er hinzu.

Da können sich die Schweizer Tunnelbauer-Weltmeister und die Nazis glatt noch eine Scheibe abschneiden!

Tunnelbohrmaschinen sind heute günstiger als früher?

Tunnelbohrmaschine im Einsatz

Mein lieber Scholli, alle Welt war beeindruckt von den unglaublichen Fähigkeiten des Osama Bin Laden. Im Dezember 2001 ist er so gut wie umzingelt, Tora Bora wird bombardiert, doch es gelingt ihm wundersamerweise die Flucht.

Showtime in Tora Bora

Quelle: Wiki – „Big Daisy“ im Einsatz in den Bergen von Tora Bora

In einem von John F. Kerry geschriebenen Bericht zur Aufarbeitung der Affäre Bin Laden, heißt es an einer Stelle, dass sich weniger als 100 Marinetruppen in der Gegend von Tora Bora befanden, plus afghanische Milizen; an anderer Stelle war zu vernehmen, dass nur 40 Marines + einige britische SAS-Truppen vor Ort waren. Das Oberkommando verließ sich darauf den Berg zu bombardieren, z.B. am 12. Dezember 2001 mit der 15.000 Pfund schweren „Big Daisy“ Cutterbombe (siehe Bild oben). [8]

Anfragen von Militärs nach mehr Truppen wurden vom Oberkommando mehrmals abschlägig beschieden, was sich deckt mit der Serie von Pleiten, Pannen und Verzögerungen, die 1995 begannen, als OBL erstmals auf der Fahndungsliste des FBIs auftauchte. Wiederholte Male boten Staaten an, Osama Bin Laden auszuliefern, doch das amerikanische Außenministerium und die CIA winkten ab. Ab 1996 versuchten die USA OBL angeblich ernsthaft zu lokalisieren, doch es gelang ihnen nicht. In 60 Ländern werden zu diesem Zeitpunkt schon Al-Qaida Zellen vermutet.

Noch am 4. September 2001 schloß CIA-Direktor George Tenet den Einsatz von bewaffneten Predator-Drohnen zwecks Liquidierung von OBL kategorisch aus. [Nafeez, The War on Truth]. Lt. CBS-Abendnachrichten vom 28. Januar 2002 unterzog sich der schwerkranke Bin Laden noch am Vorabend des 11. September in einem Krankenhaus in Rawalpindi, Pakistan, einer Dialysebehandlung.

Im Prinzip sollte man in Bezug auf Höhlen, die einen Ausgang haben, der groß genug für ein Fahrzeug ist, folgende Aktion erwarten …

oder so …

Eine B-52 fliegt am Himmel, am Berg gegenüber steigen mächtige Explosionswolken empor. Wahrscheinlich werden irgendwo dort Taliban vermutet. In diesem Gebiet, das ziemlich groß ist, halten sich auch etwa 100 Marines + afghanisches Hilfspersonal bereit, um die wahnsinnig gut ausgerüsteten Taliban in ihren Höhlen (mitsamt Krankenhäusern, Bibliothek und Whirlpool) anzugreifen.

Ein paar Wochen nach diesem Interview besetzten die US-Truppen und ihre afghanischen Alliierten Tora Bora. Sie suchten den Berg und die ganze Umgebung peinlichst genau ab und sie fanden – NICHTS! [9]

Sieht dieser Höhleneingang so aus, als könnte da ein Panzer durchfahren?
Hier kommt man auch nur hin, wenn man gut zu Fuß ist

Entweder war alles zerbombt worden, oder es gab kein solches Höhlensystem, jedenfalls keins, das über ein mit Ultraschallschallgeräten ausgerüstetes Krankenhaus und den anderen Schnick-Schnack verfügte.

In einem Interview mit PBS, beschrieb ein Staff Sergeant der U.S. Special Forces Operational Detachment Alpha (ODA) 572 die Höhlen:[10]

Again, with the caves, they weren’t these crazy mazes or labyrinths of caves that they described. Most of them were natural caves. Some were supported with some pieces of wood maybe about the size of a 10-foot by 24-foot room, at the largest. They weren’t real big. I know they made a spectacle out of that, and how are we going to be able to get into them? We worried about that too, because we see all these reports. Then it turns out, when you actually go up there, there’s really just small bunkers, and a lot of different ammo storage is up there. – Jeff, Staff Sgt. ODA 572

„Noch mal, die Höhlen, es waren nicht diese verrückten Irrgärten oder Höhlenlabyrinthe, die beschrieben wurden. Die meisten davon waren natürliche Höhlen. Einige wurden durch Holzbalken unterstützt und die Größten waren zwischen 3 und 4 Meter breit und 8 Meter lang. Sie waren nicht besonders groß. Ich weiß, sie machten ein Spektakel daraus, und wie es uns möglich sein sollte hineinzukommen? Auch wir waren besorgt, weil wir all diese Berichte gesehen hatten. Dann, wenn Du tatsächlich da hinauf gehst, stellt sich heraus, dass es dort nur richtig kleine Bunker gibt, und einen Haufen verschiedene Munitionsbunker.“

Etwa zweihundert Kämpfer waren es letztendlich, die der Bomabardierung von Tora Bora in ihren Höhlen und Unterständen trotzten. Ob Bin Laden da war? Es spricht einiges dafür, aber kurz bevor es eng wurde, scheint er sich mitsamt seiner Truppe in ungefähr 1000 (!) Toyotas abgesetzt haben.

Etwa 1000 Toyotas mitsamt Osamas Kämpfern sollen, in der Nacht bevor die Bombenangriffe ernsthaft begannen (unbemerkt?) entkommen sein. Aus Kundus entkommen tausende Taliban per Luftbrücke! (Englisch)

Das Ende der Sowjet-Union

Als Michael Gorbatschow 1985 das Amt des KPdSU-Generalsekretärs antritt, plant er schon 7 Monate darauf den Abzug aus Afghanistan. 1989, nach 20 Jahren Einsatz in Afghanistan, Tausenden von Toten und Verletzten, hohen Ausgaben für die Truppen und  Zahlungen, die als Hilfe für das Land dienen sollen, aber in den Taschen der Oberen hängen bleiben, holt Gorbatschew die demoralisierten Truppen heim. Die Unterstützung und Aufrüstung der Mudschahideen durch die Amerikaner mit modernsten Waffen und amerikanischen Trainingscamps war nicht ohne Wirkung geblieben. Bald darauf fällt auch die Sowjet-Union. [11]

Bin Laden kehrt für zwei Jahre nach Saudi-Arabien zurück, während in Afghanistan, trotz des Abzugs der Besatzer, kein Frieden einkehrt.

Washington setzt weiter auf Mujahideen

Die hochaufgerüsteten War-Lords unterhielten nach wie vor Truppen und dachten gar nicht daran, ihren Einfluss und Status in Friedenszeiten wieder abzugeben. Washington setzte zunächst weiter auf die Mudjahideen und nahm eine ablehnende Haltung gegenüber den Angeboten und Konzessionen des noch von den Sowjets eingesetzten Mohammad Najibullah ein. Möglicherweise wurde mit dieser Haltung die beste Chance auf eine Beendigung des Bürgerkrieges vergeben.

Die Mujahideen wurden weiter von den USA unterstützt, wie ein Ex-CIA-Direktor für Operationen im Mittleren Osten, 1979 -1984 später zugibt:

„I question whether we should have continued on this momentum, this inertia of aiding the mujahideen after the Soviets had left. I think that was probably, in retrospect, a mistake,“ [12]

Ich frage mich, ob wir damit hätten fortfahren sollen, mit diesem Schwung, dieser Trägheit die Mujahideen zu unterstützen, nachdem die Sowjets das Land verlassen hatten. In der Rückschau betrachtet denke ich, dass es wahrscheinlich ein Fehler war“ sagte er. Der Effekt dieser Politik war, die Zerstörung des Landes zu verlängern und zu vertiefen.

Durch die riesige Menge an Waffen und Munition, über die sowohl die von den Sowjets gestützten Parteien als auch die der amerikanischen Verbündeten verfügten, nahmen die Kämpfe zwischen den afghanischen War-Lords kein Ende.

Als Boris Yeltsin 1991 in der Sowjet-Union an die Macht kam, beendete er die Unterstützung der Regierung in Kabul, was etliche von Nadjibullahs Anhängern dazu bewog zu den Mujahideen oder den erstarkenden Taliban überzulaufen.

Kurz darauf, 3 Jahre nach dem Abzug der Sowjets, wird er 1992 aus dem Amt gejagt, 1996 von den Taliban mißhandelt und anschließend erschossen.

Die Taliban

Anfang der 90er Jahre existieren die Taliban als politische oder militärische Fraktion noch nicht. Die Vertreter dieser extremeren Form des religiösen Faschismus formierten sich erst in den kommenden Jahren als neue Kraft. Sie rekrutierten ihre Kämpfer zu einem großen Anteil aus Koranschulen, die von reichen Saudis finanziert werden. Wie wir nun wissen bemühten sich auch die USA in den 80er Jahren redlich, die Islamisten zu unterstützen, weswegen die Entwicklung nicht verwundert.

Zwischen 1992 und 1996 wurden von allen afghanischen Kriegs-Parteien die schlimmsten Verbrechen verübt, insbesondere von der Nord-Allianz. Die Hauptstadt Kabul befand sich in einem Belagerungzustand und lag in Trümmern. Die von den USA weiterhin unterstützten Mujahideen beschossen die Stadt wahllos mit Raketen und Granaten, 50.000 Todesopfer waren die Folge. Die Regierung in Kabul verlor den letzten Rückhalt nachdem die Unterstützung der Sowjetunion nach dem 1. Januar 1992 ausblieb, das Land befand sich in einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg.

Bild Wiki  (Grün – Einflussgebiet der Taliban 1996)

Schließlich wurden die Taliban, mittlerweile dank der Psycho-Taktik der USA und der finanziellen Hilfe der Golfstaaten genügend religiös radikalisiert ins Amt gehievt. Als erste Amtshandlung mißhandelten und töteten sie den ehemaligen Präsidenten Nadjibullah. 1996 kontrollierten sie beinahe ganz Afghanistan.

Die Taliban wurden anfänglich von den USA unterstützt, weil sie versprachen Ansprechpartner in Sachen Pipeline von Turkmenistan nach Pakistan zu sein.

Im selben Jahr kehrte Bin Laden auf der Suche nach einem sicheren Hafen nach Afghanistan zurück und landet im Mai 1996 in Jalalabad. Jalalabad liegt, strategisch günstig, gerade einmal 3 Stunden Fahrzeit vom pakistanischen Peschawar entfernt, in dessen Krankenhaus sich Bin Laden wegen seiner Nieren behandeln ließ.

Taliban bei der Arbeit

Als die Taliban die Stadt von den Mujahideen zurückeroberten, stellen sie OBL vor die Wahl, sich ihnen entweder anzuschließen oder das Land zu verlassen. Er entschied sich für ersteres, doch scheint die Frömmelei der Taliban bei OBL gut angekommen zu sein.

Bin Ladens Netzwerk überdauert ihn

Neben dem vorgeblichen Kampf gegen den Kommunismus und den internationalen Terrorismus wurden von den USA gleichzeitig extreme religiöse Fundamentalisten gebilligt.

Die Miene zum bösen Spiel blieb indes genauso lange gut, wie die Taliban das amerikanische Spiel mitspielten. Als sie begannen ihr eigenes Spiel zu treiben, und völlig unrealistische Lizenzforderungen zu stellen wagten, unterschrieben sie ihr Todesurteil. Schon 1998 standen die Pläne für die Besatzung Afghanistans anscheinend fest. Nur einen Monat nachdem die Twin Towers gefallen waren, regnete es Bomben über Afghanistan.

NBC Bericht über die Bombardierung Afghanistan vom 7. Oktober 2001. Bin Laden bequemt sich endlich, mit drohendem Zeigefinger zu sagen „Amerika wird nicht zur Ruhe kommen“. Die Aussage könnte eine Prophezeiung gewesen sein.

Man beachte: Laut offizieller Logik wurde nicht etwa Afghanistan angegriffen, mit dem man sich ja nicht im Krieg befand, sondern die „internationalen Terroristen“, die sich in Afghanistan versteckt hielten. Über die Einordnung wurde es möglich gemacht, ein Land anzugreifen, ohne den Krieg erklären zu müssen! Die JCIT-Konferenz von Jerusalem hatte den Weg bereitet für diese imperiale Form von amerikanischer Außenpolitik in der post-sowjetischen Ära.

Das Netzwerk jedoch, das viele, internationale radikale Moslems finanzierte und logistisch unterstützte, war durch die Anstrengungen der CIA, des pakistanischen Geheimdienstes ISI, dem Geld reicher fundamentalistischer Saudis in Zusammenarbeit mit Osama bin Laden während der sowjetischen Besatzungszeit in Afghanistan ausgelegt worden und konnte seitdem stets neu zur Schwächung nationaler oder linksradikaler Parteien und Regierungen in der gesamten arabischen Welt verwendet werden.

Diejenigen, die mit dem Töten von religiösen Feinden ihr Geld verdienten und dabei ihr Selbstwertgefühl aufbesserten, waren nur kurze Zeit arbeitslos. Denn es gab immer irgendwo einen Krieg für eine gerechte Sache zu kämpfen.

Wenn nur der Lohn stimmt.

Zwischen 1992 und 1995 assistierte das Pentagon beispielsweise tausenden arabisch-afghanischen Mudschahideen dabei, von Zentralasien nach Bosnien zu gelangen, um dort bosnische Moslems gegen die Serben zu unterstützen. [O´Neill, Brandon, „How we trained Al Qa´eda“, Spectator, September 2003] Das Ganze erinnert schwer an Wanderarbeiter, die saisonbedingt zu ihrer nächsten Baustelle ziehen.

Nachdem Osama bin Laden 2009 dann – auch offiziell – sein Grab beziehen konnte, bedurfte es dringend einer Nachfolgeorganisation für Al Quaeda, eine noch abschreckendere Realität musste her. Der vermeintliche Zerstörer der Twin Towers, Osama bin Laden, hatte seinen Schrecken für die Öffentlichkeit ohnehin schon fast verloren.

Heute werden Sie ISIS genannt!

Osama ist unschuldig (an 9/11)

Ach ja, Bin Laden lebte mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht länger als bis zum Jahr 2001 oder 2002. Möglicherweise starb er tatsächlich in einer Höhle. Der Beweis? Nach 2002 tauchten nur noch gefälschte Osama Bin Laden Videos auf und auch Tonbänder, die angeblich von Bin Laden besprochen waren, wurden aufgrund von Sprachanalysen als gefälscht identifiziert.

Osama Bin Laden verkörperte den Gipfel der Strategie Brzezinkis und von George Bush Sr. Der internationale radikale Polit-Islam hatte mit OBL ein berühmtes Gesicht. Eigentlich durfte Osama gar nicht sterben. Denn – wenn es ihn nicht gegeben hätte, hätte man ihn erfinden müssen! schrieb der Guardian einmal.

Osama hat ursprünglich nicht zugegeben, dass er an den Anschlägen am 11. September 2001 beteiligt gewesen ist und er stand wegen dieser Sache auch nie auf der Fahndungsliste des FBI. Stattdessen stand in einer Zeitung vom 22. September zu lesen:

„I was not involved in the September 11 attacks in the United States …
„I was not involved in the September 11 attacks in the United States nor did I have knowledge of the attacks. There exists a government within a government within the United States. The United States should try to trace the perpetrators of these attacks within itself; to the people who want to make the present century a century of conflict between Islam and Christianity. That secret government must be asked as to who carried out the attacks…. The American system is totally in the control of the Jews, whose first priority is Israel, not the United States … I have already said that we are not hostile to the United States. We are against the system, which makes other nations slaves of the United States, or forces them to mortgage their political and economic freedom.“

Ich war nicht in die Anschläge vom 11. September verwickelt und ich hatte auch kein Wissen über die Anschläge. Es gibt eine Regierung innerhalb der Regierung der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sollten die Täter in ihren eigenen Reihen suchen; bei den Leuten, die das gegenwärtige Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Konflikts zwischen Islam und Christentum machen wollen. Jene geheime Regierung muss man fragen, wer die Anschläge ausgeführt hat … Das amerikanische System ist total unter Kontrolle der Juden, deren oberste Priorität Israel ist, nicht die Vereinigten Staaten … Ich habe es schon einmal gesagt, dass wir nicht feindselig gegenüber den Vereinigten Staaten eingestellt sind. Wir sind gegen das System, das andere Nationen zu Sklaven der Vereinigten Staaten macht, oder sie zwingt, ihre politische und ökonomische Freiheit zu verpfänden.

Stellungnahme von Osama bin Laden am 22. September 2001 in der pakistanischen Zeitung ´Ummaut`. [13]

Dass er ein Unschuldslamm gewesen sein könnte, möchte ich an dieser Stelle einmal ausschließen. Doch ebenso wenig erschließt sich nach Sichtung etlicher Belege, dass Osama Bin Laden, der Mastermind der Attentate vom 11. September 2001 gewesen sein soll. Es ist gut möglich, dass er in bestimmtem Umfang eingeweiht darüber war, dass er im Falle eines Terror-Anschlages zum Sündenbock gemacht werden würde. Vielleicht wußte er auch, wann der Anschlag stattfinden würde.

Doch dann bekam er möglicherweise kalte Füße, vielleicht hatten selbst ihn die Bilder vom 11. September 2001 schockiert. Wer auch immer dahintersteckt, Osama und seine 19 Räuber konnten die Anschläge keinesfalls ohne die Hilfe von äußerst hochgestellten US-Beamten und Militärs und/oder Geheimdiensten durchführen, wie in 9/11 für Dummies im Schnelldurchlauf erklärt wird.

Eines scheint indes belegt zu sein- er hatte zwischen dem 4. Juli und 14. Juli 2001, gerade einmal 2 Monate vor den Anschlägen, noch Besuch von der CIA.  In dieser Zeit war er, während er sich in Dubai zur Behandlung seines Nierenleidens in einem Krankenhaus zur Behandlung befand, vom örtlichen Leiter der  CIA besucht worden, berichtet der PHI-Auslandsnachrichtendienst am 19. März 2004. [Nafeez. M. Ahmed, The War on Truth, S. 92]

Zusammenfassung

Obwohl es aus dem bisher Geschriebenen nicht hervorgeht und reine Spekulation ist – ist es so undenkbar, dass auf dieser Jerusalemer Konferenz schon an die Zukunft gedacht wurde, an eine Zeit nach dem Kalten Krieg, wenn die Gefahr des Kommunismus verbannt und die Sowjet-Union Geschichte wäre?

Es muss vermutet werden, dass eingeweihten Geheimdienstkreisen (den Israelis) 1979 bekannt war, auf welch tönernen Füßen die Sowjet-Union schon damals stand, dieser Umstand aber vor der Öffentlichkeit verborgen blieb. Hätte die USA die Sowjet-Union nicht immer mal wieder gestützt, mit Weizen, Geld und Know-How, wäre der Vielvölkerstaat schon wesentlich früher zusammengebrochen.

Von Seiten der USA und ihrer Verbündeten wurde unterdessen bis zuletzt Hochrüstung betrieben wurde, was das Zeug hält. Ein Ende des unflexiblen Vielvölkerstaates war für informierte Kreise, von denen es bei der Konferenz des JCIT bekanntlich einige gab, abzusehen. Es galt bereits die Pfründe für das post-sowjetische Zeitalter abzustecken, in der natürlich die USA die Nr. 1 sein sollten. Und das möglichst dauerhaft.

Deswegen war der Kampf gegen die Sowjet-Union wenigstens für die Israelis von Anfang an zweitrangig. Mit dem Konzept des „Internationalen Internationalismus“ wurde für eine post-sowjetische Zeit vorausgeplant, in welcher der Abschreckungsapparat nicht mehr für den Kampf gegen den Kommunismus benötigt werden würde.

Wenn Mossad und CIA „kooperieren“ …

Aus der neuen Zusammenarbeit im Kampf gegen den „Internationalen Terrorismus“ ergaben sich für Israel praktisch nur Vorteile. Die Amerikaner bekamen ein nützliches Werkzeug in die Hand, um in Zukunft jeder Zeit einen imperialistischen Kurs rechtfertigen zu können.

Am 8. Dezember 2002 präsentierte Palästinas Minister für Planung und internationale Zusammenarbeit Nabil Shbak der Öffentlichkeit Beweise dafür, dass Israels Geheimdienst eine „Al-Qaida“-Zelle im Gazastreifen „geplant, aufgebaut und finanziert“ hat. Nach Shbaks Angaben waren in den letzten 9 Monaten 8 Versuche aufgedeckt worden, Palästinenser für „Al-Qaida“ anzuwerben.

Der Palästinenserbehörde gelang es schließlich, E-Mails und Telefonate der Anwerber zurückzuverfolgen. Sämtliche Verbindungen gingen auf das Herkunftsland Israel zurück. [PHI-Deutschlanddienst, 31. Dezember 2002, S. 10 f.]

In Israel waren JCIT-Teilnehmer und Außenminister Benjamin Netanyahu und Ex-Terrorist Ariel Sharon als Premier-Minister zu dieser Zeit in der israelischen Regierung. Nethanyahu wird in dieser Zeit auch nicht müde vor den Gefahren von Saddams Massenvernichtungswaffen und deren Verbreitung unter Terroristen zu warnen. Am 12. September 2002 sagte er vor dem House Committee on Oversight and Government Reform:

„And make no mistake about it — if and once Saddam has nuclear weapons, the terror networks will have nuclear weapons.[14]

[…] – wenn und sobald Saddam Nuklarwaffen hat, werden die Terror-Netzwerke Nuklearwaffen haben.

Schon lange fragte ich mich, wieso ISIS, das im Nachbarland Syrien so überaus aktiv war, keinen einzigen Versuch unternahm, den angeblichen Erzfeind Israel einen Schlag zu versetzen. Es scheint, als würden sich die USA, Saudi-Arabien und Israel hier gegenseitig den Ball zuzuspielen, welcher der selbst erzeugte und am Leben erhaltene „internationale Terrorismus“ ist.

Internationaler Terrorismus als Werkzeug globaler Machtansprüche

An dieser Stelle könnten sich naive Leute wie ich einige Fragen stellen. Z.B.: Welche Berechtigung haben Geheimdienste in einer freien Welt? Wie können die interessierten Kreise ihre Interessen in einer friedlichen Welt überhaupt noch durchsetzen?

Krieg ist ein essentielles Werkzeug jeglicher Elite, um den Profit anzukurbeln und geopolitische Machtansprüche durchzusetzen.

Solange eine Abschreckungsdoktrin herrscht, wobei es egal ist, wer der schreckliche Feind ist, Hauptsache er ist schrecklich genug, solange gibt es eine Berechtigung für Geheimdienste, Militär und wichtige internationale Politik. Solange es eine äußere Bedrohung gibt, schaut niemand auf die Rolle unseres Finanzsystems, auf die Rüstungsindustrie, kurz gesagt: Läßt sich das Volk lenken.

Brzezinski Doktrin erschuf eine neue Realität.

Israel hatte mit Hilfe der Beschlüsse des JCIT, basierend auf der neuen Ideologie des „internationalen Terrorismus“

  • eine ideologische Handhabe um gegen seine eigenen, hausgemachten Terroristen vorzugehen,
  • die Möglichkeit auf Geheimdienstressourcen der Amerikaner zurückzugreifen und
  • über die Involvierung der USA (wo unter dem Vorwand des Anti-Kommunismus eigene Interessen verfolgt wurden), einen Hebel, um mittels der „Internationalen Terrorismus“-Karte entscheidend in die arabische Politik eingreifen zu können.

Die USA erhielten über die Beschlüsse des JCIT ein weiteres Instrument in ihrem Arsenal von Waffen zur Beeinflussung der Öffentlichkeit in die Hand. Durch die Einführung eines gewollt manipulativen Begriffs und der Deutungshoheit über diese Angelegenheit, durch die Medien zwecks Gleichschaltung ins öffentliche Bewusstsein gespült, konnten einer unerwünschten politischen Gruppierung fortan jederzeit terroristische Akte untergeschoben werden, die man notfalls auch selbst produzieren konnte.

Oder aber es konnte den Opponenten die Unterstützung einer internationalen Terror-Gruppe untergeschoben werden, um politische oder militärische Schritte gegen ein unerwünschtes Land zu ergreifen.

Alles klar für 9/11

Bis zum Antritt von George W. Bush und den Ereignissen vom 11. September 2001 war das psychologische Setting vorbereitet. Das Schweizer Taschenmesser für alle Fälle von unliebsamen politischen Gegnern war bereit, ebenso Osama als Gesicht des neuen „Internationalen Terrorismus“ und Sündenbock.

Mit der Deutungshoheit über den Begriff des „Internationalen Terrorismus“, in der alle Fälle von Terrorismus nur dann Terrorismus waren, wenn sie gegen die Interessen der USA verstießen, war der Weg frei für einen zukünftigen post-imperialen Kurs interessierter westlicher Kreise. Zehn Jahre nach der Auflösung der Sowjet-Union war die Bühne frei für eine neue schreckliche Bedrohung.

Al-Quadea war die Rechtfertigung, um Afghanistan unter Kontrolle zu bringen. Kaum waren die Taliban in Afghanistan besiegt, spricht Präsident George W. Bush in einer Rede vom 28. Januar 2003  von Beweisen der Nachrichtendienste, geheimen Gesprächen und Aussagen von in Gewahrsam genommenen Personen, die enthüllen würden, dass Saddam Hussein Terroristen hilft und beschützt, darunter auch Al-Qaeda Anhänger.

Am 5. Februar 2003 legt Collin Powell nach und berichtet von einem mörderischen vom Irak beherbergten Terroristen namens Musad al Zarkawi, welcher mit Osama bin Laden kooperieren würde. Das war Rechtfertigung genug, um in den Irak einzumarschieren.

Bin Laden 2004, eins seiner vielen neuen Gesichter nach 2002.

Kleiner Schönheitsfehler: Abu Musaf Zarkawi war, wie ein Untersuchungsausschuss des US-Senats bestätigte, weder ein Al-Qaeda-Mitglied noch hatte er Verbindungen zu Saddam Hussein. Zarkawi hatte es sogar mehrmals abgelehnt sich Osama Bin Laden anzuschließen, hatte aber seine eigene kämpfende und überaus brutal vorgehende Truppe. 2006 wurde Zarkawi bei einem Luftschlag getötet.

Der lybische Präsidente Gaddafi wurde als nächster Unterstützer des „internationalen Terrorismus“ ausgeschaltet.

Das Konzept des „internationalen Terrorismus“ erwies sich für die Initiatoren des Begriffs und interessierte Kreise als eine, wie man so schön sagt, Win-Win-Situation. Es sieht ganz danach aus, als wäre in den Jahren seit der JCIT-Konferenz in Jerusalem seitens interessierter westlicher Kreise alles dafür getan worden, um den internationalen Terrorismus zur anerkannten Gefahr hochzustilisieren, woraus schließlich die Berechtigung amerikanischer Präsidenten erwuchs, Drohnenschläge in Ländern durchzuführen, mit denen man sich offiziell nicht im Krieg befand.

Hypokrasie

Zbignew Brzezinski scheint der Architekt der Strategie zu sein, welcher mit Hilfe der Schürung religiöser Konflikte die Spannungen im gesamten Mittleren Osten anfachen und die Sowjet-Union über die Stärkung radikaler religiöser Gruppierungen von innen her schwächen wollte. Er ist der westliche Geburtshelfer eines neuen, radikalen politischen Islam. Vielleicht brachte ihn das Erstarken der Muslimbruderschaft Mitte der 70er Jahre in Ägypten auf die Idee.

Eigentlich gebührt dieser 1928 gegründeten Bruderschaft die Ehre Begründer des Islam als politische Bewegung zu sein. Nach der Niederlage der arabischen Staaten gegen Israel 1967, begann der Islamismus in Ägypten eine größere Rolle zu spielen. Viele Anhänger der Muslimbrüderschaft wurden um 1980 herum in einer Verhaftungswelle eingesperrt und gefoltert. Als sie entlassen wurden, verstreuten sie sich in alle Winde, z.B. nach Saudi-Arabien, wo Bin Laden auf sie trifft.

Während der Amtszeit Jimmi Carters wird eine besondere White House Iran Task Force eingerichtet, welche empfahl, die Unterstützung des Schahs von Persien fallen zu lassen und fortan die radikale islamistische Opposition zu unterstützen. Unter Ronald Reagan wird diese Politik im Prinzip fortgesetzt.

Islamismus außer Kontrolle?

Mit der fortgesetzten Unterstützung der Mujahideen auch nach dem Abzug der sowjetischen Truppen hat Amerika eine historische Chance vertan, das Leiden in Afghanistan zu verkürzen und das Land friedlich wieder aufzubauen.

Das Netzwerk, das Osama Bin Laden in den 1980er Jahren aufgebaut hat, um moslemische Kämpfer nach Afghanistan zu holen, die anfangs auf der Seite der Mudjahideen gegen die russische Besatzung kämpften und später teilweise in den Taliban aufgingen, ist die Keimzelle jenes „internationalen Terrorismus“, der vorgeblich bei der JCIT-Konferenz in Jerusalem von Israel und den USA bekämpft werden sollte. Manche Kämpfer kehrten nach dem Abzug der Sowjets in ihre Heimatländer zurück und begannen ihren eigenen Jihad.

Im Namen des Islam wurde indes gleichzeitig an einem Netzwerk gebastelt, das erst zu Al-Quaeda und später als ISIS bekannt wurde, und nun angeblich wieder bekämpft wird. Jedenfalls dort, wo es den interessierten Parteien, die immer noch Zugriff auf das Netzwerk haben, gerade genehm ist.

Nach den Angriffen vom 11. September 2001 wurde der Radikalisierung der moslemischen Welt durch die amerikanische Außenpolitik noch weiter Vorschub geleistet. Die Bombardierung Afghanistans, der Einmarsch in den Irak und weitere Beispiele sprechen die Sprache Brzezinskis, dessen Plan die Sowjet-Union zu zerstören, ein gefährliches Eigenleben entwickelte oder vielleicht schon von vorneherein dazu gedacht war, die Peitsche auch nach dem Ende des Kalten Krieges noch in der Hand zu haben.

Al-Qaeda und andere terroristische islamische Gruppierungen erhielten nach dem amerikanischen Einmarsch im Irak großen Zulauf. Osama bin Laden, ob er nun tot war nach 2001 oder nicht, und andere seinesgleichen hatten die nicht völlig unrealistische Vorstellung, die USA in arabischen Ländern wie Afghanistan oder Irak in einen Krieg hineinziehen zu können, durch welchen die einheimische arabische Bevölkerung gegen die USA aufgebracht werden, und die USA in einem langen aufreibenden Krieg ebenso ausbluten würde wie einst die Sowjet-Union. Im Kampf gegen den amerikanischen Aggressor würden die islamischen Staaten zu einem islamischen Reich verschmelzen.

OBL, der perfekte Buhmann

Vielleicht war OBL vor 1989 mit dem Segen und dem Auftrag der CIA, des saudischen und des pakistanischen Geheimdienstes in Afghanistan unterwegs. Aber hat er die Anschläge vom 11. September geplant?

Und wenn – konnte er die Entführungen wirklich aus seiner Höhle heraus so perfekt steuern und ohne Unterstützung von Geheimdiensten durchziehen?

Viel eher scheinen die Umstände darauf hinzudeuten, dass er die ideale Besetzung des Superschurken war, eine passende Personifizierung des „Internationalen Terrorismus“ war, einer dem man Alles andichten konnte. Ein Sündenbock, der nur allzu gut in die Pläne derjenigen passte, welche an einer unangefochtenen Vormachtstellung der USA interessiert waren.

Als absehbar wurde, dass der „Kalte Krieg“ zu einem baldigen Ende kommen würde, wurde mit der Einführung des „internationalen Terrorismus“, als Ersatz für das entstehende Vakuum, ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Kriege wurden spätestens seit dem 2. Weltkrieg oder dem Korea-Krieg, nicht mehr ausschließlich auf dem Schlachtfeld gewonnen, sondern über die Kontrolle der Medien und Propaganda.

Der internationale Terrorismus löste die Sowjetunion und den Kommunismus als größte Gefahr übergangslos ab. Und obwohl Politikern einiges unterstellt wird, nur selten gehört Dummheit dazu. Deswegen ist es nur realistisch anzunehmen, dass hinter dieser Synchronizität eine Absicht stand, welche die Handschrift von Brzezinski, dem CFR, einflußreichen internationalen Kreisen und natürlich von Israels zionistischen Regierungen trägt.

Heute wie damals steht der internationale Terrorismus in den Diensten der reichen Golfstaaten, der CIA und Israel, etc.., deren Schöpfung der politische Neo-Islam ist. Es sieht so aus, als hätten die Herren Brzezinski, Bush und Netanyahu der Welt eine Schimäre geschenkt, ohne die sie besser dastehen würde.

 Quellen

http://www.zeit.de/1978/19/umsturz-in-afghanistan

http://powerbase.info/index.php/Jonathan_Institute

https://www.gpo.gov/fdsys/pkg/CPRT-111SPRT53709/html/CPRT-111SPRT53709.htm

https://www.theguardian.com/commentisfree/cifamerica/2009/mar/30/guantanamo-abu-zubaydah-torture

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/motassadeq-urteil-hoechststrafe-und-doch-kein-schlussstrich-a-458468.html

https://www.theguardian.com/world/2011/sep/27/10-myths-about-afghanistan

http://jamesfetzer.blogspot.de/2011/05/osama-bin-laden-1957-2001.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Tora_Bora#cite_note-pbs-14

Nafeez Mossadegh Ahmed, “ The War on Truth“, Arris Books, 2005

Johannes Rothkranz, „Was am 11. September 2001 wirklich geschah, Band 1, 2008

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